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Der Israelit · 1922-04-06 · Heft 14 (6.4.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 14 (6.4.1922)
Date
1922-04-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 Nr. 14 Der Israelit. s. April E deutung von Mazzo und Moraur, noch die vier Arten des Feststraußes. Denn beide lehren uns, wie man Siege feiert, Frieden stiftet, den Haß abbaut und Liebe Verbreiter. Würden alle Völker und Nationen auf diese Art ihre Siege feiern, dann würden sie ernstlich bauen und gut bauen, Israel aber soll unbekümmert um das feindliche Treiben der Völker ringsum für den allgemeinen Frieden wirken und sein Möglichstes zum Wiederaufbau beitragen. Mögen sie es bauen und gut, d. h. mit Erfolg bauen. Wochennmdschaii. GeifleSverirrungen. Die „Weifen von Zion", diese von Narren, und Verleumdern in die Welt gesetzte Legende, sind so weit erledigt. Deren Niveau und Geist verrät aber ein von dem bekannten jüdischen „Nationaldeutschen" Dr. Max Naumann in der „Kölnischen Zeitung" unter dem Titel: „Liegt Berlin in Deutschland?" abgedruckter Artikel mit dem Tenor: Der Jüdifchnationale ist ein Feind des Deutschtums,«»dem jedes Verständnis für^ das, was deutschfühlende Menschen heute empfinden, fehle, um so gefährlicher, je enger seine Beziehungen zum Auslande sind und je mehr er durch Ausnutzung seiner internationalen Beziehungen in Deutschlands Geschicke mit eingreift usw. Um dieses zurückzuweisen, braucht man nicht erst Zionist zu sein, man braucht nur Jude zu sein und zu wissen, wie unsere Weisen von altersher über den und pts^ö denken. Man hat das Naumannsche Treiben in ernsten Kreisen bisher für Narretei gehalten. „Man blickte den lästigen Störer unwirsch an und wandte sich ab", um seine eigenen Worte zu gebrauchen. Aber nun sängt der Mann an, gefährlich zu werden und man wird sich nicht mehr glatt abwenden können . . . Allein nicht zu übersehen sind auch diejenigen, die die moralische Verantwortung für dieses Gebaren wildgewordener jüdischer Trotzdeutschen tragen. Was Naumanns Wahnwitz bis zum besagten Artikel gesteigert hat, ist in der Hauptsache der offizielle Empfang Wetzmanns durch den Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde und den Vorsitzenden der Repräftntcmtenversammlung. Naumann nennt dieses „einen Schlag ins Gesicht des deutschen Volkes" und läßt einen Artikel in einem rechtsliberalen politischen Blatte vom Stapel, in dem er seinem ganzen Auslände; haß, insbesondere seinem Hasse gegen die paar Ostjuden,' die in Deutschland Asylrecht genießen, Luft macht und das einheimische jüdischnationale Element als den gefährlichsten Fremdkörper im deutschen Volksorganismus denunziert. So, Herr Naumann, steht die Sache nicht. Das Deutschtum ist von den Jüdischnationalen nicht im mindesten gefährdet, aber das Judentum ist bedroht, das, was wir unter Judentum verstehen und für das Naumann so wenig Verständnis hat, wie irgend ein kulturfanatischer Jungzionisi. Und wir haben sowohl aus diesem Grunde wie aus Erwägungen der politischen Vernunft gegen jenen Empfang von vornherein mit aller denkbaren Schärfe protestiert. Wer nicht ganz von zionistischer Parteileidenschaft beherrscht war, mußte wissen, daß der Weizmann-Empfang den Antisemiten und Naumann-Deutschen völlig zweckloser Weise eine vergiftete Waffe in die Hand gab, von der Herr Naumann weidlich Gebrauch macht. Die absolute Ziel- und Kopflosigkeit des religiösen Liberalismus spiegelte sich noch nie so deutlich wider wie in diesem Verhalten. Es fehlt den liberalen Herren der Berliner Gemeinde an der Richtschnur, um sich durch die Oede und Leere, die sie durch eine auf Verneinung eingestellte Ideologie von Jahrzehnten geschaffen haben, auf gerader, sicherer Linie durchzuwinden. Und da genügt es, wenn nur die wenigen zielbewußten Köpfe, die die „zionistischen Kontrollkommissionen" in Gemeindeverwaltung und D. I. G. B. bilden, zugreifen, um das ganze stolze Schiff ins Schlepptau zu nehmen. Soviel zur Antwort auf die Naumann'sche Frage, von wem die Herren beraten worden seien. Hatte er, von seinem marktschreierischen deutschen Chauvinismus weniger besessen, sich selbst diese Antwort gegeben, er hätte den Vorstand - der Berliner Gemeinden und den „Zentralverein" der Kopf- und Prinzipienlosigkeit geziehen, aber nicht gleich zu dem Mittel des plumpen fluchwürdigen nVTDö greifen müssen. Die Zionisten sollten sich aber darüber nicht beklagen. Sie sind, wie wir bereits zu Genüge nachgewiesen, d!e geistigen Urheber auch dieses blöden und unwürdigen Treibens. Ohne Zionismus keinen Naumann! Die Doktrin des von der Thora losgelösten jüdischen Nationalismus mußte in der weiteren Konsequenz zu einem von Thora und jüdischem Nationalismus losgelösten jüdischen Nationaldeutschtum führen. In gleichem Maße wie das Treiben der jüdischen Nationaldeutschen unwürdig und!)as Verhalten der Berliner Gemeindeverwaltung inkonseqnent und gefährlich ist, ist der zionistische Druck auf die öffentliche Meinung hier und überall unerträglich und führt in der Erzeugung von Gegendruck zu Geistesverirrungen, wie wir sie hier bei Naumann erlebt haben. WM Z« brun rat?* Von Lehrer Wolfs in Aurich. In unserem heutigen Wochenabschnitte heißt es ,12271 ab n2'ön by i.iw Tön m. „Ein beständig Feuer soll auf dem Altar in Brand gehalten werdenes darf nicht erlöschen". Dieses Gebot bezieht sich auf das Opferfeuer, das während der Nacht auf dem Altar unterhalten werden mußte. Zwei Holzscheite, ö'Ttt »ip von bestimmter Größe und Form brannten in der Nacht auf der Opferstätte und erleuchteten mit ihrem Scheine die Dunkelheit bis zum Anbruch des Jrührots, des goldenen Morgenscheins. Doch von der ganzen Tempelherrlichkeit ist nichts geblieben als nur die Erinnerung, die durch die vier ausgezeichneten Sabbate in der gläubigen Jakobsgemeinde wocherhalten bleiben und diese alljährlich mit ihrer Wiederkehr für Judenheit und Judentum begeistern und die Nacht des Golus erleuchten soll. Das erste Sabbatpaar, und 1127 gleicht dem einen Holzscheite, das ganz oben an der Vorderseite in glühenden Buchstaben das Wort ‘wit^ „Für Israel" trägt, während auf dem anderen Holzscheite, das dem anderen Sabbatpaar ms und pnnn entspricht, hoch oben die Losung 'nb „Für Gott" weithin durch die Nacht leuchtet. Ihr Ziel ist, Israel für die Lösung seiner hohen Aufgaben nach allen Setten hin vorzubereiten, um so unser Volk auf direktem Wege dem ^iim n2ü> „dem großen Ruhetage" und dem «min ,*or entgegenzuführen. I. 1. Auf dem ersten Holzscheite erblicken wir im Feuerschein der Nacht an der Vorderseite die Worte, die bis in die Gegenwart Giltigkeit haben, sie heißen: ipbjisiö bmk «jui, „Ein jeder gebe das Lösegeld seiner Seele". Dieselbe Forderung macht der rat? als erste Bedingung für die Erhaltung und den Fortbestand Israels in der Jetztzeit geltend. Soll das Judentum nicht zerfallen, so müssen die Mittel und Beiträge gerade in der Gegenwart nach allen Seiten hin hinreichend bereitgestellt werden. Wer sie verweigert, bekundet damit, daß er den Sinn des «rui, das vorwärts wie rückwärts gelesen, immer wieder dasselbe Wort ergibt, nicht verstanden hat oder nicht verstehen will. In dem Geben und Spenden soll sich in vorderster Reihe ein fester Wille zum Judentum zeigen. Das miyon soll uns dabei Muster und Vorbild sein, denn von ihm wird in Joma mit Recht an erster Stelle behauptet: ns2 nxi2i, „daß es machtvoll wie ein Löwe auf dem Altar dalag", also seinen Standpunkt trotz aller Gegenströmungen behauptete und dadurch die Nacht erleuchtete. Wenn nur Gesamtisrael dieses Bild recht deuten und beherzigen wollte, dann würdedas Geben nicht eine kalte Gabe und Münze bleiben, sondern es würde sich zur Spende die edle Begeisterung für Israels Sache gesellen und den Sin neues jüdisches Lehrhaus In Deutschland Me aus Ankündigungen in der hebräischen Presse des Ostens hervorgeht, soll in Berlin binnen kurzem ein Institut eröffnet werden, das für die Heranbildung einer geistigen Führerschaft im Lhoratreuen Judentum unter Umständen von großer Bedeutung werden kann. Es handelt sich um eine unter dem Namen JVS fVty (Rabbtnische Hochschule) geplante Ausbilbildungsftätte, an deren Spitze, wie wir erfahren, der von früher her vorteilhaft bekannte jüdische Gelehrte Dr. Chaim Heller aus Lodz steht. Dr. Heller ist ein Schüler des weit berühmten Lodzer Oberrabbiners Metsels und soll von diesem selber auf den Weg des akademischen Studiums verwiesen worden sein, weil der Meister diesen einzigen seiner Jünger für genügend gestählt Und ihn besonders qualifiziert erachtete, um ohne Schaden für die Reinheit seiner religiösen Gesinnung nach vielen Jahren gründlichen Lernens in die Hallen der europäischen Wissenschaft einzukehren. Dr. Heller, der sich durch eine s. Zt. auch in diesen Blättern besprochene wissenschaftliche Arbeit bekannt gemacht hat, scheint nun in Amerika die Mittel erlangt zu haben, um seine Pläne für die Heranbildung vielseitig durchgebtldeter wirklicher Talmide Chachomin, die zugleich mit dem Rüstzeug der allgemeinen Kultur versehen sind, auszuführen. Der Joint soll für das Institut 25000 Dollar zur Verfügung gestellt haben. Es werden nun in den Blättern jüngere und altere Talmudgelkhrte in Litauen und Polen aufgefordert, ihre Bewerbungen um Aufnahme in das Institut einzureichen. Selbstverständlich, muß dabei eine außerordentlich strenge Auslese vorgenommen werden und es haben nur Persönlichkeiten von ganz hervorragender außergewöhnlicher Thorakenntnis und geistiger Begabung Aussicht' üuf Aufnahme. Sehr erwünscht wäre es, wenn Dr. Heller sobald wie möglich der Oeffentlichkeit genauere Rechenschaft über die Prinzipien ablegen wollte, nach denen er sein in jedem Falle bedeutungsvolles Unternehmen aufzubauen gedenkt. Es wird ihm selber nicht verborgen sein, daß der große Wurf gelingen oder mißlingen kann, daß Gefahren mannigfacher Art vorhanden sind, die bei gewissenhafter Berücksichtigung der geistigen Strömungen, in die die jungen Forscher hineingeraten werden, und bet sorgfältiger Gestaltung des Lehrplanes vermeidbar sind, die aber auch vernichtend wirken können, wenn bet dem Aufbau des Ganzen nicht gründliche pädagogischpsychologische Erfahrung und tiefe Einsicht in das Wesen des religiösen Lebens sich die Hand gespendeten Schekel zu einem VN bw joöö zu einer Feuermünze machen, die Licht und Wärme nach allen Seiten ausstrahlt und dann wäre auch das vorläufige Ziel erreicht: v2'niir»w by 1S2^> „eure Seelen zu sühnen", das heißt den sozialen Ausgleich, die innere Geschlosienheit, den ölte in Jisroel anzubahnen. Darum: gebet. 2. Auf der Rückseite dieses ersten Holzscheites prangen in Jeuerschrift die Worte 1127 „Gedenke"! und n2L>n N1? „Vergiß nicht" - sie bilden eine notwendige Ergänzung zu dem lim? auf der Vorderseite bei unserer Arbeit toits^ „Für Israel"! Denn das lim?, das sich immer wiederholende Geben und Spenden für die Erhaltung und den Fortbestand der Judenheit ist im allgemeinen nicht dazu angetan, die Liebe und dos Jntereffe für Israel zu erwecken und wachzuerhalten - für diesen Zweck tritt nun aber der 1127 n2B» mit allem Aufgebot seines Materials ein. „Gedenke was dir Amolek getan"! ist ein Gebot und eine eindringliche Mahnung zugleich, die Lehre Israels und seine Volksgeschichte kennen zu lernen. Willst du die gegenwärtigen Verhältnisse Israels in ihrer äußeren Form und in ihrem inneren Zusammenhänge recht verstehen und beurteilen, so lege als Maßstab die Lehre und Geschichte deines Volkes aus der Vergangenheit Tagen an. Dann wirst du die Wahrheit des Thorawortes erfahren, das da lautet '21 nm d: ppn. „Auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sein werden, habe ich sie damit nicht verachtet und nicht verworfen, sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen aufzuheben, denn ich bleibe der Ewige, ihr Gott". Dann wirst du die Glaubenstreue und Glaubensstärke deiner Altvordern bewundern und ihr Mut und ihr Edelsinn wird dir ein Ansporn sein, für Israel einzutreten und zu kämpfen. Lernen und nicht vergessen, ruft der 1127 n2B> insbesondere der Jugend zu. Wiederum soll uns dabei

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