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Der Israelit · 1922-03-09 · Heft 10 (9.3.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 10 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 10 Ler Israelit. -Marz 1*23 meinten durchgesührt, freilich nur im Prinzip, da die Steuerlast bei den Mitgliedern äußerst schwach ist. Von im Budget figurierenden 200000 Mk. an Steuergeldern ist nur ein Teil eingegangen. In der 14. Sitzung erstattet Dr. R ab in - sohn den Bericht der Schulkommission. Neben den drei Resolutionen von Jabne (Achduth und Misrachi), Zionisten und Kultur-Liga kommt die Resolution der Schulkommissionen zur Verlesung, die zu stürmischen Debatten führt. Die Arbeiterfraktion will nur eine jiddische Schule unter Ausschluß alles Religiösen. Die Z. Z. stimmen für Jiddisch und Hebräisch. Die demokratische Gruppe ist gegen die hebräische Politik in der Volksschule. Rabb. Kahne mann protestiert in energischen Worten gegen das Bestreben, die privaten Schulen der Orthodoxen zu unterdrücken. In der namentlichen Abstimmung stimmen 64 für und 54 gegen die Resolution. Sie ist, in den ersten. Punkten mit einigen Aenderungen und Zusätzen, angenommen. Ein Zusatzantrag des Achdmh, daß in den Vorbereitungsschulen in den ersten zwei Jahren ausschließlich jüdische Disziplinen gelernt werden, wird mit einer Mehrheit von drei Stimmen ablehnt. Entgegen dem beantragten obligatorischen Normal-Programm wird ein Maximal-Programm für die Schule beschlossen, mit dem Rechte auf örtlich bedingte Aenderung. Bei der Behandlung der weiteren Punkte der Resolution in der folgenden Sitzung ergreift noch einmal Rabbiner Kahne mann das Wort, um auf die Konsequenzen hinzuweisen, zu denen der ganze Bildungsgang nach der Methode der Kultur-Liga führen muß. Es sei unerhört, daß man den Eltern das Recht zur Erziehung ihrer Kinder' nehmen oder schmälern soll. Die Orthodoxie wird allen Drohungen entgegen auf ihr Ziel hinarbeiten. Aehnlich lauten die Ausführungen des Dr. Rachmilewitsch. All' diesen Warnungen zum Trotze wird aber mit einer Majorität von 18 Stimmen auch der Punkt angenommen, der den Eltern einen Einfluß auf den Lehrplan versagt. Darauf erklärt die Achduth-Fraktion, daß sie ihre Mitglieder aus dem Präsidium zurückzieht und die Verantwortung für die weiteren Plenarsitzungen ablehnt. Die Herren Rabbiner Schapiro und Epstein sowie Dr. Rachmilowitsch verlassen den Präsidententisch. In der nächsten Sitzung wird über das Programm im einzelnen beraten. Die Linke, stimmt überhaupt gegen Tnach-Unterricht der aber mit 63 gegen 39 Stimmen durchgeht. Auch der Talmud-Unterricht kann sich, entgegen einem Antrag der Z. Z. auf „talmudische Literatur" durchsetzen. Die anderen religiösen Disziplinen, wie Tefilloh und Dinim bilden einen Streitpunkt zwischen Achduth und Zionisten, werden aber endlich mit einer ansehnlichen Mehrheit angenommen. Ein Vorschlag des Herrn Rabbiner Schapiro, daß in den Anfangsschulen der Gemeinden mit einer Schule alle angenommenen sieben jüdischen Disziplinen unverkürzt vuf dem Lehrplane bleiben, wird mit 66 gegen 47 Stimmen verworfen. Die Misrachi - Mitglieder (mit Ausnahme des Herrn Rabbiner Kark) stimmen für den Antrag. Auch einZusatz-Antrag des Herrn Rabbiner Kahnemann wird abgelehnt. Bei der Abstimmung über die letzten Punkte der Resolution enthielten sich die Mitglieder des Achduth der Beteiligung. Die Schlußsitzung fand in vorgerückter Nachtstunde von Sonntag zu Montag statt. Sie beschäftigte sich zumeist mit Organisationsfragen, wie Zusammensetzung des N. R. und des A. C. und seiner Organe. Das Organisations-Statut wird einstimmig angenommen. In dieser Sitzung überbringt auch der Vertreter der Joint, Herr Hei mann, die Grüße des amerikanische Judentums und teilt mit, daß nach einer Depesche aus New-Iork dort für das Wiederaufbau-Programm 24 Millionen Mark bewilligt wurden. Es werden noch Vorschläge der Orthodoxen verlesen, darauf hinausgehend, daß auf kleineren Plätzen mit einer Schule den Eltern das Bestimmungsrecht bezüglich der Richtung gelassen wirddaß Tnach- und Talmud-Lehrer vom Bildungszens befreit würdendaß ein spezielles Organ innerhalb der Autonomie geschaffen wird zur Besorgung der religiösen Angelegenheiten. Es entsteht eine scharfe Diskussion. Endlich wird der erste Vorschlag des Achduth mit Hilfe des Misrachi und eines - Teiles der Zionisten angenommen. Die Linke beantwortet oieses Resultat mit einem solchen Skandal, daß die Sitzung für eine Stunde unterbrochen werden muß. Nach Wiederaufnahme der Sitzung beantragt Dr. Soloweitschik, die ganze Angelegenheit dem N. R. zu überlassen, da eine Einigung zwischen Links und Rechts im Plenum nicht zu erzielen sei. Im anderen Falle droht er mit der Ntederlegung seines Minifteramtes. Damit erklären sich nach längeren Diskussionen auch die Orthodoxen einverstanden, vorausgesetzt, daß der N. R. schon in seiner ersten Sitzung die Vorschläge erledigt. Im anderen Falle kann das Schulgesetz nicht als angenommen gelten. Darauf wird beschlossen, das ganze Schulgesetz noch einmal dem N. N. vorzulegen. Die extreme Linke verläßt daun demonstrativ den Saal. Zum Schluß wird der Nationalrat, bestehend aus 50 Mitgliedern, von denen 30 in Kowno und 20 in der Provinz wohnen, gewählt. Mit einer Schlußrede des Herrn Dr.Soloweitschik, in der er allen Organen und Kommissionen für die aufreibende Arbeit dankt, wird die Zweite Kehillaus-Konserenz geschlossen. England. Churchill unö Sie arabifche Delegation. London, 3. März. Die arabische Delegation übergab vorige Woche dem Colonialminister ihre Bemerkungen zu dem Entwürfe der palästinensischen Verfassung. Aus der ausführlichen Ansprache, die Churchill bei dieser Gelegenheit an die Araber hielt, sind folgende Stellen bemerkenswert. Er erklärte, daß er die Zukunft Palästinas auf keiner anderen Grundlage erörtern könne, als derjenigen, der Balfour-Declaration, da natürlich „keine Rede davon sein könnte, daß Sr. Majestät Regierung irgend welche Pflichten ableugne, die sie dem jüdischen Volke gegenüber übernommen habe." Wenn die arabische Delegation aus Artikel 22 des Völkerbundstatuts einen Widerspruch gegen die aus der Balfour-Erkiärung sich ergebenden Grundzüge des Verfaffungsentwurfes herleiten wolle, so müsse er darauf Hinweisen, daß die Balfour-Erklärung älter sei, als jenes Statut, und daß darum tm Statut zwar von Syrien und Mesopotamien, absichtlich aber nicht von Palästina die Rede sei. Eine unabhängige nationale Regierung in Palästina, wie sie die Araber verlangen, könne nicht genehmigt werden, weil eben eine solche Regierung momentan die Ausführung des in der Balfour- Erkiärung gegebenen feierlichen Versprechens unmöglich machen würde. Innerhalb dieser Grenzen fei die englische Regierung jedoch selbstverständlich bereit, den Wünschen der palästinensischen Bevölkerungsmehrheit entgegenzukommen. Wenn auch durch den Mandatentwurf die zionistische Organisation als öffentliche Körperschaft zu dem Zwecke anerkannt werde, die palästinensische Verwaltung zu beraten und zu unterstützen in solchen oekonomischen,. sozialen und anderen Angelegenheiten, weiche die Errichtung des „nationalen Heimes" berühren könnten, so sei er doch bereit, eine Bestimmung zu treffen, zu dem Zwecke, daß keinerlei Aktion in Palästina unternommen werden dürfe, weder auf den Rat der zionistischen Organisation, noch anderweitig außer durch die konstitutionellen Kanäle, die durch die Verfassung in ihrer schließlichen Form geschaffen werden. Hinsichtlich der Einwanderung denkt Churchill an die Schaffung einer Ein wand erun gsbe-/ Hörde, die Vertreter al.ler Teile der palästinensischen Bevölkerung umfassen soll. Diese Behörde könne dann den Standpunkt der palästinensischen Bevölkerung neben dem von der zionistischen Organisation vertretenen, dem Oberkommiffar gegenüber, wahren und in Fällen unausgletchbarer Differenzen würde die Entscheidung der englischen Negierung einzuholen sein. Weitere Zugeständnisse stellte Churchill hinsichtlich der Zusammensetzung und Befugnisse der zu bildenden gesetzgebenden Körperschaft in Aussicht. Die gewählten Mitglieder in der Körperschaft könnten, wenn sie einstimmig seien, eine Maßregel auch gegen die Verwaltung durchsetzen. Es sei nicht korrekt zu sagen, daß Sir Herbert Samuel Mitglied der zionistischen Organisation seiebenso wenig könne davon die Rede sein, daß Herbert Samuel eine den Absichten der englischen Regierung widersprechende Politik betreibe. UJas beöeufef 9as „nationale tteim"? London, 3. März. In einer Versammlung des Londoner „Misrachi" hielt Lord Eustaee Percy eine große Rede über bas zionistische Programm und das britische Reich, die sich durch^die Klarheit und Geschlossenheit ihres Gedankenganges auszeichnet und, so viel uns bekannt, zum ersten Male in voller Deutlichkeit den Sinn, den man in führenden politischen Kreisen Englands mit dem Worte „national Home", verbindet und nicht verbindet, deutlich angibt. Wie Churchill in seiner letzten Ansprache an die Araber, betont auch Lord Percy die unbedingte bindende Verpflichtung, die für . die englische Regierung in der Balfour-Erklärung liegt. Er sagte dann weiter: „Ist jedoch die Idee eines „national Home" eine befriedigende Antwort auf die jüdischen Bestrebungen? Die Juden würden wohl darin mit ihm übereinstimmen, daß dieses „national Home" in Palästina nicht die Verwirklichung des Ideals weder des zionistischen Programmes noch des traditionellen Judentums darstelle. Beide gingen viel weiter, aber er glaube, daß die Politik des „national Home" doch immerhin halbwegs ein Haus sei, wenn auch die schließlichen Aspirationen der zionistichen Bewegung weit über die Balfour-Erklärung hinausgehn. Auf der an deren Seite müsse die Politik der britischen Regierung im Interesse des britischen Reiches daran fest - halten, daß der Begriff des „national Home" für England ein letztes Wort sei. Natürlich wisse niemand, was in hundert Jahren einmal passieren könne, aber so weit irgend welche Politik in der gegenwärtigen Zeit in die Zukunft blicken könne, so müsse die Balfour- Declaration das letzte Wort der britischen Politik in Palästina bleiben. Wollte England eine Bewegung beschützen oder fördern, die gar keine Grenzen setzte, die sich etwa auf die Kolonisation des ganzen Gebietes erstreckte, das das gelobte Land vom Nil bis zum Euphrat umfaßt, wenn man etwa eine Wiederaufrichtung des Salomonischen Reiches erstrebte, so würde das völlig unvereinbar seist"Mt denSerpflichtungen Englands gegenüber anderen Nationalitäten, mit Englands Versprechungen an die Araber und mit seinem Uebereinkommen mit den französischen Bundesgenossen. Die britische Politik kann für nichts weiter einstehen, wie für das „nationale Heim" und in dem Augenblick, in dem sie in irgend einer Weise von dem strikten Buchstaben der Balfour- Erklärung abwiche, würde sie ins Bodenlose versinken. Die britische Politik erstrebe ein jüdisch-nationales Heim und nicht einen jüdisch-nationalen Staat. Das bedeutet, daß die jederzettigen Einwohner von Palästina eine Regierung derSelb st Verwaltung haben müssen, und daß die zionistische Organisation lediglich als eine Art diplomatischer Bettretung die jüdische öffentliche Meinung a u ß^ r - halb Palästinas gegenüber der Regierung Palästinas vertreten solle."

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