Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1922)
- Date
- 1922-04-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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63. Jahrgang. ®a© Sranhlurt a. IN., gen —8^Nißan^S68?—' " .42 i« Der Israelit Bt\ft Ein Ceniratoraan lur das orthodoxe Judentum IHl wasggi Begründet oon Dr. Lehmann in Mainz g^asaga Ul / Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bei direkt.Bestellung u.RechnungSerteil. durch d. Verlag M. 15.— üterfrö., Volks schul-u. Reltgionslehrer sowie Knltusveamte m. direkt) M. 7.50 viertelj., Xschecho-Slowakei Kr. 15.— Ungarn Kr. 80.— vierteljählich. Deutsch Oesterreich u. Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 15 viertelj. zuzügl. Mk. 8—Portogebübr, Rumänien 5 Lei, Holland fl. 1. Skandiuav. Kr. 2, Schweiz fS. 1.50, Frankleich u. Belgien Fr. 5.—. England 1 sh. 6 p., Amerika 0.50 Doll, viertelj. Einzelnummer 1.20 Mk. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk.4.—, für Stellensuchende Mk. 3.—, für die sechsgesP.Col.-Z. einschl.Teuergszschl.s Ausl.-Jns. Ml 8.— pro Zeile. Rav. n. Tarif. Bei lauf.Jnseratauftr.tarifm. Preiserhöhung jeder;, vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt aM., Gr. Eschenheimerstr. 83, Tel. 5848. Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. LS 808 — erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 605 Postsparkasseuamt Budapest No. 18 4S4 Postscheckamt Zürich Sfr. VIII 7854 Postscheckamt Amsterdam No. »4 86« Böhmische Unionbank in Pragl Banca Bar mar o sch Blank & Co. in Bucarfcaf Filiale des Wiener Bankvereins in Agram ver IladiOrucfc der firtihel unO Correfponöenjen des „Israelit“ itf nur unter genauer Quellenangabe, und, fozneit es lick um größere fluffäfce ■ handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gefiatfet Die heutige ITummer ii! nur 12 Seifen fiarh, roeil Sie im Umfang oon 24 Seiten erfcheinenöe $e(tnummer, Sie bereits am Dienstag ausgegeben werSen loil. aus technischen örünSen schon in Siessr Woche vorbereitet werSen mutz. 1. Leitartikel: Felix Kanter, Zwittau: Bauen Sie gut! - 2. Homiletik: Legrer Wolff, Aurich: Zu rott, — 3. Kleines Feuilleton: (Ungetanst). — 4. Wochenrundschau: Getstesverirrungen. — Ein neues jüdisches Lehrhaus Jin Deutschland. — 5. Aufsätze: Liebliches aus Sowjetrutzland. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin (Eine Krankenfürsorgeaktion). — Würzburg (Die israelitische Lehrerbildunasanstalt). — Recklinghausen (Be. zirkstagung in Westfalen). — Danzig (Gemeindetvahlen in Danzig) — Warschau (Entgleisung). — Korvno (Erez Jisroel und die litauische Orthodoxie). — Kowno (Ritualmord-Verleumdung). — Kowno (Für die jüdischen Soldaten in Litauen). — London (Organisationsversuche). — London (Die Einwanderung ins Heilige Land). — Paris (Schutz der Minderheiten). — Rom. — Amsterdam (Rituelle Einrichtungen in Holland). — Jerusalem (Anfrage an Prof. Pick). — Jerusalem (Das jüdische Gericht und der Kadi). — Jerusalem (Preissturz in Palästina). — Jaffa (Frieden zwischen Arabern und Juden). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Sprechsaal. - 10. Briefkasten. — 11. Erziehung und Lehre: Befreiung jüdischer Schüler an Feiertagen vom Schulunterricht — Darmstadt. — .12. Frankfurter Berichte. — 13. Vereinskalender. — 14. Gebetzeiten. — 15. Familtennachrichten. — 16. Feuilleton-Betlage: Verschollene Brüder. — 17. Kind er ecke: Kurze Geschichten aus „Jeruschalmi". Sauen Sie gut! Bon Dr. FelixIKanter in Zwittau (Mähren.) Ein Schrei geht seit mehr als drei Jahren durch die ganze Welt) ein Wunsch beseelt jetzt die ganze Menschheit: Gut zu bauen! Aufbauen! Volksvertreter, Parteiführer, Politiker, Staatsmänner, Diplomaten, gekrönte und ungekrönte Häupter sind, wenn man ihren Worten glauben darf, mit nichts anderm beschäftigt, als gut zu bauen: aufzubauen. Auch die Siegerstaaten sind angeblich eifrig und unablässig bemüht, gut zu bauen und das durch den furchtbaren Krieg zerstörte und verzerrte Europa wieder aufzubauen. Trotzdem schreitet die Zerstörung fort und ihr furchtbares Ende ist nicht abzusehen. Sie bauen eben nicht gut. IDH DTO „Die Welt kann nur auf Liebe aufgebaut werden") ihre Pfeiler sind Liebe und Güte, Milde, Barmherzigkeit, nicht Haß und Feindschaft, Bosheit, Rachsucht und Tücke. Ohne Abbau kein Aufbau. Wems ernstlich darum zu tun ist, gut zu bauen, mutz zuerst gut und gründlich abbauen. Vor allem: Abbau des Hasses, Abbau alles dessen, was die Völker und Nationen, die Länder und Staaten und die Bürger untereinander und voneinander trennt. Am zweiten Schöpfungstage, als Gott den Himmel schuf, sprach den Weltenschöpfer nicht, wie bet den anderen Schöpfungstagen: „Es ist gut", weil, so bemerken unsere Weisen, die obern Gewässer von den untern getrennt wurden. Und ein Werk der Trennung kann nicht als gut bezeichnet werden. — Als gute Aufbauer werden von unseren Weisen diejenigen bezeichnet, die sich mit dem Studium der Thora beschäftigen (-pm xdx “pn *Opn ■?») Sie sind es aber deshalb, weil sie DW D'Slü DTJD den Frieden erhalten und ihn in der Welt verbreiten. Denn die Thora ist nfiTnfi ns)DT der Inbegriff des Friedens, der Liebe und Güte) „sie beginnt mit Werken der Liebe und Barmherzigkeit und ihr Ziel und Zweck ist, die Menschen zu Liebe und Frieden zu erziehen und sie so den höchsten Idealen zuzuführen. — Und Israel, der Träger und Hüter der Thora, baut in der Tat und — dies muß neidlos anerkannt werden — baut gut. Es baut zwar still und geräuschlos, fern vom betäubenden Lärm der Welt, es baut im engsten Kreise seiner .Familie, im Heiligtum seines Hauses und zugleich am Hause seines Heiligtums, an der Erhaltung seiner Religion und seines Glaubens. Und es ist wahrhaft zu beklagen, daß die Menschen draußen keinen Sinn und kein Verständniß besitzen für die Art und Weise, wie Israel baut und wie gut es baut. Hier nur ein Beispiel. Am 15. Tage des Frühlingsmonats, wenn die verjüngte Natur ihre Auferstehung feiert, wenn die holden Strahlen der Frühlingssonne die Fesseln des Winters sprengten, feiert Israel das Fest seiner Befreiung und Erlösung aus jahrhundertelanger Knechtschaft und Unterdrückung. Aber wie feiert es den Tag der Wiederkehr seines errungenen Sieges? Durch nxa T'löl, durch den Genuß von ungesäuertem Brode und bitteren Kräutern Die Feier seines Sieges legt ihm so viele Entbehrungen und Beschränkungen auf, wie kein zweites Fest im Jahre. Diese Art Siegesfeier nennt man in Israel bauen und zu dieser Feier ruft der Freund dem Freunde zu: „Bauen Sie. gut!" Denn nur so wird gebaut und gut, d.. h. mit Erfolg gebaut. Der Sieger muß sich Entbehrungen und Einschränkungen auferlegen, er muß sich mit VHiai üSö begnügen und lernen, seine Wünsche zu zähmen und zu zügeln, auf manches zu verzichten, manches zu entbehren und manchem zu entsagen, wenn es ihm auch schwer und bitter fällt. Durch diese Siegesfeier baut Israel, es baut an dem Friedenswerk der ganzen Menschheit. 1"U nxo srnn „Verachte nicht den Aegypter, obgleich du ein Fremdling warst in seinem Lande", lehrt uns die Thora. Wer seine Siege auf eine solch' entbehrungs- und entsagungsvolle Art und Weise feiert, der wird auch Achtung vor dem besiegten Feinde hegen und mit ihm auch Mitleid und -Erbarmen empfinden. Und mit dem Abbau des Haffes beginnt gleichzeitig der Wiederaufbau dessen, was der Haß zerstört und vernichtet hatte. Und wenn Israel ein zweites Fest zur Erinnerung an seinen siegreichen Auszug aus Aegypten feiert, dann feiert es fast auf dieselbe Weise: Es verläßt Haus und Heim und begibt sich in die schwache, düstere Hütte, die allen heulenden, tobenden und tosenden Stürmen schutzlos preisgegeben ist und bringt Opfer dar für alle Völker und Nationen, auch für die, die feine Feinde waren. Und es windet einen Strauß, aus dem die Palme des Friedens majestätisch sich erhebt und alles um sich vereinigt, was zum Strauße gehört. Denn Israels Wunsch und Hoffnung ist es "rrnTOx e&is HOT „daß alle Menschen sich zu einem Bund vereinen mögen, zu einem Bund in Liebe und Frieden." „Drei Dinge sind mir unbekannt und vier kenne ich nicht," dazu bemerkt der Midrasch (Emor): nSfc PJDB Mt ttöö IfcODJ HÖH DTÖ "IM TOT hO niOTKl TH»! „Drei Dinge sind mir unbekannt, das sind, das Passahopfer Mazzos und das bittere Kraut) und vier kenne ich nicht, das sind: d!e vier Arten des Feststraußes." Wahrlich man kennt sie nicht und man will sie nicht kennen, weder die Be-