Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1922)
- Date
- 1922-02-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette S. Nr. 3. zeichneten Betrages erhalt der Zeichner ein künst^ terifch ausgestattetes Interims-Zertifikat in hebräischer uiib englischer Sprache. 'Tiefer provisorische Schein wird nach deren Herstellung gegen Original-Aktien umgetauscht. Wie nur erfahren, sind scharr arrf die erste Nachricht hin bei den polnischen, deutschen und österreichischen Zentralen große Beträge für dieses Unternehmen gezeichnet worden, so daß die erste Serie der Aktierr irr ki'rrzester Zeit irr festen Händen sein dürfte. Unsere Gegner. V. Ter Inhalt eines Rundschreibens, welches der Vorstand der Misrachi-Ortsgnlppen Nürnberg-Fürth Ende vorigen Monats an seine Mitglieder versandte, zwingt uns zu einer Stellungnahme. Das Rundschreiben beklagt zunächst das mangelnde Interesse der Mitglieder an den Veranstaltungen der Ortsgruppe, welches nicht einmal eine beschlußfähige Generalversammlung ermöglicht. Der Vorstand droht, daß, wenn eine weitere Generalversammlung auch nicht besser besucht sei, die ordentliche Fortführung der Arbeit nicht mehr möglich sein wird. Das sind Interna, die uns weiter nicht kümmern, wohl aber hat die jüdische Oeffentlichkeit ein Interesse daran, zu erfahren, mit welchen Mitteln nun der pflichteifrige Vorstand versucht, das gesunkene Interesse seiner Mitglieder zu heben; er gibt nämlich nun einen kurzen Bericht über die politische Lage im Zionismus, schildert sie als günstig, denn .... „Die arabische Delegation in London, die der Erteilung des Mandats an England in dem vorgesehenen zionistenfreund lichßn Sinne entgegenarbeiten sollte, wird trotz der Förderung durch englisch-jüdische Assimilanten, d u r ch Organe der Agudas I i s r o e l und durch englische Antisemiten mit leeren Händen heimkehren." Wir erklären den Autor dieses Satzes — welcher Agudas Jisroel ans eine Stufe mit den englischen Antisemiten stellt — für einen Verleumder, dem die jüdische Ehre tausender von q-st gleichgültig ist, wenn es gilt für eine gilt besuchte Generalversammlung Propaganda zu machen. Agudas Jisroel hat — dieses sei zum soundsovielten Male wiederholt — den Mandatscntwurf offiziell und offiziös in allen diesbezüglichen Unterhandlungen aufs wärmste begrüßt, hat sich aber dagegen gewandt, die zionistische Organisation mit dem jüdischen Volke zu indentifizieren, hat vielmehr verlangt und wird es weiter verlangeil, daß in der Vertretung des jüdischell Volkes auch diejenigen Kreise inbegriffen seien, denen das Gottesivort die vom Volkskörper mttrennbare Volksseele bedeutet. Wir weisen daher jede Gleichsetzung mit englischjüdischen Assimilanten oder nichtjüdischen Anti- _„Bmtet*_, semiten als ehrenrührige Beleidigung zurück. Will die Ortsgruppe des Misrachi irr Nürnberg-Fürth Assimilanten bekämpfen, dann empfehlen wir als Gegner die Träger des areligiösen zionistischen Kulturideals, welches den jüdischen Volksbegriff dem nrchtjüdischeu assimilieren möchte — will die Ortsgruppe des Misrachi in Nürnberg-Fürth den Antisemitismus bekämpfen, dann empfehlen wir als GHner das Mitglied der obersten Leitung tm zionistischen Aktionskomitee, welches Verträge mit Pogromhelden abschließt — doch vorläufig zieht die Ortsgruppe den Kamps gegen die Agudas Jisroel vor und setzt als Punkt 3 der Tagesordnung ihrer Generalversammlung: dtn sch l uß an o ie zi0nistische Ortsgruppe. 'Damit aber nicht das eine oder andere Mitglied sich darauf besinnen sollte, daß die Sondernote des Misrachi ihn auch auf die Stimme der religiösen Führer hören lassen sollte, teilt das Rundschreiben die funkelnagelneue Tatsache mit, daß neben anderen Verbänden sich auch der orthodoxe Rab b i n e r v e r ba n d für den zionistischen Keren hajesod a u s g e s p r o ch e n und de n dl u f r n f das Li r unterschrieben habe n. Unser Glaube an das talmudische Wort, daß bei offenkundigen Tatsachen man Unwahrheit scheut ir'aiH KfiTö ’W’K nptfö iO ’IW wird durch solche Veröffentlichungen erschüttert. Damit die für np7Pl erforderliche Dreizahl voll werde, behauptet das Rundschreiben fälschlicherweise weiter, daß der Keren hajischuw der Agudas Jisroel keinerlei Bedeutung hätte, da er ja nur ans geringfügigen Monatsspenden zusammengesetzt sei; es scheint hier eine Verwechselung mit der Rosch-Chodesch-- spende vorzuliegen, welche lediglich für unser! Schnlwerk bestimmt ist, während unserm Keren hajischuw, der den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas dient, erfreulicherweise gerade öoit Nürnberg-Fürth aus schon eine Reihe beträchtlicher Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Wir haben die sichere Zuversicht, daß auch dieses Rundschreiben die werbende Kraft der Agudaidee in Nürnberg-Fürth nicht schmälern wird. Krankheiten der Ortsgruppen. Lin weg?u Ihrer Heilung? Im Programme der Ortsgruppe Frankfurt a. M., das laut Delegiertentagsbeschlnß zur Grundlage gründlicher Aussprachen innerhalb der Ortsgruppen öicttcit soll, findet sich unter der Ueberschrift: Organisatorische Bereitstellung des jüdischen Volkes zur Verwirklichung des Agndismus folgende Forderung: „Die jüdische Gemeinde, die unterste VierwalGn.gskörperschaft des Gottesstaates, ist der teure Rest, den die jüdische Nation aus den Trümmern des Gottesstaates gerettet hat. Sie 16. Februar 1922. ist Abbild von Kluft Jisroel. Ihrem Gedeihen hat die Ortsgruppe ihre ganze Kraft zuzuwenden. Letztes o r g! a n i s a t o r ij ch c s Ziel der Agudas Jisroel i 1t die Einheit der Ortsgruppe und der jüdi scheu Gemeinde. Die Orksgruppe hat dahin zu wirken, daß in die Gemeindeleiiung agudiftische Männer gewählt werden. Die Stärkung der rabbinischen Autorität, die zugleich die Stärkung der Autorität des Rechtes Gottes bedeutet, ist ein Anliegen der Ortsgruppe." Aus dieser Formulierung geht hervor, daß nach dem Frankfurter Programnr erstrebt werden soll, den Klall Jisroel, die jüdische Gesamtheit wieder aufzubauen, unter Benutzung des Grundsteines, der auch das Fundament des durch göttlichen Willen zerstörten jüdischen Gemeinwesens war. In Erez Jisroel war die jüdische Gemeinde eine kommunale Berwaltungskörperschaft. Die einzelnen Gemeurden wurden zusammengefaßt im. Staate. JmGolus haben wir keinen Staat 'mehr. Aber die Berwaltungskörper-, schast der Gemeinde ist uns geblieben, wenn sie auch von ihr-en Rechten und Pflichten eingeb üßt und diese zürn Teil an die nichtjüdische Kornmune abgetreten hat. Agudas Jisroel, die „die Juden des Erdballs behufs gemeinsamer Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben int Geiste der Thora" znsammenfassen will, soll nun das werden, was die Gemeinde im Kleinen bereits ist. Auch die wahre jüdische Gemeinde faßt die Juden der Stadt zusammen behufs gemeinsamer Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora. 'Daher erkennt das Frankfurter Programin mit Recht die Wichtigkeit der jüdischen Gemeinde als Faktor zum Aufbau des Klall an und fordert von der Ortsgruppe die. Unterstützung der Gemeinde mit ganzer Kraft. Ja, das Frankfurter Programm geht sogar soweit, als letztes Ziel einer Ortsgruppe zu verlangen, daß sie organisatorisch eine Einheit bilde, mit der jüdischer Gemeinde des Ortes. Wenn ich also das Frankfurter Programm recht verstehe, sollen die Mitglieder einer Ortsgruppe so erzogen werden, daß sie möglichst vollwertige Gemeindemitglieder werden, daß sie das Ziel der jüdischen Gemeinde, „Lösung der Gesamtheitsaufgaben im Sinne der Thora innerhalb des Ortes" voll erfassen. Andererseits muß ein vollwertiges Gemeindemitglied auch Verständnis dafür haben, daß die Lösung der Gesamtheitsaufgaben am Ort sich viel vollkommener erreichen läßt, wenn man sich mit andern gleichgesinnten Gemeinden znsammentnt. Und wäre es an einem Orte so bestellt, daß die Gemeinde so vollkommen wie möglich ist, so besteht die Pflicht, der Nachbargemeinde zur Erreichung gleicher Vollkommenheit behilflich zu sein. Gemeindearbeit ist Klallarbeit im Kleinen. Arbeit macht, um auch schwereu Lokonwtiven den Verkehr zu ermöglichen, so daß sich der frühere umständliche Maschinenwechsel in Artuss jetzt erübrigt." Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Mitteilung, daß die Bahnstrecke Haifa—Damaskus mehr und mehr den Personen- und Gütertransport von und nach Shrien aufsaugt, während die, durch ihre landschaftlichen Schönheiten berühmte alte Route von Beirut über den Libanon nach Damaskus langsam an Wichtigkeit verliert. Hand in Hand mit dem Eisenbahnbauprogramm ist seitens der neuen palästinischen Regierung der Wege- und Straßenbau in Angriff genommen worden. Besonders im Ghor und an den Ufern des Tiberias-Sees haben die zahlreichen jüdischen Einwanderer durch die Wiederherstellung Und Neuanlage von Straßen im Laufe des letzten Jahres sehr Ersprießliches geleistet, und bas Hinausftrömen immer neuer Einwanderer ermöglicht die Einstellung notb weiterer Arbeitskräfte, die an der fortschreitenden Erschließung des Landes Mitwirken können. Sv wäre in richtiger Erkenntnis oer Sachlage eine der Hauptbedingungen des neuen Kolonisations- Programms durch die Landesregiermrg erfüllt worden; erst auf der Basis eines geordneten Verkehrs ist es möglich, die Erzeugnisse des einen Landesteils dem anderen zuzuführen,, die Waren des Binnenlandes an die Meeresküste zu leiten, um sie weiter dem Weltmarkt zugänglich zu machen, Produktion und Konsum einander zu nähern und Angebot und Nachfrage einheitlich zu regeln. Unter dieser Voraussetzung kann die Praxrs anfangen zu arbeiten, und der wirtschaftliche Wiederaufbau eines bis dahin öden Landes und seine Umwandlung zu einem blühenden Feuilleton Das neue Palästina. Kolonialpolitische Studie bon Hans Ernst. Nach Beendigung des Weltkrieges hat England es verstanden, die Tendenzen der zionistischen Bewegung feinen koloniaivolitischen Bestrebungen i m Orient nutzbar z u mache n. Die Schaffung einer „nationalen Heimstätte" für die Juden ist gleichbedeutend mit einer Neubelebung und einem Wiederaufbau Palästina: das wußte England, als es sich zur Mandatarmacht des Landes bekannte. Nach den Worten des englischen Kolonialministers anläßlich seiner Palästinareise, die in ihrer politischen Wertung einer fötvilicfjeit Semonftvation glich, sott die Politik der nationalen Heimstätte sowohl für die gesamte Jndenlicit, wie auch für die Mandatarmachp und die ganze Welt den größten Segen bringen. Dabei verfehlte Churchill nicht, darauf hinzuw'eifen, daß die Juden für den Aufbau ihres Landes größere finanzielle Anstrengungen machen und eine' Jnanspnechnahme des britischen Staatssäckels vermeiden müßten. Das bedeutet mit anderen Worten, daß England der Ausrichtung des neuen Palästinastaates keine Schwierigkeiten entgegenstellt, solange ihm aus dieser Kulturaufgabe kerne größeren Unkosten entstehe», , Politische Schwierigkeiten sind nicht zu befürchten, s da die jüdische Negierung in Jerusalem kaum Airnek- ' tionsgelüste irgendwelcher Art bezeigen dürfte, so daß also für die britische Kolonialbilanz nur ein Aktivposten All blichen übrig bleibt, das neue Palästina, dessen kulturelle Errungenschaften man sich eines Tage» mühelos wiro zunutze machen rönnen. Zwar steht die endgültige Regelung des Palnstinamandats durch den Völkerbund noch aus, doch braucht man an einer Lösung der Frage, die sowohl den englischen wie den jüdischen Interessen gerecht wird, kaum zn zweifeln. Daher hat auch der Wiederaufbau des palästinensischen Landes in den grundlegenden Zügen . eingesetzt. Das Haupterfordernis war zunächst, das seiner geographischen Struktur nach wenig erschlossene : Land durch künstliche Mittel dem Verkehr zu offnen. Mit rastloser Tätigkeit wurde das Eisenbahnwesen, das unter der ehemaligen türkischen Verwaltung völlig verkolnmen war, reorganisiert, das Liniennetz wiederhergestellt und teilweise vergrößert, der Wagenpark durch notwendig gewordene Neuanschaffungen ergänzt. So haben die palästinensischen Eisenbahnen jetzt eine Länge von -etwa 1000 km erreicht, was für das kleine Land eine recht beträcht- . liehe Leistung bedeutet; sie bestehen aus folgenden ' Strecken: Kantara—Haifa, Rasa—Berscheba, Jaffa- Jerusalem, Haifa—Mka, Haifa—El Hamme, Afulöh— j Tulkaram, Medussisch—Nablus (Sichern). Der! Bahnhof von Jerusalem ist dreimal so groß wie vor dein Kriege und mit elektrischer Beleuchtung versehen worden. Weiterhin wurden die Brücken aus der Jerusalemer Strecke ttagsähiger ge-