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Der Israelit · 1922-02-23 · Heft 8 (23.2.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 8 (23.2.1922)
Date
1922-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der ä&raellt. Nr. 8 Sette t 23^Wbrirar ISWdann wird die volle Ausnutzung der Gteuerkraft jeder Einzelgemeinde für die eigene Beamtenbesoldung die grundlegende Voraussetzung für ein fruchtbares Funktionieren des Verbandsapparates sein, sodaß doch immer wieder — da ja böswillige Steuerzahler aus der Gemeinde, und Gemeinden aus den Verbänden schließlich austreten können, wenn ihnen die Steuer zu hoch wird — der moraliche Faktor des guten Willens letzten Endes entscheidend sein und bleiben wird. Endlich aber kann gegenüber den erschütternden Tatsachen, die von den Referenten und den Diskusfionsredern vorgetragen worden sind, von irgendwelchem Abwarten weiterer Entwicklungen — und der Gesetzgebungsapparat erb eitet ja so schwerfällig — keine Rede mehr sein. Die Schmach muß ausgelöscht werden, indem die Gesamtheit vor allem einmal mit ausreichenden Summen — nicht mit den üblichen Hundert- oder Zweihundertmark-Subventionen — einspringe und den Versinkenden vor dem Untergang rettet, ohne zuerst viel nach der Mitschuld der Ntchtbeteiligten zu fragen. Der Aufruf zur Dotierug seines Hilfsfonds, den der „Bund gesetzestreuer Gemeinden" erlassen hat, muß von jedem, der sich nicht mitschuldig machen will, durch Z etchnung größerer Kapitalbeträge beantwortet werden! Das ist zunächst einmal Menschenpflicht. Dann aber muß ein Entrüstungssturm in Stadt und Land sich erheben, der weckend, zugleich aber auch reinigend durch all' die schuldbeladenen Gemeinden fegt. Die aus Nichtwissen und Nichtfühlen, vielleicht aus Un, kenntnis der Dinge und Trägheit des Denkens gefehlt haben, sollen belehrt und aus ihrem Schlummer, der Menschenleben zugrunde richtet, gerüttelt werden. Wo aber blöder Wille, Eng- und Hartherzigkeit und Verständnislosigkeit gegenüber den Interessen des Judentums und der Not des Nächsten unverbesserlich das Elend weiter häufen, da soll die jüdische Öffentlichkeit in Versammlung und Presse als richtendes Tribunal in Aktion treten. Solche Gemeinden werden nicht allein, wie es bisher von den Lehrervereinen in berechtigter Abwehr geschehen ist, gesperrt und selbstverständlich auch von jeder Subventionierung ausgeschlossen werden, sondern von der jüdischen Öffentlichkeit gebrandmarkt und gemieden werden, sodaß sie, mit dem Fluche beladen, Schmach auf den Namen Israels gehäuft zu haben, ihrem eigenen Untergänge entgegengehen. Wir hoffen, daß es nicht viele Gemeinden halb den Bann über ihn und seine Schriften verhängen, und da dies bei der Stellungnahme der damals sehr bedeutenden Autoritäten Italiens nicht möglich war, so nahm man die Rabbinate von Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M. zu Hülfe. So mutzte sich Luzzato vor dem Frankfurter Rabbiner R. Jakob Cohn Poppers rechtfertigen, der weder von Philosophie noch von Mystik etwas hören wollte. Luzzato wurde das Versprechen abgenommen, seine Schriften unter Siegel legen zu lasten, und bis zu seinem 40. Lebensjahre außer« halb Palästinas, seinem Reiseziele, seine Beschäftigung mit diesen Studien ganz fallen zu lasten. Luzzato ging nach Amsterdam, schlug jede ihm bereitwilligst angebotene Unterstützung aus und verfaßte dort das bekannte, von Wohlgemut ins Deutsche übersetzte v^'vv, 2NL», ging dann nach Palästina, wo er im 40. Lebensjahre starb und neben R. Akiba in Liberias ruht. Der Frankfurter Rabbiner mag zu seiner Zeit, wo mißverstandene Mystik durch das Auftreten des Dämons Sabtai Zewt so viel Unheil angerichtet hatte, unanfechtbar richtig geurteilt haben. Wie Luzzato jedoch später anerkannt wurde, beweist die von I. Wohlgemut in seiner Einleitung zur deutschen Ausgabe des D'-itP' cd angeführte Aeßerung des Wilnaer Gaon, er würde 100 Meilen zu Fuß zu R. M. Ch. Luzzato wandern, wäre noch dieser am Leben. Der Sabbat in Warschau. Gedaljah Bublik schreibt in der New-Aorker „Jervish Gazetten" in der Schilderung seiner Europareise : Zum erstenmal seit Jahrzehnten habe ich in Warschau gesehen, wie eine jüdische Stadt den Sabbat empfängt, allein diesem Augenblick zulieb sollte der' amerikanische Jude nach Europa fahren. Er dürfte sich dann auch sein werden, die auf diese Weise gerichtet sein und sich selber richten wollen! Wochenmndschau. Mische Wvhlsahrispflrse. Die uns vorliegende Nummer der „Mitteilungen der Zentral-Wohlfahrtsftelle der deutschen Juden", die periodisch unter dem Namen „Zedaka" erscheinen, enthält an ihrer Spitze kurze allgemein interessierende Mitteilungen aus dem Gebiete der sozialenFürsorge. Interessant für weitere Kreise ist u. a. der Hinweis, daß fortan der Abzug von Beiträgen an kirchliche, mildtätige oder gemeinnützige Vereinigungen vom steuerbaren Einkommen nur soweit zulässig ist, als es sich um Einzelgaben von mehr als 200 Mark handelt. — Zur Erörterung jüdischer Erziehungsfragen will die Zentralwohlfahrtsstelle eine Erziehungskonferenz auf dem Herbst einberufen. — Einige Aufsätze beschäftigen sich mit der jüdischen Kind er Hilfe, für die die Zentralwohlfahrtsstelle bekanntlich eine großzügige Sammlung ins Werk gesetzt hat. Beachtung finden sollte die Mitteilung, daß die Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz wie viele anders Anstalten mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, sodaß ihr Weiterbestehen gefährdet ist, wenn nicht' ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Da eine jüdische Jdiotenanstalt in Deutschland sonst nicht existiert, gerade ein derartiges Institut aber leider eine unbedingte Notwendigkeit ist, (es handelt sich ja um die verschiedensten Abstufungen des Schwachsinnes, wobei die Unterbringung in einer nichtjüdischen Anstalt oft geradezu ein Verbrechen an der kindlichen Seele ist), so sollte die jüdische Oeffentltchkeit nicht zögern, helfend einzugreifen. Inwieweit die Anstalt den religiösen Anforderungen entspricht, wissen wir nicht, nehmen aber an, daß es gegebenenfalles orthodoxen Persönlichkeiten in Berlin nicht schwer sein würde, entsprechenden Einfluß auf Erziehung und Kaschrus zu gewinnen. Die Nummer berichtet über die am 4. Dezember stattgehabte Gründung der Landesversammlung für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau, wobei zum ersten Mal orthodoxe Gemeinden und Körperschaften sich an einem von der Zentrale veranlaßten gemeinsamen Wohlfahrts-Unternehmen beteiligt haben. Da jedoch der Bericht über die von orthodoxer Seite verlangten Kanteten, die einstimmig gutgeheißen wurden, vollkommen davon überzeugen, daß das Fundament des jüdischen - Lebens nicht in der neuen Welt mit ihrem Tumult und Wirrwarr, sondern in den jüdischen Städten Ostj europas liegt, wo noch der Sabbat seine Herrschaft ausübt. Freitag nachmittag eilt olles, um den Sabbat vorzubereiten. Ueberall werden die Läden und Lager geschlossen, kein einziges Geschäft, keine einzige Werkstätte bleibt geöffnet. Die Trambahnen fahren fast leer. Jetzt füllen sich die Gaffen mit sabbatlich gekleideten Juden, die, ihre Kinder an der Hand, zum Beten gehen. Es ist mit einem Mal still und ruhig geworden. Die „Schechinah" und „Keduschah" hat sich auf die Zelte Jakobs niedergelassen. Geht man am Sabbat in Amerika in eine Synagoge, fühlt man nichts von dem Sabbatgeiste. Schon die Tatsache, daß die Synagoge zwischen offenen jüdischen Läden steht, zwischen lauter Wochentätigkeit, hemmt die Sabbatstimmung. Anders eine Synagoge in Warschau. Ueberall Sabbat! Draußen und drinnen, auf allen Gegenständen und auf allen Menschen! Solange noch ein solches Warschau lebt, ist das jüdische Volk noch nicht verloren, solange kann auch noch ein Nerv Jork von dem „Sechus" Warschaus, von seiner jüdischen Wärme und seinem jüdischen Licht leben! Außerhalb d.r jüdischen Viertel in Warschau, in den glänzenden, breiten Geschäftsstraßen gibt es wohl auch schon jüdische Geschäftsinhaber, die nicht mehr den Sabbat heiligen. Und in manchen Häusern, wo äußerlich der Sabbat noch gewahrt wird, ist die Sabbatfestigkeit auch schon unterhöhlt. Besonders in der Jugend läßt die Treue zur alten Jüdischkett häufig viel zu wünschen übrig. Doch das alles ändert nichts an dem überwältigenden jüdischen Gesamtcharakter der Warschauer Judenheit. Wo Licht ist, muß auch Scharten sein. Doch hier sind nur einzelne unjüdisch, die Geschwelgt, so möchten wir zur Vermeidung von Mißverständnissen die Satzungsparagraphen hinzufügen, die zum Schutze gegen religionsgesetzliche Verstöße ausgenommen worden sind: § 3' der Satzung lautet: „Alle von dem Landesverband geförderten oder neu zu begründenden Wohlfahrtseinrichtungen ftnb auf traditioneller Grundlage zu führen) sämtliche Beschlüsse der Organe des Landesverbandes müssen damit im Einklang stehen." Ferner ist im § 12 bestimmt, daß § 3 unabänderlich bleibt. Dem Provisorischen Vorstand des Landesverbandes gehören u. a. die Herren Rabbiner Dr. Marx- Darmstadt, Prov. Rabbiner Dr. Cohn- Marburg, Liebmann B är- Gießen und Adolf Stern-Frankfurt a. M. an. Bedauerlich ist, daß wie sich aus dem Berichte über die Delegierten- und Mitgliederversammlung des jüdischen Frauenbundes ergibt, die einflußreichste Persönlichkeit in diesem Bunde gegen die jüdische Konfessionsschule polemisierte, di. für ein normale*, gesundes Kind nach Ansicht dieser Dame „Verweichlichung und Absonderung bedeute und keine Stählung für den Kampf des Lebens." Die Referentinnen standen allerdings erfreulicherweise auf anderem, man darf wohl sagen, weniger lebensfremdem Standpunkte. Prinzipale uni» Gehilfen. Die vor einigen Wochen im Sprechsaal des „Israelit" veröffentlichte Beschwerde eines gesetzestreuen jüdischen Handlungsgehilfen, der den gesinnungsgenössischen Geschäftsinhabern Vorwürfe darüber macht, daß sie erstens nicht ausschließlich gesetzestreues Personal anstellen und zweitens um die weitere Entwicklung und Lebensführung ihrer. Angestellten sich zu wenig bekümmern, hat uns eine ganze Reihe von Zuschriften aus Angestellten- und Geschäftsinhaber- Kreisen eingebracht, deren Abdruck aus Rücksichten des Raumes leider nicht möglich ist. Einige Einsender, die persönlich offenbar bei den Bemühungen um eine Stelle in am Sabbat geschlossenen Geschäften unerfreuliche Erfahrungen gemacht haben, stimmen demBeschwerdeführer in lebhaften Worten bet. Dagegen erklären eine ganze Reihe von Besitzern größerer Geschäfte, daß sie die größten Anstrengungen gemacht hätten und fortgesetzt machten, um gesetzestreues Personal, ja sogar überhaupt jüdisches Personal zu erlangen, daß aber weder Stellenvermittlungen, noch Zeitungsanzeigen zu dem gewünschten Ergebnis geführt hätten. Zu ihrem eigenen Leidwesen seien sie daher in zahlreichen Fällen gezwungen gewesen, um den Betrieb überhaupt aufrecht zu erhalten, nichtjädisches Personal oder - samtheit ist aber jüdisch, während im Westen es sich leider umgekehrt verhält. (War Kolumbus Jude?) Diese Frage beschäftigt schon seit Jahren die Forscher. Wie englische Zeitungen Mitteilen, hat nun die spanische Negierung eine spezielle Kommission bestimmt, um die neuentdeckten Dokumente, die bestätigen sollen, daß Kolumbus ein Jude gewesen ist, zu untersuchen. Wie die genannten Zeitungen behaupten, lassen erwähnte Dokumente keinen Zweifel mehr daran, daß Kolumbus nicht nur von Juden abstammlc, sondern selbst noch Jude war und sein Judentum bewahrte. Laut diesen Dokumenten hieß der Vater Kolumbus Jakob und seine Mutter Schoschana. Aus Angst vor der Inquisition übte Kolumbus, wie die Marannen, sein Judentum nur im Geheimen aus. (In der Leichenhalle wieder zum Leben erwarbt). Ein seltsamer Fall von Scheintod hat sich nach Warschauer Blättern, denen mir die Veranl. wortung für die Erzählung überlassen müssen, in Warschau ereignet. Dort zog sich eine Frau eine Kohlengasvergtftung zu. Der herbeigerufene Arzt stellte den Tod fest. Da die Verunglückte eine Jüdin war, brachte man sie sofort auf den Friedhof, um sie noch vor Anbruch des Sabbats zu bestatten. Da jedoch an diesem Tage viele Begräbnisse stattfanden, kennte man sie nicht vor Einbruch der Dunkelheit begraben. Deshalb wurde sie zusammen mit fünf Leichen in der Leichenhalle untergebracbll Einer der Friedhofsdiener wachte bet den Toten. Nach einiger Zeit bemerkte der Wächter, daß eine der Leichen ein Bein bewegte. Er trat näher und war Zeuge der Wiederbelebung der' Frau. Vor Grausen fiel der Wächter in Ohnmacht Zum Glück erschien bald daraus ein anderer Bedienter

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