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Der Israelit · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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IS fteByttttt 1988.- . - .- - . Der StemelU. Nr. 7 Sette r , zu würdigen wissen. Es W aber die Bekamrtmachung ttt erster Reihe von denen gelesen und begriffen werden, die in der Nahe des Heimat-, lichen Herdes ihrem Erwerbe nachgehen dürfen und so von allen Verpftegnngssorgen und Gewissensnöten des frommen reisenden jüdischer Kauftnanns verschont bleiben. Ihnen bietet der Grupftenverband der Agudas Jisroel Gelegenheit, ohne Schaden und Kosten einen Mt jüdischer Gastfreundschaft an GesinnunWgenossen zu üben, der unermeßlich hohen ideellen Lohn in sich trägt. Was von ihnen verlangt wird, ist, wie sich aus der Bekanntmachung im einzelnen ergibt, nichts anderes, als daß sie dem jüdischen Gaste einen Tisch decken, mit dem, was ihnen der Gruftftenverband zu einem Preis, den der Bewirtete mit einer Gebühr für Arbeit und Aufwand zurückerstattet, liefert. Es ist dies Glicht viel, und doch mit Rücksicht aus die doppelte Not der Zeit nicht weniger als das jüdische ‘TBfi schlechthin, dessen charakteristischste .Eigenschaft nach dem .Talmud ist, daß es D’H'TO zu Gute kommt. Fast auf jedem 'größeren Platze in 'Deutschland befinden sich einzelne Familien, de reit H aus eine kleine Oase mitten in der religiöser: Wildnis bildet. Diesen Häusern ist Gelegenheit geboten, aus der Isolierung! herausznkommen und zu W T>a zu werden für echte denkende und wissende Juden. Der frische jüdische Zug, oeu sie mitbringen, kann schon im Interesse der in solchen Gegenden doppelt schwierigen jüdischen Erziehung der Kinder nicht genug begrüßt werden. Ein Großer war es, der der: Ausspruch tat: „Die Frage der rituellen Verpflegung ist nicht eine Magenfrage, sondern eine Seelenfrage im höchsten Grade." Möge die Bekanntmachung über die Verabreichung der Ko s ch e r - Ko n s e r v e n überall in Stadt und Land unter diesem höheren Gesichtspunkte ihre verdiente Beachtung und Würdigung finden. Me Hilst man den jüdischen Lehrern? Wir erhalteil aus Lehrerkreisen folgende Zuschrift: Es ist journalistische Gepflogenheit, baß man zu einer gegnerischen Zeitung oder zu einem Parteiblatt greift, wenn man seinen Unmut äußern will über etwas, was man in einer Zeitung gelesen hat. Ich vermeide dielen Weg und wende mich direkt an Sie. Die jüngste Nummer Ihrer Zeitung brachte einen Artikel, überschrieben: Hülfsaktton für Lehrer und Kultusbeamte. Beim Lesen dieser Ueberschrift besah ich mir die Titelseite der Zeitung nochmals. Wirklich, es war der Israelit, der die gesamte jüdische Oeffentlichkeit ans eine Hilfsaktion für Lehrer und Kultusbeamle hinweift. Damit verweist der Israelit die Lehrer! und Kultusbeamten in das Reich des Mitleids. Oft! zwar wird Leuten, mit denen man Mitleid hat, geholfen. Aber der Bemitleidete sinkt in der Achtung der Mitmenschen, ob sie eS wollen oder nicht, und das Wort Salomos besteht noch immer zu Recht NV2 ^r>. Mit welchen Augen sollen die Mitglieder der jüdischen Landgemeinden ihren Lehrer betrachen, wenn er als ein öffentliches Rachmonus hingestellt wird? Mir stieg die Schamröte ins Gesicht, als ich die Ueberschrift von der Hilfsaktion laS, denn auch ich bin Lehrer in einer Landgemeinde mit einem schmachvoll geringer Einkommen. Aber nicht nur zu helfen wäre nötig, sondern Abhi fe zu schaffen gegen die geraaezn verkommenen jüdischen Verhältnisse aus dem Lande. Es mögen sich die Vertreter der gesetzestreuen Verbände, die am 2. Weihnachtstage in Frankfurt Sitzung hielten, hüten, mit dem Gedanken der Hilfsaktion an die Gemeinden heranzutreten. Was sie zu tun haben, ist. von den Gemeinden zu fordern, daß sie ihren Lehrern Menschenrecht widerfahren lasten und ihn anständig bezahlen, widrigenfalls .... es gibt Wege. Zur Illustration der Sachlage sei Ihnen folgendes erzählt : Man macht als Lehrer in einer Landgemeinde seine Antrittsbesuche bei nichtjüdischen Kollegen und auch bei dem Geistlichen. Merkwürdig genau erkundigt sich dieser, ob man von der jüdischen Gemeinde oder staatlich angestellt sei, wer die Anstellungsverhandlungen geleitet habe und schließlich wird er deutlich, ob man denn so besoldet werde, daß man leben könne. Man wird bei Nichtjuden über seine Gemeinde nicht klagen und man erwidert, die Gemeinde sei klein, bringt große Opfer, wenn sie einen Lehrer hält. Da platzt er dazwischen: So, die und die sind Millionäre, das weisen die Finanzämter aus. Man gibt dem Gespräch eine Wendung und weiß ganz genau, von wo es ein Leichtes wäre für den Lehrer, sich sein Recht zu verschaffen,' den Finanzämtern gegenüber werden wohl die Landgemeinden nicht daran zu reden wagen, daß sie nicht leistungsfähig seien. Diese Wahrheit aber weiß die jüdische Zunge schon längst, wenn sie behauptet, ’iy “ras Das stimmt auch heute noch. Möge es den Vertretern der Verbände gelingen, den Landgemeinden einmal die Augen aufzumachen über das, was der Lehrer in ihrer Mitte verkörpert, und mögen sie sich hüten, im Interesse der Fortdauer des Judentums den Lehrer zu einem bemitleidenswerten Rachmonus zu stempelndem man das Gnadenbrot gibt. Wenn es gelingt, die reichgewordenen Landgemeinden zu einer gerechten Besoldung ihres Lehrers zu veranlassen, so wird sich damit auch die Achtung vor dem heben, was er verkörpert, der Respekt nämlich vor dem nach Gottes Willen eingerichteten Leben des jüdischen Mannes. Der Herr Einsender befindet sich irr: Irrtum, wenn er glaubt, daß sein Gedankengang nicht durchaus von den Initiatoren der von ihm bcsehdeten Sammlung geteilt würde. Gleichzeitig mit der Sammlung wurde beschlossen, die O cffentlichkeit gegen die vielfach böswilligen Steuerzahler in den L a n b g e m e i n d e n zu mobilisieren. Aber — so möchten wir den Herr:: Einsender fragen — w elch e Zwangsmittel gibt es f ü r bi c G e m einde s e l b st, mit diese Böswilligen heranzuziehen, die ja nur aus der Gemeinde auszutreten brauchen oder notfalls oom Orte wegziehen, um sich den lästigen Pflichten zu entziehen? Und welche Zwangsmittel haben bisher die Verbände, um sogar leistungs fähige Gemeinden zur würdigen Besoldung ihrer Beamten anzuhalten? Es ist leicht zu sagen, die hungernden Religionslehrer müßten sich eben solange gedulden, bis die össentliche Meinung ihr En ziehnngswerk vollendet oder der Staat seinie, mühseligen Gesetzgebnngsversuche zum Abschluß gebracht hat. Inzwischen kann manches Lchrerkind an Unterernährung zu Grunde gegangen, manche Witwe verhungert, mancher Hunaerkünstler am Ende seines Lateins sein? Alle Vernunft und Politik kann övn der Menschenpslicht u n m i t t e l b a r e r .Hilfe in beit dringend-' st e n Fällen — nur in diesen — nicht dispensieren. Freilich bleibt die Hauptsache die W a ch - rü ttelnn g der Gewissen in d en La ndgem einden. Die große Rabbiner-Versammlung in Polen. Warschau, 1. Februar. In der dritten Sitzung der Rabbiner-Versammlung am Dienstag, dm 24. Januar, welche unter Vorsitz des Rabbi von So ko low tagte, wurde die Debatte zum Referate des Oberrabbiner Schapiro, Gliniany fortgesetzt und zu Ende geführt. Vor Beginn der Tagesordnung wurde eine Kommission für Erez-Jisroel-Angelegenheiten gewählt. An der Debatte beteiligten sich die Rabbiner von B end in, Tschechenst och ow, M es ritsch, Sokolow, Jenawze, Nikoleijew, Nadsiew, Radom, Nowidwohr, Garwodin, Warschau, Kalisch, Jaroslau u Glawna. Die Redner wiesen auf zahlreiche Gebiete des religiösen Lebens und des Erziehungswesens hin, die eine zielbewußte Tätigkeit von Seiten des Rabbiner-Verbandes als solchen und der einzelnen Mitglieder des Verbandes dringend erheischen, damit die Schäden, die während der letzten Jahre im öff n lichen Leben entstanden sind, behoben werden können, bevor es zu spät ist. Der Rabbiner von Jaroslau überbringt die Grüße seines Großvaters, des Oberrabbtners von Brod y. Die Anregungen und Anträge des Referenten und der einzelnen Redner fanden ihren Niederschlag in einer Reihe von Resolutionen die in später Nachtstunde angenommen wurden. Sie lauten folgendermaßen: Erziehungs wesen. 1. Die Rabbiner-Versammlung erklärt sich einstimmig für die Anerkennung der Chedarim und verspricht, bestrebt zu sein, die Chedarim tm Sinne der letzten Verordnungen den hygienischen Anforderungen aus eigenen finanziellen Mitteln anzupassen, in der Kleines Feuilleton. Die Speifegefehe im Lichte der Medizin. Die „?r688e Medicale“, die bekannteste medizinische Zeitschrift Frankreichs druckte in ihrer Nr. 10t vom 28. 7. 21, folgenden inieressanlen Bericht aus den „Archives m6dio chirurgiales de Normandie“ vom Oktober 1921 unter dem Titel „Die Fleischbeschau bei den Israeliten" ab, dessen Uebersetzung ich hier wtedergebe: Sekt vielen Jahren hat Prof. Loir sich mit der Frage der Fleischbeschau beschäftigt. Seine Tätigkeit, besonders die als Direktor des Pasteurschen Institutes in Tunis, hat ihm erlaubt, sich genau mit der Art und Weise zu befassen, wie die Israeliten die Fleischbeschau vornehmen. Er war überrascht zu sehen, welche Sorgfalt und zu gleicher Zeit welchen hygienischen Erfolg die Achtung vor dem mosaischen Gesetz in den Fragen der Fteischversorgung birgt. Dementsprechend widersetzt er sich den Anschanungen eines großen (!) Juden, Solomon Reinach, der ums Jahr 1903 feinen Glaubensbrüdern geraten hatte, „die Kluft, die in dieser Hinsicht die Juden von den übrigen religiösen Bekenntnissen trenne, zu beseitigen". Sowohl für das Verbot, das Fleisch gewisser Tierarten zu genießen und für die Art, das Vieh durch Durchschneidung der großen Hatsgefäße zu löten, als für die Methode, sich von der Gesundheit des Tieres zu überzeugen, findet Prof. Loir nur Worte des Lobes. Er gäbe gerne den Israeliten im Namen der modernen Hygiene den Rat, auch in Zukunft den so vernünftigen Vorschriften ihrer Religion zu folgen. Die Vorschriften des mosaischen Gesetzes sind dank ihres religiösen Charakters von Geschlecht zu Geschlecht übermittelt worden und werden zum großen Vorteil des jüdischen Volkes weitervererbt. Die Frage ist wohl angebracht, sagt Prof. Loir, ob in zwanzig Jahrhunderten, nach der Entwicklung, die wir Fortschritt nennen, noch ein Monument wie die jüdische Ueberlieferung da sein wird, um unseren Nachkommen die Spuren unserer heutigen Wissenschaft zu übermitteln, werben unsere Bücher noch existieren und haben sie die Lebenskraft einer Religion? (Das hebräische Amulett des Außenministers Banffy) Im „Magyarorszag" lesen wir die folgende Mitteilung: Vor kurzem erschien eine größere jüdische Abordnung beim Minister des Aeußern Grafen Nikolaus Banffy, dem sie ihre Beschwerden über verschiedene antisemitische Ausschreitungen und Vexationen vortrug. Minister Banffy erklärte den bei ihm erschienenen Juden merkwürdigerweise, daß er liberaler Gesinnung sei und schon deshalb nicht Antisemit sein könne, da ihn in Wirklichkeit das Gebet der ungarländ'schen Juden vor dem Heldentod beschützt habe. Graf Banffy, der Siebenbürger ist und während des Krieges Regierungskommtssar für Siebenbürgen war, erzählte der Deputation hierüber: „Bevor ich auf den Kriegsschauplatz ging, sprach ich beim Klausenburger orthodoxen Oberrabbiner MoseS Glasner vor und Lat ihn, mir ein hebräisches Schreiben mitzugeben, welches mir im Kriege zum ' Schutze dienen könnte. Der Oberrabbiner gab mir ein * hebräisches Amulett, welches tch an mich nahm un^ von dem ich mich während des ganzen Krieges^nicht trennte. Ich habe es während der ganzen Zeit kein einziges Mal abgelegt und dieses geheime, heilige, hebräische Schriftstück bewahrte mich vor dem sicheren Untergang. Im übrigen, meine Herren, haben Sie gar keine Ursache zur Verbitterung, es kommen bald Neuwahlen und dann beginnt das Staatsleben au ganz neuer Plattform." Ob an der Geschichte etwas Wahres ist, wissen wir nicht. Sabvat/Infang und Ausgang. •nn1 nnw- Ortr Anfang Datum AuSgang Uhr>»ttn. 19231 5683 Uhr >Mtn. Frankfurt a. M. 5 21 18. 20. 0 35 Berlin .... 20 Febr. Schebat 0 05 München . . f> HO 6 20 Eöln. 5 35 0 35 . . . r> 50 6 30 Breslau . . . 4 5 l 5 54 Nürnberg. . . 5 10 0 20 Hamburg. . . T) 20 0 20

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