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Der Israelit · 1922-03-09 · Heft 10 (9.3.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 10 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dev Israelit. Nr. 10 Seite 3 9. März 1922. „Am 16. Dezember 1921 haben wir an gleicher Stelle Herrn General Lndendorsf die Unrichtig, keit der von ihm in seinem Buche „Kriegführung und Politik" gegen die deutschen Juden im allgemeinen und uns jüdische Frontsoldaten im besonderen erhobenen Vorwürfe vorgehalten und nachgewiesen. Trotzdem hat Herr General Ludendorff es bis heute nicht für nötig gehalten, auch nur einWort derRichttgstellung in die Oeffenilichkeit zu bringen. Wir stellen daher fest, daß Herr General Ludendorff die Wahrheit kennt und sie nicht sagt und geflissentlich die Ehre anderer Menschen mit Füßen tritt. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.". Die Wahrheit verdrehen, ist selbstverständlich leichter, als ihr ins Gesicht schauen. Darum wird Ludendorff so wenig richtigstellen --oder durch Klageführung seine „Beweise" antreten, wie etwa jener große Ankläger aus der Megillah, plötzlich durch die Königin vor die Wahrheit gestellt, ein Wort der Beweisführung gewagt hätte. Sin ernstlicher Mangel der dalfour-Seklaralion. Von Prof. Dr. Jacob Israel de Haan in Jerusalem (Die „Times" brachte Ende voriger Woche den nachfolgenden Artikel des. bekannten Prof, de Haan in Jerusalem, der auch der Sprecher der orthodoren Delegation bei Lord Northcliffe war. Der Artikel faßt offenbar kurz den Inhalt des Memorandums zusammen, das die Delegation Lord Nortycliffe übergeben hat. Red.) Die Balfour-Deklaration lautet wie folgt: „Sr. Majestät Regierung begrüßt mit Wohlwollen die Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina und wird ihre besten Bemühungen einsetzen, um die Verwirklichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei Klarheit darüber bestehen muß, daß nichts geschehen soll, das . die bürgerlichen und die religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina, oder die Rechte und die politische Lage der Juden in irgend einem andern Lande beeinträchtigen mag." Der ernstliche Mangel, den ich meine, ist der daß die religiösen Rechte nichtziontsttscher Gemeinschaften in Palästina nicht gewahrt sind. Ein wichtiger Teil der orthodoxen Judenheit, die Misrachi-Organisation, ist gewillt, mehr oder minder eng mit der zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten. Aber ein nicht weniger wichtiger Teil der orthodoxen Judenheit, der sich {n der „Agudas Jisroel" organisiert hat, fühlt in religiöser Hinsicht vollständig einwandfrei zu sein, denn sie sind dem Toffaphot (VD21N) und Rosch (&>"jn) und deren Kommentatoren entnommen. Diese Rezepte können noch um viele vermehrt werden) vorausgesetzt wird intensives Talmudstudium und Kenntnis der altfranzösischen Sprache. Beginnen wir zunächst mit der Purimküche. Als Purimspeise bezeichnet Toffaphot (Berachot 38 a, s. V. onfy, oder (dass. f. V. iv). Der ganzen Diskussion nach scheint es eine Art Striegel zu sein, die am Ptjri^m zur Hauptmahlzeit diente (n'raspll jnp). (Vielleicht aus dem französischen Noel-Weihnachten ---- Weihnachtsstriegel?), In den genannten Tossaphots werden noch andere Speisen genannt: tvd'rn, rpndvVN und (wahrscheinlich eine in W o r m s übliche Speise) ferner wird daselbst einer Speise, genannt, die Toffaphot als einen in Oel gebratenen Kuchen bezeichnet. (Berachot 42 a) übersetzt Raschi mit Toffaphot ist entgegengesetzter Ansicht und versteht darunter das obengenannte welkes am Purim gegessen wird (vergl. Toffaphot s. B. nnarfy. Eine andere Purim-Mehispeise nennt der ^"»sa (zu 38 a n"mn) unter dem Namen W'bw, die den Vorzug hat, daß sie nichtist und über welche man nicht den Segensspruch macht. Aus welchen Jngredenzien diese und obige Purimspeistn werden, wird leider nicht angegeben) wie es scheint waren sie unter deqMnannten altfranzösischen Namen allgemein bekannt. Viel eii facher sind schon folgende Koch- und Backrezepte. Die von den Aerzten jetzt so sehr empfohlene Mehlsuppe wird in Toffaphot (Berachot 36 b, s. V.>2) als bezeichnet) sie besteht aus Mehl und sich aus religiösen Gründen außerstande, mit der zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten. Sir Herbert Samuel, . der Oberkommissar von Palästina, wünscht eine jüdische politischreligiöse Einheitskörperschaft zu schaffen, die alle palästinensischen Juden umfassen soll. Als politisches Vertretungsorgan der ganzen palästinensischen Judenheit erkennt er nur den zionistischen „Waad leumi" (Naiionalrat der palästinensischen Juden) und den lokalen „Waad hoir" (Lokaler jüdischer Rat) an. Als religiöses Vertretungsorgan erkennt er nur ein offizielles zionistisches Oberrabbinat an, das lokale Rabbinate an verschiedenen Plätzen hat. Die lokale orthodoxe jüdijch-aschkenasische Gemeinde von Jerusalem, die mit der Agudas Jisroel sympathisiert, ist nicht anerkannt und ihre Rabbiner sind mehrerer Rechte beraubt worden, die sie vor Sir Herberts Zeiten besaßen. Cs ist wahr, daß die Mitglieder dieser Gemeinde nicht verfolgt und bestraft werden, jedoch kann man nicht sagen, daß die religiösen Rechte aller palästinensischen Juden in gleicher Weise respektiert werden. Neuerdings hat der Oberkommissar dem zionistischen „Waad hoir" an verschiedenen Plätzen das Recht gegeben, das ungesäuerte Brot für den kommenden Peffach zu. besteuern, welche Steuer von jedem Juden, sei er Zionist oder nicht, bezahlt werden muß. Diese Steuer wird von dem „Waad hoir" benutzt, um die Gehälter seiner Rabbiner zu bezahlen. Die Konsequenz ist, daß die Mitglieder der Agudas Jisroel für ein Rabbinat bezahlen, gegen das sie religiöse Einwendungen haben. Dies kann man nicht mehr Religionsfreiheit nennen. Es liegen klare Beweise vor, daß der Oberkommissar beabsichtigt, der zionistischen Kommission von Palästina das Recht zu geben, jedem Juden Steuern aufzuerlegen. - Ich bin selbst Mitglied der zionistischen Organisation, aber ich glaube, dies ist ungerecht und gegen die Prinzipien britischer Verwaltun g. Meine Schlußfolgerungen sind, daß es im Interesse des jüdischen Volkes und des jüdischen Palästina liegt, in der Balfour-Deklaration d ie religiösen Rechte auch der nichtzionistischen Gemeinschaften in Palästina zu wahren, und in der jüdischenAgrnturdie das Mandat ins Leben ruft, der Agudas Jisroel die gleichen Rechte zu gewähren, wie sie die zionistische Organisation genießt. Milch (oder auch aus Wasser) und ist leicht zuzubereiieu. Eine eigene leichte Speise bereitete sich Rabbi David aus Metz) er 'pflegte sie morgens früh zu sich zu nehmen, um sich für seinen chalachischen Vortrag zu stärken. Das Rezept ist ebenso leicht und einfach und ist im Toffaphot (Berachot 37 b, s. V. ivrr) wie auch im 5P"sn (g. St.) genau angegeben. Brotsuppe NkNNt Raschi (dass. 37 b)) diese Speise ist leicht zuzuberetten. In die kochende Brühe werden Brotschnitte gegeben und je nach Geschmack ganz dünn oder dick gekocht (vergl. Toffaphot z. St.) Der so sehr beliebte Baumkuchen wird nach Ra'cht genannt und diente ursprünglich nur als Dessert. Er bestand aus einer (gewöhnlichen) Tetgmasse, gefüllt mit viel Gewürz, Nüssen und Mandeln. Dieser Teig wurde verschieden geformt („wie Vögel oder Bäume") und hatte den Vorzug, daß er sehr ausgiebig war. „Man aß davon nur wenig" (Berachot 41 d). Dieser Kuchen wird nach Raschi auch genannt (dass. 42 a), Der (z. St) versteht darunter ganz dünne Kuchen, die mit in Honig eingemachten Früchten stark bestrichen werden (vergl. 7!N)LN am z. St.). Bei der Zubereitung von „Lekach" (Honigkuchen Lebzelt) empfiehlt der rvn isn am möglichst wenig Wasser, dafür desto mehr Honig und Gewürz zu verwenden, diese bilden die Hauptbestandteile dieser süßen Speise. Derselbe nennt noch e ne andere nicht minder wohlschmeckende Speise. Sie besteht aus einem ganz dünnen Nudelteig, der beutelartig zusammengerollt und mit Zucker, Nüssen, Mandeln und Gewürz gefüllt wird (dass. Anmerk. 88, 89). Etngesottene Nüsse werden nach Toffaphot (Berachot 36 b s. V. nrnrn2) mptsnü g( nannt. nmen ' m nennt sie „Muskatnüsse". Die Nüsse werden entmcder im reifen Zustande oder auch im unreifen Zustande in Honig Sin ungedrulktes Gutachten von prof. Sr. Hoffman» VeröffenilichtvonDr. Wilhelm FrehhlM in Breslau. Unter den zahlreichen Gutachten, die Professor Hoffmann in allen Fragen des jüdischen Einzel- und Gemeindelebens abgegeben hat, dürste das nachstehende ein besonderes Interesse beanspruchen. Die Orgel- und Harmoniumfrage, — zwischen welchen beiden Instrumenten Hoffmann mit Recht in Bezug auf den H PDÖ keinen Unterschied macht - begegnet selbst in konservativen Kreisen häufig noch einer gewissen Inkonsequenz, die angesichts ihrer prinzipiellen Bedeutung für den jüdischen Kultus befremden muß. Gehört es doch nicht zu den Seltenheiten, daß Juden, die ihrer sonstigen Lebensführung nach durchaus als konservativ bezeichnet werden müssen (nicht rDtP Wiö sind usw.), nicht Anstand nehmen, die Orgelgottesdienste zu besuchen, sei es, daß ihnen ein besonders guter ft.i oder eine geistvolle Predigt hierzu Veranlassung gibt. So kann es kommen, daß Reformsynagogen, die sonst eine gähnende Leere zeigen würden, sehr häufig, namentlich am Freitag Abend und Vormittag von den konservativen Gemeindemitgltedern gefüllt und ihre Gottesdienste durch deren Teilnahme geradezu ermöglicht werden. Jenes war z. B. in Breslau viele Jahre der Fall (ob sich die Verhältnisse jetzt geändert haben, ist mir nicht bekannt), und es ist anzunehmen, daß man in anderen Großgemeinden ähnliche Erfahrungen machen kann, namentlich dort, wo der Orgelrabbiner in seiner-sonstigen religiösen Anschauung mehr in dem Boden des überlieferten Judentums als in der Reform wurzelt. Fragt man einen solchen Synagogenbesucher, ob er denn noch niemals über die Unzulässigkeit der Orgel im jüdischen Kultus nachgedacht habe oder ob er denn gar keinen Widerspruch zwischen seiner sonstigen konservativen Lebensführung und der Teilnahme am Orqelgottesdienste empfinde, so hört man in den meisten Fällen, daß dieser oder jener, der doch auch „sehr fromm" sei, auch schon dort gewesen sei, oder aber, daß man nur zur Predigt gehe (was ich selbst häufig zur Antwort erhalten habe), im übrigen aber schon bet n&Dttfn gebetet habe! Man sieht, zu welch verwirrenden Anschauungen eine Inkonsequenz auf dem Gebiete der Orgelfrage führen kann. Meist bleibt es nicht bei dem Besuche der Predigt (wobei ich weit entfernt davon bin, den Besuch der Orgelsynagoge — selbst ohne dort zu beten — zu entschuldigen oder gar zu billigen). Die unwillkürliche engere religiöse Gemeinschaft führt gewöhnlich auch zu ganz unangebrachter, falscher Duldung anderer Abeingesotten (vergl. auch 38 b nrDPD und r\sa z. St.) Lesec aus der Tschecho-Sklowaket wird es gewiß, interessie.eu,- zu hören, daß das in Böhmen so sehr bekannte und beliebte „Powidl" auch in nrnan am zum rin (Anmerk. 40) erwähnt wird. Es ist dies das deutsche Pflaumenmus. Sollte eine der Leserinnen diese Rezepte zu Purim ausprobieren, so wünschen wir ihr guten Erfolg und besten Appetit. Wünschenswerter wäre es aber, sich mit dem Studium von Toffaphot re. intensiM.zu beschäftigen, da darin noch viel ge s ch iMchl ich es Material enthalten ist. Doch darüber s. G. E in einem andern Artikel. (Nadinm im Talmud?). Rabbiner Dr. Kanter schreibt uns: Es dürfte sicherlich wiffenschaftliche Kreise interessieren zu erfahren, daß allem Anscheine nach den Talmudweifen das Radium bekannt war. Im baby« ionischen Talmud, Megilla 12 a erk ürt Samuel, im Talmud als Arzt und Naturforscher bekannt, die Worte mn)D) mi folgendermaßen: Unter Tj ist ein seltener Stein, der sich im Auslände (in den Schächten des Meeres) befindet, zu verstehen, der Darah heißt. Dieser Stein diente dem König Achaschweroich als Beleuchtungskörper für alle Festräuine und es war so hell wie zur Mittagsstunde. Raschi bemerkt dazu: Dar war so hell wie die Sonne (mn'D) *n). Unter mn®, so bemerkt s"ßnnn r> St. ist die Sonne srnnv) zu verstehen durch Verwandlung des n in ein n. Durch Verwandlung'des m -in an und des talmudischen rm in na haben wir sogar auch den Namen „Radium". Aber selbst ohne diesö Verwandlung kann unter „dem seltenen Siein Darah' nichts anderes als Radium zu verstehen sein. Denn welch Mineral leuchtet sonst so hell wie die Sonne am Mittag, wenn nicht Radium?

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