Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ler JSraeltt, Skr. 12 Seite ■■H«=s==3=sö=CB==ss™=« liche Betrag von Ars. 300. Trotz der schwiertgen finanziellen Verhältnisse, die ein Defizit von Frs. 10000 vorfehen, genehmigt die Gemeinde auf Antrag des Vorstandes für die An^ legung eines elektrischen Boiler (Reservoir für heißes Wasser) zur Erwärmung des Frauenbades Frs. 7000, und als Beitrag an den schweiz. Israel. Gemeindebund für drei Jahre je Frs. 5000 für die Maßnahmen zu Gunstender Schechita. Kitauen. Die Judenfrage im HJilnaer Landtag. Wilna, 10. März. In der Vormittagsfitzung des 28. hörte das junge Wilnaer Parlament seine erste Judendebatte. Dr. Nußbaum erklärte, die Juden verlangen keine territoriale, sondern nur nationale Autonomie. Im ganzen seien in Wilna vier nationalen Autonomien für alle vier dort ansässigen nationale Gruppen zu schassen. Gngland. Der e?roiffens?iüang im zioniMsclien Paläifina. London» 16. März. Die „Times" veröffentlicht eine weitere Aeußerung Prof, de Haans aus Jerusalem, in der es wie folgt heißi: „In einem früheren Briefe habe ich darauf htngewiesrn, wie die gegmwä'ttge palästinensische Regierung bei der Schaffung einer zionistischen poltttsch-religiösen Organisation mitbilft, d.ren Mitglied jeder Jude, ob Zionist oder nicht, ob er will oder nicht, durch Steuerzahlung werden muß. Die Zionisten Palästinas vermeiden den Namen Zionisten, da sie ängstlich darauf bedacht sind, die Vorstellung zu erwecken, daß jeder Jude in Palästina Zionist im politischen Sinne des Wortes sei. Es gibt keine zionistische Organisation in Palästina, die sich zionistische Organisation nennt. Aber die zionistischen Juden haben eine Dkpuliertenversammlung gewählt, die ihrerseits einen Nationalrat zur Führu g der täglichen Angelegenheiten gewählt hat. In der Tat ist dieses fidoch nicht ein allgemein jütischer, sonder.r ein rein ztonisttscher Rat, und er sollte sich auch so nennen. Durch eine Verkettung von Umständen, die ich in diesem Briefe nicht zu diskutieren beabsichtige, nahm die große Mehrheit der paläfttnensiichen Juden an der Wahl dieser Deputiertenversammlung teil. Diejenigen unter den orthodoxen Juden jedoch, die mit den Zielen der „Agudas Jisroel" sympathisieren, nahmen aus religiösen Gründen an diesen Wahlen nicht teil und erkennen weder die Versammlung an, noch den Rat. Worauf ick die Aufmerksamkeit zu lenken wünsche, ist nun die Form, die der Narionalrat für die Erklärung vorschlägt, die jeder Jade abgeben muß, der der Besteuerung durch die zionistische Organisation entgehen möchte. Der Nationalrat schlägt vor (siehe Daor Hajaum No. 97 vom 6. Februar): „Jeder, der gegenwärtig Jude ist, soll als Mitglied der (vom Nattonairat repräsentierten) jüdischen Gemeinschaft angesehen werden, solange er der Regierung nicht erklärt, daß er fortan nicht mehr als Jude betrachtet werden will, sein Name soll in dem Amtsblatt der palästinensischen Regierung veröffentlicht werden." Dieser außerordentlich bösartige Vorschlag bedeutet, daß die orthodoxen Juden, die aus religiösen Gründen gegen die zionistische Organisation sind, gezwungen werden sollen, entweder dieser Organisation Steuer zu zahlen, oder zu erklären, daß sie keine Juden mehr sind. Diese Steuern sollen teilweise für ein offizielles Rabainat und für ein Schulsystem verwendet werden, gegen das die orthodoxen Juden die ernstlichsten Einwendungen haben. Dies ist, was ich einen Auswuchs des Zionismus nenne. Ob nun dieses Gesetz angenommen werden wird oder nicht, der Vorschlag an sich zeigt den Geist der Leute, die die palästinensische Judenheit zu führen wünschen. Der F hler liegt in der Tatsache, daß die palästinensische Regierung nur die zionistische Organisation anerkennt und einer weltumspannenden jüdischen Organisation, wie der Agudas Jisroel die Anerkennung verweigert. Es ist dringend notwendig, daß in der Bolsour-Erklärung, dem Mandat und der p ilättine.fischen Verfassung Bestimmungen zum Schutze derjenigen Juden getrrff n werden, die aus religiösen Gründen nicht Mitglieder der zionistischen Organisation sind, zum Schutz gegen solche Auswüchse des Zionismus, wie den eben geschilderten." Soweit de Haan. Ja der gleichen Nummer der „Times" sucht der Rechtsbetstand des palästinensischen Oberrabbtnats die Behauptungen in Prof, de Haans erstem Artikel zu widerlegen. Es wird natürlich zunächst der aussichtslose Versuch unternommen, genau wie in dem seltsamen Briefe des Oberrabbinates selbst an Lord Northcliffe, die Delegation als das unlegittmitierte Vorgehen einiger Privatpersonen hinzustellen. Alsdann aber fügt dieser Rechtsbeistand u erhörterwetse hinzu, es sei ja natürlich, daß einige Personen, die bet der ans gesetzlichen Grundlagen erfolgten Wahl der offiziellen Vertreter keine Anerkennung gefunden hätten (!) darüber schlechter Laune seien und die Delegation zu Lord Northcliffe schickten. Das Oberrabbinat sei von der Regierung nicht deshalb anerkannt, weil es zionistisch ist, sondern weil dies der einzige Weg sei, um Ordnung in der Gemeinschaft herzusteilen. Herbert Samurl ziehe diese Ordnung der Anarchie vor. (Siehe Wochenrundschau.) VaUrstincr. Die jioniitilfhen Uebergriffe. London, 20 März. Reuter meldet: Nach Depeschen aus arabischen Quellen in Jerusalem mehren sich die Meinmrgsverschiedenheiten zwischen den Zionisten und den orthodoxen Inden. Es wird gemeldet, oaß infolge der während Lord Northcliffcs Besuch von den Rabbinern und den alten orthodoxen. Inden gegen die zionistische Bewegung erhobenen Vorstellungen, eine Anzahl junger Zionisten die Rabbiner in beit Synagogen angrisfen. Polizeiliche Hilfe mußte in Anspruch genommen werden, um die Rabbinen zu schützen. Am 1. März fand eine Konferenz zwischen den orthodoxen Juden und den Zionisten in Jerusalem statt zu dem Zwecke, zu einer Art Einvernehmen zu gelangen. Die erste Frage war die des Frauenstimmrechtes, wobei ein zionistischer Rabbiner vorschlug, das aktive aber nicht das passive Stimmrecht zu gewähren. Aus der andern Seite protestierten die aschkenasischen Juden gegen die Einführung der Frauen in das politische Leben in jeder Form, da dies die Grundlagen der jüdischen Religion berühre. Die Konferenz verlies resultatkos. (Die letztere Meldung bezieht sich wohl auf eine misrachistisch-zionistische Anssprache. Red.) Herbert Samuels erhranhung- London, 17. März. Bekanntlich war Herbert Samuel durch eine fieberhafte Erkrankung während der Anwesenheit Lord Northckiffes in Palästina verhindert, persönlich mit ihm zusammenzukommen. Eine Reuter-Depesche von: 13. März meldet nun aus Kairo, das Befinden des Oberkommissars gebe zu Besorgnissen Anlaß. Es seien einige Acrzte und Bakteriologen aus Aegypten nach Palästina berufen worden. Der hiesigen Familie des Oberkommissars ist von ein. r Verschlechterung des Befindens nichts bekau:t. (Inzwischen meldete Reuter Besserung. Ned.t Als Beleg für die außerordentliche persönliche Beliebtheit, deren sich der Oberkommissar in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Palästinas erfreut, mag dieJhrern Korrespondenten vor einiger Zeit mitgeteilte Tatsache gelten, daß Oberrabbiner Chaim Sonnenfeld einem vertrauten Besucher vor kurzem gelegentlich einer Unterhaltung erzählte, es vergehe kein Tag, an dem er nicht den Noziiv Herbert Samuel in sein Gebet einschließe. Personalien. Oberrabbiner Dr. Margulies Florenz, 15. März. Oberrabbiner TV'. Margulies ist, obgleich sein Gesundheitszustand in den letzten Jahren wiederholt zu Besorgnissen Anlaß gab, doch unerwartet dahinge» schieden. In ihm verliert das konservativ gerichtete Judentum einen seinen hervorragendsten gelehrtesten Vertreter. Aus Galizien stammend, wo er sich in fiüber Jugend e!n gründliches Wissen aneignete, besuchte Margulies das Rabbiner-Seminar in Berlin und wirkte dann mehrere Jahre als Rabbiner in der kleinen deutschen Gemeinde Wetlburg. Seine hohe Begabung entfaltete sich erst, als er 1860 als Rabbiner nach Florenz berufen wurde, wo er nach kurzer Einarbeitung in die ihm bisher ganz fremden italienischen Verhältnisse durch Errichtung eines Rabbiner-Seminars an das groß; Werk einer Erneuerung des in Italien fast gänzlich d?m Erstarrungstod verfallenen jüdischen Geisteslebens herantrat. Persönlich streng orthodox lebend, hat sich Prof. Margulies alle Zeit redlich gemüht, auch seine Schüler im Geiste des orthodoxen Judentums zu erziehen und es ist ihm dies bei einer Anznhl der aus dem Seminar hervorgegangenen jungen Rabbinen auch gelungen. In den letzten Jahr« zehnten bediente sich Margulies naturgemäß des zionistischen Gedankens und der zionistischen Bewegung, um der bis Lohin alleinberrschenden assimilatorischen Tendenz in den italienischen Gemeinden kn'gegenzu» treten. Außerordentliche Menschenfreundlichkeit, Herzens» güte und Treue waren die Charaktereigenschosten, die den Verstorbenen in seinem persönlichen Wesen aus» zeichneten. Sein Hinscheiden bedeutet insbesondere in Italien, wo es an führenden Persönltchk-tien fast gänzlich feh't, einen geradezu unersetzlichen Verlust. Israel Friedländer y'ia Posen, 16. März. Am tijv 'B p/yB> verschied in Fürth Israel Fried» lander, der langjährige Vorsitzendder Jüdischen Gemeinde Posen, tm Auer von 81 Iahten., Israel Fciedländer gehörte zu den seltenen Erscheinungen, die in organischer Verbundenheit mit Thora und Tradition sich im Kampfe der Parteien das lebendige jüdische Empfinden für harmonische Einheit von r&K und ci'riy gewahrt und in fiinem Lebenswerk, der Po^ener nbnp, deren Blüte vor dem eni'r der letzten Jahre wesentlich sein Werk war, klassisch verwirklittpe. In Jahrzehnten reicher Arbeit gestaltete er die Posener Gemeinde als taikräf iger Verfechter der Thoratreue Mit klarem, sachlichem B ick und mit selbstsicherer Lebensklugheit gelang es ihm, auch in den schwersten Situationen den Weg der Verständigung und Versöhnung zu finden. Seine wü'öevoile Ar des Berhandelns sicherte ihm allseits auch bet den Gegnern Achtung und Verehrung. So erstand unter seiner Mühewaltung dos blüh-nde Gemeinde- und Vereinsleben Posens in den letzten Jahrzehnten. Er prägte der gesamten Gemeindearbeit die ih n eigene straffe Disziplin auf und verpflanzte in alle ihre Organe seinen Pflichteifer und sein Pflichtbewußtscin. Seine unermüdliche Schaffensfreude erhielt ihn bis ins hohe Gretsenalter in rüstiger Vollkraft des Körpers und Geistes. Israel Friedländer wurzelte lies in der Gefühis- und Gedankenwelt des Judentums. S in reiches jüdisches Wissen machre ih, zmn n"fi und die rege Anteilnahme an den geistigen Strömungen des jüdischen Lebens und der jüdischen Wissenschaft gaben ihm jüdischen Geislesadel. Mit Stolz gedachte er seines Bruders und Lehrers Michael Fciedländer des Be- Sabbai-Hulaug und Mzgaug. nipQ row» Ortr Anfang Datum AuSgang m\ Win. 1i»22j 5682 Uhr j'vtm. Frankfurt a. M 6 10 25. 25. 7 30 Berlin .... 6 20 Mä-z Adar 7 07 München . . . 6 15 7 13 Cöln. 6 20 7 35 Stuttgart. . . 0 80 7 25 Breslau . . . 5 52 6 52 Nürnberg. . . 6 10 7 15 £****?« » - » 8 24 7 24