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Der Israelit · 1922-04-11 · Heft 15-16 (11.4.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 15-16 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Nr. 15 u. 16 Der JSraeltt. II.April 1933 die wissenschaftliche Philosophie eines Mannes wie Rudolf Eucken. Auch hier wird ja in einer Reihe tiefdurchdachter Schöpfungen („Der Kamps um einen geistigen Lebensinhalt" ist das Hauptwerk des greisen Denkers) der Versuch unternommen, der ringenden Menschenseele zum mindesten die Gewißheit eines geistigen Weltengrundes, eins sinnvollen Weltgeschehens zu sichern. Aber grade wenn man die vorliegende kleine Schrift in einem Zuge durchlieft, gewinnt man doch, eben weil hier der weitgespannte Gedanken komplex von Euckens Hauptwerken zu einer Art von geistigem Resüms zusammengedränkt ist,, den Eindruck der Ergebnislosigkeit. Alles, was hier aus historischer Betrachtung — die Geschichte der Philosophie ist für Eucken die fast entscheidende Erkenntnisquelle — abstrahiert wird, gewinnt Beweiskraft, sobald die Uebrrzeugung vom göttlichen Sinne des Weltprozesses anderweitig feb steht — es schwebt tut Leeren — oder bleibt mindestens schwankende Hypothese — sobald es für sich selbst k in stehn soll. Eucken stellt schließlich dem Passiven Quietismus der indischen Religionen die sittliche Aktivität des Christentums als die höhere Wahrheit gegenüber, aber er meint damit nirbt das Christentum in seiner kirchlichen Fassung, sondern eine neue, bis heute nicht existierende Religion, die, wenn man auf den Grund geht, mehr jüdische als christliche Elemente enthalten würde. Grade die Anheimgabe der Welterlösung an die freie sittliche Tat jedes einzelnen Individuums, von dessen Entscheidung Weltenfthicksal abhängt, ist ein spezifisch jüdischer Gedanke, hinter dem die „Gnade" — ungeachtet ihres gesicherten religiösen Eigenwertes — zurückritt. So erscheint auch Euckens Leistung vor allem als Symptom für das Sehnen der Zeit bemerkenswert jenes Sehnen, das die Menschheit schließlich zu Gott und seiner Lehre führen wird. Lorrespondenren u. Nachrichten Deutsches Deich, vom bayrifrften KsnSlsg. München, 5. April. Im bayrischen Landtag hielt Ministerpräsident Graf Lerchenfeld eine großangelegte Rede staatspolitischer Natur, in der er mit kräftigen Worten der Treiben der Nationalsozialisten brandmarkt, deren Terrorismus sich die Regierung nicht gefallen lassen werde und die mit den Worten schloß: „Es kann heute kein größeres Verbrechen am Volke begangen werden, als die Leidenschaften aufzupe'ltschen. Die Regierung hat die Pflicht, alle Staatsbürger zu schützen, also auch die jüdischen Staatsbürger." lleberMrung jüSifcher Emigranten- Danzig, 23. März. In Rowno und anderen Gegenden Wolhyniens häufen sich die Flüchtlinge aus Rußland in gewaltigen Massen, die meisten mit dem Reiseziele nach Amerika. Die sanitären Verhältnisse sind aber dort so im Argen, daß die lange Uebergangszeit für die Emigranten unerträglich, ja zur Lebensgefahr wird. Aus diesen Gründen ist auf einer Konferenz im Lokal der „Hias" beschlossen worden, die Emigranten nach Danzig zu überführen, wo genügende Räume für die Wartezeit zur Verfügung stehen. Der Staat Danz'g legt der Ueberführung nichts in den Weg, die Hauptschwierigkett liegt in der Durchfahrt über Zentral-Litauen. Es sind nur jetzt Vonseiten der gewählten Kommission Verhandlungen mit Wilna nach Kowno eingeleitet worden, die hoffentlich zu einem guten Ende führen. Noten. ßolfiifdie Betferunasoerfudie- Warschau, 20. März. In ben „Polnischen Mitteilungen" lesen wir: Wie „Gazeta Warszawska" berichtet, hat die jüdische Gemeinde in Lublin ein Dankschreiben an den Ministerpräsidenten gerichtet, in welchem dieselbe ihre Genugtuung über die Aufhebung der letzten noch vorhandenen Beschränkungen aus der früheren russischen Zeit ausspricht. In dem Schreiben wird ferner gesagt, daß die jüdische Bevölkerung in diesem Vorgehen des Ministeriums eine Abkehr von der bisherigen Politik gegenüber der jüdischen Minderheit erblicke. Wenige Dinge haben denk internationen Renommee Polens so geschadet wie der Antisemitismus, der in den ersten Zeiten des Staates allerlei Giftblüten gezeitigt hat. Sollte sich jetzt darin ein endgültiger Wandel vollzogen haben, so wäre das im allgemeinen Kulturtnteresse wirklich zu begrüßen. Kettland. Sabbaf-Ruhe. Mga, 4. März. Um die hiesigen jüdischen Kaufleute an ihre Pflicht dem Sabbat gegenüber zu erinnern, wurde auf Veranlassung des Rabbtnates ein Verein „Schomre Schabbos" gegründet. Auf einer großen öffentlichen Versammlung zeigte es sich, daß der Wille zur Sabbatheiligung in der hiesigen Kaufmannschaft stärker ist, als man geglaubt hat. Man w«ll zur Maßnahme greifen, daß diejenigen, die öffentlich den Sabbat entweihen und jüdische Angestellte wegen ihrer Sabbarhaltung entlassen, aller Ehrenrechte in Gemeinde und Synagoge verlustig gehen. Personalien. Dieburg, 4. April. Am 1. April waren es 40 Jahre, daß Herr David Kaufmann in Dieburg als Lehrer und Kantor seines Amtes wallet. Aus diesem Grunde wurden dem «"verehrten Manne Ehrungen in großer Zahl zule l. Schon am Freitag erschien der Gesamtvorstand der Gemeinde und die von Freunden und Schülern des Jubilars gestiftete Ehrengabe zu überreichen, wofür Herr Kaufmann tief gerührt in Herzlichen Worten dankte. Am mt? ließen es sich die Gemeindemitglieder nicht nehmen, in edlem Wetteifer Mizwaus zu erstehen und ihrem treuen Lehrer durch Mischeberach aufmerksam zu sein. Herr Ledrer Möller aus Fulda — Schwager des Jubilars — vertrat die Stelle des Herrn Kaufmann und der erste Vorsteher, Herr A. M. Löb, hielt eine dem Tag enisprechende auf den Inhalt der Sidro sich stützende Ansprache, die ihre Wirkung auch nicht verfehlte. Herr Landesrabbtner Dr. Marx war aus dienstlichen Gründen verhindert, zu dem am Sonntag nachmittag stattgehabten Festakt zu erscheinen. Er ließ es sich aber nicht nehmen, Sonntag in aller F,ühe herüberzukommen und hielt am Schlüsse des Morgenaebetes in bekannter Meisterschaft eine Rede, in der er seine herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck brachte und ein getreues Bild des musterhafien Lehrers entwerfend, bezeichnete er Herrn Kaufmann als Vorbild für den jüdischen Lehrer, der dem ganzen Stande zur Ehre und Zierde gereiche? Am Sonntag nachmittag'4 Uhrf war der offizielle Festakt in der Synagoge, die bis zum letzten Platz überfüllt war. Der Jubilar wurde be° seinem Eintritt in das Goltesha-s, in dem plötzlich alle Lichter aufflammten und das mit Blumen und Blattpflanzen reich geschmückt war, durch das von Herrn Möller herrlich vvrgetragene Boruch Habo begrüßt. Alsdann ergriff der erste Vorsteher, Herr A. M. Löb, das Wort und schilderte in herzlichen und zutreffenden Worten den Werdegang des Jubilars, sein Wirken als Lehrer und Freund jedes Einzelnen in der Gemeinde und überbrachte die Grüße der Gemeinde, Herrn Kaufmann einen sonnigen, glücklichen Lebensabend im Kreise der Seinen wünschend. Hieraus überbrachte der Vertreter der Schulbehörde, Herr Schul'at Gun der loch, die Glückwünsche der Vorgesetzten Behörde. Auch dieser Redner rühmte die vorbildliche Pflichttreue, Wesendes Jubilars und seine wahrhaft herzlichen Worte machten auf die Versammlung tiefen Eindruck. Im Namen der Stadt Dieburg gratulierte Herr Beigeordneter Coy und betonte besonders, in welch' hohem Ansehen Herr Kaufmann in allen Schichten der Bevölkerung sich erfreue. Herr Oberlehrer Joses Kaufmann aus Frankfurt a. M. überbrachte als Neffe mit Ernst und Humor den Glückwunsch der Familie. Ein Solovortrag des Herrn Möller, sowie ein Knaben.Chor schloß sich an, man verrichtete dann das Mtnchogebet und ein von der Gemeinde gesungener Jsgadal beschloß die würdig verlaufene Feier, die allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. na» ny. London, 15. März. Der vor kurzem im jugendlichen Aller von 26 Jahren dahlngeschiedenc Mr. Bernhard Frost verdient es vermöge seiner Persönlichkeit und seines Wirkens, datz in diesen Blättern mit einigen Worten seiner gedacht werde. Der junge Mann gehörte zu den Gründern der Sinai.Liga und vertrat diesen Verband auch in dem Ausschuß der Vereinigung gesetzestreuer Juden Englands. Die aufopfernde Hingebung und der unermüdliche Eifer, den Frost allen jüdisch-orthodoxen Angelegenheiten zuwandte, wirkte vorbildlich und aneifernd auf den leider in Ergland noch immer nicht allzugroßen Kretö von Jünglingen, die weder in der Assimilation ihr Heil erblicken, noch der zionistischen Ablenkung von dem eigentlichen Ernst des grsetzesrreuen Judentums anhetmfallen. Der vorzeitige Tod des jugendlichen Arbeiters für Gott und sein Gesetz hat in allen Kreisen der konservativen englischen Judenheit UeseS Mitgefühl ausgelöst, das insbesondere auch den Eltern und Geschwistern des Heimgegangenen entgegengebracht wird. Möchten diese letzteren sich eifrig bemühen, die Lücke einigermaßen zu schließen, die der Tod hier gerissen hat. Paris, 19. März. Der jüdische Abgeordnete von Saloniki, Pepo Mal ach, der sich gegenwärtig in Parts befindet, ist telegraphisch nach Athen beiusen worden, um die Leitung des neugeschaffenen Finanzministerium zu übernehmen. Malach, dem zum zweiten Mal ein Ministeramt angeboren wird, gilt hier allgemein als bedeutender Volkswirtschafiler. Briefkasten. I. G. in London. Sendung ging an Mr. Neüies am 23. März ab. I. H. in O. Ob Oblila und Jesno gegenwärtig polnt ch oder lftauisch sind, können wir nicht mit ' Sicherheit feststellen. Wir empfehlen Ihnen, das Schreiben der Redaktion der jüdischen Zeitung „Jidisches Leben" in Kowno, Maironig—ve Postf. 36 einzusenden und um Beförderung zu btiten. F. ®. in E Die „Anfrage an Dr. Pick" hat beieiis in einer der letzten Nummern der Agudablätter ihre Beantwortung uno Erledigung gefunden. Durch ein Versehen des Setzers ist die Korrespondenz aus dem alten Satze noch einmal in die letzte Nummer mit ausgenommen worden. R. E in Hamburg. 1.18. Januar gleich 23. Teweth 5628 ) 2.13. April 1877 gleich 3Q. Nissan 5687; 3.14. Jan. 1900 gleich 14. Schewat 5660; 4.17. Februar 1901 gleich 28. Schewat 5661; 5. 28 Februar 1903 gleich 21. Adar l 5662; 6. 13 September 1906 gleich 33. Elul 5666; 7. 19. März 1908 gleich 16.Weadar 5668; 8. 30. Mai 1912 gleich 14. Siwan 5672. K S. in Scherweiler. Bis dato sind noch keine Offerten für Sie eingelaufen. Sollte dies noch der Fall sein, werden Ihnen solche sofort senden. Familiennachrichien. Geburten. Einen Sohn: Most Adler, geb. Plaut Baltimore. Sabbai-Mlang and Ausgang. . W&n raff- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrMn. 1U22 5683 Uhr Min. Frankfurt a. M. 6 45 15. 17. 8 05 Berlin .... — — April Nißan - — München . . . 6 15 7 44 Eöln. 6 60 8 16 Stnttgart ' ' 7 — 7 38 Breslau . - . 6 30 7 30 Nürnberg. . 6 45 7 49 7 06 8 06 Bon Hermann Struck, Berlin, dem Meister der so beliebten Radierkunst erscheinen soeben im Frankfurter Verlage L. Sänger zwei Radierungen. Die eine Radierung stellt den kürzlich Heimgegangenen Rektor des Berliner Rabbinerseminars, Herrn Pros. Dr. David Hoffmann s. A. dar. Sabbatanfang — eine Jüdin, die den Segensspruch über das entzündete Sabdatlicht spricht, stellt das zweite Bild, das den Titel „Ltchterseqen" trägt, dar. Von den Radierungen wurden für Kunstfreunde eine Vorzugsausgabe — je hundert Exemplare — hergeftellt, die der Künstler handschriftlich signierte. Außerdem wurde eine einfache Ausgabe hergestellt. Vor Jahresfrist erschienen im gleichen Berlage erstmalig Hermann Schwabs Kinderträume in einer hebräischen Ausgabe unter dem Titel „Chalaumoth Hajaldus". Schnell hat sich das kleine Büchlein den Markt erobert, sodaß die erste Auflage vergriffen ist. In wenigen Tagen wird eine Neuauflage erscheinen. „Schnipp-Schnapp" nennt sich ein jüdisches Quartettspiel, das Else Kleinmann entworfen hat und das soeben bet L. Sänger Verlag erscheint.

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