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Der Israelit · 1922-03-09 · Heft 10 (9.3.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 10 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 Nr. 10 Der Israelit. v. März 1832 lich auf der Straße zeigt, der Schmuckbehang und die Putzsucht der jüdischen Frauen, das Protzen- und Prassertum der Männer, verdacht wird uns das Streben nach Ansehen, Ehren und Aemtern. Und ist es tausendmal wahr, daß der Jude es in der Ausnützung der Konjunktur und in der Anbetung des Goldes und der Modegötzen nicht schlimmer treibt, als der in der gleichen sozialen Schicht sich befindende Ntchtjude, ist es auch eine Binsenwahrheit, daß der Jude bet gleicher Eignung das gleiche Anrecht auf alle von Staat und Gesellschaft zu vergebenden Ehren und Würden hat, wie der Andersgläubige, so haftet doch Hamans haßerfülltes Auge auf dem Juden, bei dem der religiöse Geist schläft, um den Ehrgeiz in außerjüdischen Dingen nicht zu stören .... Und trifft es sich so, wie dieses in den Parlamenten der Ostländer zumeist der Fall ist, daß gerade solche Juden kraft ihrer Stellung und besseren Vertraulichkeit mit den äußeren Faktoren sich als Vertreter des Judentums aufspielen und als Wahrer seiner religiösen Interessen auftreten, dann fällt Haman der Kampf nicht schwer mit Gegenrufe: „Was wollen die an keine Religion Gebundenen mit dem Gerede vom religiösen Rechte und was steckt dahinter?" Wo Gesetztreue für das religiöse Recht der Minderheit sich einsetzt, wo Männer, die unter schweren wirtschaftlichen Opfern den Sabbat halten, für Sabbats Rechr und Ruhe eintreten, schrecken auch die Feinde vor Gewissenszwang NNd VngewaltigNNg des Heiligsten im Menschen zurück. Auch natürliche Bosheit kann ihr Auge nicht dafür verschließen, daß es hier um ein Höheres geht, von dem die Pfeile kleinlicher Haßpolitik zurückprallen. Wo aber am Sabbat der „jüdische Wortführer" beim Mint ster mit der Zigarre im Munde — wir spielen aus einen konkreten Fall an — vorfährt, um bei ihm für den Sabbat und andere Rechte der „jüdischen Minderheit" zu plädieren, da wundere man sich nicht, wenn der Vtelmögende mit. Hinweis auf den Wagen und die draußen abgelegte Zigarre lakonisch und verbindlich die Frage stellt, was eigentlich Sabbat und überhaupt religiöses Gesetz für ihn und seinesgleichen bedeute. Nationale Bedeutung? Schön! Aber hier setzt ja die Anklage mit dem nnx W ein : nixvn lü und dennoch rruw arrrfri- Unsere weisen Lehrer haben den Haman aller Zeiten wohl verstanden, wenn sie ihm über den glatten Wortlaut in der Megillah in den Mund legen: ttttP „der Mizwohgeist ist bei ihnen längst schlafen gegangen und dabei, Ti"* DK1, > Das Schlußkapiiel der Mgillch.*) Die letzten drei Verse der Megilloh bilden mit Recht ein besonderes Kapitel als Abschluß des Buches. Große Schwierigkeiten bot von jeher den Bibel, erklärern der erste Vers: „Der König Achaschwerosch legte eine Steuer auf das Land und die Inseln des Meeres". Wie paßt diese politische Maßnahme in den Rahmen und an den Schluß des Buches und in welcher Verbindung steht dieser Vers mit dem nachfolgenden Satze: 'ms rftvw nttnai ispn nrr>pv ^21? Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, Vers 1 enthalte eine scharfe Verurteilung der „Aera Hamans", während der zweite in schlichten Worten uns die wohl' tätigen Folgen der Wirksamkeit unseres Mordochai künden soll. Diese beiden Sätze, bringen am Schluß der Erzählung das Ganze noch einmal unter die Lupe. Vergegenwärtigen wir uns darum, wie der Ver- *) Aus dem soeben bei I. Kauffmann, Frank- I furt a. M. erschienenen „Das Buch Esther" von B. Wolfs. wagen sie Aenderungen des Staatsgefetzes für sich.in Anspruch zu nehmen, m t der Behauptung: D17! HDS DVn rotf/ es gehe um die Heiligung des Sabbats und der Feste. Beachten wir diese talmudische Ausdeutung wohl, sie dient einzig lern Zwecke, daß wir von unseren Feinden lernen und ist eine Mahnung, daß wir nichts nach außen verteidigen können, was wir erst nicht in uns besitzen. Wochenmndschau. Vom Kamps um Zion. Während der Jerusalemer „Daor Hajaum", wie vorige Woche berichtet, mit onerkenuepswerter Objektivität die idealen und jedem vernünftigen Menschen einleuchtenden Beweggründe der Aktion Rabbi Chajtm Sonnenfelds gegenüber Lord Northcliffe würdigt, ist das deutsche Ztonistenorgan durch dieEreignissederletztenWochen in einen förmlichen Paroxysmus des Haffes versetzt wo. den. Es weiß sich an persönlichen Verdächtigungen und Beschimpfungen der Orthodoxie gar nicht genug zu tun. Aus diese höchstens für die Pathologie der politischen Leidenschaft interessanten Aeußerungen schöner Seelen gehen wir nicht ein. Darf es uns ja genügen, daß dieselbe „Jüdische Rundschau" gleich darauf, aus der Feder eines so scharfen Gegners wie Dr. Jacob Thon dem Führer der palästinensischen „Agudas Jisroel", Rabbi Chajim Sonnrnfeld das Zeugnis ausstellen muß, daß er „zu den feurigsten Fürsprechern der jüdischen Ansprüche auf Palästina gehört habe" und ein „integrer, auch von den Gegnern geachteter Mann, das Muster eines thoratreuen Rabbiners im alten Sinne" sei. - Nun wohl. Die Delegation an Lord Northcliffe entspringt offenbar der eigensten Initiative eben dieses Rabbiners und ist schon deshalb gegen den nichtswürdigen Verdacht gefeit, als handle es sich dabei um eine Schädigung des jüdischen Jschuw in Palästina. Die klaren, nüchternen Ausführungen des Prof, de Haan, die wir an anderer Stelle dieser Nummer veröffentlichen, zeigen deutlich, auf welches Ziel die Bemühungen der Orthodoxie gerichtet sind. Das Sch'cksal der Sonnenfeld'schen Gemeinde ist lediglich ein typischer Schulfall für die verhängnisvollen Konsequenzen zionistischer Monopolherrschaft im Großen und Kleinen, und wenn die „Agudas Jlsroel" um ihren legitimen Einfluß auf die Gestattung der neuen jüdischen Siedlung in Erez Jtsroel ringt, so kämpft sie noch mehr für die kommende Generation wie für die heute Lebenden. Ist das Mandat einmal unter Dach, und die zionistische Or anisation als einziger berechtigter Vertreter der jüdischen Gesamtheit gegenüber der Mandatarmacht anerkannt, dann wird es für die Orthodoxie zu spät sein, sich der moralischen Erdrosselung durch den religionslosen Nationalismus in Palästina zu erwehren. Dann nützt uns auch der Trost nicht, denMr. Churchill, wie an anderer Stelle berichtet, der arabischen Delegation gespendet hatindemt er darauf verwies, daß die Agency nur Rätschläge zu erteilen habe. Dann wird vielmehr erst recht das durch und durch widersittliche Wort der Verführung erschallen : werdet, entgegen Eurem Gewissen, Zionisten oder verzichtet auf Erez Jtsroel! Wie kann man unter solchen Umständen der. Orthodoxie zumuten, zuerst ruhig zu warten, bis der Zionismus seine Alleinherrschaft über Erez Jisrol gesichert hat und dann erst einen aussichtslosen inneren Kampf zu beginnen! Die „Rundschau" erklärt das Verhalten der Orthodoxen für beispiellos in der Geschichte auferstehender Völker. Das mag richtig sein. Beispiellos ist aber auch Wesen und Geschichte des jüdischen Volkes, beispiellos seine welthistorische Ausgabe als Träger des Gottesgesetzes, um die sich die Orthodoxie weder durch das halbassimilierte Nationalistentum zionistischer Führer noch durch die gefahrvolle Kompromißpolitik des rechten zionistischen Flügels betrügen lassen darf. Beispiellos ist vor allem auch — rein vernunftmäßig betrachtet — die Taktik der zionistischen Führung gegenüber den . immer lauter ertönenden Forderungen der orthodoxen Mafien. Fast möchte man glauben, daß diese Taktik lediglich von misrachistischem Fraktionsinteresse bestimmt wird. Sonst müßte ja niemand sehnlicher wünschen als die Weiterblickenden unter den zionistischen Führern) daß die Jewish Agency auf eine möglichst breite Basis gestellt und nicht lediglich zur Befriedigung eines kleinen Parteiehrgeizes erniedrigt wird. Matt wird auch hierfür nicht leicht "Beispiele in der Geschichte der Restaurationen finden. Im übrigen möchten wir nach beiden Seiten zur Ruhe mahnen. Die Leidenschaften sind so erregt, daß diese Mahnung wirklich in allen Lagern ertönen sollte. s—t— Sr kennt die Wahrheit. .. An der Spitze der Nummer 4 der Zeitschrift des „Retchsbundes jüdischer Frontsoldaten" stehenffolgende Bemerkungen „in eigener Sacbe": fasser in seinem Buche durchweg bemüht gewesen ist, dem Herrscher Persiens in der denkbar schonendsien Weise an Hand der vorgesührten Tatsachen nahezulegen, welch' einem Heuchler und Verbrecher er eine zeitlang seine Gunst bewiesen. Ec zeigt an geeigneten Stellen ohne Verletzung des Königs, wie dieser ehemalige Günstling von dem ernstesten Streben geleitet war, den rechtmäßigen Fürsten des Landes vom Throne zu stoßen und sich selber zum Herrscher des Reiches zu machen, und wie er dabet vor keinem Mittel zurückschreckte, um zum Ziele zu gelangen. Schon sein erstes Auftreten als Memuchan war darauf berechnet, dem Könige unter der Maske des königstreuen Ministers Verlegenheiten zu bereiten, wie das die erste Schöpfung dieses Heuchlers, die „lex Memuchan" beweist, ein Gesetz, das den Keim zu allen nachfolgenden Verdrießlichkeiten in sich trug. Wäre sie nicht gewesen, so hätte sich der König früher oder später mit seiner ersten Gemahlin wieder vereinigen können, hätte er nicht zum Zwecke seiner Wiederverheiratung eine so überaus kostspielige Haremswirtschaft einführen, nicht ein so prächtiges Hochzeitsfest in verschwenderischer Weise mit Steuererlaß und anderen Gnadenbeweisen ausrichten brauchen, wiewohl auch alle diese Maßnahmen ihren eigentlichen Zweck verfehlten, da sie die Nörgler, die die zweite Ehe in gehässiger Weise bekrittelten, doch nicht zum Schweigen brachten, sondern zum äußer sten, zum Königsmorde, trieben. Nur der Wachsamkeit Mordochais, der alle Fäden des Verbrechens hätte ausdecken können, hatte der König sein Leben zu danken, Anlaß genug für Haman, alle Juden pretszugeben. Und was war der Erfolg dieser „Aera Haman"? Haß und Feindschaft unter den Volksgenossen, Vernichtung von Menschenleben und von vielen materiellen Werten, Mißwirtschaft in allen Teilen. Die Staatskassen leer, der Bedarf des Reichs- und Hoshaushalies viel größer als jemals! Und so mußte es kommen: "ftb.n b2"l pnnn bv üb tbiniwnn, daß der König sich gezwungen sah, den Bewohnern des Festlandes wie den freien Insulanern wieder neue Steuern aufzulegen, die nach dem jüngsten Steuererlaß umso drückender empfunden wurden. Mit diesem Satze wird also an dem Judenhasser eine vernichtende Kritik geübt und über seine ganze Amtsführung der Stab gebrochen. Als Gegensatz folgt nun die Beurteilung der „Aera Mordochai" in der denkbar bescheidensten Weise. Der Verfasier unterläßt es, seine Verdienste und seine Wohltaten, die er dem Lande' und dem Volke durch seine kluge Amtsführung erwiesen, einzeln aufzuzählen r etztverweisk nur auf die Aufzeichnungen in den Büchern der Zeitgeschichte von Persien und Medien. Der letzte Satz im Buche stammt ohne Zweifel von der Königin Esther, die dem frommen und geliebten Oheim ein ehrendes Denkmal setzen wollte, entsprechend dem Wortlaut des letzten Verses im 9. Kapitel. Er bildet einen würdigen Abschluß des Ganzen und entspricht der Gepflogenheit:2:v 12^2 b"v!?. Kleines Feuilleton. Einige Koch- und Vaürezepte für die Purim- und sonstige Küche. Von Dr. Felix Kanter in ZwittauI(Mähren). Folgende Koch- und Backrezepte sind größtenteils französischer Provienz und haben noch den Vorzug,

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