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Der Israelit · 1922-04-06 · Heft 14 (6.4.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 14 (6.4.1922)
Date
1922-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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5Dsr 3t »rne/ii. A. ApM1S23 Nr. 14 Gelte 3 reichen. Die n)12 des Unternehmers scheint uns außer Zweifel; möchte nur alles geschehen, damit die Hoffnungen, die er an sein Werk knüpft, sich auch wirklich erfüllen können. Liebliches aus Sowjeirußland. Moskau, 25. März. Die bolschewistische Zeitnng „Jstwesta" widmet ihre Nummer vom 17. März dem Hungerproblrm in Rußland. Unter anderen Gesprächen mit Geistlichen und führenden Männern veröffentlicht sie eine Aussprache mit dem Moskauer Rabbiner Mase. Er sagt: „Mehr als Konferenzen und Völker-Ligen sollte der Hun ger zur Einigung und internationalen Verständigung beitragen. Es ist aber Sünde, es bei Morten bewenden zu lassem Auch die jüdische Bevölkerung hat stark unter der Hungersnot zu leiden. Zudem kommen Hunderte aus der polnischen und rumänischen Grenze, die nicht nur vor Hunger, sondern auch vor Pogromen flüchten. Das Hilfswerk der jüdischen Gemeinde wird mit größter Energie betrieben. Es wird den Darbenden Geld und Brot gereicht, in der jüdischen Küche erhalten sie täglich ein reichliches Miitageffen unentgeltlich. Aber all die Hilfe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Hinblick auf das steigende Elend. Viele sterben des Hungers, auch in den Straßen von Moskau. Auf die ausländischen jüdischen Organisationen ist leider nicht zu rechnen, da uns jeder Kontakt mit ihnen fehlt. Mit Ausnahme von Amerika kümmert sich das Ausland wenig um die Katastrophe. Warum schweigen die humanitären Gesellschaften in England?" Die Vorschläge eines jüdischen Kommissares die.Schmuckgegenstände in den Synagogen zu beschlagnahmen, hält Mase für überholt. In den Moskauer Synagogen hat man diesen Schmuck längst zu den Hilfszwecken veräußert. * H -i- Jn Borisow bei Minsk saß das revolutionäre Tribunal zu Gericht über den dortigen Rabbiner Davtdsohn und andere angesehene Mitglieder der Gemeinde. Der Anklage zu Grunde lag Beleidigung des Buchbinders Grünstein, der von den orthodoxen Mitgliedern aus dem chassidischen Bethaus verwiesen wurde. In einer der üblichen Demonstrationen der jüdischen Kommunisten gegen die Chederschulen hatte sich nämlich G. ebenfalls gegen diese Jnstitntion ausgesprochen und da wollten die Beter mit ihm nichts mehr gemein haben und setzen ihn an die Luft. Dem Rabbiner konnte nichts nachgewtesen werden, aber die Kommunisten behaupteten, daß die Verweisung nur im Einvernehmen mit dem Rabbiner geschehen sein konnte. Viele Zeugen wiesen nach, daß der Kläger in seinem Tun und Lassen nicht ganz zurechnungsfähig sei. Trotzdem wurden alle Beschuldigten, einschließlich des Rabbiners, zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Damit der Prozeß auch die richtige Wirkung ausübe, wurde die ganze Verhandlung in jüdischer Spache geführt, obwohl sonst die Verhandlungen immer russisch geführt werden. Bezeichnend für die Herren ist auch ein Artikel im Moskauer „Emmes", der sich dagegen verwahrt, daß die jüdischen Bolschewisten religionsfetndlicher wären als die nichtjüdischen. In Wahrheit machten die auch christlichen Kommunisten den Geistlichen der christlichen Kirche sehr oft den Prozeß, wenn sie in ihrem Regionseifer zu weit gingen ... Also dürften es auch sie. Echte bolschewistische Logik und Gerechtigkeit! LormponSenren ti. Nachrichten Deutsches kine Kranhenfürforgeahliön. Werlin, 19. März. Der Vorstand der Chewra Kadischa Groß- Berlin kündigt in einem Rundschreiben eine Krankensürsorge-Aktion an, die vornehmlich den zahlreichen Notleidenden des Mittelstandes, den Famili'n, die früher bessere Tage gesehen und jetzt in ihrer stillen Zurückgezogenheit im Erkrankungsfalle der völligen Verelendung anheimzufallen drohen, unentgeltlich zugutekommen soll. Im Hinblick auf diesen Notstand ruft der Vorstand alle jüdischen Glaubensgenossen auf, sich an diesem wohltätigen Hilfswerk zu beteiligen. Der Ehrenausschuß setzt sich u. a. zusammen aus Kommerzienrat Bamberg, Juftizrat Dr. Brodnitz, Eugen Caspary, Dr. Albert Einstein, Oskar Ttetz, Prof. Dr. August v. Wassermann. Die Jsraelififche Leftrerbilöungsanfialf. Würzörirg, 21. März. Der 57. Jahres-Bericht der Israel. Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (Schuljahr 1920/21) entrollt ein Bild reicher Tätigkeit. Im Schuljahr 1920/21 war die Lehrerbiloungsanstatt, welche die Klassen 4—6 (Seminarklaffen) der Lehrerbildungsanstalten führt, von 20 Schülern besucht. Dem Internat der Anstalt gehörten 19 Zöglinge an. Gemäß M.-E. vom 18. 3. 1921 wurden, wie in den Vorjahren, auch diesmal die Schluhprüfungen wieder an der eigenen Anstalt abgehalten. Sämtliche 8 Prüflinge des 2. Abschnitts <6. Klasse) erlangten das Reifezeugnis mit dem Prädikat „gut". Damit ist. die Zahl aller aus bet Anstalt hervorgegangenen Lehrer auf 478 gestiegen. Der Unterricht in den Profanfächern wurde erteilt nach den Bestimmungen der Lehrordnung vom 2. August 1912. In den Religtonsfächern wurde das vor zwei Jahren eingeführte erweiterte und vertiefte Bildungsprogramm unter Berücksichtigung der in diesem Schuljahre um 2*/, Monate abgekürzten Bil» dunpszeit durchgeführt. Die Aenderung im Schuljahrschluß bot die willkommene Gelegenheit, im unmittelbar folgenden Sommermester (Mai mit Ende Juli) für die Absolventen einen Sonderkurs zur Erlernung der Schechitah einzurichten. Die Teilnehmer konnten, wie bisher als Schüler, im Internat der Anstalt bleiben, die Kosten des Unterrichts wurden von der Seminarkasse getragen. Die finanzielle Lage der Anstalt bildete im verflossenen Jahre den Gegenstand wiederholter Beratungen und ernster Sorge. Die fortschreitende Geldentwertung zwang zu wiederholten Eiatsei Höhungen sowohl für den Sachbedarf als für die Besoldung der Seminarangestelllen. Die ordentlichen Lehrkräfte sind in die Besoldungsgruppen der staatlichen Bolksschullehrer eingereiht. Die Angleichung ihrer Bezüge an die der staatlichen Seminarlehrer, die ihnen nach ihrer akademischen Vorbildung und ihrer Dienstleistung gebühren würde, konnte bet dem derzeitigen Stande der Seminarfinanzen leider nicht durchgeführt werden. Die Jahresrechnung schloß mit einem Fehlbeträge von rund 44.000 Mk., nach dem Beitrage des Siaatsministeriums für Unterricht und Kultus von 10.000 Mk., von ca. 34.000 Mk. ab. Der Bericht schließt mit der Bitte an die bisherigen Spender und Gönner, auch weiterhin ihr Wohlwollen der Anstalt zuzuwenden. . Alle Kreise der Judeuhett, die an dem Bestand des einzigen Seminars für Süd- und Mitteldeutschland interessiert sind, mögen durch Zuwendung von Spenden und Stiftungen dafür sorgen, daß die Anstalt lebensfähig bleibe, denn sie ist für den Fortbestand des Judentums und der Gemeinden eine Lebensnotwendigkeit. Be?irhsfagung in HJelUalen. Mecklinghausen, 27. März. Der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen (E. V.) veranstaltete hier, am 19. März, nachmittags, einen Bezirkstag, der recht zahlreichen Besuch aufwtes. Sanitätsrat Dr. Rubens-Gelsenkirchen begrüßt als Vorsitzender die Versammlung, worauf der stellvertretende Vorsitzende der Synagogengemeinde Recklinghausen, Herr Rhäe, erwiderte und der Tagung guten Erfolg wünschte. Nachdem Kantor Söffe einen Psalm gesungen, sielt der Rabbiner des Vereins Dr. Silbererg-Recklinghausen einen Vortrag über „Ein Blick in Schul- und Studierzimmer unserer das ,T2iyvn lvx Muster und Vorbild sein) denn von ihm wird am angeführten Orte behauptet, es sei NLN2 ,->12 „klar wie die Sonne" gewesen. Ebenso klar liegt Israels Lehre und Geschichte vor uns ausgezeichnet, deren Kenntnis uns zu der Ueberzeugung führen mußte, daß unser Volk solange nicht verloren ist, solange es sich nicht selber aufgibt. Darum: Lernet! II. 3. Auf der Vorderseite des zweiten Holzscheites mit dem Kennwort an der Stirn erblicken wir im Feuerschein die Worte minn rpn rirn. „Dies ist das unerforschte, mit dem Verstände nicht in Einklang zu bringende Gesetz der Thora". Hier hilft kein Klügeln, hier hilft kein Grübeln) hier ist nur ein gläubiger Sinn am Platze und das Bekenntnis des weisesten Königs npim ntt2nx, „Ich glaubte mit Weisheit begabt zu sein, aber hier versagt sie", nvttv Tritt pv 'v, ,-Wie kannReines aus Unreinem werden"? „Zweifler"! sv ruft der Sabbat ma, „das bleibt rr.inn rpn'M Muß denn alles, was du mit deinem Verstände nicht begreifen, mit deinem Sinnen nicht wahr nehmen und spüren kannst, durchaus unwahr sein? Haben nicht selbst die Weisesten der Weisen zugegeben, daß unserem Wissen Grenzen gesetzt sind, Grenzen, die nicht überschritten werden können? Warum willst du, darum den Glauben an deinen Gott und an seine Allweishett verlieren? Nein, mv' '2 ts*m rrnm rw. Das ist die Lehre der Thora, daß der Mensch nach Raum und Zeit und Wissen eingeschränkt und begrenzt ist) nur dein Gott ist die höchste Potenz und von ihm wie auch von deinem Glauben gilt das, was auch vom gelehrt warben ist: rr>üü,12 Vtz. „Es ist etwas Wirkliches daran) es ist höchste Wahrheit. ES bleibt dir nichts anderes als die Beherzigung des Prophetenwortes übrig, als “pr6x ny rß^> yjitrn, in Demut und Bescheidenheit dich deinem Gott zu ergeben. Darum: Glaubet! 4. Auf der Rückseite des zweiten Holzscheites endlich erblicken wir im Feuerschein die Worte: niJtön rs ornctPi .!. “pj2bl pr6. „Ihr sollt die Mazzaus hüten... als Gesetz für dich und deine Kinder." DaS ttiy cr&, das Brot des Elends soll uns selbst an unserem frohen Feste und bei lautem Jubelgesange über die wiedergewonnene Freiheit und Menschenwürde an die Tage der Not und des Drangsals und — nicht zuletzt — an die Abhängigkeit vom Vater im Himmel erinnern, dem wir Liebe und Gehorsam schuldig sind. Dafür soll aber der Genuß der Mazzo am Pesfach ein Schulbeispiel sein. wr rrottsn m omcpi npn ‘r.x sagen unsere Weisen. Lies nicht, du sollst die Mazzaus hüten, du sollst Gottes Gebote beobachten". Die Uebung von n^o n^2S‘ rmv hat der Gebrauch nicht in das Gotteshaus gelegt, sondern in den häuslichen Kreis, an den Fumilientisch. Hier in den Räumen des Hauses sollen die Kinder lernen, wie man das Gebot unseres Gottes jmrb mit Lust und Liebe übte, hier am eigentlichen Platz der Erziehung durch Gewöhnung und Beispiel zur vollen Hingabe an alle Mizwaus Haschem erzogen und begeistert werden, und das ist die Mahnung, die der Sabbat tnnn an uns richtet. Ganz in diesem Sinne wird in kcv vom V8 nsnyon behauptet: s'2>2'i pr6 7^218. Es griff Feuchtes wie Trocknes an. Die Feuchten sind unsere Jungen, die Trockenen unsere Alten. Von beiden heißt es: üb (H in ’2 "J1?: wpra: wny». „Mit unseren Jungen und Alten wollen wir gehen, wenn wir Gottes Fest feiern"! Darum: Uebet die MizwauSl Wenn wir in diesem Sinne die vier ausgezeichneten Sabbate auffaffen und als Tön tyx auf uns wirken lassen, dann werden wir auch dem und dem linnri |öt allmählich entgegenreifen. Eine innere Wandlung wird sich in Israels Mitte geltend machen, die nach außen hin nicht unbeachtet bleiben kann und wird. Die Wandlung aber mutz, bet der Jugend ansangen d, sich in aller Stille und ohne Aussehen zu erregen, vor sich gehen; sie muh wie es in xvn zum Schluß von dem nDiyen heißt: nbva i;\s, ohne lästige und störende Begleiterscheinungen hervorzurufen, der Außenwelt zeigen, daß unsere Religion und unser Volk, nicht zersetzend wie der Rauch, sondern leuchtend und erwärmend wie das *Vön tyx wirken kann und will. Darum: M27i aS nttten bv “ipin T’pn tys. „Das Feuer der Religion brenne stets aus dem Altar unserer Herzen, es verlösche nimmer"! Kleines Feuilleton. (tlunctrtuft.) Eine „wortwörtlich nmljrc beschichte, zu Ehren des 50. Geburtstages des Antiquar Tessaner' erzählt Carl Bnlcke in der „deutschen Allgemeinen Zeitung": Wer kennt nicht den Antiquar Dessauer? Sieht er nicht so aus, als stammte er ans der Dafelrunde des seligen Ernst Theodor Ainadens? Ai'emtt ihr aber auch seinen Laden? Ich stelle mir vor, daß im frühen Mittelalter die Buchläden sv ausgesehen haben. Ta -liegen und stehen ans Tischen, Stühlen und ans der Erde, in großen Schränken und in hohen Regalen Fvliobändc und Atlanten, zen tu erschwere Wälzer, groß wi« Reiselosser, und winzige Büchelchen, klein ‘ wie

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