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Der Israelit · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10 Februar 1908 schnittsfrequenz von 25 Schülern (fast ausschließlich Kindern inländischer Eltern) eröffneten Schule ist von der Regierung der bisher an der städt. Simultanschule in Myslowitz ange stellte Lehrer CH. Witt bestätigt worden. Seine Persönlichkeit Und berufliche Tüchtigkeit gibt die Gewähr, daß das neue Schulwerk seiner Ausgabe in der zu neuem jüdischen Leben erwachenden schlesischen Hauptstadt voll und ganz gerecht werde. Die Schule wird vorläufig als Privatschule geführt, doch ist ihre Umwandlung in eine öffentliche in Aussicht gestellt. Die Geldmittel werden bis dahin vom „Jüdischen Schulverein E. V.", an dessen Spitze Rabb. Dr. Simonsohn steht, aufgebracht. — Wegen seiner Verdienste um has Zustandekommen des Schulwerks wurde das nach München berufene Vorstandsmitglied Rabbiner Dr. P r y s zum Ehrenmitglie'de des Vereins ernannt. Die KJohnungen 9er OHIuden* ZLertin 3. Februar 1922. Die deutschnationolen Abgeordneten Wulle, von G äse und GkN. haben der Neichsregierung folgende Anfrage eing'bracht: In der Antwort auf die Anfrage über die Maßnahmen der Neichsregierung zur Hebung der Not der Wolgadeutschen hat die Reichsregierung unter anderem darauf hingewtesen, daß die Wobnungsnot in Deutschland eine Emreise der 4000 deutschstämmigen Kolonisten unmöglich mache. Ist es der Neichsregierung bekannt, daß einige hunderttausend Ostjuden und viele tausend lästige Ausländer in Deutschland Wohnung gefunden haben? Ist sie gewillt, die Wohnungen der Ostjuden zu beschlagnahmen und sie den nicht erkrankten Wolgadeutschen zur Verfügung zu stellen? Daß die Ziffern stark übertrieben sind, ist wiederholt nachgewiesen worden. Uebrigens kann es nur die Logik und dem Gerechtigkeitssinn eines Herrn Wulle und Genossen entsprechen, Flüchtlinge, die seit Jahren hier Obdach gefunden, auf die Straße zu setzen, um in deren Wohnungen andere Flüchtlinge unterzubringen. Mtcrrren. 0ll8 neue Mimilerlum. Kowno, 9. Frbr. In dem neugebildeten Ministerium hat Dr. Soloweitschik wiederum das Ministerium für jüdische Angelegenheiter: übernommen. Bei einem Empfang! der Herren 'Dr. Rachmilewitsch, Dr. Rosenbann: und Dr. Soloweitschik hat der Präsident der litauischen Republik den jüdischen Vertretern das Versprechen 'gegeben, sich für die Befriedigung ihrer politischen Forderungen einzusetzen. Diese beziehen sich in erster Reihe auf den für die jüdische Autonomie verhängnisvollen Beschluß der Bersassnngskomrnission, wonach nur Minderheiten, die mindestens 10o/o der Gesamtbevölkernng ansmachen, Anspruch auf eine vollkommen artsgebaute Autonomie mit einem Ministerium an der Spitze erheben können. Tier Beschluß würde das jüdische Ministerium auf den Aussterbe-Etat setzen. und im Widerspruch stehen mit den wiederholter: nründlichen uno schriftlichen Erklärungen der litauische!: Vertreter bei der Friedenskonferenz und beim Völkerbuno. Weitere Forderungen beziehen sich auf beit Kompetenzbereich der jüdischen Autonomie, die unter allen Umständen auch die Wohltätigkeitsangelegenheiter: rnrd die Krankenversorgung mit umfassen muß. 0er HJilnaer Lan9fag. Wilna, 13. Febr. Die definitive Parteigruppierung im neugewählten Landtag stellt sich folgendermaßen dar: Im Ganzen zählt das Parlament 106 Deputierte, die sich in 6 Fraktionen teilen. Die stärkste Fraktion ist die nationaldemokra- Der Israelit. tische mit 44 Mitgliedern, die ganz auf reaktionärem Boden steht und auch ausgesprochen antisemitisch ist. Ihr am nächsten kommt die sogenannte Volkspartei mit 34 Abgeordneten. Sie ist ebenfalls erzreaktionär gesinnt, nur daß sie statt der Interessen des Adels, die der Bauern vertritt. Sonach sind im Landtag von den 106 immer 78 Stimmen, also eine Mehrheit für eine anttjüdtsche Politik gesichert. Es kommen noch die mehr oder weniger linksgerichteten Fraktionen der „Polnischen Bolkspartei" (13 Stimmen), der „Ausbaupartet" (9 Stimmen) der „Demokratischen Partei" (4 Mitglieder) und der „Sozialisten", die nur 2 Stimmen zahlen. Bet dieser Zusammensetzung versteht man die reservierte Hauung der jüdischen Bevölkerung vollkommen. Oie Profanierung 9er WWen 6emein9e- Wilna, 5. Febr. Die Aussprachen der Regierungsvertretcr mit den Führern der Wilna er jüdischen Gemeincie dauern fort. Leider kommen bei diese»: Unter«! redungen lediglich die Anschauungen ser nichtreligiösen Kreise zur Geltung, was die politische Stellung der Juden aufs schwerste beeinträchtigt. Während z. B. der polnische Minister des Innern aus der Tatsache, daß die jüdische Gemeinde in Wilna getaufter: Inder: die Mitgliedrechte verweigert, mit Recht der: Schluß gezogen hatte, daß die Gemeinde eine religiöse Körperschaft sei, bestritt Dr. Migodski nach der: Berichten der ihm nähestehenden Blätter dieser: religiösen Charakter der Gemeinde mit aller Entschiedenheit. Gerade gegenüber der falscher: Meinung des Ministers müsse der nationale Charakter der Gemeinde scharf betont werde::. Warum dann nicht die Konsequenz gezogen wird, daß auch Nationaljuden christlicher Konfession Mitglieder und Führer sein könne::, wäre ir:teressar:t zu erfahren. Aus der Antwort würde sich die Tatsache ergeben, daß die jüdische Gemeinde tatsächlich eine reli-i giöse Körperschaft ist, deren Kompetenzen jedoch gemäß dem besonderen Charakter der j ü d i s ch'e r: Religion sich über alle Gebiete des sozialen und kulturellen Lebens der Jrrden erstrecken. Oie Meile Konteren? 9er 6emein9en- Kowno» 10. Februar. Die Kehilaus-Konferenz nimmt am 14. Febr. ihren Anfang. Es sind 120 Delegierte gewählt. Die Verhandlungen werden 8—10 Tage in Anspruch nehmen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Eröffnung, 2. Bericht üben die Tätigkeit des Nattonalrates, 3. Bericht des Ministers für jüdische Angelegenheiten, 4. Bericht der Jüdischen Landtagfraktion. Es sind dann noch außerdem verschiedene Vorträge, Debatten und Wahlen vorgesehen. Aus Litauen. Kowno- 12. Februar. In Poniwesch fanden im April 1919 ernste Judenexzesse statt, für die der damalige Kommandant der ^«ziehenden litauischen Truppen die Hauptverantwortung trägt. Man beschuldigte alle Juden des Bolschewismus, mißhandelte sie und zwang sie, die gefallenen Bolschewisten aus den Gräbern in der Stadt auf die Friedhöfe zu überführen. Man muß anerkennen, daß die Militärverwaltung in Kowno alles getan hat, um der Soldateska Einhalt zu bieten. Dennoch zog sich die Untersuchung bald drei Jahre hin. Jetzt endlich hat das Militärgericht die Sache in die Hand genommen, der Hauptschuldige Möller fehlt leider auf der Anklagebank, er soll geflüchtet sein. Auf Verordnung des Ministeriums genießen jetzt die Verwaltungen der jüdischen Gemeinden Portofrethett in gleichem Maße, wie die anderen Aemter. Erklärungen vor Gericht können auch tn jüdischer Sprache abgefaßt sein. Nr. 7 Sette 6 Molen. Derlorfftoöoxe Seymhlub beim fflinifier 9es Jnnern. Warschau, 6. Febr. Namens der orthodoxen Landtagsabgeordneten hatter: die Herren Rabbiner Perl'- m utter und K: rschb r ar: it an: Freitag! eine längere Konferenz mit den: Minister des Innern, wobei es sich ir: erster Reihe un: di« Frage der Sonntagsruhe handelte. Außerdem kamen Angelegenheiten des jüdischen Gern eindewesens zur Sprache. Unmittelbarer Anlaß der Konferenz waren die unerhörten Vorgänge in N a l e n t s ch o w, wo der Geistliche jeden Sonntag in der Kirche Hetzreden gegen die jüdische Bevölkerung hält, und zur l^propriation der Juden auffordert. Der Minister sagte eine genaue Untersuchung und Abstellung der Mißbräuche zu. Inzwischen haben die Agitationen des Geistlicher: Luschitzk: bereits ihre unheilvollen Früchte getragen, indem mar: einiger: Juden die Fensterscheiben eingeschlagen hat. t - * 7 Warschau, 12. Fevr. In Grodno wütete eine Feuersorunst, der viele hunderte zumeist jüdischer Häuser und Maar nlager zum Opfer fielen. Der Schaden beläuft sich auf viele Mrllionen. ■-— ' ' Aus 9em Lo9?er jüdifdien Leben- «Lodz, 9. Februar. Das Poznowskische Hospital, das seit den letzten Kriegsjahren infolge mantgfacher Schwierigkeiten seine Tore geschloffen hielt, wird demnächst den Betrieb wieder aufnehmen, was in weitesten Kreisen der Gemeinde freudigst begrüßt wird. Im Stadtrat wurde über den Ausbau und die Ausgestaltung der Stadtbibliothek beraten. Ein Antrag auf Einrichtung einer jüdischen Abteilung wurde abgelehnt, dagegen wurde beschlossen, eine Abteilung für Judaica und hebräische Bücher der alten und neuen Literatur zu schaffen. Holland. BollänfflWie Tolerant- Amsterdam. 31. Januar. Bon: ersten Februar ab Werder: alle öffentlichen Schulen mit vorwiegend jüdischer Schulbevölkerung an: Sa m s tag ge s chl o ss en. Die Stunden, die am Samstag versäumt werden, will man durch eine Verlängerung der täglichen Schulzeit um eine halbe Stunde wieder einholen. Arnevilla. kin Sulsmmenscbluß 9er Chaffi9im-Rabbis- Weiv-Kork. 20. Januar. Nach einer Meldung der „I. P. Z." Haber: an: 18. Januar fünfunddreißig ir: Amerika und Kanada sich anfhaltende chassidische Rabbis einer: Verband gegründet, der das religiöse Leben und das Thorastudium zr: fördern bestimmt sein soll. An der Spitze steht der Wrsnitzer Rebbe, Rabbi Modele Chodorower, sowie der Ta ln er Rebbje I. M. Twerski. Vttiäarna. Oie Verfassung für Paläfifna. «London, 10. Febr. Die Tagesblätter find drrrch eine offiziöse Pressenotiz ans dem Colonial Office ir: den Stand gesetzt worden, über die Grund zöge der nun mehr ansge arbeiteter: nnd sowohl der zionistischen Organisatior: als der arabischer: Delegation zur B e g u t a ch t u n g u n t e r b r e i t e t e it Versa s s u n g Palästinas z:: berichte::. Danach bleibt die oberste Regierungsgewalt in der: Händen des Oberkommissars, dem eine gesetzgeberwe Körperschaft, in ihrer Mehrheit aus ernannten, in ihrer Minderheit ans gewählter: Mitgliedern bestehend, zur Seite gesetzt wird. Diese gesetzgebende Körperschaft hat jedoch keines-

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