Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 12 Der Israelit. 25 März 1988* giftcUr. Die praktische EZahrung lehrte, daß mit dem biLHelgen B-iriebe eine Fortsetzung ihrer Tä'igkeit ohne Schädigung ihtts Ansehens nicht vögltch war. Sie mußte entweder darauf verzichten, den erhöhten Anforderungen Rechnung zu tragen, mußte sich entschließen, Anmeldungen zurückzuweisen, für die der bisherige Rahmen keine Erfolg Verde ßende Förderung versprach, oder an einen weiteren Ausbau herantreten. Im Bewußtsein ihrer großen Verantwortung ui d im Vertrauen auf das V rständnis weitester Kreise wählte sie den zweiten Weg. Dieser Weg konnte unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen nur mit dem Aufwand von verhältnismäßig groß'n materiellen Opfern beschritten werden. Se-t einigen Monaten hat die Jeschtwa die allernotwendigstkn Maßnahmen zu ihrer Reorganisat on getroffen. Das Kuratorium hat dem Leiter der Anstalt zu dessen Entlastung einen Vertreter zur Sette gestellt, dem neben der Erte lung von Schiurim zunächst die allgemeine Aussicht, sowie vor allem die Einrichtung und Nebcrwachung der nachfolgenden Gruppen und Schiurim übertragen ist. Der Letter unterzieht sämtliche Gruppen alle 14 Tage einer Prüfung. Das gilt übrigens auch für die selbständigen Zuhörer. Abteilung 1 um'aßt Hörer, die im Lernen soweit vorgbildet sind, daß sie nach gründlicher Vorbereitung dem Haupt- und Nebenschiur des Leiters mit Verständnis folgen können. (Hauptschiur behandelt, täglich IV, Std. ausgewählte talm. Materien, sowie z. Z. kurs. Tr. Chulin- Nebenschiur, täglich 1 Eid., z. Z. Tr. Erubin.) Die Vorbereitung zu diesen Schiurim erfolgt unter Leitung eines Dozenten, der der Selbsttättgk'eit der Hörer möglichst breiten Spielraums läßt. Außer diesen VorbereitungSschmrim wird (zur Aneignung von 7WP2 d. h. Erweiterung der stoffl Kenntnisse) ein fortlaufender regelmäßiger Schiur gelernt, der an den Tagen, an denen der Hauptschiur aussäüt, auch an dessen Stelle tritt, sodaß dem Talmudsiudium mindestens 6 Std. täglich eingeräumt sind. Daneben gehen Schiurim in Orach Chajim, Jore Dea, (Comb, mit den selbständigen Hörern) und Abteilung 2 setzt sich aus Hörern zusammen, die im Lernen wohl Anfänger, von deren reiferem Alter jedoch erwartet werden kann, daß sie nach gründlicher Vorbereitung wenigstens dem Nebenschiur des L iters zu folgen vermögen. Sie werden zu diesem Schiur vorbereitet, lernen außerdem die Materien des Hauptschiurs (ohne ihn zunächst zu besuchen), sowie einen fortlaufenden Schiur (Nix^-Schiur, s Abt. 1). (Schluß folgt.) Korrespondenzen u. Nachrichten, Deutsches Reich. Das Rabbiner-Seminar. Werkln, 15. März. Am 26. und 27. Februar er., tagte in Berlin das Kuratorium des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Der Sitzung oblag die schwere Pflicht, erstmalig nach dem Tode des bisherigen Rektors des Seminars, des Herrn Prof. Hosfmann, die Entscheidung über die weitere Gestaltung des Lehrkörpers zu fällen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Hermann Gumpertz, Hamburg, warme Worte des Nachrufs auf Herrn Professor Hoffmann, auf den vor kurzem'dahingegatlgeneu Schüler des Seminars Rabbiner Nobel und auf das Mitglied des Kuratoriums, Herrn Aron Kober, gesprochen hatte, wurden in eingehender Aussprache alle schwebenden Fragen erörtert. 'Das Kuratorium kam schließlich einstimmig zu dem Beschluß, das Rektorat während des Trauerjahres um den verewigten Retor noch nicht neu zu besetzen, aber während dessen Unrschau zu halten, um, den Traditionen des Institutes getreu, einen Mann von überragender Bedeutung auf diesen Platz stellen zrr können; die Verantwortung für eine solche Entscheidung war jedoch zu groß, als daß diese eine, wenn auch ausgedehnte Besprechung allein genügen könnte. .Hingegen sollen die zahlreichen in der Sitzung von verschiedenen Seiten gegebenen Anregungen eingehend geprüft werden. Im übrigen wurde beschlossen, den Lehrkörper durch Berufung des Herrn Dr. Moses Auerbach, zur Zeit Dozent am Lehrerseminar in Cöln, zu verstärken. Herr Dr. Auerbach ist Schüler des Seminars und als solcher sowohl seiner Ge-- samtpersönlichkeit nach als auch besonders infolge seines jüdischen Wissens und seiner allgemeinwissenschaftlichen Veranlagung dem Dozenten- Kollegium und Kuratorium des Seminars bestens bekannt. Hinsichtlich weiterer Verstärkung des Lehrkörpers wurden vorbereitende Schritte getan, über deren Ergebnis jedoch erst zil einem späteren Zeitpunkt zu berichten sein wird. Mit Befriedigung wnrde festgestellt, daß der Besuch der Anstalt zur Zeit ein guter ist und daß die Studien mit regstem Eifer betrieben werden. Die Beratung des zweiten Tages wurde durch die Besprechung der Finanzlage ausgefüllt. Wie alle Anstalten leidet auch das Seminar unter den Folgen der Geldentwertung schwer. Es muß gehofft werden, daß die in der Beratung in Aussicht genommenen Mittel es ermöglichen, auch in dieser schweren Zeit die Aufgaben des Seminars voll zu erfüllen. Neu in das Kuratorium gewählt wurden die Herren Rabbiner Dr. Wreschner, der dem Kuratorium schon früher augehört hatte und nur während seiner vorübergehenden Lehrtätigkeit au dem Seminar in Berlin ausgeschieden war, ferner Herr Rabbiner Dr. Mofes Hoffmaun, Breslau. tweliewetch. Konferenz 0er burgenlänöifdien örffiofloxie* Wien, 12. März. Auf Einladung der Mattersdorfer Kultusgemeinde fand in Wien am 2. Adar eine Konferenz der orthodoxen Gemeinden des Burgenlandes statt, an welcher zahlreiche Delegierte, Rabbiner und Laien teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, bei der Landesregierung die bisher durch das ungarische Gesetz vom Jahre 1869 gewährleistete Autonomie der orthodoxen Gemeinden zu fordern. Es wurde ein Aktionskomitee aus folgenden Herren gewählt: Oberrabbiner Löwy, Frauenkirchen, Präses- Rabbiner Ehren selb, Mattersdorf, Vizepräses- Aron Neufeld, Mattersdorf und Emil Spitzer, Eiftnstadt, Schriftführer. Ungarn. Line 3u0en3ebafle Im Buflapefler 6fmein9erat- Budapest, 15. März. In der Budgetdebatte des Budapester Gelueinderatcs trat den Angriffen der Majorität auf die Juden Dr. Marcel! Baracs im eige-, neu Namen und auch im Namen der Opposition in scharfer Weise entgegen. Sie wollen, sagte er, das nationale Gefühl und die gesunkene Moral dadurch heben, daß sie durch Unterdrückung eines Teiles der Bevölkerung dein anderen Vorteile sichern. Der Führer der Ma-> jorität. Herr Wolfs, hat in einer Versammlung behauptet, die christliche Sittenlehre stehe hoch über der jüdischen, da die crstere es jedem zur Pflicht mache, seinen Nächsten zu liebere wie sich selbst, während die jüdische Sittenlehre die Liebe „nur auf die eigene Rasse" beschränke. Welche Sittenlehre befolgt nun Ihre Partei, die unschuldige Mitmenschen verfolgt und nur ihre eigene Rasse schützt? Redner zieht eine Parallele zwischen der Budapester - christlichen Kommunalpartei und beit 35$ t eit er Antlsemiten zur Zeit Luegers. Lueger sei in seinem Antisemitismus nie so weit gegangen, daß er den Handel seiner Stadt geschädigt hätte. Es müßte hier eine Atmosphäre geschaffen werden, in der sich jeder anständige Mensch wohlfühlen könnte. Dieses Ziel verhindere die Mehrheit und ihre Partei. Rrrrrränten. Die [Dahlen in die Rumänische Kammer. ttfuüatiß, 14. März. Bisher wurden für die Kammer elf jüdische Kandidaturen angemeldet, die auf den Listen der veischiedenen rumänischen Parteien figurieren. Bloß in Beßarabien wurde eine rein jüdische Lifte angemeldelt, mit Rabbiner Zirelsoh n und Dr. Kogan Bernstein an der Spitze. Noten. misradiinifdie Or(ho3oxenhe6e- Marsch-», 15. März. Am letzten Samstag erlebten die hiesigen Synagogen Szenen, die wenig zur Ehre des jüdischen Namens beitragen dürften. Man wußte schon lange, daß die Mtsrachtsten in geheimen Sitzungen wegen der Vorgänge in Jerusalem Demonstrationen gegen die Orthodoxie, besonders gegen die Schlome emune Jtsroel, vorbereiteten. Trotz dringender Warnarigen, die Herr I. M. Lewtn an den Präsidenten des Mlscach', Lewin- Epstein, ergehen ließ, und trotzdem letzterer eingestand, daß er nach Kenntnisnahme der Erklärung des Rabbi Sonnenfeld nunmehr die Sache in anderem Lichte sehe, ließ am letzten Sabbat Misrachi all' seine Jungtruppen marschieren, die in die Synagogen während des Gottesdienstes eindrangen, um Reden zu halten und Proteste zu verlesen. Fast überall wurden sie von den Betenden zur Türe hinausgewtesen, in einigen Bethäusern verwandelte sich der Auftritt zu einem Proteste gegen die zionistischen Gewalthaber in Jerusalem und ihre misrachistischen Helfershelfer in Warschau. In der Synagoge in der Genschastraße kam es zu blusigen Schlägereien und in der auf dem Nalewktplatz mußte zweimal die Polizei erscheinen und Verhaftungen vornehmen, um den Skandalszenen ein Ende machen. Es ist bezeichnend, daß der Warschauer Misracht statt gegen die zionistischen Ueberfälle aus die frommen Rabbiner in Jerusalem zu protestieren, hier ähnliche Ueberfälle in Szene setzt. Warschau, 1. März. In einer Prozeßsache wegen Körperverletzung an einem Juden kam vor Gericht ein Vergleich zustande, nach dem die Angeklagten (christliche Polen) Mk. 10000 zahlten, von denen 5000 Mk. dem polnischen Weißen Kreuz und 5000 Mk. dem „Keren Hajtschuw" für orthodoxe Palästtnaarbeit zufließen. Jüöifche fieimhehrende- Warschau, 3. März. Nach offiziellen Berichten aus Sowjet-Rußland sind dort 120000 Juden mit Visum nach der polnischen Heimat versehen worden. Im ganzen dürften die aus Rußland nach Polen heimkehrenden Juden 150000 Seelen betragen. gfdjwetj. 6emein9ebu9get A-sek, 6. März. Die ordentliche General-Versammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde nahm den ausführlichen Jahresbericht des Präsidenten Herrn I. Dreyfus-Vroüsky entgegen und genehmigte das Budget, das mit 155000 Franken abschließt. Bei einer Mckgltederzahl von ca. 500 Familien kommt daher auf jedes Mitglied der ausschiteß-