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Der Israelit · 1922-02-23 · Heft 8 (23.2.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 8 (23.2.1922)
Date
1922-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Erke * Nr. T Mer J-rasNt. 23 Februar 1>S2 in unserer Jugend sich die Liebe zur Thora mit dem Verständnis für auch schon schwierigere Materie — es würde in "2Cö"2S geprüft, Paart. Die 2. Abteilung setzt sich zusammen aus jungen Akademikern, die unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Lichtig lernen. Die jungen Leute, die zum Teil die dem Lernen zu widmende Zeit einem anstrengenden Berufsftudium abringen müssen, legten allgemein bewunderte Proben ihres Könnens ab und bewiesen, daß auch ein deutscher Akademiker es versteht, ein talmudisches Thema bis in seine feinsten Verzweigungen hinein zu erfassen und zu beherrschen. In der Oberabteilnng lernen 5 junge '32 min aus dem Osten ständig unter Leitung des Herrn Rabbiner Rabinow, einem östlichen “i'iabn O2N, Welchen die N2^' bet ihrer Gründung nach Hamburg berief. Diese 5 Hörer hielten jeder über diverse halachische Themata eine kurze nitm, über welche ein Werturteil abzugeben dem Berichterstatter nicht zusteht, weil er dieselben nicht verstanden hat. Kenner waren aber von dem Vorgetragenen außerordentlich befriedigt. Wenn wir über dieses im Israelit, einem Organ, das den allgemeinen Interessen des orthodoxen Judentums dienen soll, ausführlicher berichten, so geschieht dies, weil wir glauben, daß die Hamburger N'2'V', die an diesem Abend zum ersten Mal vor die weitere Oeffentlichkeit trat, allgemeinen Interessen des gesetzestreuen Judentums dient. Die bloße Tatsache, daß im Rahmen des rabbinischen Rates der ri2'V', 2'V2N ’Tö?n unserer Gemeinde sich zusammenfinden, um in gemeinsamer Beratung die Richtlinien für den Lernstoff und die Lehrmethode aufzustellen, bedeutet einen wichtigen Erfolg, den man auch in unserer, an lehrsreudtgen Talmudtsten und lerneifrigen Hörern gewiß besonders gesegneten Gemeinde auf das Konto derrD’ttn buchen darf, sie gibt der Hoffnung Raum, daß auch die Hörer -er n'2'V' sich nach und nach innig zusammenschlteßen, und daß diese Freundschaft wechselseitig befruchtend wirkt. Die Entfremdung, die zwischen Oestler und Westler, trotz aller schönen Reden, herrscht, wird am ehesten völlig schwinden, wenn alle im minn N1v7> sich Zusammenfinden. Darum soll hier öffentlich den Männern der Dank abgestattet werden, die sich durch keine geldlichen Schwierigkeiten und sonstigen Hemmniffe abschrecken ließen, sondern einen Baum pflanzten, von dessen Früchten wir an diesem Vorabend des Neujahrsfestes der Früchte zum ersten Mal kosten durften. Hoffen wir, daß er alle Wmterftürme überdauert, daß er stärker und stärker wächst, und daß sich in seinem Schatten bald immer wertere Kreise der gesetzestreuen Jugend Hamburgs lagern, und aus der Ferne immer größere Kreise nach Hamburg eilen, 'die von Früchten genießen wollen. GesteweiLh. k!ne Hiefenfpenöe aus Amerika- Men, 9. Februar. Die amerikanische Hilfsorganisationen haben der Stadt Wien als Ersatz für die nicht mehr bestehende Ausspeisungsaktion eine Spende von 1.6 Milliarden österreichische Kronen überwiesen. Es soll daraus geistigen Arbeiten, Studenten, Professoren, sowie Kindern täglich warmes Mittageffen verabreicht werden. Die Initiative zu dieser wunderbaren Tat geht von dem jüdischen Joint Distrtbuttion Commitee aus, dessen Vertreter, Herr Rosenberg bet seinem wiederholten Aufenthalte in Wien Gelegenheit hatte, die Notlage der geistigen Arbeiter kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr veranlaßte er das große amerikanische Hilfskomitee unter starker Beteiligung des Joint 200000 Dollar zur Verfügung zu stellen. Soyrnen. Der e^bifcfiof von Prag über 9en Antisemitismus. Wrag, 10. Febr. Eine der letzten Nummern der Prager Monatsschrift „Die Wahrheit" enthält Artikel über die Judenfrage. Neben Beiträgen von Präsident Mascnyk u. a. hat auch der Erzbischof von Prag Dr. Franz Kordac, einen Artikel beigesteuert, in dem er sich über das Problem des Antisemitismus u. a. in folgender Weise ausläßt: „Was den Antisemitismus anlangt, so muß man vor allem den religiösen und ethnologischen Antisemitismus von dem materiellwirtschaftlichen unterscheiden. Für einen Christen und für jeden Menschen, der fähig ist, die Tatsache der Offenbarung des alten Bundes im Schoße des Volkes Israel zu erkennen, ist es evident, daß ein religiöser Antisemitismus im Widerspruch zur Wahrheit der Offenbarung steht. Der Antisemitismus, ethnologisch gefaßt, hat seine Wurzeln in der heidnischen Auffassung, welche jeden national Fremden als Feind erklärt. Davon waren selbst die gebildeten Römer und Griechen nicht frei. Es ist ein Abfall vom Christentum und eine Rückkehr zum Heidentum, wenn der Arier den Semiten deshalb, weil er Semit ist, hassen zu müssen glaubt, und von der Völkerverbrüderung aus-' fchließt. Daher sehen wir auch die Tatsache, daß in den Kreisen des Unglaubens und des Hypernationaltsmus der Rassenantisemitismus gepflegt wird. Etwas anderes ist es mit dem wirtschaftlichen Antisemitismus. Dieser bildet eine Reaktion gegen die wirtschaftliche Ausbeutung der Arbeit durch bas Kapital, und ist daher eine Notwehr, an welcher auch jener Teil der gläubigen Juden teilnehmen sollte, und vielleicht auch terlmmmt, der an dieser Ausbeutung keinen Anteil hat, und dennoch leider mit jeinen großmächtigen Konnationalen identifiziert wird. Freilich müssen auch bei diesem volkswirtschaftlichen Antisemitismus . Schranken der Sitte und Rechtsordnung etngehalten werden." Warum sollte er dann gerade wirtschaftlicher Antisemitismus heißen? Ittarren. Die Weite Kekilauskonferen?- Kowno, 18. Febr. Am Dienstag abend, den 14. ds., wurde die Konferenz bei starker Beteiligung von. Dr. R a ch m ilewits ch eröffnet. Er sagte: Die Welt steht in: Zeichen des Wiederaufbaus. Uns Juden in Litauen obliegt der geistige Wiederaufbau, wobei wir der Welt als Muster dienen müssen. Tie Verbindung mit der Jüdenheit in Wilna, die man für Polen wirbt, nrnß erhalten bleiben. Aus das litauische Parlament darf man vertrauen, daß es das jüdische Recht sicherstellen wirb. .Es folgt dann eine warme Begrüßungsrede des Ministerpräsidenten Galwanovsri. Er erhofft voll tki Konferenz, die sich bereits auf Erfahrung von einigen Jahren, stütze!: kann, einen Ausbau der jüdischen Verhältnisse nach innen, wie nach außen. Litauen sei ein Nationalitätenstaat, in dem die Regierung den Schutz, aller garantiert, aber jede Nationalität zu ihrem Teile zum Frieden und zur allgemeinen Wohlfahrt beizntragen Hut. Die Juden Litauens Hütten der Welt zn beweisen, ob jüdische Autonomie den Staaten zun: Glücke gereiche, wovon man übrigens in Litauen überzeugt sei. Die Juden, die die Welt mit dein Glauben, an einen Gott beglückt haben (stürmischer langandauernder Beifall), werden auch, jetzt in allem die richtigen Wege znm Segen für das Land finden. Der Vorsitzende Dr. R a chmilewitsch spricht in litauischer Sprache der Regierung und dem Ministerpräsidenten den Dank der litauischen Jüdenheit mB. Dann ©igmft der Minister WeWuMands Jwikewrtz.. das Wort zur Begrüßung und betont, daß in seinem Lande Juden und Weißrussen unter den: polnischen Joche seufzen und gemeinsam ,um Recht und Freiheit kämpfen. Er schließt mit dm Worten: „Es' lebe das alte jüdische Volk!" Es sprachen dann Hell mann, Deputierte r des Lettischen Landtags, im Namen der Inden Lettlands und die Bürgermeister der Stadt Kowno im Namen der städtischen Verwaltungen. Eine Reihe von schriftlichen Begrüßungen ans Litauen ititb dem Ausland, n. a. auch der A g n d a s Ii s r o e l - I e n t r a l e in Wien wurden verlesen. Minister Sobo Werts chit beginnt hebräisch und stattet dann, in litauischer und jüdischer Sprache sortsetzend, der Regierung und dem Ministerpräsidenten dm Dank ab, ebenso auch den andere!: Vertretern der Regierungen der Stadt Und der Organisationen des Auslandes. Besondere Worte des Dankes hat er für der: Joint, dessen Hilfe eine nationale Tat war. Er teilt auch mit dm Regierungskreise!: die Hoffnung, d aß die Vereinigung der litauische:: Jude.!: mit de::en im Wilna er Gebiet bald vor sich gehen wird. Solche herzlichen Worte, wie sie hier ans den: Mu::de des Leiters der litauische!: Regierung inbezng aus die Juden gehört wurden, seien vielleicht nod)\ von keiner Parlammttribüne gesprochen worden. Der litauischen Regierung gehöre die Sympathie der 15 Millionen Jude:: aus dem ganzer: Erdenrund. — Darauf wurde mit Dankesworten des Vorsitzenden die Eröffnungssitzung geschlossen. Rumänien. Die Bratianu-Parfei un9 Sie Ju9en. Klausensurg, l0. Febr. Eii: Mitarbeiter der hiesigen Wochenschrift „Jeschnrun" hatte diese Woche mit einem führenden Mitglied der sog. liberalen Bratiann-Partei eine Unterredung, die in Anbetracht dessen, daß die Presse diese Partei vielfach als antisemitisch bezeichnet, aber auch aus anderer: Gründen ans allgemeines Interesse rechnen kann: Welche Stellung nimmt die liberale Partei in der Judmsrage eii:? erkundigte sich unser Mitarbeiter. Die Stellungnahme der liberalen Parte: ist klar. Die Angehörigen der jüd. Konfession besitzen dieselben Freiheiten wie die anderen Bürger des rumänischen Staates. Die Jüden beschäftiget: sich hauptsächlich mit Handel und Gewerbe. Die Entwickelung des Handels und der Gewerbe ist eines der Hauptziele unserer Partei. Unsere Parte: will jedem Staatsbürger gleich dienen. Sie steht aber jenen Juden am nächsten mit ihrer Auffassung, die im Inden tun: eine Konfession erblicken, ansonsten aber mit den: rumänischen Volke zusammmgehm. Unserer konservativen Auffassung entspricht ehestens die jüdisch-religiöse Anschauung und wir erblicket: im jüdisch-nationalistischen Standpunkt eii: phantastisches Nebelbild, welches dennoch die Judei: uns entfretndei: n:ag. Wie stellt sich die liberale Parte: zur Frage der jüd. Emanzipation? Unsere Partei hat die Jüden bereits im Jahre 1919 emanzipiert. Nicht weil sie hierzu durch der: Friedens Vertrag gezwungen waren, sonderr: ganz spontan, dm: Geiste der Zeit entsprechend. Gemäß der Emanzipation Werder: wir die konfessionellen Einrichtungen der Juden, sowie ihre Schulen, ihre Seelsorger gleich der: Einrichtungen, hezw. beit Seelsorger:: der anderer: Konfessionen unterstützen. Wie stellt sich! die liberale Parte: zur Frage des Sabbats? Unserem liberalen Standpunkt entsprechend werden wir wichet verhindern, daß jene Inden, die ihre eigenen Feiertage feiern, bei gefchkossenm Läden cm den Staatsseiertagen arbeiten sollsn. Damit schWm wir die Keiskrage der

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