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Der Israelit · 1922-02-23 · Heft 8 (23.2.1922) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 8 (23.2.1922)
Date
1922-02-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Geile 8 No. 8 Der JSraetit. 23. Februar 1933 gtertenversammlung stellt der „Doar Hajaum" fest, -aß die Delegiertenversammlung auch ihre größten Ahänger schwer enttäuscht hätte. 90. % der sefardischen Delegierten, sowie der größte Teil des Misrachi empfinden keine Neigung, sich noch an den Beratungen der Zweiten Delegtertenversammlung zu beteiligen. In der Kolonie Geder a hatten die Arbeiter infolge von Lohnbewegungen einen Streik nach moderner Art veranstaltet. Die Arbeit wurde wieder ausgenommen und es scheint doch allmählich Ernüchterung bei den Arbeitern einzutreten, die, nicht ohne Anstoß von außen, mit maßlosen Forderungen die Arbeit in der Kolonie gestört hatten. In Jaffa werden Vorbereitungen zu neuen Gemeindewahlen getroffen. In den Zeitungen wird Protest dagegen erhoben, daß vom Gemeinde - Komitee willkürlich außerordentliche Wahlen ausgeschrieben werden, während statutengemäß jetzt nur eine Ergänzungswahl und Cooptierungen innerhalb der Verwaltung stattzufinden hätten. Das Normal-Statut für die palästinensischen Gemeinden (wir haben bereits darüber im Einzelnen berichtet) gelangt am 22. Schwat in der Delegiertenversammlung zur Beratung. Wie wenig die einzelnen Gemeinden dieses Statut ernstnehmen, zeigt auch dieses Vorgehen der Jaffaer Gemeindeverwaltung. Am letzten Sabbat hielt Herr Drujanow im Volk-hause zu Jerusalem einen Vortrag über die Minhagim in Erez Jisroel, zu dem, mit Rücksicht auf die Bedeutung des Referenten, auch viele Gesetzestreue hingingen. Denen wurde aber die Veranstaltung dadurch verleidet, daß ein großer Teil der Zuhörer trotz Sabbat mit der Zigarre im Munde die Ausführungen des Redners über die Wichtigkeit der Minhagim entgegen nahmen. Die angeblich neutrale Leitung des Volkshauses hatte gegen diesen Skandal und die Provozierung der Orthodoxen nichts einzuwenden. Auch ein Protest führte zu keinem Ziele und es blieb letzteren nichts anderes übrig, als demonstrativ den Saal zu verlassen. — Sabbatheiligung ist ja auch kein Minhag, nur Thoragesetz .... Die Touristenzeit hat für dieses Jahr bereits begonnen. Aus Aegypten wird mitgeteilt, daß sich dort etwa 4—500 Reisende aus England und Amerika auf dem Wege nach Palästina befanden. Der Fremdenverkehr pflegte stets von Ende Februar bis Ende Mai anzudauern. Proseffor A. Strauß, der sich längere Zeit in Jerusalem aufhielt, besuchte vor seiner Abreise Oberrabbiner Sonnenfeld, mit dem er verschiedene Fragen des Wiederaufbaus in Palästina besprach. Auf die Vorhaltung Strauß', daß der Wiederaufbau, der eine Sache der jüdischen Allgemeinheit sein soll, zu einer Parteifrage gemacht werde, erwiderte der Rabbi, daß die Orthodoxie, die zuerst den Weg zur Arbeit in Palästina gewiesen hat, gewiß nicht gegen die Palästina-Arbeit sein kann, nur müßte man davor warnen, allzusehr ins Extrem zu verfallen. Die Gesetzestreuen kennen und erfüllen auch voll und ganz ihre Pflicht gegen Palästina, die Arbeitsgemeinschaft hängt aber lediglich von der anderen Seite ab, die die religiöse Erziehung zum Haupt- und Mittelpunkt der Arbeit machen solltedie Mitarbeit der Gesetzestreuen würde dann nich ausbleiben. Mit dem Tode des Rabbi Nechemje Rotfeld hat Jerusalem einen seiner besten Söhne verloren. Er verband mit tiefer Gelehrsamkeit eine auch für Jerusalem nicht alltägliche tiefe Frömmigkeit und einen Wohltättgkeitssinn, der sich in unzähligen Taten für Gesamtheit und Einzelne bekundete. Nach viertägiger Verhandlung wurden die Araber, die des Mordes an dem Schriftsteller Brenner und seinen Genossen beschuldigt waren, „aus Mangel an genügenden Beweisen" freigesprochen. VöIherbunS unö PsMins-MsnSsl. Zürich, 1. Februar. Im hiesigen „Israelitischen Wochenblatt" für die Schweiz veröffentlicht Oberrabbiner Gtnsb erger-Genf ein Schreiben, worin verschiedenen von zionistischer Sette, sowie vom Komitee der Delegationen veröffentlichte Informationen über Paläftina-Mnndat und Mtnoritätenrechte widersprochen wird. Eine Bestätigung des Palästina- Mandates sei, obgleich England darauf hin arbeitet, vor der Ratifikation des Friedens von Stores nicht zu erwarten. Die Frage des Mtnoritärenschutzes sei in der Januartagung überhaupt nicht behandelt worden. Personalien. Qberdorf-Bopsingen (Württ.), 13. Febr. Letzten nw natr konnte Herr Rabbiner Dr. Kroner hier, unter freudiger Anteilnahme der ganzen Gemeinde sein 25 jähriges Amisjubiläum feiern. Sein Vater, der hochbetagte, aber geistig noch jugendfrische Herr Ober« ktrchenrat Rabbiner Dr. Kroner von Stuttgart, sowie der Jubilar selbst legten in Anlehnung an die pyrr im und die möy und an die m'E> in trefflichen Worten die heiligen Pflichten eines Rabbiners dar, wie letzterer stets eifrig bemüht war, dieselben nach jeder Richtung hin zu erfüllen, umso den guten Namen von Oberdorf als religiöse Gemeinde zu erhallen und zu festigen. In dankbarer Anerkennung der segensreichen Tätigkeit überreichten die Herren Kirchenvorsteher dem Jubilar ein ansehnliches Ehrengeschenk der Gemeindemitglleder und Oberlehrer Erlebacher rühmte dabei die großen Verdienste, die sich der Herr Rabbiner durch Verkünden von Gottes heiligem Wort und Verbreiten des Thorageistes erworben hat. Höchberg b. Würzb., 19. Febr. In hohem Alter verschied hier am N3 rms p"e> Frau Bella Eldod. Mit ihr ist eine der nwp*72t am, wie sie leider immer seltener werden, dahingegangen. Der ehrwürdigen bekannten Familie Sonn entsprossen, gründete sie mit dem gleichgesinnten, ihr schon um 19 Jahre im Tode vorangegangenen Gatten, dem Tom p'na e>'rr Elias Eldod V'XT, in Kleinerdllngen ein weit über die Grenzen der Heimat bekanntes musterhaft jüdisches Haus nnnb im Durchglüht von tiefer, innerer Frömmigkeit, nur in der stillen Häuslichkeit ihre Zufriedenheit findend, abseits von der Außenwelt und auch diese nicht vermissend, hat sie es verstanden, ihr Haus zu einem mo synpö zu gestalten. In diesem Sinne hat sie die im echten Geiste der Eltern wirkenden Kinder zu gehämmerten cmn' erzogen. Nach dem Heimgang ihres Gatten zog die Verblichene hierher, wo sie in Schlichtheit und Einfachheit, überall beliebt und geachtet, in voller Rüstigkeit ihren Lebensabend verbrachte. So hat sie Kinder und Enkel Familien gründen sehen. Möge ihnen und uns allen der ma? dieses Jitwc, welches die Kronen der Befcheidenheit und 'n hxt stets zierten, beistehen und uns allen ihr Licht voranlenchten. n"am Vermischtes. Berlin, 12. Febr. Der Gesamtvorstand des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands tagte am 29. Januar d. Js. in Berlin und nahm auf Antrag des Verbandsvorsitzenden einstimmig folgenden Beschluß an: Der Gesamtvorstand hält es für notwendig, daß der Delegiertenversammlung, soweit erforderlich, eine Satzungsänderung und Wahlvorschläge unterbreitet werden, durch die der Einfluß der jugendlichen Mitglieder innerhalb des Gesamtvervandes, der Landesverbände und der Vereine erhöht wird. Die mit der Ausarbeitung der neuen Verbandssatzang betraute Kommission wird insbesondere mit der Prüfung der Frage berraut, inwieweit den Jugendlichen und den Wanderern selbständige Zusammenkünfte und selbständige Gruppierung ermöglicht werden soll. Auch wird der Kommission die Prüfung der Frage aufgegeben, ob es nötig ist, besondere Vorkehrungen zu treffen, daß die tätige Mitarbeit und der Rat älterer bewährter Mitarbeiter gesichert bleibt. Die Delegiertentagung des Verbandes findet Pfingsten d. Js. voraussichtlich in Bonn statt. Die Verbands- Zeitschrift wird ab 15. März d. Js. zweimal monatlich und zwar am 1. und 15. eines jeden Monats erscheinen. Die Redaktion liegt in den Händen von Dr. Alfred Apfel, Berlin, Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M>, Grete Kovars, Berlin, Kurt Neu, Berlin. Berlin, ll. Febr. In der vergangenen Nacht wurden zwei Arbeiter bei einem Synagogeneinbruch auf frischer Tat verhaftet. Als der Synagogendiener nachts hetmkehrte. sah er, daß die Tür zu der Synagoge in der Heidereutergasse Nr. 1 mit einem Dietrich geöffnet war. Er benachrichtigte die Nevierpoltzei, die sofort mehrere Beamte entsandte. Diese durchsuchten die Synagoge und entdeckten drei Männer, die alles Silberzeug zum Mitnehmen in einen Sack gepackt hatten. Zwei, Schwanitz und Jrmeling, konnten festgenommen werden, während der dritte entkam. Ermittelungen ergaben, daß es sich um eine Bande handelt, die planmäßig „arbeitete" und ohne Zweifel noch mehr auf dem Kerbholz hat. Berlin, 14. Febr. Im Zahnärztlichen Institut der. Stadt Berlin erschien vor einigen Tagen ein zu den praktischen Uebungen, das heißt zur Behandlung von Patienten, zugelassener Student, auf der Brust ein großes Hakenkreuz, das antisemitische Abzeichen. Der diensttuende Assistent Dr. Gabriel ersuchte den Studenten, das Abzeichen während des Dienstes nicht zu tragen, da dies eine Provokation und Verletzung der jüdischen Patienten bedeute. Der Student wurde grob, es entstand ein Wortwechsel. Am nächsten Tage sandte der Student dem Dr. Gabriel seine Vertreter mit der Forderung zum Duell. Dr. Gabriel lehnte die Forderung ab. Hierauf versammelten sich die Hörer der Zahnhetlkunde und überbrachten dem Vorstand des Instituts, Prof. Dr. Schröder, eine Eingabe der Studenten, in welcher die sofortige Entfernung Dr. Gabriels gefordert wurde, da er nicht mehr dem Vorbild eines akademischen Lehrers entspreche und eine Arbeit mit ihm unmöglich sei Prof. D>. Schröder ließ den Dr. Gabriel zu sich rufen, machte ihm Vorwürfe, weil er die Duellforderung nicht angenommen hat und empfahl ihm, freiwillig aus seine Stelle zu verzichten, da er sonst gekündigt werden müsse! So etwas ge schieht in der deutschen Republik, an einem Institut, das der Stadt Berlin, welche von einer sozialistischen und demokratischen Majorität regiert wird, untersteht. Wie muß es erst an anderen Instituten zugehen. Berlin, 19. Febr. Aus der 36. Borstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes, die am 25. und 26. Januar in Berlin stattfand, wird uns von ersten Versuche» und Erfahrungen auf dem Gebiet der Bekämpfung der Tuberkulose berichtet. Das auf der Herbsttagung des I. F. B. angenommene, aufk ärende Flugblatt „Was alle Kinder wissen müssen", ist fertiggestellt. Es ist aus farbigem Papier, mit hübscher Zeichnung und einfachem, für Kinder verständlichen Text für eine Verteilung an Schulen und Fürsorgesteüen besonders geeignet. Lehrer und Lehrerin Fürsorgerin und Hortnerin, könnten das geschriebene Wort durch Besprechungen in Schulstunden, an Elternabenden und bei Hausbesuchen in den Familien der Kinder wirksam unterstützten. Bestellungen (der Mindestpreis beträgt 10 Pfg. pro Stück), nimmt die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes, Berlin- Witmersdvrf, Gieselerstr. 15. entgegen. München, 31. Jan. Herr Distriktsrabbiner Dr. Seligmann Meyer in Regensburg blickt in diesen Tagen auf eine 4.0 jährige Tätigkeit im Dienste seiner Gemeinde und des Judentums zurück. Das Rabbtnnt Regensburg wurde gegen Ende des Jahres 1881 wiebet errichtet. Grüningen, 10. Febr. Bei der Vorstandswahl der israelitischen Gemeinde Grüningen und Holzheim wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Moses Weinberg, Kaufmann in Holzheim und Meier Lindheimer, Viehhändler in Holzheim, sowie als neues Vorstandsmitglied Kaufmann Ferdinand Heß, Grünirrgen, gewählt. Sprechsaal. Frankfurt a. M., 18. Febr. 1922. Sehr geehrter Herr Redakteur! lieber die Besprechung, die meinem Merkchen in Ihrem geschätzten Blatte zuteil geworden ist, habe ich mich sehr gefreut. Sie hat nicht wie so viele andere Rezensionen bloß gelobt, sondern auch auf Mängel hingewiesen, die ich selbst ja am besten kannte. Habe ich doch selbst im Jahre 1911 tn einer Besprechung des Vortrags von Cornill über Humanität im A. T. darauf htngewtesen, daß die Stelle 5. B. 23, 25 vom Arbeiter redet und dabei auf die klassischen Ausführungen von Malbim verwiesen, der auch grammatisch die auch im Talmud gebrachte Ansicht (B. M. 92) daß es allgemein zu verstehen sei, widerlegt. Der Kritiker hat daher tn diesem F rüe Recht und auch, daß S. 81 „auch" steht, während das Manuskript „nicht" hatte, durfte nicht übersehen werden. Erwiderung aber verdient die den religiösen Standpunkt berührende Bemerkung z. St. S. 31. Ich spreche in diesem Abchnitt von „Gebet und Gebot" und leite ihn ein mit »en Worten, die wir beim Segensspruch sprechen, ich habe aber sicherlich, als ich ihn niederschrieb, nicht an das Gebet Nech. b. Hakonh'S gedacht (Ber. 4, 2) sonst wäre ich vorsichtiger im Ausdruck gewesen. Es sollte wesentlich von den pjrun np-p die Rede sein, bei denen doch zwischen den Pauskim Uebereinstimmung herrscht, daß sie paT7ß sind, ober auch bei den pa*n per ivrnn oan mson üd-q. Den p von n»o eva niaia führt die:"ö niruö'-fii auf i’nd »an zurück, der bringt die Kn»na im Namen fftabbiS. Den Ausdruck pann» erlaubte ich mir nun folgendermaßen frei zu übersetzen: „heiliger Geist ('pn mn), der Gesamtwille des jüdischen Volkes", da es ja nicht die Persönlichkeit etwa R. Gamliels oder R. Meirs als solche ist, wie dies christlicherseits und vonseiten jüdischen Unverstandes aufgefaßt wird, der etwas anorduet, sondern den religiösen Interessen der Gesamtheit eines Volkes, das allen äußern Verhältniffen zum Trotz zu einem VNp 'v erzogen werden soll, beugen auch sie sich und ver-. langen daher das gleiche auch von andern. Es war ferner gedacht an die Einrichtungen, die Gebete und Verordnungen wie naun n: nfeö snpö u. a. die die nSrnn riD:a ms* geschaffen. Ergebenst Dr. B. May.

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