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Der Israelit · 1922-03-23 · Heft 12 (23.3.1922) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 12 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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/ Nj vrzie^fiji und I>el? re E.D-CX. Pädaqojjiscl)eBeiIaqe zum „Osraelif. Grgan^drs Kundrs gefttzestreurr jüdischer Kehrer Dcullchlands. Sund geseheslreuer jüdischer Gemeinden. Die Anfänge der von uns etitgcfeiteic» Sanknrlnng für die Lehrer und Gemeindebeamten berechtigen uns zu der Erwartung, daß wir einer größeren Anzahl unter ihnen eine entsprechende Beihilfe gewähren können. Lehrer, die auf eine Beihilfe Unsererseits Anspruch erheben, wollen ihre Gesuche unter genauer Darlegung ihrer Verhältnisse bis zunr 1. Mai bei uns einreichen. Auch die Lehrcrwittvelk und --Waisen sollen berücksichtigt werden. Gesuche, die scholl an Herrn Lehrer Hirschberg, Frankfurt a. M., gerichtet worden sind, bebüi'feu keiner Erneuerung. Brrrrd gesetzestrerrer jüdischer Gemeinden Deutschlands. I. A.: vr. Schlesinger. Halberstadt, Kaiserftr. 3a. - „Zefchurun." Die Jahresbeiträge sind vor denr 1. April an den Unterzeichneten, Postscheckkonto Nr. 82653 Frankfurt a. M., Zu elltvichten. Spiro, Fulda. Unabhängiger Verein isr. Lehrer im Großherzogtum Hessen. Die Mitglieder unseres Vereins werden gebeten, den Jahresbeitrag für 1922 an das Postscheckkonto Nr. 11180 in Frankfurt a. M. mit 'IO Mark (20 für den „Bund" und 20 Mark für unfern Verein) noch in diesem Molkate zu bezahlen. H. Sulzbacher, Rechner. Am Grebe der! jüdischen Volksschule in Preußen? Ein kritischer Leser der Ausführullgen des Herrn Freudenberger in der vorigen Nummer voll „Erziehung und Lehre" darf sich wohl für berechtigt halten, deren Ueberschnft mit einem Fragezeichen zu versehen. Es ist wahr; eine ungeheure Gefahr bedroht die jüdische Volksschule auf dem Lande. Besonders seit dem Kriege klimmt dort die Kinderzahl in imrner steigendein Maße j ab. Läßt im allgenreinen die Statistik vorn Jahre 1926 ab eine starke Zunahme der ABCschützen ' in den Volksschulen erwarten, so scheint für ) die jüdische Volksschule diese Hoffnung zu trügen. \ Aber es ist nicht dieses unaufhaltsame Absterben, f das den Kassandraruf des Kollegen F. veranlaßt hat. Dessen Ursache ist ausschließlich die Zahlungsaufforderung der Landesschulkasse für! die beiderr Etatsjahre 1920 und 192t I. 4. 20 bis 31. 3. 22). Und d a m r t ist er nicht int Recht. Gewiß, die geforderte Sklurrne ist hoch und trifft einzelne Gemeinden recht hart, ivenn sic von der Hand irr den Murid gelebt und nicht beizeiten für Rückstellungen gesorgt haben. Daraus frühzeitig aufmerksam zu machen, hätte die Ausgabe der Vorsteherämter und der Lehrer sein müssen. Anfang Mai 1920 kanr das Gehaltsnotgesetz zu staube, alle Volksschirllehrer knrnell nach Klasse VII. Gleichzeilig aber auch wurde die Landesschulkasse ins Leben gerufen. Ausdrücklich heißt es int Gesetz, daß die Schuld verbünde Vi aller tatsächlich entstehenden Personallasten zu rrarreit haben werden, wobei für jeden Volksschüler ein Beschnlnngsgeld von 100 Mark abznzichen kvar. Da konnte doch jede Gemeinde schätzungsweise ihren Beitrag berechnen kmd dessen Decktmg sicher stellekr, wenn sie kknr auf die kommende Zahlung an die Landes-Schnlkasse aufmerksam gemacht rvkirde. Leider scheint das meist unterblieberk zu sein, itnb nun ist die Not da. Ende Dezember 1920 tarn das endgültige Gehaltsgesetz; die Landesschulkasse wkirde ansgebant nrrd die gesamte Beitragsvslicht des Staates ans rund dreiviertel der Perfonallastekk festgesetzt. Ein großer Teil dieser Beiträge fließt in zwei Ergänznngsfonds, und es ist ein Irrtum des .Herrn F., seine Gemeinde werde nur das Beschnlnngsgeld für die wenigen Schüler erhalten. Ist sie wirklich leistungsschwach, so hat sie Anspruch auf ErgänzungSznschüsse, voranssichllich bis znm vollen Betrag des Beschulnngsgeldes für 60 Kinder (§ 47 und 49). Die beiden Gesetze kvaren in allen Lehrerzeitungen veröffentlicht, so gut wie die leider etwas langsam tit Fluß gekommenen Gehaltszahlungen der Landesschnlkasse, kvaren ailch die Zahlungsaufforderungen all die Geineindckk zu erzvarten. Daraus hinznkveiseik und für Deckung zu sorgen, mußte ilnlso lvichtiger erscheinen, als in rascher Folge die (steh älter nnd damit die Beitragsleistungeu, erhöht wurden; jeder Lehrer hörte doch gerne voir den Gesetzändernngen int Dezember 1920, August nnd November 192! und der int Januar 1922 erfolgten Erhöhung des Ausgleichszuschlags für die erfteu 10 00Ö Mark des Gehalts um weitere 20 Proz. Run lvird der erwartete Jahresbeitrag von 13—14000 Mark — fürs Jahr .1922 ’suivb er kveitcr erheblich steigen — als geradezu klnersrbivi.uglich hingestellt. Es muß eigentümlich berühreri, unmittelbar danach die allem Anschein nach auf ciuQdjcnbeni Studium beruhenden Darlegungen eines genauen Kenners der Verhältnisse, des Herrn Lebcrmann-Darmstadt, zil leserr, aus> denen hervorgeht, daß die „kleikien Leute" aus dein Lande, die bei der geschäftlichen Konjunktur „groß" geworden sikkd, kvohl meist in der Lage sikkd, die verlangtekk Sununekl anfzubringen. Mau sehe sich einmal die im letzten Jahrbuch des D>. I. G. B. voir 1913 ansgerviefenen Etatszahle;: der knrhessischerl Landgemeinden an; sie sind nicht groß. Aber die Preise aller aus denk Lande gehandelten Waren sirrd doch ailch um das Zwanzig- bis Fünfzigfache gestiegen. Soll man da nicht glauben dürfen, das; auch die Einkonmren in mindestens demselben Maße in die Höhe gegangen sind? Dann umreit sogar die geforderten Beiträge, ivic eine Multiplikation der Zahlen von 1913 mit dem entsprechenden Multiplikator 20—50 ergibt, noch bescheiden zu ueklnen. Es trifft doch kvohl auch für Kurhessen zu. was unlängst in der Freien Lehrerzeitnng von Bayern zu lese»: stand, daß nach der nunnuhr erfolgten Steuerveranlagung feststehe, tvie „schwer leistungsfähig" unsere Landgemeinden seien. . Wekikl nun aus den Zeilen der kritisierten Ausführungen der Hilferuf für die notleidende jüdische Volksschule hervorklingt, so muß man dem entschicdekl entgegentreten." 38er anders soll denn helfen als die großen Stadtgcmeinden, die doch wahrlich heute für ihre eigenen wie für allgemein jüdische Zwecke, namentlich aber auch für Leistungen für persörrliche Wohltätigkeit, ganz außergewöhnlich hohe Lasten zu tragen haben? Wo ko i r k l i ch e Not h e r r s ch t, wird m a n g er ne h e l f e u.?lber vor allem muß das Land und die dort „groß" Gewordenen zuerst cimttat selbst recht tief irr seine Taschen greifen. Die Möglichkeit ist doch kvohl vorhanden; mn nicht gleich nü! den: Klingelbeutel in die Städte . gehen. Ganz abwegig ist ailch der Hinweis auf die Situatton im Jahre 1906. Es ist richtig: der Bestand der jüdischekl Volksschule kvar in Frage gestellt. Ausschließlich der Freien Vereinigung ist cs zu bauten, wenn ihre Erhaltung in bescheidenem Maße gelungen ist. So denkwürdig kann allerdings, besonders im Lichte historischer Betrachtung, die damalige Audienz im Kultusministerium nicht erscheinen. Denn ilicht um die. im Verfassnngsstaate doch selbstverständlich zu beanspruchende Gleichberechtigung handelte es sich; der christliche Prenßenstaat ließ sich mn bereit finden, ein Ansnahmerecht zu erhalten und anszudehncn. Das soll keirr Vorwurf gegen die damaligen Unterhändler sein, die alles den Umständerr krach M en scheu m ög.iche erreicht haben. Soll man nun heute abermals auf ein Ansnahmerecht hinarbeiteil und eine besondere finanzielle Ukltcrstützung der kleinen jüdischeil Schnlverbände erstreben? Das kvärc eine politische UnmölsiichkeU. Seien wir froh, wenkk das Reichsschulgesetz zustande kommt, und s o zustandekommt, daß die jüdische Volksschule wenigstens da er-, halten und akksgebreitet kverden kann, wo die nötige Schülerzahl vorhanden ist. Im übrigen aber sollen die von der jetzigen Zahlungsauf-, forderung der Landesschulkasse Bedrückten öie

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