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Der Israelit · 1922-03-02 · Heft 9 (2.3.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 9 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 2. Nr. ö. l äJ L* x* 2. März ISA Teil der sephardischen Delegierten, ein Entschluß, den man vor einem Jahre noch, als die selbständige Orthodoxie ihn faßte, ivohl als „separanstisch" brandmarkte. Wir möchten der .Hoffnung Aufdruck verleihen, das; in einen; weiteren Jahre die Stelinngnahiiie der Agndoh auch da Anerkennnng finden ivird, ivv diese j[)v Heine noch versagt ist. K Delegjertenlag -er polnischen Agndas Wroel- Landesorganisalion in;Marschau vom 15.—18. Schivat 5682. II. st.m ^nnelpnnkle der ersten Sitzung st nid das Refera; von st. Bi. Kelvin-Warschau über die derzeitige Lage der polnischen Agndas Iiswel-Landesorganisatjon, dem wir entnehmen.' Drei stahre sind feil dem ersten Delegierlentage verflossen drei stahre schwerster Arbeit, die dazu dienten die orthodoren Massen der polnischen stndenheit fest zn organisieren. Mehrere hnnderttanfend Mitglieder sind in etiva sechshundert L nsgrnppea znsawmengeschlosfen. Neben der rein organifatorifelien Arbeit entfaltete die Leitung eine rege Tätigkeit aus allen Gebieten des indischen 2cbcn-y stahlreiche Deputierte und Rachmänner vertreten in der Deffentlichkeit die Reichte der Ortbodopwk. Ans dem Gebiete des Erziebnngsivesens worden schöne Erfolge erreirlit, in vielen Städten wurden Mädchenschulen gegründet, stör Erez Israel ivnrde 'eine lebhafte Agntation «'Nifallet. Schließlich gab Redner einen lleberbliel über den Stand der Agndabbeinegnng in den übrigen Ländern der Diaspora. In der ziveiten Ditmng ivnrden pmärhst die Wahlen für das Präsidium und die Kommissionen vorgenvmmen. stnm Präsidentelt ivnrde der (V l p n i a n e r R a iv geivählt. dieser brachte ein Schreiben des atis familiären tvründe» an der Teilnahme verhinderten Ehosez Ehajim zur Perlesung, dann erteitre er A l ex a n d c r st rieb m a u n das Wort zum Referate über C r g a n i s a t i o n u n d P r o v a - g a n d a. stn großen Zügen legte der Redner den Aufbau der Organisation dar. steigre:\Kirtel und Wege um die Agndah finanziell zu stärken.. Den stngendgrnppeii spendete er ob ihrer intensiven Tätigkeit lebhaften Dank, stnm Schluß -forderte er die großzügige organifatorifche Erlassung aller stranen in sogenannten „Bein sta-- kanlv"-(hrnppen. Die sich an das Referat anschließende Debatte, an der etiva 50 Redner Mitnahmen, wnrde erst in der dritten Sitznng zu Ende geführt, an der sich dann die Vorträge über Erziehnngsfragen reihten. Aid erster ergreift das Wort der Sachotschiner Raiv zum Thema,,Die i'idifche Erziehung". Er führte rrns: Alle unsere Erziehnngsaitstalten können >.vir in zivei Kategorien einleilen, in Elementar- und Hochschulen. Die übrigen Völker haben drei Arten von Schulen: Elemeularschulen, Mittelschulen und Hoch-- schulcn. Die Elementarschule dient bei ihnen dazu, das Kind des Volkes in Lesen und Zeh reiben zu niuerrichlen, die Rlitrelfchnlen sind den Kindern der besseren 2lande Vorbehalten. Per uns jedoch kann man einen solchen Unterschied nicht machen, da sich kein Jude dainit begnügt, seinem Kinde nur Gesell und Schreiben zn lehren. Unser Ideal ist zum mindesten zn erreichen, daß jedes Kind Ehninisch mit Raschi, einen Perek Blisrhnaioth und sein Blatt Genwroh lernen kann. stn letzter Zeit ist auch bei und eine „Volksschule" entstanden. Ein neuer Begriff für uns: die Volksschule! stst unser Eheder denn keine B o l k d s ch n l e? sta, aber zivischen diesen beiden Arten von Volksschulen besteht ein großer Unterschied. Unser Eheder erzieht den Juden zu schönster und heiligster Moral, in unserem Eheder lernt das Kind unsere Thanro — die Geschichte nuferer ’ Väter, unserer Richter und Propheten. Es erzieht das Kind zur Moral und Züchtigkeit. Die alten Griechen dagegen erzogen ihre Kinder zu Mndkelmenschen. Wad haben jene mit dieser Erziehung erreicht: f'ie haben Schlachten gewonnen. Wir dagegen haben durch unsere Ehedererziehung unseren Kindern die moralische Kraft gegeben, das Leben hinzugeben für nufere Volksideale, ivie da find: Tauroh und Awaudoh. 'Der Redner bespricht dann das Gesetz über den Schulzwang und meint: Für die. Inden war das (besetz nicht nötig, denn bereits seit den Zeiten von Rabbi stehofchnah be» Gamla kennen wir einen Lchulzwan.g. Er schilderte alsdann ivie insbesondere durch die Auskläruiigsepoche iHaskalahi die alten Lehrkräfte, die Melamdim und damit die Ehedarim dem Untergange enk- . gegengeführt ivnrden. Zur rechten Zeit ist hier die Agndah auf den. Plan getreten, um die Ehedarim' zn retten. Sie gründete Ehedarim unter dem Titele „Ie.sodeh Hat,in roh", an denen neben den jüdischen auch in allgemeinen stächern unterrichtet ivird. Welch musterhafte Anstalten diese Ehedarim dar stellten, beiveist am deutlichsten die Aeußernng des Führers des amerikauischeu Misrachi, Rabbi Meier Berlin, der erklärte, daß die ,,stefodeh Haranrob" die einzigen ,'üdifcheu Erziehungsanstalteu iu Polen st'ieu, die feinen Beifall gefunden hätten. Der Referent fordert, daß in allen Städten „stefodeh Hataikroh", die als Ersatz für die Volksschulen gelten, gegründet werde». Reben den Ehedarim müssen auch „Mefistos"-5dochsch!ilen geschaffen lverden. Die erste Hochschule, die die Agndah in Warschau ins Leben gerufen hat, arbeitet vorzüglich, sie ivird zur Zeit von IGO Schülern besucht. Mit einem warmen Appell, nicht nachznlassen in der Arbeit für die Jugend, schloß der Referent. 'Rach ihm sprachen noch der G l >) n i a n e r R a iv über die E h c d e r s r a g e, sowie Ratinann Bi i n z b e r g über dir r e ch t l i ch e Stell u n g der Ehedarim. lieber diese beiden Referate soivoh! ivie über die sich daran anschließenden Debatten lverden lvir, ebenso ivie über den Verlaus der weiteren Sitzungen, in denen u. a. referierten : Kirschbraun über Politik, Trocke.nheim über (b e m e i n d c f r a g e n und Kaminer sowie Weidenseld über Erez Iisroel, in der nächsten Riinnner berichten. * * * Tie ans der Tagung angenommeilen Resolutionen, soweit sie sich aus Politik und Erziehnugssragen beziehen, veröffentlichen wir nachstehend : A. P o 1 i t i k. I Die ztveite Landeskonferenz der Agndas Zisroel in. Polen steht ans dem Skandpnnkt, daß ein Weg für ein friedliches Zusammenleben alter poluischen. Bürger, ohne Unterschied der Ration und Religion gefunden lverden muß, um die Entwicklung des Landes zn fördern. Der Telegiertentag erachtet es niedringend notwendig, die Regierung ans ihre Verpflichtung hinznweisen, faktisch und nicht bloß ans dem Papier alle Rechte, ivelche dem Juden in der Konstimrion gewährt sind, dnrchznführen. II. Um dies Ziel zri erreichen, ivird das Zentral-Komitee der Landesorganisation anfgesvrdert, die jüdischen Interessen in Polen zn lvahren und alle Maßnahmen, ivelche hierzu nötig sind, zn veranlassen. -III. In erster Reihe ist es Ausgabe des Zentralkomitees, dafür zu sorgen,' daß 1. So schnell wie möglich die absolute ZwangssoiiMagsrnhe für diejenigen Inden in Polen aufgegeben ivird, ivelche ilach den; Toragefetz am Sabbat ruhen. 2. Daß mit energischen Btittein der antisemitischen Hetze entgegengetreten ivird, ivelche das Prestige und die Iriterefsen des Landes gesährten. Der Deiegiertentag;st überzeugt, daß regierungsseitig angeivandte Maßnahmen den geivünschten Erfolg haben werden. 3. Daß die Regiemng ihrerseits dem Boykott gegen jüdischen .Handel mtb Industrie, ivelcher auch die finanzielle Lage des Staates beeinträchtigt, entgegentrete. 4. Bei der Wahlordnung znn; zukünftigen Seim (Landtag) darf unter keinen Umständen die jetzt projektierte Wahlordnung angenommen iverdcii, da dies den Inden jede Möglichkeit raubt, ihrem provor'twnel'leu Verhältnis entsprechend im ^eiin vertreten zu sein. 5. Es ist von der Regierung zu verlangen, daß sofort alle Sondervorschriften für Inden, ivelche noch von der russischen ZeU herstammen, abgeschafft werden, wie zum Beispiel die doppelte Spitalsteuer für Inden. 6. Von der Regierung ist die Anerkennung der religiösen Volksschule Ehedarim als Volksschule im Sinne des Volksschulgesetzes zu verlangen. B. E rz i eh u n gs f r a g e n. I. Organisation. I. Die zweite Landeskonferenz beschließt die Gründung einer Erzichuilgszentrale mit einem vcrantivortlichen Vorsitzenden. Die Ausgabe dieser Zentrale ist die systematische Durchführung der Erziehungsarbeit nach den Aniveisnnger, des rabbinischen Rates. '2. Das Zentralkomitee hat eine Konferenz von Fachmännern in Erziehungsfrngen einzubernsen, um die Richtlinien für die Erziehnngszentrake auszuarbeiten. 3. In jeder Ortsgruppe ist eine Konunisfion einznrichten, deren Ressort die örtlichen Erziehungsfragen darstellen. Sie senden Berichte an die Erziehungszentrale und erhalten ihre Direktive von dieser. -I. Tie Erziehungszeittrale hat in denjenigen Orten, in. denen nach keine Erziehungsanstalten vorhanden find, solche zu gründen unb die bereite vorhandenen, sowohl, in bezug ans jüdische, wie auch Profane Fächer zu kontrollieren. 5. Tie Erziehungszentrale hat eia Register aller Persönlichkeiten anzutegen, welche geeignet sii;d, bei dem Erziehungswerk mitzuarbeiten. 3. Jede Ortsgruppe soll veranlaßt iv erden, die örtlichen Waisenkinder in Heimen rntterznbringen und für ihre Erziehuirg zu sorgen. II. D i e A u f g a b e u d e r. 'E r z i e h n n g s - zentrale. 1. Es sind Richtlinien zum eigentlichen Programm für alle Erziehungsanstalten ansznarbeiten. 2. Es ist anzustrebeu, daß in'jeder Gemeinde allgemeine Ehedarim eingerichtet lverden, deren Lehrprogramm nach diesen Richtlinien festgelegt ist- 3. In größeren Gemeinden ist die Gründung von talnrudischen MiLtelschulen anzustrebeu, für die begabteren Schüler, ivelche die Chedarim mit Erfolg besuchten. 4. Unter der Leitung der großen rabbinischen 2tutoritäten sind talmudische Hochschulen einzurichten, in ivelcher diejenigen Schüler tüusuahme finden, welche die Eignung für den rabbinischen Beruf nachgeiviesen haben. 3. Die Ortsgruppen sind'zu veranlassen, für junge Leute tägliche Kurse bei einem Talmud ge lehrten einzurichteir, die Arsisicht hierüber ist. dem Ortsrabbiner zu übertragen. 6. Die Erziehnngszentrale hat die Gründung eines Brlchverlags, speziell der in der Chedarim gebrauchten Bücher vorzunehmen, sie hat ferner die Herausgabe einer Zeitschrift, für Tora bestimmt, urn die Schüler der Hachschu'len anzurbgen. Außerdem sind periodisch erscheirwikde Veröffentlichungen über Erziehungsfrngen herauszugeben.

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