Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1922)
- Date
- 1922-03-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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„V lä 1 te r." 3. Mar-i 1922 III. D t e Erzie h u n g s a n st a (t e n u n b bic Z tu n ii gs sch u (e. 1. 'Das Zentralkomitee hat weiter bei der Regierung energisch einzutreten, daß unsere Chedarim als Vorschulen anerkannt werden, deren Besuch durch die Schüler und Schülerinnen als Schulbesuch in gesetzlichem Sinne' anerkannt werden. In unseren Chedarim sollen profane Fächer insoweit betrieben werden, als das Gesetz es verlangt. Doch soll dadurch der Charakter des Cheders nicht aufgehoben werden. Durchschnittlich soll - die Stundenzahl für Profane Fächer auf 1.2 Stunden wöchentlich festgesetzt sein. 2. Das Zentralkomitee hat bei der Negierung für die Anerkennung des vor: der Erziehungszentralc ausgearbeiteten Lehrplans für Profane Fächer einzutreten. 3. Das Zentralkomitee hat bei der Regierung Unterstützung für den Profanen Unterricht da zu verlangen, wo es die lokalen Verhältnisse erfordern. 4. Die Aussicht über den jüdischen Unterricht ist in jüdische Hände zu legen und nicht der staatlichen Schulinspektion zu übergeben. 5. Lehrbücher für den profanen Unterricht" sollen' daraufhin geprüft werden, daß ihr Inhalt weder mit der jüdischen Religion noch mit dem jüdischen Volksempfknden in Widerspruch stehen. D. M ädche n e r z i e h u it g. Das Zentralkomitee hat die -Ortsgruppen zu einer energischen Tätigkeit auf dem Gebiete der Mädchenerziehnng zn veranlassen. Es sind möglichst in jeder Ortsgruppe Mädchenschulen nach dem Muster der bisher von der Agnda gegründeten Beth Jaköbschulen 'einzurichten. 1. Gewerbliche Ausbildung. Für die nicht zum Thorastudium befähigten Kinder, welche das 13. Jahr überschritten haben, sind Handwerksschulen einzurichten. In diesen Handwerksschnlen sollen auch tägliche Kurse abgehalten werden. 2. Da, Ivo die Gründung einer Handiverksschnle nicht möglich ist, hat die Ortsgruppe für geeignete Lehrstellen zu sorgen, in welchen die Lehrlinge untergebrächt werden können, ohne daß ein schädlicher Einfluß von Seiten der Arbeitgeber im Reliatonssinne zu befürchten ist. 8. Lehre r a u s b i l d u n g. Die Gründung eines Lehrerseminars rst anznstr.len, um dort die Lehrer und Lehrerinnen für die Chedarim und Schulen auszubilden. Das Sennnar soll unter Leitung eines thorak.indigen, religiös einwandfreien Kannes gestellt werben. (Fortsetzung folgt.) Unsere Gegner. VI. Zluei Beri ch te über dic W a rscha u er Landesta g u n g. „Die jüdische Presse"-Berlin, das Zentralorgan des Misrachi, schreibt in einem „Warschauer Brief": Die hierauf folgende Konferenz der Schtvnic Emune Jisroel war auch nur sie Parodie einer Konferenz. In einem Theatersaal durcheinander redende Delecsierte, die kein Verein delegiert hatte, geschäfttiche oder geschäftsordnungsmäßige Fragen durch die Troscho eines Redners autoritativ entschieden, der nicht das Wort hatte, Schal-Rufe und Schlußanträge, wenn jemand von einer Opposition reden wollte, ein Vorsitzender, der das Wort dem Vorsitzenden des „Pomeranzen"-Ausschusies gibt — (gemeint war der Permanenz-Ausschuß^) und dergl. Der angekündigte Referent, Dr. Pinchas Cohn atls Ansbach, unter dessen Aegide seinerzeit Rabbiner- Verband und Agudas Schlome Emune gegründet wurden, war nicht erschienen, und von der deutschen Ordnung, die er herverpslanzen wollte, nichts zu merken. Hingegen berichtet das Frankfurter inisrachistische Organ „Die Reue Jüdische Presse": Warschau, 20. Febr. Mit 1020 Delegierten ans 545 Orten wurde hier die 2. Tagung der A g u d a s Scholaumei Emunei Jisroel — so bezeichnet sich die Agudas Jisroel in Polen — eröffnet. Nach den E r ö f f n n n g s r e d e n ses Abgeordneten Rabbiner P e r [mutte r und des Ratsmannes K i r f ch b r a e> n sprach ein Vertreter der Regierung, Seren Interesse für die Tagung versichernd. Für den Rabbinischeit Rat sprachen die R e b b e i m b v n R a d s i n uitb von 3 o f o l o w und für den Rnbbinerverband in Polen der Ostrpwer R a w Worte der B e g r ü ß u n g. Aus die Aufforderung des letzteren ruft die ganze Perfannnlung — ein gewaltiger Moment - wie mit einer Stimme das „Schma Iisroel-Aekenntnis" ans. Es schlossen sich noch weitere Begre'ißimgsansprachen an, lind dann erstattete I. M. Lew! n den Tätigkeitsbericht, der einen -Zeitraum von drei Jahren umspannt, lieber die Zahl der Mitglieder spricht sich der Bericht nicht arrs; Palästina erklärt er als eine Lebensfrage der Orthodoxie. Tie zweite § i tz n n g begann mit der Wahl des Präsidiums. Präsident wurde der Glyner Raw: Er las eine mit stürmischer Begeisterung aufgenoinmene Begrüßung des Chosez Chajiin. Sodann referierte S h s ch a F r i e d in a n tt über Organisation und Propaganda. __ Diedritte and die vierte Sitzung waren hauptsächlich, den Debatten gewidmet. Selbstverständlich bekam der Misrachi seinen Teil ab. So beantragte der Delegierte W eint r a n b , der Rabbinische Rat der Agnda möge die Rabbiner im misrachistischen Lager, die zusammen mit Frauen sich an der Michrnchi-Konferenz beteiligen, aussordcrn, der Misrachipolitit zu entsagen, ' im andern Falle würden sie ans dem Rabbinifchen Rat ausgeschlossen. Ein anderer Redner machte den Vorschlag, der „Rabbinische Rat möge die misrachistisch gesinnten Rabbiner aussvrdern, sich der Agnda anzuschließen. Wir überlassen es unseren Lesern, über die Form der Berichterstattung des Berliner Misrachiorgans selbst ein Urteil zu fällen. Aeue Agu-o-Literatur. (Fortsetzung.) In geschmackvoller, äußerer Ausstattung repräsentiert sich die neueste stummer des „Digleuu", das Organ der polnischen Jugendorganisation, ivelches unter der vorzüglichen Leitung seines Redakteurs Fried mann die besten literarischen Kräfte unserer polnischen Zeire Emune Jsroel vereint, deren klassisches Hebräisch und tiefschürfendes Durcharbeiten der Agndo-Jdeologie den westeuropäischen jungen Agudisten als Muster dienen kann. Der Leitarttfel tu vorliegender Doppelnmmner wird besonders in den Kreisen der deutschen Jugendorganisation Interesse finden, weil er anktn'ipfend an den vor kurzem erlassenen Aufruf des Gerer Rebbe, Vorsitzender der polnischen Landesorganlsation, das auch am deutschen Delegiertentag behandelte Problem bespricht, ob. die Beschäftigung mit Agudaarbeiten dem Lernen nicht zn viel Zeit raube. Der Autor versteht es in überzeugender Weise, beit Standpunkt, den auch unser Delegiertentag eingenommen hatte, zu begründen. Cin ziveiter Artikel registriert die für gewisse palästinensische Kreise leider symptomatische Tatsache, der vor kurzem erfolgten Verehelichung der Schwester Professor Ch. Weizmanns mit einem 'Richtjuden. Bei der int übrigen nur zivilen Trauung fungierte ein Binder Weizmanns als Trauzeuge; ohne den retit privaten Charakter dieser Angelegenheit zu verkennen, weist der Autor doch mit Recht auf die Maßnahmen hin, welche in einem ähnlichen Falle unsere Weisen der ganzen Familie za treffen gegenüber für nötig befunden. (Mischpachas Bilga Ende Blaß Sucko). Bei beni deutschen Leser wird ein Artikel von B e n z i o n Beernlann besonderes Interesse finden, da er sich rnit zwei Mitarbeitern des Berliner „Jeshurun" anseinandersetzt, den Herren Rabbiner .Weinberg und Kaplan, welche in Nr. -2, resp. Rr. 4 (5681), dieser Zeitschrift sich bemühen, Berdidzelvski und Bremer psychologisch zu zergliedern und zu erweisen, daß in jenen „doch noch der frühere Wotosiner Jeschiwachnr zu erkennen sei," und daß Brenner „einerseits im tiefsten Innern den Geist der Tradition bewahrt, und Kr. 5 Sette 8. im letzten Abschnitt seines Schaffells wieder sich der Religion genähert habe." Bcermann weist das Verwirrende und Gefährliche solcher Art von Apologetik nach und fragt die auf orthodoxem Boden stehenden Apologeten, welchen Sinn solch vergebliche Liebesmühe habe, da sie ja selbst von der unjndischen Art der genannten. Autoren überzeugt sind und hebräische orthodoxe Zeit schrifteit wahrlich wichtigere, zeitgemäßere Aufgaben haben als nwa :"P3 snwn ns Chassidische Erzählungen 'und künstlerisch nicht unbeachtliche, hebräische Gedichte für Palästinaemigranten gebeil im „Digleuu" auch der Gemütsseite ihr Recht. Dr. Riemzowitsch behandelt in lichtvollen Ausführungen die Beziehungen zwischen „Religion und Ethik", I. Jozon, Tiberias, unterzieht die bekannte Misrachjiresolution in Karlsbad einer eingehenden Besprechung, die von Freund und Gegner wohl volle Würdigung verdient. Mit Berichten über den Fortschritt der allweltlichen, agudistischen Jugendbewegung schließt das reichhaltige Heft, dessen Herausgeber auch dieser Tage die jüdische .Uebersetznngsliteratur durch eine vorzüglich gelrtngenc I a r g o n ü b e r t r a g u n g von S. R. H i r s ch 's „Die j ü d i f ch e F r a u " bereichert hat. Im Anllang au R. Israel .Salanters publizistische Tätigkeit hat der Kreis seiner Schüler in Litauen unter der Leitung von Rabbiner I. S. D v o r e c a s, Koma y., Aps, Rokisk (Litauen), eine Zeitschrift: „ T w u n o " herauszugeben begoruren, ' welche „einet! Stein beitragen rvill zum Bau der Thora uitb der Erkenntnis des historischen Jüdentunrs." Wenn auch die Zeitschrift nicht offiziell als Agudoorgan zu bezeichnen ist, so bürgt doch die Ausivaht ihrer Älitarbeiter für-das halachifche Gebiet und der an die besten Traoitionen der Salanterschen Schule ankttüpisende Inhalt des ernsten Zeitfragen gemidrneterr Teiles dafür, daß in Wahrheit hier Wertvolles für unsere Gesinnungsgenossen geboten wird, besonders denjenigen, welche durch den übertäubenden Reklameläcin anderer Organisationen verlernt haben, die alte, schlichte Sprache unserer Maggidim zu verstehen. , Jm „Jiddischen Leben" haben die litauischen „Zeire Jsroel" sich ein Wochenorgan geschaffen, welche s bis jetzt schon durch seine temperermentvolle, selbständige Stellungnahme zu allen Fragen des jüoischen öffentlichen Lebens in kürzer Zeit die allseitige Beachtung und Achtung derart errungen hat, daß wohl in Bälde mit der Uinivandlung in eine Tageszeitung zu rechnen sein ivird. Bis jetzt ist unser einziges, täglich erscheinendes Organ, der W a r s ch a ii e r „I u d", welcher durch Erweiterung seines allgemeinen Teils in immer weitere Kreise eindringt. Insbesondere dürfte er das uüllkommene Berbin- , dtutgsglied mit der Heimat für die zahlreichen i polnischen, in Deutschland wohnenden Gcsinj nnngsgenossen darstellen. Der in Klausenburg unter ber Leitung Dr. B t er. n's iie nngerrischcr Sprache erscheinende „ I e s ch n r u n " ist als die einzige orthodoxe Wochenschrift Rumäniens mit sichtlichem Erfolge bestrebt, dem Agudagedanken dort, ivarme Anhängerschaft zu gewinnen. Jede Riimmer enthält neben der Abwehr gegnerischer Angriffe' ernch ein reiches, jüdisch-wissenschaftliches und homiletisches Material. Die jüngste Rluirmer des etivas verspätet erschienenen „H erde rech" enthält neben Berichten ans der Beivegnng hauptsächlich eine Reihe vorzüglicher Artikel über Palästinafragen. Wir halten es fit' selbstverständliche Ausgabe, besonders der Jngendgnippen, regelmäßig den „Haderech" zn lesen und ztl besprechen; aber auch die Lektüre der übrigen Agudakiteratllr dürfte wie wenig anderes geeignet sein, Verständnis und Wertschätzung ftir die Eigenart der einzelnen Landesorganisationen zu gewinnen. E.