Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1922)
- Date
- 1922-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450199--69603-2526786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
:•-• :v. "" 9? März E Der Israelit Nr. 10 Sette 1 Der Lord schloß seine Ausführungen mit der Untersuchung der Frage, in welcher Weise die von ihm dargestellte begrenzte britische Politik des „national Home" mit den jüdischen Aspirationen versöhnt werden können. Die Versöhnung dieser beiden Gesichtspunkte sei in seinen Augen die Lehre des traditionellen Judentums. Der politische Zionismus strebe schließlich nach der Aufrichtung eines jüdischen Staatesdas sei aber nicht notwendigerweise das Ziel des überlieferten Judentums, wenn es das zionistische Programm unterstütze. Zum ersten Mal habe er vom Zionismus vor dem Kriege in Amerika sprechen hören, wo ein junger palästinensischer Jude seine Ideen darüber in die Worte des Propheten Amos zusammenfaßte: „Es ist ein Hunger nicht nach Brot und Wasser, sondern nach dem Worte Gottes". Die Zukunft des Zionismus hänge in allererster Reihe von der Haltung der jüdisch-öffentlichen Meinung in der ganzen Welt ab, die sich jenem Rabbiner anschließen sollte, der vor Jahrhunderten es aussprach, daß Israel „eine Nation sei, nur kraft seiner Religion". Ualästintr. Sür eine hebräifdie tlandeisfchuie- Jerusalem, 25. Febr. Eine Gruppe von Lehrern und Kaufleuten regte hier die Gründung einer hebräischen Handelsschule an. Zu diesem Zwecke fand hier vor einigen Tagen eine Besprechung statt, an der Vertreter der jüdischen Kaufmann- und Lehrerschaft teilgenommen' haben. Nach einer längeren Debatte wurde beschlossen, noch im Laufe dieses Frühjahrs eine hebräische Handelsschule zu begründen. Zwecks Aufbringung der nötigen Geldmittel wird demnächst eine Konferenz der jüdischen Kaufmannschaft einberufen. Personalien. Tarnow, 2. März. Rabbi Meier Arak, Mitglied des Rabbinischen Rates der Agudas Jtsroel, früher Oberrabbiner in Buzao, seit 1914 in Wien, wurde in Tarnow zum Oberrabbiner gewählt. Die Führer der Wiener Orthodoxie waren mit allen Mitteln bestrebt, den gefeierten Gaon in Wien zu halten, wo er sowohl im allgemeinen, wie im Rabbinischen Rat der A. I. sehr Wertvolles geleistet hat. Doch hat sich Rabbi Meier Arak entschlossen, dem Rufe der alten würdigen Gemeinde in Tarnow Folge zu leisten. Eperjes, 1. März. Herr Oberrabbiner Israel Freund in Szefzregen, wurde von der orthodoxen Gemeinde in Eperjes (Presod Tschechoslowakei) einstimmig zum Oberrabbiner gewählt. Herrn Oberrabbiner Freund, den die Frankfurter Jeschiwah zu ihren hervorragendsten Hörern zählte und der Rabbinats-Autorisationen von den orthodoxen Oberrabbtnern in Großwardein, Frankfurt a. M., Budapest, Wien und Tiszafüred erhielt, geht der Ruf eines großen Thoragelehrten und guten Kanzelredners voraus. Die Gemeinde Eperjes ist zu ihrer vortrefflichen Wahl zu beglückwünschen. Bremen, 28. Febr. Sein 25 jähriges Amtsjubiläum beging kürzlich Herr Rabbiner Dr. Leopold Rosenak, der geistige Führer der hiesigen jüdischen Gemeinde. Wie allbekannt, hat sich seit langen Jahren Dr. Rosenak neben seiner segensreichen amtlichen Tätigkeit sich aufopferungsvoll in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Sv waren der Freunde viele, die den Anlaß benützten," ihren besten Wünschen an diesem Tage Ausdruck zu verleihen. In den Kriegsjahren hat Dr. Rosenak sich im Bereiche der deutschen Militär- 5abbat--Inlang und Mzgang. nwm föw- Ort: Anfang Datum AuSgang Uhrlvtin. li>22l 5683 Uhr Min. Frankfurt a. M. 5 50 11. 11. 7 10 Berlin .... 5 55 März Ädar 6 42 München . . . 6 — 6 58 Cöln. 6 — 7 10 Stuttgart. . . 6 15 7 05 Breslau ... 5 29 6 29 Nürnberg. . . 5 45 e 45 Hamburg. ° . 5 W 6 50 Verwaltung Ost auf dem Gebiete der Nächstenliebe besonders anerkennenswerte Verdienste erworben. Berl in, 1. März. Am 20. Februar entschlief hier Frau Direktor L ö w e n i ck, Wolfskehl. Sie ist ihrem Manne Herrn Leopold Löwenick dem allerseits geachteten und geliebten Direktor der Deutschen Vereinsbank schon nach drei Jahren in die Ewigkeit gefolgt. Die Heimgegangene, die seit dem Tode ihres Mannes, den sie me verschmerzen konnte, leider auch krank wurde, hat sich gleichfalls jederzeit die Sympathie und Liebe der Kreise erworben, die ihr nahe standen. Welche Innigkeit und Harmonie sie mit ihren teueren Eltern und der einzigen Tochter verband, können nur s'die beurteilen, denen eS öfters vergönnt war, in dem nun verwaisten Hause zu verweilen. Möge den letzteren der Trost von werden. n"n25n Harburg (Bayern), 26. Febr. Am gestrigen tot? 'B 'p vollendete in körperlicher und geistiger Frische Sara Guldmann dahier, ihr 70. Lebensjahr. Die Jubilarin ist durch ihre Leutseligkeit und ihr freundliches Wesen im hiesigen Städtchen allgeschätzt. Von ihrer frühesten Jugend an Arbeit gewöhnt, obliegt sie heute noch mit aller Hingabe und Liebe ihrem Berufe. Nicht unerwähnt sei, daß sie heute auf eine ununterbrochene 28 jährige Tätigkeit bei einer hiesigen achtbaren Familie, mit der sie in den vielen Jahren stets Freud' und Leid teilte, zurückblicken kann. Gebet und Arbeit ist ihre Losung. Wir entbieten nun unserer „Sara" zu ihrem 70. Wiegenfeste unsere herzlichsten Glückwünsche. Mögen ihr iT'\S noch viele gesunde Jahre beschieden sein. nii? nxö np. Vermischtes. Frankfurt a. M., 1. März. Wie alljährlich tritt auch in diesem Jahre zu Purim das Deutsch-Israelitische Kinderheim in Diez an seine Freunde und Gönner mit der Bitte heran, zur Erhaltung des Hauses, zur Erfüllung seiner schweren Pflichten nach Möglichkeit beizusteuern. Trotz des wirtschaftlichen Druckes hat es in den vergangenen Jahren seine segensreiche Tätigkeit ununterbrochen fortgesetzt; es hat auch Opfern der Pogrome seine Pforten geöffnet, um ihnen eine Stätte froher Jngend zu bieten. Es bedarf aber der tatkräftigsten Mithilfe der Glaubensgenoffen und ihrer Gönnerschaft, um auch fernerhin den hohen Aufgaben gerecht zu werden, die die furchtbare Zeit erfordern. Spenden wolle man auf das Postscheckkonto Nr. 2871, Frankfurt (Main) überweisen. Mögen in diesem Jahre recht viele auch dem Deutsch-Israelitischen Kinderheim gegenüber die Mizwoh erfüllen: mjflöl dwssA. Kreuznach, 7. März. Die jüdische Kinderhettstätte eröffnet die Sommerkuren im Mat, Juli und September. Aufnahmegesuche sind nach Köln, Ruonstr. 50, zu richten. Vrieskasien. Angesichts der enormen Porto Erhöhung werden wir, in größerem Ausmaße als bisher, die «ns zugehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht beiliegt, auf dem Wege des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragenden also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die Brief käst en- Rubrik beachten zu wollen. Alter Abonnent R M in Würzburg. Wenden Sie sich an das Schweizerische Komitee für Erholungsheime zu Händen des Herrn Jos. Erlanger in Luzern. B. P. Holzhändler in L. Wir bedauern, Ihnen mit den gewünschten älteren Jahrgängen nicht dienen zu können. I. H. in Osfenburg (Baden). Maltersdorf gehört jetzt zu Burgenland, also Deutsch-Oesterreich. M. L. in Wien H, Große Pfarrgaffe 6. Hirsch Pentateuch ist vollständig vergriffen. Frankfurter Kertchte. ISaronin Malßilde von Rothschild. In wunderbarer Frische des Geistes hat Frau Baronin Mathilde von Rot h s ch i l b, die Witwe des Freiherrn Wilhelm dorr Rothschild, am Sonntag dieser Woche ihr neunzigstes Lebensjahr vollendet. Ter Magistrat der Stadt Frant'jnrt hatte es sich nicht nehmen lassen, der um das Gemeinwohl hochverdienten Frau seine Verehrung und Dankbarkeit durch eine Teputattiou zu bekunden. Im übrigen be-- schränkte sich die äußere Feier aus den engsten Familienkreis. Testo stärker kam die allgemeine freudige Teilnahme der jüdischen Gemeinschaft unserer Stadt an dem seltenen Feste in den unzählige», brieflichen und telegraphischen Kundgebungen zum Ausdruck, die der greisen Jubilarin von Gemeinden, Vereinen, Körperschaften und Einzelpersonen zugingen. Ist die Neunzigjährige ja nicht nur die treue Lebensgefährtin des unvergeßlichen Mannes, der ein Symbol des nnu mp!32 rftHM.mw, ein Leben lang so unendlich Großes für jüdische Lehre und jüdisches Sein gewirkt,- sondern sie hat diese Tradition ihres großen Gatten mit rührender Treue und Gewissenhaftigkeit zwei Jahrzehnte hindurch selber bewahrt und sestgehalten. Mit derselben Pflichttreue, die ihren Gatten auszeichnete, erblickt die greise Tarne in dem Millen des GotteSgesetzes die Richtschnur ihres privaten rrnd öffentlichen Lebens, und mancher kleine Zug eines überraschenden Jiisbb pnp“i wirst, nur dem Eingeweihten bekannt, den Schimmer wahrhaft jüdischen Adels .ans diese Tvppelkrone des Alters und des Ranges. - Es fei uns darum gestattet, die Worte noch einmal zu wiederholen, mit denen wir vor zehn Jahren der damals Achtzigjährigen die Grüße der gefetzestrenen jüdischen Gesamtheit entboten. Wenn alle diejenigen unter unseren Stammesgenossen, die in der assiuiilativnssüchtigen sozialen „Oberschicht" der westeuropäischen Jndenheit den wahren Feind erblicken, den achtzigsten Geburtstag der Baronin Mathilde v. Rothschild als einen Tag des Stolzes und der Dankbarkeit begehen dürfen, so haben die Millionen g e s e tz e streue r Juden auf dem Erdenrund, der Kern des jüdischen Volkes, ganz besondere Ursache dazu. Wir begrüßen und beglückwünschen in der Jubilarin mehr als die Baronesse von Rothschild, die ihren Stamm und ihre' Traditionen nicht verlassen, die einer entarteten Zeit das ästhetisch und ethisch beglückende Bild der Treue bietet, uns ist sie die Frau mit dem höchsten und ältesten aller Frauenadelstitel, von Königswort geprägt: auf des Lebens Höhe eine Esche.s Chajil. Möchte sie ungezählte Jahre, in körperlicher und geistiger Jugendfrische, unter uns weilen. Samuel chrüucöaurn Samuel Grünebau nt wurde am nro nach einem langen tateureicheu Leben int 77. Lebensjahre zu.Grabe getragen. Ein Mann von inniger Frömmigkeit und Bescheidenheit, der jede Oefsentlichkeit scheute und nur für Gott und seine Familie lebte. Er hatte an 50 Jahre für die Beköstigung der jüdischen Soldaten gesorgt, und mit welcher Aufopferung und Liebe er sich, vereint mit seiner Gattin b 2t, diesem Berufehingab, können nur die, die in seinem Hause ihre zweite Heimat fanden, erzähleit. Er war eines der ältesten Mitglieder der Jsraelittschen Rcligionsgesellschast und der älteste Besucher der diiederhofhcim'schen Synagoge. Er scheute den säst einstündigen Weg voir seiner Wohnung nicht, um jeden Morgen bei Wind und Wetter als erster in Schul zu sein. Möge er den wohlverdienten Lohn msn d^jq fin« den. n"ajun Kirr Gedenktag. Die Herren Leopold Mainz II, (Fellnerstraße) dahier und Herr Ludwig Mainz ll, Hychallee in Hamburg/ haben zu Ehren des 5. März 1622, an welchem Tage einem ihrer Ahnen vom damaligen Magistrat das Schutzbürgerrecht verliehen wurde, dem hiesigen Magistrat ein silbernes Tintenfaß mit Widmung im Werte von 10.000 Mark überwiesen. Das Kunstwerk ging aus der Werkstätte der Herren S. u. O. Löwenihal hervor. Der Erste von der Familie Mainz zog (siehe Dr. Dietz 500, Franks, jüd. Familienbuch) 1390 von Mainz hierher, erhielt aber keine „Judenstättigkeit." H^uriwfest der Zerre Kunme Iisroel. Dienstag, den 14. März, abends 8 Uhr, findet.eine „Pur im fei er"' der Zeire Emune Jtsroel in der Aula der Israelitischen Volksschule statt. Vorgesehen ist ein gemeinsames Mahl, jüdische Gesänge, sowie eine Vorstellung und viele andere Darbietungen. Mitglieder der Zeire Emune Jtsroel, sowie Agudas Jtsroel- Jugendgruppe sind hierzu höflichst eingeladeu. Karten sind zu haben bei Herrn Vurstin und Herrn Rosenfrucht, jeden abend 8 Uhr in der Agudas Jtsroel. Schläge statt Akrot. Zu der Notiz unter diesem Titel in der letzten Nummer unseres Blattes bittet uns die Bäckerei Stehr, (früher Rey) in der Windeckstraße48, bekanntzugeben, daß der Fall nicht sie öHrifft, was wir gern bestätigen. i/ Agudas Iisroek-Hrts- und Irrgerrdgruppe. Mittwoch, den 15. Adar (Schulschan Purim), abends v Uhr, spricht im Hotel Löwenhof, Hanauerlandstr. 38, Herr Dr. Ptnchas Kohn über das Thema: „Die jüdischen Organisationen der Gegenwart". Gäste, Damen und Herren willkommen! Museum jüdischer Altertümer. Am Montag Vormittag wurde das Museum jüdischer Altertümer im Gemeindehaus, Fahrgafse 146, Ecke Börnestraße eröffnet. Justizrat Dr. Blau, der Vorsitzende der Gemeinde, würdigte in seinen einleitenden Worten die Verdienste, die sich zuerst Charles Hall garten,Eduard C ohen und Direktor Frauenberger (Düsseldorf) um die Sammlung jüdischer Altertümer erworben haben und feierte sodann Herrn Julius Gold schm idt als den eigentlichen Schöpfer des neuen Museums. Herr I., Goldschmidt, der hieraus das Wort ergriff, betonte die Bedeutrmg, die das Museum für den Forscher und Künstler besitze, und ging kurz auf seine Entstehungsgeschichte ein. Wenn es jetzt trotz der Not der Zeit gelungen ist, datz Museum zu schaffen, so habe man das in der Hauptsache der