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Der Israelit · 1922-03-30 · Heft 13 (30.3.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 13 (30.3.1922)
Date
1922-03-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Teiles. Nr. ll Der JSraeltt. 30. März 1982 fett gefchaffen, nicht nur den heiligsten Lebensinteressen unserer Gemeinde, sondern darüber hinaus der gesamten Jude nh eit wie bisher, so nunmehr unter Gottes Beistand in erhöhtem Maße unschätzbare Dienste zu leisten. Correspondenzen u. Nachrichten Deutsches Reich. Hulfusfleuer und jEMommenffeuer Arankfurt «. ZS., 27. März. Nach einer Entscheidung des Reichs finanzhofes vom 30. November 1921 sind unter den in K 13, Abs. 1, Ziffer 7 genannten abzugsfähigen Beiträgin an kirchliche Vereinigungen nur freiwillige Beiträge« nicht aber^solche zu verstehen, die steuerlichen Charakter tragen. Jnfolgedrffen können die aus dem Wege des öffentlichen Sreuerzwanges beitreibbaren Kultussteuern der Synagogengemeinden seitens der Einkommensteuerpflichtigen bei der Berechnung des steuerpflichtigen Einkommens nicht in Abzug gebracht werden. £5 Würzvurg, 23. März. Die Kultusverwaltung har auf Antrag des Schulreferenien Herrn Seminarlehrer Anfänger einstimmig beschloffen, der Gemeindeversammlung die Einreihung sämtlicher Beamten der Gemeinde in die Gehaltsgruppen der staatlichen Besoldüngsordnung vorzuschlagen. Der Rabbiner ist dabei in Gruppe 11 ein gereiht worden. Für die letzten 4 Monate wurden doppelte Gehaltsbezüge bewilligt. 'Rosen, 24. März. An der hier eröffneten 2. Warenmesse der Stadt Posen haben sich mehrere hundert Firmen mehr beteiligt, als auf der ersten im vorigen Jahre stattgehabten Messe. Charakteristisch ist jedoch, daß jüdische Firmen nicht zugelassen worden sind. Nus Ser öreslsuer LynagogerrgemeiriSe. ILreslau, 24. März. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung wurden die Teuerungszulagen zu den Grundgehältern, Kinderbeihilfen und Auswandentschädigungen der Beamten und Angestellten, sowie zu den Stundenlöhnen und Gnadenbezügen vom 15. Februar 1922 ab von 80 Prozent auf 100 Prozent erhöht und eine Gehaltskommission konstituiert. Litauen, vr. Thon in ttowrw. Kvwno, 20. März. Im Lokale der Kultur-Liga sprach Dr. Jacob Thon aus Jerusalem über die Lage in Palästina und leistete sich dabei so viele Vertuschungen und Verdrehungen der Wahrheit, daß man von ihm orthodoxer Seite ganz energisch entgegentreten mußte. Sabbat-Hnkang und Ausgang. rav* O r tilLZ Anfang Datum I AuSgang UhrjMtn. 1M22\ 5688 Uhr Min. Frankfurt a. M 6 35 1. 3. 7 45 Berlin .... 6 30 April Nißan 7 20 München . . . 8 30 7 28 Töln. . . 6 35 7 50 Stuttgart. . . 6 30 7 35 Breslau . . . « 05 7 05 Nürnberg. . . v so 7 26 HaMbnrg. . . ö »3 7 88 Nach Schilderung der äußeren Lage und der arabischen Propaganda kam er auf die innerjüdischen Verhättmffe zu sprechen und behauptetedoß die ganze Orthodoxie, mit Ausnahme eines klemen Häufleins, an der Wahl und Zusammensetzung der Delegiertenversammlung und des Nationalen Komitees teilgenommen hätte. Dieses „kleine Häuflein" stellte er als die Friedensstörer dahin, die „die Golus-Begriffe in das neue Wesen einsührten." Natürlich sprach er auch von der orthodoxen Delegation bei Lord Northcliffe, deren Mitglieder er „Verräter" nannte. Aus den Kreisen der Agudas Jisroel ergriff dann gleich das Wort Herr Wolk, der den Referenten ganz gehörig in die Schranken wies. Wenn der Wunsch der Orthodoxie, in der Jewish Agency in Palästina ihre Jnlerrssen wahren zu rönnen, als Verrat bezeichnet wiro, so zeigt es mit klarer Deutlichkeit, wie die Zionisten, heute.alle anderen Richtungen zu bevormunden suchen. Die Orthodoxie kann auf ihr Mirbestimmungsrecht nicht verzichten. Was für die Zionisten als berechtigte Forderung gilt, kann nicht bei den Orthodoxen als Angeberei ausgelegt .werden. Alter und neuer Jischuw sind keine Gegegensätze, sondern nur chronologische Termini. Der neue Jischuw baut unter günstigen Verhältnissen auf dem Grunde, den der alle Jischuw unter dem türkischen Regime geschaffen hat. Der Gegensatz tritt erst ein, wenn der neue Jischuw die jüdische Zukunft, losgelöst von der Vergangenheit bauen will. — Bei aller Achtung vor der hingebungsvollen Arbeit der anderen Gruppen, werden wir den schärfsten Widerstand jedem Versuche, von der Tradition abzuwetchen, entgegenbrtngen. Wenn Redner von einem „kleinen Häuflein" spricht, so sei dem gegenüber ote Tatsache festgestellt, daß auch die Mitglieder des Misracht, die Delegiertenversammlung verlassen haben, da muß es doch wohl schon weit getommen sein. Die größte Gefahr für Palästina liegt nicht in den Rechtsforderungen der Orthodoxie, sondern vielmehr in der Hetze der Zionisten, die daraus hinausgeht, die Orthodoxen als Paiästinagegner zu verleumden. Man verwechselt absichtlich den Kampf gegen den Zionismus mit einem solchen gegen Palästina. Junge zionistische Heißsporne suchten wiederholt die Ausführungen Woiks zu unterbrechen und den Eindruck abzuschwächen. Aber sie wurden auch vom Schlußworte des Referenten nicht im mindesten abgejchwächt. Den Borsitz in dieser Sitzung führte Minister Soloweitschck. Synagogen als fijyle. Korv«o, 20. März. Im Zusammenhang mit der Obdachlosigkeit der aus Rußland nach Litauen heimkehrenden jüdischen Flüchtlinge hat das Kownoer Rabbtnat die Unterbringung dieser Heimkehrer in den größeren Synagogen und sonstigen Bethäusern angcordnet. Diese Maßnahme erregte die Unzufriedenheit der Beter der betreffenden Synagogen, die der Meinung sind, daß noch genügend andere Räume in der Stadt für die Flüchtlinge vorhanden wären und daß überdies die Synagogen gänzlich ungeeignet für diesen Zweck wären. Es wurden in den Synagogen am letzten Sabbat vor Ausheben der Thora auch Protestreoen gehalten. Lettland. Die SfaötratsEöahlen in Riga- Mga, 20. März. Bei den Wahlen in denSradtrat wurden bei59 MandatenfünfjüdtscheAbgeordnete gewählt. Die Majorität haben die linken Parteien mit 34 Sitzen. Rumänien. öioniflifdier Cerrpr in Transfyioanien- Ktanfenvnrg, 10. März. El lenzet, dar führende Organ der tranSsylvanischen ungarischen Presse — Erscheinungsort: Klaufenburg — schreibt in seiner Nummer vom 7. b. Mts.: „Meuchelmord auf der König Jerdinandstraße. — Die Barissia an der Arbeit. — Ein mißlungener Ueberfall der „erwachenden" Juden. — Wenn die Argumente versagen." Gestern Morgen haben einige junge Leute meuchlings Dr. Paul Blau, den Chef der Klansenburger Firma Kurländer u. Ullmann überfallen und wollten ihn insultieren. Dieser Ueberfall hat eine sehr interessante Vorgeschichte, die ein grelles Licht wirft auf den zügellosen Terror, mit welchem die zionistische Clique ihre Glaubensgenossen einschüchtern will. Es ist bekannt, daß. jene Interessengemeinschaft, die sich unter dem Namen Siebenbürgischer Nattonalverband organisierte, durch ihre . Presse viele Juden betört hat. Der überwiegende Teil aber lehnt diese Bestrebungen mit leicht begreiflicher Entschiedenheit ab. Nun hat Dr. Blau vor einigen Monaten unter dem Titel „Jesurun" ein vorzüglich redigiertes Organ geschaffen, das in kurzer Zeit außerordentlich populär wurde. Dr. Blaus Verdienst ist es, daß die Mündung der jüdisch-politischen Partei vereitelt worden ist. Vorgestern abend hielt sich in Klausenburg ein Dr. Salamon Ritter auf, ein Arzt aus Kronstadt, der präsumpttve Präsident der nicht konstituierten Jüdischen Bhlkspartet, Ortsgruppe Kronstadt auf. Zu seinen Ehren veranstaltete die Studentenverbindung der Zionisten „Barissia" ein großes Trinkgelage. Es wurden im angeheiterten Zustande feurige Reden gehalten. Nun tauchte die Frage auf, ob noch die uralte Bartsstanische Tapferkeit vorhanden ist. Dr. Blaus Name wurde mit dreimaligen Pfuirufe begrüßt. Und es meldeten sich drei tapfere Barissianer, die die heilige Aufgabe übernahmen, Dr. Blau für ewig mundtot zu machen. Gestern Morgen, als Dr. Blau aus seiner Wohnung ins Geschäft ging, sprach ihn ein junger Mann an. Als er sich umwandte, bemerkte er, daß drei Männer ihm nachschlichen. Sie verkündeten, daß sie die Abgesandten der jüdischen Jugend und gekommen selen, ihn. für alle Ewigkeit zum Schweigen zu bringen, da kluge jüdische Männer von der Sorte des Dr. Theodor Fischer, des Präsidenten des Siebenbürglschen Nationalverbandes, mit Argumenten ihn nicht zur Aenderung seines antioolksvarieilichen Standpunktes überreden konnten. Dr. Blau kehrre der löblichen Delegation den Rücken. Vor dem Geschäftshause der Fa. Kurländer schlug einer der jungen Leute Dr. Blau rücklings auf den Kopf. Blau wandte sich , um und Packre den Angreifer an der Gurgel. Die zwei andern rissen ihn aber aus ferner Hand und Ursen davon. Dem wachhabenden Potizctmann gelang es aber, den einen zu verhaften. Es stellte sich heraus, daß der junge Mann Woiff Gruber heißt, Mediziner ist und ein Bruder des Admintstrationsleiters des Uj Kelet. Dr. Blau sagte unserem Berichterstatter, daß der Angriff ihn gar nicht Wunder nehme. Terror ist ebenso Bestandteil der zionistischen Tätigkeit, wie Schekelsammeln. Er wünsche nur zu wissen, was die Staatsanwaltschaft zu einem Verein sagen werde, in weichem ganz offen zum Morde aufgefordert wird. (Wir können uns vorläufig nicht denken, daß hier in der Tat ein vorsätzlicher Mordversuch vorliegt, aber der Ueberfall nach Jerusalemer Muster ist an sich schlimm genug und ein trauriges Symptom der Verrohung zionistischer Muskeljugend. Red.) Bukarest, 24. März. Bei den Parlamentswahlen sind gewählt worden: Ooerrabbtner Zirelsohn-Kifchmew, Dr. Adolf Stern, Präsident des Verbandes rumänischer Juden, Dr. Pistiner in Czernowitz, Dr. Straucher, sowie noch drei weitere jüdische Abgeordnete mit weniger bekannten Namen.

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