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Der Israelit · 1922-04-06 · Heft 14 (6.4.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 14 (6.4.1922)
Date
1922-04-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Sa J»rarttr. ftr. 14 Gehe 5 «. Mprll lflg* _ Me kinwanvenmg Ins tlellfge Land. Loudo«, 22. März. Im englischen Unterhaus wurde dieser Tage eine Statistik verlesen, die Auskunft darüber gibt, aus welchen Ländern die Wischen Einwanderer flammten, die innerhalb des letzten Jahres nach Palästina kamen. Danach stellt den Löwenanteil Polen mit 33 Prozent) es folgen Rußland mit 15 und die Ukrair e mit 11 Prozent. 10 Pro? zent der Einwanderer stammen aus Zentralasien, 5 aus Rumänien, 37a aus den britischen Gebieten und 3 aus den Bereinigten Staaten. Ter Rest von 19l/a Prozent verteilt sich aus andere Herkunftsländer. Kvankreiih. Sdiufs der mindert eiten Uaris- 29. März. Nach einer Meldung der „HavaL" wrd im Völkerbünde im Zusguimer hange mit den Verhandlungen über den Schutz der Minderheiten die Frage erwogen, spezielle Kommissare in die Länder zu entsenden, wo ansehnliche rationale Minderheiten. leben. Den Kommissaren obliegt es, dem Völkerbunde jährliche Berichte zu erstatten uns über einzelne Fälle von Entrechtung sofort zu informieren. Sollte diese Maßnahme in Funktion rieten, so wäre daraus auch einiger Segen für die jüdische Lage in den Ostländern zu erhoffen. Italien. Dom, 20. März. Der italienische König empfing Dr. Disegni, bisherigen Rabbiner von Verona, in Audienz, anläßlich der Berufung des letzteren als Oberrabbiner der sefardischen Gemeinde in Bukarest. Der König unterhielt sich mit dem Rabbiner über die Lage der Juden in Italien, die Judenfrage in Raw änien und bekundete besonderes Interesse für die Fa lasch a s in Abessinien, deren man sich in Italien von jeher warm annahm. Ist doch der Sitz des Profalascha. Komi 1 eesin Florenz, von wo aus. die Hilfsaktion in Abessinien geleitet wird. AoUand. Rituelle Einrichtungen in Holland. Amsterdam, 22. März. Dank der Initiative des Oberrabbtnats ist die Verpflegung der jüdischen Soldaten durch Einrichtung einer rituellen Küche in Hardweyk in mustergültiger Weise geregelt worden. Einzelne Soldaten, die an der allgemeinen Spetseeinrtchtung nicht teilnehmen könnenwird soweit wie möglich Urlaub nach jüdischen Haushaltungen erteilt. Erfreulich ist auch, daß nunmehr erstmals auf einem Dampfer des holländischen Llyod, der zwischen Holland und Argentinien verkehrt, eine rituelle Küche unter Rabbinatsaufsicht eingerichtet werden konnte. Valästina» Anfrage an Profeiior Pick Jerusalem, 10. März. Im „Doar Hajom" richtet ein „Unparteiischer" die öffentliche Anfrage an Prof. Pick in seiner Eigenschaft als Vertreter des Mtsrachi in der zionistischen Leitung, ob es ihm bekannt sei, daß 1. der Ingenieur Lion Reich am letzten Jomkippur Landesmessungen bei Haifa vorgenommen hat, um die Arbeit der Chaluzim für den folgenden Tag vorzubereiten, daß 2. die Vertreter des N. F samt ihren Beamten unter Führung des Ing. Briar am Sabbat öffentlich von Haifa nach dem Dorfe Jegur gefahren sind, um dort über die Austrocknung der Sümpfe zu beraten? Ist dies dem Herrn Professor bekannt, und er schweigt dennoch, dann sollte man sich fragen, was eigentlich Mtsrachtsmus sei. Sind ihm aber die Dinge nicht bekannt, dann sollte er kein Amt annehwen, das auszuüben er scheinbar weder die Macht noch den Willen hat. Die Antwort steht noch aus. Das 3üdifthe Gericht und der Kadi- Jerusalem, 10. Febr. Zwischen den Leitungen der Kolalim Wolynien und Giodno herrschten seit längerer Zeit Differenzen, die zu Klagen beim mohammedanischen „Religiösen Gerichte" geführt haben. Von jüdischer Seite gab man sich alle Mühe, die Sache aus der Hand dcs muslimitischen Gerichtes in die der beim Oberrabbinate eingerichteten rabbinischen Gerichtsbarkeit zu leiten, und es gelang auf Grund der alten ottomaniscken Gesetze den Gertcbtskanzler für eine Verordnung in diesem Sinne zu gewinnen. Trotzdem kann die Sache vor dem muslimitischen Gerichte zum AuStrage. Bet der Verhandlung verlos der Kadi die ihm zugegangen Verordnung und seine Antwort, in der er die Verfügung des Gerichtskanzlers nicht anerkennt. Er erklärt: „Ich bin der Kadi und so lange ich es bin, habe ich die Aussicht über die Asyle der Kolalim". Die Verwalter beider Kolalim wurden vom Kadi abgesetzt. Preisflur? in Paläfiina Jerusalem, 30. März. Nach Berichten aus Safed sind die Kosten der Lebenshaltung in Palästina erheblich gesunken. In den Handelsbeilagen der Landespresse wird der Preissturz vornehmlich ouf den allgemeinen Sturz der Weltmarktpreise, dann aber auch auf den wachsenden Import australischen Getreides zurückgeführt. Der letzte Umstand hat auf die Preisgestaltung so stark eingewtrkt, daß die Getreidepreise seit Februar um 50pCt. gefallen sind Die Gemüse- und Kohlenpreise um 10pCt. gesunken. Die palästinensischen Kolonisten glauben, daß die Verbilligung der Lebenshaltung fortschreiten wird, und daß bereits die Arbeitslöhne von der allgemeinen Tendenz erfaßt werden. Sie erwarten deshalb auch eine wesentliche Verbilligung der nächsten Ernte, die den einheimischen Produkten eine erfolgreiche Konkurrenz gegenüber den ausländischen Getreidesorten ermöglichen wird. (Ztko.) frieden?rolfdien Arabern und luden Jaffa, 29. März. Ein erfreulicher Schritt auf dem Wege der Verständigung zwischen Arabern und Juden ist getan worden. Zwischen der jüdischen Kolonie Petach-Tikwah und dem naheliegenden Araberdorf Jahudja wurde ein Frtedensakt feierlich abgeschlossen und unterzeichnet, was umso mehr zu beachten ist, als die Araber dieses Dorfes sich seinerzeit an den Ueberfällen auf die jüdische Kolonie beteiligten. Aus Anlaß des Friedensschlusses wurde ein großes Fest nnter Beteiligung beider Kolonien gefeiert. Aehnliche Versuche sind auch anderweils im Gange. Personalien. Köln, 20. März. Am n/ tai wurde unsere Gemeinde von einem schweren, unersetzlichen Verlust betroffen. Frau Tont Auerbach, geb. Frankel, wurde nach kurzem Krankenlager in ein besseres Jenseits abberufen - fort von einem Gatten, dem fie treueste und aufopferndste Pflegerin, von ihren erwachsenen Kindern, denen sie die liebevollste, hingebendste Mutter gewesen und die mit inniger Verehrung zu ihr aufgeblickt hatten. Doch nicht nur ihren Nächsten wurde sie entrissen Der enge Wirkungskreis des eigenen Hauses konnte dem großen, warmen Herzen der einzigartigen Frau nicht genügen und so begann sie, nachdem die Söhne herangewachsen waren, der Allgemeinheit ihre Kraft und ihre Liebe zu weihen, mit einer Aufopferungsfähigkeit und einem rastlosen Eifer, der jedem, der mit ihr in Berührung kam, Bewunderung abnöligte. Sie war die Mtrbegründerin und jahrelang einzige Leiterin der „Peah", der jüdischen Brockensammlung, die sie, als alle Institutionen dieser Art in Deutschland, infolge der Kriegsveihältnisse eingingen, im Interesse ihrer Angestellten durch unermüdliche, eiserne Arbeit am Leben erhielt. Als Mitglied der Chewroh Kadischoh, der Adaß Jeschurun und des FrauenveretnS der Grotzgemeinde, war sie wohl die einzige, der sich der „Gemilus Chessed Schel Emeth" widmenden Frauen, die buchstäblich keine Taharah versäumte, was bet der großen Anzahl jüdischer Seelen in Köln eine unendliche Summe von Anstrengungen und Selbstaufopferung bedeutete. Als infolge der Nachwehen des Krieges der Durchwandererstrom auS dem Osten unsere Stadt zu durchfluten begann, da war sie eS wieder, vor allen, die Tag für Tag die beschwerliche Arbeit in den Durchwandererhallen verso h, für Verpflegung und Kleidung an erster Stelle mtisorgte und trotz ihrer nicht allzustarken Krnstitution bis in die späte Nacht hinein den gesundheilsgefährdenden Dienst bei unseren armen Brüdern und Sckwrstern leitete. Es würde zu weit führen, wollte man im einzelnen schildern, wie Frau Tont Auerbach bei fast allen jüdischen WohltättgkeitSinstirutionen Kölns.mit Rat und Tat milzuwirken bestrebt war. Bet all dieser ihrer Mitarbeit aber, war ihr Leitstern und ihre erste Sorge, darüber zu wachen, daß diese Wohifahrtsetnrichtungen im Sinne unserer heiligen Lehre geführt wurden und mit heiligem Eifer un* durch nichts zu beirrender Energie und Festigkeit trat sie dort für ihre Ideale ein. ES ist eine große, eine unoussüllbare Lücke, die dw ch den Heimgang dieser edlen Frau in den Kreis der Gesetzesireuen Kölns gerissen wurde. In dem Herzen derer aber^ die sie in ihrem vorbildlichen Wirken bewundern konnten, wird sie unvergessen weilerleben, 'alS Ideal einer echtjüdischen Frau. n"23:n Villmar a. d. Lahn, 37. März. Unserer Besten einen haben wir, früher alS wir es ahnen konnten, zur letzten Ruhe gebettet. Leopold Herz ist im Alter von ei ft 68 Jahren im Jüdischen Krankenhauszu Frankfurt a. M., wo er Heilung suchte, seinem Leiden erlegen. Leopold Herz gehörte zu denen, die in schwerer Zett all ihre Mühe und Kraft darein setzten, die Gemeinde als solche zu erhalten. Ein Mann von echter sch ichter Frömmigkeit, versah er lange Jadre in der lehrerlosen Zeit den Vorbeter- und Baikorehdienst mit Sachkunde und Innigkeit, wie sie ihresgleichen suchte. Mit seiner Ehrlichkeit und Redlichkeit in Handel und Wandel, mit seinem freundlichen Wesen und der ihm eigenen Herzlichkeit bei der Ausübung von WohltaM und Gastfreundschaft erwarb er sich die Liebe und Verehrung aller, und rührend war die tiefe Teilnahme, die die Todeskunde hier überall, bei Juden und Nichljuden erweckte. Trotz der umständlichen Reise war bet der Beerdigung, die auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. am letzten Dienstag stattfand, seine Gemeinde stark vertreten. Aus jedem jüdischen Hause waren, neben vielen ntchijüdtsch-n Freunden, mindestens ein oder zwei Mitglieder anwesend, ebenso der gesamte Vorstand. An der Bahre hielt Herr Rabbiner Dr. Lazarus eine ehrende Gedenkrede, worauf noch Herr Redakteur Schachnowitz das Wort ergriff und auS eigener Anschauung als Kenner der Verhältnisse in der Lahn gemeinde, die Bedeutung deS Verstorbenen für seine Kehillah und seinen Wert als Mensch und Jehudi schilderte. Leopold Herz ruht hier nicht in fremder Erde, denn hier in Frankfurt wohnen seine Kinder, in denen er in den letzten Jahren schwerer Schickungen sein Glück und seinen Trost gesehen hat. Möge der Geist des Vaters in deren Mitte matten. n"2Jt:n. Fürth, 17. März. Rabbiner Dr. Neubürger ist im Alter von nicht ganz 75 Jahren gestorben. Er hat seit dem Jahre 1871, also über 50 Jahre lang, zuerst als Rabbtnnts-Substttut und dann als Rabbiner hier gewirkt. Bei der Beerdigung hielt Rabbiner Dr. Freudenihal, Nürnberg, die Hauptrede und schilderte den Charakter des Be ewiglen, als dessen Grundzüge er die Einfachheit, die Abneigung gegen jeden äußeren Schein und die Treue bezeichnele Justizrat Dr. Wittelshöfer würdigte namens der tsraelitischen Kultusgemeinde Fürth dte Verdienste des Verstorbenen um seine Gemeinde. Weiter sprachen Rabbiner Dr. Eckstein, Bamberg, für die bayerische Rabbinerkonserenz, Rabbiner Dr. Wohlgemuth Kitzingen, für die Pensionskaffe der bayerischen Rabbiner, Oberstudienrat Dr. Sch ill er, Fü th, für das humanistische Gymnasium daselbst, an dem der Verstorbene <40 Jahre lang den jüdischen Religionsunterricht erteilt hatte. Ein Schüler dieser Anstalt sprach den Dank der Schüler, Herr Stahl aus Neustadt u. a. den der Landgemeinden, Prof. Dr. Feil chenseid von der Israelitischen Realschule (Bürgerschule) Fürth, den Dank dieser Anstalt aus. Neustadt (Rgb. Cassel), 14. März. Am2t. Februar wurde im Atter von 72 Jahren Meier Bin men feld unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Trotz deS Eisenbahner'treiks ließen sich viele Freunde und Verehrer des Verstorbenen nicht zmückhaltcn, dem teuren Entschlafenen dte letzte Ehre zu erweisen. 13 Johre lang hat er das Amt eines Vorstandes der Gemeinde pflichttreu verwaltet Er war friedliebend und suchte dte Harmonie in der Gemeinde zu fördern und zu erhalten und die alten Traditionen zu wahren. Rabbiner Dr. Kohn, Marburg, gab vem herben Verlust beredten Ausdruck. N"23rr>. Base!, 17. März. Rabbiner Dr Cohn beging am 7. Adar im engsten Familienkreise seinen 60. Geburtstag. Dr. Cohn, der den Lesern dieses Blattes aus zahlreichen Ansätzen bekannt Ist, entstammt einer alten Rabbtnerfamtlte und war ein LübltngSschüler Rabbi Israel Hildesheimers. Vor nahezu einem Vierteljahrhundert trat er >ein Amt in der Baseler Gemeinde an, und es ist ihm durch sein liebevolles, dabei jedoch allezeit festes und prtnztptentreues Auftreten gelungen, die oft und mächtig sich regende liberale Resorn.ierungslust in der Baseler Gemeinde in ihren Schran. ken zu halten und sämtliche Institutionen im Geiste

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