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Der Israelit · 1922-03-02 · Heft 9 (2.3.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 9 (2.3.1922)
Date
1922-03-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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2. März 1SSS die voneinander schwer trennbaren po- « litischen, 7 wirtschaftlichen, A religiösen ) und kulturellen Jnteressen nach innen und außen zu vertreten. Es ist nicht besonders erhebend, wenn schließlich die orthodoxen Angelegenheiten im Parlament von jüdischen Abgeordneten vertreten werden, die selber in Gesinnung und Lebensführung der Orthodoxie fern stehen. Auch wird die Erziehung der orthodoxen Jugend zu fruchtbarer politischer Tätigkeit nicht gefördert, wenn man ihr keine Gelegenheit gibt, in diese Aufgaben in der Praxis hineinzuwachsen. Man sollte sich daher die neue Parteigründung auf orthodoxer Seite doch noch einmal überlegen. Koten. eine iltöifche tlanöelshonferenj. Brest, 20. Febr. Auf Initiative des Warschauer Kaufmännischen Vereins fand hier eine Konferenz jüdischer Kaufleute statt, die stark besucht war. Es wurden mehrere Referate gehalten und weitgehende Beschlüsse gefaßt. Es wurde auch Klage geführt über unterschiedliche Behandlung von Juden und Polen bei der Erteilung von Handelspatenten und ein Memorandum an die Regierung in Warschau über diese und andere Fragen des jüdischen Handels in Polen abgefaßt. Gnsland. Sfuarf Samuel unö horö northeliffe. «London, 24. Febr. Stuart Samuel, der Bruder des palästinensischen Oberkommiffars und Vorsitzender des „Misrachi", hat einem Vertreter der „Daily Mail" in einem Interview anläßlich der Northeliffe-Rkise seine Ansichten über die gegenwärtige , Lage mitgeteilt und dabei kein Hehl .daraus gemacht, daß er die wirtschaftlichen und finanziellen Methoden der zionistischen Organisation in keiner Weise billigen könne. Sein Standpunkt ist ungefähr derjenige Jacobus Kanns und der Brandets-Gruppe. Der Vertreter der „Daily Mail" hat nun aber die Folgerungen, die Stuart Samuel aus den seiner Meinung nach an sich ziemlich ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen der Palästina-Arbeit zog, gröblich verkannt. Samuel führte aus, daß Gewinn-Chancen keinen Kapitalisten und keinen Arbeiter heute nach Palästina zu locken vermöchten, hierzu sei einzig und allein der Idealismus der an Erez Israel mit glühender Liebe hängenden jüdischen Masse imstande. Diese Folgerung ließ die „Daily Mail" einfach weg, sodaß in den Aeußerungen Stuart Samuels lediglich eine Art wirtschaftlicher Verrufserklärung Palästinas übrig blieb, an die er gewiß nicht gedacht hatte. In der letzten Sitzung des Board of Deputies, dessen Präsident Stuart Samuel ist, nahm er Veranlassung, die Veröffentlichung der „Daily Mail" richtig zu stellen,, doch gelang es ihm keineswegs, den Zorn der zionistischen Mitglieder des Board zu beschwichtigen, weil Samuel mutig genug war, in einem anderen Punkte seine Aeußerungen gegenüber der> „Daily Mail" aufrecht zu erhalten. Er hatte nämlich erklärt, daß Lord Northeliffe in seinem Berichte über die Eindrücke, die er in Palästina empfing, sehr mäßig, sehr weise und sehr wohlwollend sich geäußert habe. Dieses Bekenntnis zu den gegen den zionistischen Extremismus gerichteten Mahnungen Lord Northcliffes dürste Stuart Samuel von seinen Parteigenossen sobald nicht vergessen werden. Dabei hat Samuel nicht verabsäumt, den übertrtebenen Anschuldigungen, die Lord Northeliffe gegen die Chaluztm gerichtet hat, ganz entschieden entgegenzutreten. Jedenfalls ist durch Stuart Samuels Erklärung der an sich unberechtigte und auch politisch höchst unkluge Versuch vereitelt/ Lord Northeliffe bei seiner Stellungnahme zum Palästina-Problem antisemitische Beweggründe zu unterstellen. Ter Israelit. eine orffioöoxß Profesfoeffammlung. Jerusalem, 16. Febr. Eine große öffentliche Versammlung, einberufen von der Orthodoxie, beschäftigte sich am Dienstag Abend mit der Stellungnahme zur j ü - bischen Delegiertenversammlung. Sämtliche Redner, die Herren S. Lider, Wachtvogel, Rabbiner Katzenelbogen wandten sich in entschiedenen Worten gegen die Delegiertenversammlung in ihrer gegenwärtigen Verfassung und betonten, daß diese Körperschaft sowie sie derzeit beschaffen sei, der jüdischen Religion unö den Geist der jüdischen Überlieferung widerspreche. Die Versammlung nahm alsdann eine Protest-Resolutton gegen die von gewissen Kreisen beliebte Methode der Verdächtigung und Verleumdung der Orthodoxie an. Die Orthodoxie forderte nichts anderes, als die Wahrung ihrer legitimen Rechte im öffentlichen Leben des jüdischen Volkes und vertrete die Postulate, die von den anerkannten Gedaule tauroh in der Diaspora formuliert worden seien. Amerika. Die amerihanifchen Einroanöerunasbefchränhungungen. Washington, 21. Febr. Das Repräsentantenhaus,hat mit 82 gegen 36 Stimmen beschlossen, die 'Einwanderungsbeschränkungen bis 30. Juli 1923 zu verlängern. Der Beschluß ist dem Senat unterbreitet worden. Personalien. Spangenberg, 22. Febr. Nach fast 40 jähriger segensreicher Wirksamkeit in unserer Gemeinde ist uns Lehrer Blumenkrohn nach kurzem Krankenlager durch den Tod entrissen worden. Das Scheiden dieses trefflichen Mannes, der in vorbildlicher Pflichttreue feines Amtes als Lehrer und Borbeter waltette und besten Lebensführung musteraülttg gewesen, löste in allen Kreisen der hiesigen- Stadt aufrichtige Trauer aus. Die ehrenden Nachrufe, die ihm tue Synagogenältesten, der Bürgermeister, der Schulvorstand, der Lehrerverein widmen, zeugen von der Würdigung des allgemein beliebten und verehrten Mannes. Am 19. Februar wurde unter zahlreicher Beteiligung die sterbliche Hülle der Erde überantwortet. Herr Landrabbiner Dr. Waller, Castel, schilderte jin längerer Rede das Wirken des Verblichenen in Schule und Gemeinde, Herr Lehrer Rosen stein, Roienburg, sprach als Berufsgenoffe und Feund; Herr Lehrer Heilbrun, Castel, entbot als Schüler dem teuren Lehrer den Dank der Schüler, in deren Herzen der Verklärte sich ein Denkmal gesetzt, dauernder als in Stein gehauen und als letzter Redner nahm der Schwiegersohn, Herr Lehrer Krohn, Harmmsachsen, mit tiänenerstickler Stimme Abschied von dem geliebten Schwiegervater, dessen Andenken nie erlöschen wird. In später Stunde schloß sich das Grab> das der Besten einen birgt. Wtr sagen mit dem Dichter: „Ach, sie haben einen guten Mann begraben, uns war er mehr". N"2ÄN. Vermischtes. Berlin, 21. Febr. Die „Berliner Morgenpost" berichtet: „Gegen den antisemitischen Grafen P ü ck l e r, den sogenannten Dreschgrafen, der in der ützten Zetr sich wieder veranlaßt gesehen hat, in provokatorischen Reden an die Oeffentlichkeit zu treten, ist wegen systematisch unternommener Aufreizung zum Rassenhaß bei der Staatsanwaltschaft Schweidnitz Strafantrag gestellt worden". Würzburg, 19. Febr. Zum staatlichen. Hauptlehrer der Be,oldungSklaste 8 wurden ernannt die Lehrer: Wormser, Uehlfeld, Uhlfelder, Wilhermsdorf, Le vite, Forth, Bierschild, Burgkundstadt und Gundersheimer, Kleinheubach. Schweinfurt, 29. Febr. Aus der Reihe der rituell lebenden Geschäftsreisenden ist an den Bund gesetzesireuer israelitischer Gemeinden in Bayern die Anregung ergangen, eS mögen in einem Verzeichnis alle Orte zusammengestellt werden, in denen die Mög« ltchkeit ritueller Verpflegung gegeben ist und speziell soll sich diese Liste auf Klein- und Mittelgemeinden erstrecken. Der „Bund" hat dieser Anregung durch Beschluß der jüngsten Generalversammlung swtigegeben und oeröffenlltcht hiermit eine erste Liste, zu deren Ergänzung er gleichzeitig alle in Betracht kommenden Faktoren, Vorstände, Lehrer, Schochtim, hiermit auffordert. Alle die hier angeführten Adresten, soweit es nicht Restaurants sind, verlangen eine jedesmalige Vorausbestellung des Ess > s Wtr bringen die Liste nach RabbinatLdistrikten geordnet: 1. Ra bb in a ls. distrtkt Aschaffenburg. Her, R>,bb. Dr. Breuer Nr. 9 Seite 5 schreibt, „daß die Herren Lehrer des Distrikts bereit sind, Reisende entweder selbst rituell zu verköstigen oder ihnen Häuser zu empfehlen, wo sie rituell verköstigt werden können". 2. Rabbinätsdistrikt Bad Ktsstngen. Außer den ohnedies bekannten Restaurationen in Bad Kissingen, Vad Brückenau, Stadt Brückenau, werden genannt, Gemünden: Metzger Strauß. Gervda: Frau Moses Strauß. Heß dorf: Metzger Weichselbaum und Metzg'.r Schild (Wurstwaren) und Frau Herz Forchheimer. Maß brich: Metzger A. M. Marx. Oberthulba: Jakob Löwenfrted. Poppenlauer. Frau Metzgermeister Sigmund Klein. Bölkersleier: Heinrich Bergmann. Willmars: Lehrer Neumann und Licgsrled Frank. (Diese unter 2. genannten Namen werden von den Vorständen und Lehrern als zuverlässig erklärt!) 3. Nabbinat K t tz t n g e u. Kttzingen: Frau P. Adler Wwe., Landwehrstraße, L. Oppenheimer, Rosengaste, A. Schön» färber, Leidenhofstraße. 4. Rabbinat Neu markt. A m b e r g: Lehrer GodlewSky S u l z b u r g: Emanuel Regensburger. 5. Rabbinat Schweinfurt. Schweinfurt: Hotel Central (I. Straußer). Hatz» furi: Metzger Cahn. Arnstein: Schachet Hermann Holländer. 6. Rabbinat Burgpreppach. Hofheim: Frau Strartß. Burgpreppach: Frau Steln» Hardt. Tilsit, 22. Febr. Auch in Tilsit ist nunmehr unter großer Beteiligung eine Ortsgruppe des über ganz Deutschland verbreiteten Bundes jüdischer Frontsoldaten gegründet worden. Er bezweckt, mit allen zulässigen Mitteln die von gegnerischer Seile unternommenen Versuche einer Herabwürdigung des Verhaltens der Juden, insbesondere der jüdischen Frontkämpfer im Kriege, abzuwehren. Jerusalem, 20. Febr. Nach einer amtlichen Statistik hat die Zahl der jüdischen Aerzte in Palästina in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Während im Jahre 19L1 nur 35 jüdische Aerzte gezählt wurden, gibt die Statistik für 1922 über 150 an. In Jerusalem sind 43 jüdische Aerzte, darunter 21 Zionisten, in Jaffa find 46 Personen gemeldet, die eine ärztliche Praxis ausüben, in Judäa 19, in Haifa und Samaria 17. Vrleflaflen. Angesichts der enormen Porto Erhöhung werden wir, in größerem Ausmaße als visher, die uns zugehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht beiliegt, auf dem Wege des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragenden also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die B r iefkast en- Rub r ik beachten zu wollen. Slgudas Jisroel-Jugcndgruppe in Darmstadt Wir können vorläufig neue Bestellungen auf Hlr ch Pentateuch nicht entgegennehmen, da unser Bor» rat vergriffen ist. Wegen der Gesammelten Schriften wollen Sie sich an die Verlagsbuchhandlung I. Kauffmann, hier, Schiüerstr. 10 wenden. Lehrer A> B. in Michelstadt. Der Geburtstag fällt in diesem Jahre aus Donnerstag, den 23. November, der Barmtzwoh'Sabbat auf den 25. November. I. Z M in Zagreb. Sendung ist bereits am 16. Feoruar abgegangen. H. W. in E. (Synogogenältester). Der ermäßigte Preis gilt nur für Bolksschullehrer und Kultusbeamre, selbstverständlich aber nicht für Ge» meinde Vorsteher. I. R. in Hamburg. Wir bedauern für den Augenblick BesteUungen auf Hirsch Pentateuch nicht entgegennehmrn zu können, da der uns zur Verfügung stehende Vorrat vergriffen ist. Rabbiner Dr. K s Kinder in Mattersdorf. Wie wir Ihnen bereits mitleillen, sind wtr zu unserem Bedauern nicht in der Lage, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Literarisches. Gut Purim- Ein neues Purlmbuch von E. F l a n t e r. Verlag von Louis Lamm, Berlin 1922. Flanter hat sich auch in dieser Schrift als geschmackvoller Wähler und Sammler bewährt. Das Buch enthält 17 Nummern, kleinere und größere Vorträge, Erzählungen und Gedichte, auch kleine Bühnenstückchen aus der Feder verschiedener Jugendschriftsteller und wird Vielen große Freude bereiten. In Vereinen und Gesellschaften wird diese schöne Purimgäbe zur rechten Zeit sehr willkommen setn. Das Buch Esther- Ein Beitrag zur Erklärung der Hauptscywlerigketten des Buches von B. Wolfs, Lehrer tn Aurtch. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Die Erklärungen sind schlicht und schön und lehnen sich in vielen Fällen an talmudische und mtdraschtfche Ausdeutung an, bringen auch vieles Reue, was bei der ausgedehnten Literatur über das Estherbuch nicht gerade leicht ist. Das Buch ist in tetchlfltetzender Sprache geschrieben und kann tn jeder Beziehung bestens empfohlen werden. Geburten. Einen Sohn: Jakob Waffemann (geb. Reutltnger), Königsbach (Baden).

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