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Der Israelit · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit. Seite 4. Nr. 7 Hoffnung, daß die kommunalen Organe sie in dieser Hinsicht unterstützen werden. 3. Betreffend die allgemeinen Unterrichtsfächer, die laut dem Gesetze der allgemeinen Schulpflicht gefordert werden, soll ein Minimal Programm festgesetzt werden, das während zweier Unterrichtsstunden im Lage dnrchgeführt werden sollte. 3. Aus technischen und religiös - prinzipiellen Gründen soll die kategorische Forderung ausgestellt werden, daß der Unterricht in den profanen Fächern erst in den Nachmiitagöstunden erteilt werden sollte. 4. Der Rabbiner-Verband stellt sich die Aufgabe, für die religiösen Unterrichtsfächer ein Programm aus» zuarbeiten, das den verschiedenen Organisationen, die sich mit Erziehungswesen beschäftigen und Chedarim oder Talmud Thoraschulen unterhalten, zugesandt werden soll. 5. Die hebräische Sprache wird unter anderem als Unterrichtsgegenstand betrachtet. Man hat sich dabei an die bisherige Aussprache zu halten. Die Unterrichtssprache bet allen jüdischen Gegenständen bleibt jüdisch. 6. Die Rabbiner sollten sich verpflichten, die Gründang von allgemeinen Chedarim und Abendkursen für Handwerker und möglichst auch von Zeschiwos für erwachsene Thorabefltssene in allen Städten zu fördern. 7. In größeren Städten sollen besonders große JeschiwoS errichtet werden. Töchtererziehung und Fam iiienretnheit. 1. Die Rabbiner-Verfammlung verpflichtet sich, bei den jüdischen Organisationen und Vereinen, welche die Berbefferung der Mädchenerziehung auf Grundlage von Thora und Tradition zum Ziele haben, mttzuwiiken. 3. Besonders soll für die Familienretnheit gesorgt werden. Der Rabbtnerverband soll zu diesem Zwecke einen warmen Ausruf an die jüdische Bevölkerung berausgeven und die Rabbiner anweisen, was sie in ihren Gemeinden auf diesem Gebiete leisten können. 3. Es sollen auch Fra enkomitees gegründet werden mit der Aufgabe, an der Berbefferung der Verhältnisse in dieser Beziehung milzuwirken. ESraS Thora. Die Rabbinerverfammlung beschließt, mit der Instttution „Esras Thora" und anderen Relieskomitees in Amerika, welche die Förderung der Thora und die Unterstützung von Rabbinern bezwecken, wegen der im Einvernehmen mit dem Nabbtnerveiband zu erfolgenden Regelung dieser Unterstützung in Verbindung zu treten. Stärkung der Religiösität. 1. Vom religiösen Standpunkt wird das Komitee des Rabbinerverbandes aufgefordert, in Bezug auf da? Gesetz der absoluten Sonntagsruhe, das — wie bereits genügend aufgeklärt wurde — die Beobachtung des Sabbüt sehr erschwert, für Juden Erleichterungen zu erwirken. 2. Außerdem soll der Rabbinerverband auch nach innen verschiedene Maßnahmen im Jntereffe der Sabbatbeobachtung treffen. In jeder Stadt sollten ferner Schomre SchabboSvereine organisiert werden. 3. Das Komitee des Rabbtnerverbandes wird aufgefordert, sich im Jntereffe der jüdischen Soldaten zu bemühen, damit sie nicht gezwungen würden, den Sabbat zu entweihen, die Speisegesetze zu übertreten und damit ihnen überhaupt die Beobachtung der Neligionsgesetze ermöglicht wird. Protest-Resolutionen. Die Rabbinerversammlung protestiert gegen die inquisitorischen Mittel und gegen die Repressalien, die Vonseiten der Sowjet-Regierung und ihrer Bevollmächtigten gegen die Juden, die die Religion beobachten und das Thorastudium pflegen wollen und besonders gegen die Rabbiner die die Religion verteidigen, angewandt werden. Die Rabbinerversammlung wendet sich an die gesamte Kulturwelt mit der Aufforderung, sich mit dem Proteste gegen solche und ähnliche verbrecherische, mit den elementarsten Begriffen der religiösen Toleranz in Widerspruch stehende Handlungen solidarisch erklären. Die offizielle Zeitung der zionistischen Organisation in Polen, „Najes Haint", benützte die Gelegenheit der Tagung des Rabbinerveibandes, um über die religiösen Führer des Judentums mit Beschimpfungen und Beleidigungen aller Art herzufallen. Dabet schrickt die Zeitung vor groben Fälschungen der Eröffnungsrede des Präsidenten nicht zurück. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über ein solches Vorgehen einer unlauteren Journalistik in folgender Resolution Ausdruck: Protest gegen den „Haint". Die Rabbinerverfammlung protestiert gegen die Zeitung „Najes Haint", welche die Eröffnungsrede des Präsidenten, des berühmten Oberrabbiners von Kalifch, in tendenziöser, unrichtiger Form wiedergegeben hat. Dabei kommen in dem Berichte des „Najes Haint" über die Rabbinerverfammlung viele beleidigende Aus drücke gegen die Rabbinerversammlung vor. Die Versammlung fordert die Redaktion des „Najes Haint" auf, die in ihrer Ehre schwer verletzten Rabbiner von Polen um Entschuldigung zu bitten. Die vierte Sitzung tagte unter dem Vorsitz deS Oberrabbiners von Pabtanitze. Auf der Tagesordnung stehen die Fragen wegen Besserung der Lage der Rabbiner und Gemeindeangelegenheiten. Vor der Tagesordnung referiert Ratmann E. Kirschbraun ü^er eine Reihe aktueller Fragen, die die jüdische Oeffentlichkeit beschäftigen. Besonderes Interesse ruft das von ihm skizzierte durch die Zionisten der Regierung vorgelegte neue Gemeindestatut mit der Bestimmung, daß in Zukunft Rabbiner nur auf eine Zeitdauer von sieben Jahren angestellt würden, hervor. Das Andenken des im vorigen Jahre unschuldig Hingerichteten und jetzt rehabilitierten Rabbiner Schapiro wurde von der Versammlung durch Aufstehen von den Plätzen geehrt. Der Rabbiner von Lipno (Zionist) beschwert sich darüber, daß aus den geheimen Wahlen zu den Ehrenämtern des Rabbiner- Verbandes nicht ein Rabbiner hervorgegangen ist, der dem Zionismus oder dessen Mtsracht- Fraktion auch nur sympatisch gegenübersieht. Er verliest einen Brief, worin der Mtsrachi auf Grund eines Beschlusses der vor kurzem in Warschau stattgefundenen Mtsrachi - Konferenz eine „Vereinigung" mit der Agudas-Jisroel erstrebt und den Rabbiner-Verband um Vermittlung in dieser Sache ersucht. In seinem Referate beschäftigt sich der Rabbiner von Radom eingehend mit den finanziellen, organisatorischen, moraltschrn Verhältnissen der Gemeinden in Polen und der Stellung der Rabbiner innerhalb der Gemeinden. In jüngster Zeit ist in dieser Beziehung, namentlich was die amtliche Stellung der Rabbiner anbetrifft, eine wesentliche Verschlechterung eingetreten. Unter russischer Herrschaft durften die Gemeinde-Vorstände sich nur mit religiösen Angelegenheiten beschäftigen. Der Rabbiner nahm an dieser Arbeit den ihm gebührenden Anteil, wenn er auch allen sozialen und Wohlfahrts - Angelegenheiten der Gemeinde seine Aufmerksamkeit nicht entzog. Aus jüdischen Kreisen wurden die Rabbiner in ihrer segensreichen Tätigkeit nur gestört durch die Maskiltm und später durch die Zwölften, die sie beschuldigten, nur für die Religion und deren Studium Interesse zu haben. Obwohl diese Beschuldigung osftnsibtlich falsch war, bemühen sich jetzt dieselben Kreise, wie dies jüngst auf der fehlgeschlagenen zionistischen Konferenz der Gemeinde-Vorsteher versucht wurde, dem Rabbiner jeden Einfluß auf die Gemeinde - Angelegenheiten zu rauben. Die Rabbiner dürfen sich unter keinen Umständen mutlos machen lassen und werden auch in Zukunft jedem derartigen Versuch von Seiten der Zionisten und ihres misrachistischen Anhangs den stärksten Widerstand leisten. Redner verweist auf die jüngste Verordnung der Regierung, nach welcher das Schechitawesen den Rabbinern entzogen und unter die direkte Verwaltung der Gemeinden gestellt werden sollte. Das darf nicht zugegeben werden, denn damit, wäre allen Mißbräuchen Tor und Tür geöffnet, abgesehen davon, daß den Rabbinern dadurch ihr Lebensunterhalt geschmälert würde, ohne daß dafür auf andere Weile vorgesorgt wäre. Die gesetzliche Stellung des Rabbiners ist im Bezug auf die Zivil-Register im Nachteil gegenüber dem Seelsorger anderer Konfessionen. Die Gemeinden müßten mit Entschiedenheit für die Erringung der Gleichberechtigung der Rabbiner eintreten. Statt dessen haben die zionistischen Gemeindevertreter den kühnen Versuch gemacht, das Gegenteil von dem zu erwirken und die Zivil-Register überhaupt den Rabbinern zu entziehen und bet den staatlichen Behörden Mißtrauen gegen die religiösen Führer des Judentums zu säen. Die jüdischen Gemeinden werden durch die Zahlung doppelter Spitalsteuer, eine direkte und eine spezielle Armen-Spitalsteuer, schwer belastet. Dem müßte abgeholfen werden, aber nicht durch Entziehung der Armen-Steuer, wie die Zionisten wünschen, weil dann die unbemittelten Kranken hilflos daständen. Der Referent resümiert die Debatten und formuliert die von der Exekutive des Rabbtner- 16. Februar 1888 Verbandes an die Regierung zu leitenden Be" schlösse folgender Maßen: 1. Die jüdische Gemeinde mutz e^ne religiöse Gemeinde sein unter Anteilnahme des Rabbiners. 2. Ein Vorschlag wie der, daß der Rabbiner nur für eine Zeitdauer von je sieben Jahren gewählt werden solle, kann unter keinen Umständen angenommen werden. Das hätte nur Hader und Desorganisation des jüdischen Gemeindelebens zur Folge. 3. Das jüdische Zivtlamt muß im Besitz des Rabbiners bleiben. 4. Der Rabbinerverband soll sich mit einem Aufruf an die Gemeinden wenden wegen der Sicherstellung der Existenz der Rabbiner. 5. Die Schächlfrag; ist eine eminent religiöse Angelegenheit und mutz auch unter Ausficht und zu dem Rechtskreis des Rabbiners gehörig bleiben. 6. Der Rabbiner sollte vom Zeugenetd vor Gericht dispensiert sein. 7. Gerichtliche Termine dürfen auf Sabbate und jüdische Feiertage nicht festgesetzt werden, falls die Parteien Juden sind. 8. Trauungen müffen einer strengen Kontrolle unterzogen werden. Sie können nur von dem Ortsrabbtner vorgenommen werden. Durch Trauungen, welche von Winkelrabbinecn vorgenommen werden, können Mißbräuche entstehen. Es sprechen noch zu der Frage der Organisierung der Gemeinden, des Gemeindestatuts, der Schechitafrage die Rabbiner von Kutna, Tschechanow, Skole und Potembitze und geben eine Reihe von Anregungen, die durch die Leitung des Rabbinerverbandes bei der Behandlung der berührten Frage beachtet werden sollen. Oberrabbiner Dr. Frei mann, Posen, macht darauf aufmerksam, daß die Verhältnisse in Galizien und in der Provinz Posen in mancher Beziehung günstiger sind, als in den anderen Teilen Polens. Er empfiehlt daher, bei der Behandlung dieser Angelegenheiten llch mit den Rabbinern dieser Landesteile ins Einvernehmen zu setzen. Der Präsident verliest hierauf eine Zuschrift der Redaktion des „Haint", worin erklärt wird, daß der beleidigende und falsche Bericht über die Eröffnungs-Sitzung ohne Wsssen der Redaktion erschienen sei. In später Nachtstunde wird zu der Wahl der Leitung geschritten. Es gingen als gewählt hervor. Die Rabbiner von Ostrowa, Osorkow, Plaschkt, Gltniany, Grojee, Kahana-Warschau, Jaroslau, Mankatow, Sekelnk, Sokolow, Ptetrkow, Posen, Kalisch, Radeimin, Radom, für die Exekutive und die Rabbiner von Tschechanow, Lukow, Nowidwor und Kielce, als deren Stellvertreter. Ferner die Rabbiner von Sochatow, Lisene und Jaslo in die Revisions- Kommission nnd die Rabbiner von Trembowla und Lodz (Segall) zu Stellvertretern. Vau ßorrespondenzen u Nachrichten. Deutsches Reich. Me jüdifdm Dolftsfcftule In Breslau- Breslau, 10. Febr. Einen sehr schönen Erfolg kann die Sache des gesetzestreuen Judentuins in der Stadt Abraham Geigers aufweisen. 'Die jüd. Volksschule ist nach erfolgter ministerieller Ermächtigung von der Regierung g e n e h migt io o r - beit und damit eine Frage, die für die Zukunft des hiesigen Judentums, das durch den Zuzug ans den abgetretenen Gebieten in den letzten 2 Jahren qualitativ und quantitativ viel gewonnen hat, von geradezu ausschlaggebender Bedeutung ist, im Sinne der Tradition entschieden. Dieser Sieg der Gesetzestreuen ist durch die nnglanbliche Verblendung der hiesigen Liberalen, die die Gründung! und Genehmigung einer jüdischen Schule nach wie vor zu hinter^ treiben suchten, zu einer wohlverdienten Niederlage für sie geworden. Zum Leiter HRektor) der mit einer Durch-

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