Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1922)
- Date
- 1922-02-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450196--69560-2526740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IS. Februar 19S2. irr der OrtAANlpp'e ist' ebenfalls Kallarbeit im Kiemen, aber unter Berücksichtigjung der Arbeit der Agiudas Jisroel, die Klallarbeit im Großen ist. Da wahre Gemeindearbeit aber auch nur geleistet werden kann, wenn man die Ziele, den Zusammenhang mit dein übrigen Klall-Jisrocl nicht verliert, so ist die Arbeit der wahren Agndohortsgruppe und die Arbeit der wahren Ortsgemeülde identisch. So lautet, wenn ich recht verstehe, die Theorie des Frankfurter Programrus. Wie sieht es nun in der Praxis aus? Jüdische Gemeinden gibt es an allen Orten, wo uden wohnen. Zwar tu vielen geschieht die ösung der Gesamtheitsaufgabeu cm Ort n i sh t mehr im Sinrte der Thora. Doch zahllos sind auch die Gemeinden, die ihre Ausgabe nicht ver> kennet:. Zahllos sind die Genteindett, wo bereits ein Kreis von Mättnertt alt der Arbeit ist, die ult sie herantretenden Fragen an ihren: Orte in: Sinne des Gesetzes zu löset:. Hier wäre es nur notwendig gewesen, diese:: Ktseis von Männert: an: Ort zu erfasset:, hier iväre es nur notwendig gewesen, diese thoraireuen Gemeindet: für die Agudas Jisroel zu gewinnen und mat: hätte eine blühende „Ortsgruppe" gehabt. Mat: hätte eine Ortsgruppe gehabt, die bereits in Klallarbeit erprobt war, die vermutlich Männer at: ihrer Spitze hatte, die Situ: für Klallarbeit im Großen' ui:d Kleinen habet:. Aber anstatt so vorzngehet:, anftatt die. Gemeinden, die auf den: Boden des gesetztst rettet: Jüdetttumes stehet:, znsanunenzu fassen — grünbete die Agudas Jisroel Ortsgruppen. ' Sie übersah, daß in den Getneindet: bereits „Ortsgruppenarbeit" geleistet wurde. Ortsgruppe:: hätte die Agudas Jisroel alt solchen -Orten gründet: müssen, wo feine thoratreue Gemeinde bestand. Denn dort ist Raun: für die Tätigkeit einer Ortsgruppe, weil es dort noch feine „kleine kommunale Korporation" gibt zur Lösung der Ortaufgaben in: Sinrte des jüdischen Gesetzes. Daß die Agudas Jisroel hinging ut:d Ortsgrtlppei: Afündete auch au Orter:, wo bereits „wahre" Gemeindet: bestanden, war eit: sehr verhängnisvoller Fehler^ denn diesen Ortsgruppen fehlt das Betätigungsfeld. Sie haben das gleiche Ziel wie die thoratreue Gemeinde und könnet: ihr Betätigungsfeld nur störend beeinflussen, so wie eit: Magnet das Kraftfeld des Nachbarmagueten zerstört. Daß mar: irr dieser: Fehler zerfiel, hat der Agudas Jisroel sehr geschadet. Zu verstehen ist es nur, wenn mat: sich überlegt, daß für die Agudas Jisroel in der Praxis dieselbe orgiatnsatorische Form angewandt wurde, . die sonst bei Vereinet: üblich ist. Eit: Bereit:, eine Organisation mit neuer: Idealen braucht rricht au bestehendes 'anZnkuüpfeu. Der Zentralverem, der Zionismus, wollen ihre im Verhältnis zun: altüberlieferten Judeullm: iteitcit Ideen propagieret:. Eine Orgattisatiot: .sMhtrftaat ist eine Aufgabe, die keineswegs die Utopien der Menschheit um eine nette vermehren wird. Zuerst hat die Großmacht Geld ihr Augenmerk auf Palästina gerichtet. Das Welt kapital har leine Beteiligung zugesagt, und Dollar, Gulden, Frank Lire und Mark rollen nun um die Wette, um einander den Vorrätig ahzrrlauferr nrtd die besten Gewinnchancen zu sichern. Es wird eine schwere Aufgabe der palästinensischen Regiertmg sein, hier Mittel und Wege zu finden, um die Interessen der internationalen Finanz mit den ihrigen nutzbringend zu vereinen. Und doch muß man schon jetzt anerkennen, daß die bis heute in Palästina erfolgten Investierungen in sehr geschickter Weise vorgenorttmen wurden. Umfangreiche Bodenankäufe wurden vollzogen, Pflanzungs- und Häuserbaugesellschaften begründet, Banknnd Hotelniederlassnngm eröffnet und die geringer: Einsätze einer heimischen Industrie zum Aüsgangs-- vunkt einer allmählichen Jndustriealisierung gemacht, obschon die noch fehlende Möglichkeit offizieller Konzessionserteilungen sich hierbei als ein stark hemmendes Moment erwiesen hat. Ter wichtigste Lebens- , Viktor des Landes aber ist und bleibt seine Land-! w i r t s ch a f t, in enger Verbindung mit der Oasenj und Gartenkultur. Allerdings ist hierztt eine ausreichende systematische Bewässerung des Bodens Voraussetzung; und wenn erst einmal nach Jahren die i Authenbergschen Stauanlagen int Jordantal sertigi gestellt sein werden, dann wird hier meilenweit eit: blühender Frnchtgarten entstehen, in dem die herrlichsten Weintrauben, Orangen und Ananas gedeihet: können. Tie Trümmer der alten Bewässerungsanlagen können ebenfalls wieder für Jrrigativnszwecke Stier." aber, die altüberliefertes Juden turn boteben will, mußte zunächst sich anlehnei: at: das, tvas von: ästüberliefertet: ttoch at: Organismen zerstreut da war. Dam: wäre at: vielet: Orter: ein Kampf zwischen Gemeinde und Ortsgruppe vermieden worden. Dann wäre an aikn Orten Ägndohleben auch tit der: Ortsgruppe,:. Tic. Agndohjilgendgruppen habet: Lebet:. Dettt: das Bestehet: von zwei Vereitlet: zur Erziehnttgi für die Jugend an: selbet: Ort schadet nichts, da keine praktische, sondert: Erziehungsarbeit geleistet werdet: soll und da die Betätigung dieser Vereitle parallel und sich nicht fiörenb verläuft. Auch hat man sich bei Gründung der A. I. I. O. in dett klgugss lisroel Jugendgruppe Sranhfurf am Itlain m Sonntag, 8en 19. Sebruar 1922. aben9s 6ll* Uhr, im groben Saale 9es Volhsbil9ungsheim, ßfriienheimer Anlage 39-40 Festabend flus 9em Programm: Prolog — Seflre9e Musikalische Darbietungen 9es Jiidifctien OrcheRerüereins OefangDorträge von Herrn Markus 6 er lick Biumenfepfpiel Run9ge[ang Bumorittifche bichtbiigeroorführungen ln 9er pause: Büfett - tomböla m Karten ä 25—, 15— un9 8 — s!n9 an 9er Hben9kasse erhältlich Orten, wo schon gesetzestreue Jugendvereine bestandet:, meist mit den: Anschluß dieses Vereins begnügt nnd zwar in fette nett und notwendigen Füllet: einen neuen zweiten Bereit: ins Lebet: gerufen. Die Konsequenz aus den: oben angeführten Absatz des Frankfurter Progratntites ist also dahin zt: ziehet:, daß der Gruppenverband Halberstadt bei [etuett Ortsgruppen nachforscht, tute weit sie neben der Thoragemeinde Berechtiguttg haben. Soweit Thoragemeinde und Ortsgruppe sich stören, ist die Ortsgruppe anfzulöset: ürrd die Thvragcnwindc znrt: Anschluß an die A. I. zt: bringen. Wann ettdlich werden die Ortsgruppen sich über das Stadium der Dis- Vorwendung finden und das Ghor, das heule im Großen und Ganzen noch öde und unbelebt dallegt, einer neuen Zukunft entgegenführen. Es ist kein Märchen, daß beispielsweise Herodes bei feiner prachtvollen Winterresidenz Jericho Zuckerrohr hatte anbanen lassen; und moderne Forscher, wie Palmer, § ch u IN achLr und F i s ch e r, haben die günstigen klimatischeir Verhältnisse der Jvrdansenke bestätigt. Zur Zeit befindet sich Prof. Marburg vom Berliner Koloniatwirtschaftlichen Komitee auf einer Studienreise, um an Ort und Stelle die Anbaumöglichkeiten für Baumwolle zu prüfen, die vorläufig tu Palästina erst vereinzelt kultiviert wird. Zusammenfassend kann jedenfalls gesagt werden, daß das Land seinen größten Reichtum in sich 'birgt, indem bei richllger Bewirtschaftung des Wassers (Quellen, Zisternen, Wasserfälle, Flüsse nsw.) unendliche Energien gewönnet: und in Form von elektrischem Strom oder als fruchtbare Jrrigationswässer nutzbringend verwertet werden können. Ganze Haine von Dattelpalmen, Oel-, Feigennnd Maulbeerbäumen werden dem Landschaftsbild ein gartenähnliches Gepräge verleihe»; Pfirsiche, Aprikosen, Apfelsinen und Melonen wird Palästina künftig auf die auropäischen Märkte bringen, ganz abgesehen von Sesam, Eukalyptus und Tabak, die als Handelsgewächs noch eine besondere Bedeutung haben. Obwohl England zum größeren Teil den Einftchrmarkt von Palästina beherrscht, machen in letzter Zeit Amerika, Holland und Italien angestrengte Versuche, den englischen Kanfleuten den Rang abzulanfen, während Deutschland zunächst noch zögernd abwartet. Ter wirtschaftliche Aufschwung Nr. 3, Sette 8. kttfsiotml des Frankfurter Pwgramnls erheben und anfanget:, in ihrem Ausbau und ihrer-Orgätiisation sich nach ihm einzurichtet:? Aber die Praxis sieht noch trauriger aus, als es bisher geschildert wurde. Bisher wurde gezeigt, daß in den meiste:: Orten, wo überhaupt Orthodoxe wohnen, die A. I.-Ortsgruppe:: so, wie sie bestehen, dank falsche:: Vorgehens das fünfte Rad an: Wagen ist. Glicht um die einzelnen Ortsgruppen sind das fünfte Rad um Wägen. Auch die Landesorganisatiot: ist es. Deutsche Organisatoren haben mit unglaublicher Schärfe die Aufgaben, die der Agudas Jisroel-- Landesorgaaisation in Deutschland gestellt sind, in 3 Teile zerlegt. Die 3 Teilaufgabeu werden mm nicht etwa einheitlich von der Landesorganisation erledigt. Nein. Nt au hat 3 Organisationen, jede vollkommei: für sich geschlossen und abgegrenzt, anfgebaut. Zunächst ist da die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentumcs". Sie sorgte früher für alle Bedürfnisse des füdischeu Lebens und vertrat die Idee der Orthodoxie. Früher erfüllte sie. also eigetttlich alle Ausgaben der A. I.-Landesorganisation. Aber seit neuem hat man das Prinzip der ''Arbeitsteilung angewattdt. Die praktischen Ausgaben hat zum Teil der „Bund gesetzestreuer Gemeinden" übernommen. Dagegen ist vott: orgäuisatorischet: Standpunkt ttoch nichts eittzuweudeu. Wem: da die Führer größtenteils ehrenamtlich arbeiten nnd die Arbeitslast der Orgattisatiot: groß ist, so kann n:an, falls ein Zusammengehen gesichert ist, rtihig die übergroße Arbeit teilet!. Aber man teilte noch weiter. Eine weitere Teilung in rein praktischen Dingen wäre an sich nicht zu verurteile:: gewesen, wenn die praktische Arbeit aufgeteilt worden wäre. Aber man beging den Fehler und trennte die Idee von der praktischen Arbeit ab. Man gründete noch eilten dritte:: Verband, um die Jdele wirksam zu vertreten. Dieser dritte Verband zur Vertretung der Idee :var natürlich vot: vortthereit: „zum Schlafet:" verurteilt. Denn mar: kann zur Propagierung der „orthodoxen Idee" Redner hermnsenden, die eituual, zweimal vielleicht sogar, Sensation madjen. Aber allmählich versandet die Idee, da mm: nach ihren praktischet: Austvirknugei: sttcht und sie bei diesem „drittel: Verband" der ja nur der Propagierung der Idee zuliebe gegriinbet ist, nicht findet. Daß ztvei andere Verbände die praktische Arbeit, die zur Ausflihntug dieser Idee nonvettdig ist, leisten, wird nur allzu leicht außer Acht gelassen. Vtan schimpft auf den „Verband zur Propagierung der orthodoxet: Idee", un'il man vot: oiesem, dem drillet: Verbände, keine praktische Arbeit sieht, ttnd man hat sogar die Ungeschicklichkeit gehabt, den „Verband zur Propagierung der orthodoxet: Idee" in 'Deutschland Agudas Jisroel zu nennen. 'Die Propagierung der Idee der Palästinas ist aber gerade für den deutschen Qs?> port bemerkenswert, weil in der jetzigen Zeit der Artttdumping- und <-chutzzollbewegttng dort keinerlei Sonderbestliumungen nnd Beschränkungen für die deittschc Einfuhr bestehen, und weil sich hier bei einem von vornherein systematischen ^Ausbau der Handelsbeziehungen fiir die Zninnf: ein aufnahmesälnges Absatzgebiet erschließt. Gesucht sind insbesondere Eise n tu a r e n , W erkzeuge, Baumaterial und H a u s h a l t n n g s g e g e n st ä n d e, also Waren, die Deutschland in großen Mengen liefern kann: verboten ^ist lediglich der Import von Munition^ Opium, ^alz und einigen Medikamenten. An Zoll werden 1.1 °/o des Wertes erhoben, auf Baumaterialien 3"o, während Reisegut zollfrei ist. So liegen also die Verhältnisse in den: bisher wenig beachteten Palästina relativ günsttg, und cs kann als ein erfreuliches Zeichen begrüßt werden, daß führende deutsche Konzerugesellsctzaften wie Siemens, Deutsche Werke A.-G., Hirsch Kupfer- und Messingwerke, Hecht, Pfeiffer & Co. kürzlich besondere Jnteretsenvertretnngen für Palästina errichtet haben. Zudem ist bemerkenswert, daß die Dampfer der Deutschen Levante-Linie uitb der Deutschen Orient- Linie regelmäßig die Häfen von Jaffa und Faifa anlausen. (Ans der deutschen Berg>verkszeitung).