Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Geile 12 No. 6 Ger Israelit. an dieser Stelle wiedergegoben werden. Herr Di. Freund sprach über innere Mission. Unter anderem sagte er: „Man hat die Aufgabe der Erziehung den Logen zugewiesen,, den Rabbinern, schließlich auch dem Zentrolvereiu. Man hat im einzelnen die mannigfachsten Vorschläge gemacht, die hier nicht iniederhoit zu werden brauchen. Für alle diese Bestrebungen gilt das gleiche wie für die indische Erziehungsarbeit der letzten Generation überhaupt: alle Ri ahnahmen, so gut gemeint sie auch sind, Vortrüge, Predigten, Zeitnngsans'äln' usw. verfehlen ihr Ziel. Sie erreichen diejenigen, die ne nicht brauchen, und die sie brauchen, an dir kommen, sie nicht heran. Hier muß Wandel geschaffen werden. Tie Rabbineil müssen au den hohen Feiertagen, wenn die Synagogen gefüllt sind, die 'Tinge behandeln und die Lehrer müssen immer stärker iw den Ti eiest der Aufgabegestellt werden. Sie mü'sen auf die Jugend wirken: denn die Aufgabe Et nicht von heute auf morgen zu lö'cn. Sie erfordert die Erziehungsarbeit einer ganzen Generation." Herr Dr. Freund erkennt die Bedeutung des indischen Lehrers als Erzieher. Während den Herren Rabbinern nur an den hohen Feierlagen, -venu die Synagogen gefüllt und, Gelegenheit geboten wird, in be'ouderm Maße erzieherisch wirksam sich Zll eraveisen, kann nlid soll der Lehrer täglich ans die Veredlung des .gindergemüts einwirken. Wie aber, irenu die Reihen der Lehrer sich lichten, inenu ganze (Gemeinden des grilligen Führers entbehren, die Fugend nur durstigen oder überhaupt keinen Religionsunterricht erhält? Es ist der Gemmtheit unerläßliche Pflicht, materiell leiünngsschivache (Gemeinden au unterstützen, damit ll'e in der Lage sind, Lehrer zu bestellen und der Zeit ent'prechend zn besolden; denn tzrr FIEP i’K DK Sücherbesprechungen. Das Heiliakeitsbuch. Bibellesebuch zum dritten Buch Mose. Bon Nabv. Dr. B. May. 92 S. I. Kauffmann, Verlag. Frankfurt a. M., 192t. Der Verfasser betont im Vorwort die Sckwierigkeit des B'bettesens in der Echuie und den Mangel an geeigneten Hilfsmitteln auf diesem Gebiet. Sern Buch ist aus der Praxis herooigegangen mit der Tendenz, „das Matena! so zujammeuzulragen, daß nicht das Wissen allein zu seinem Recht kommt, sondern auch unserer Jugend die Thora Führerin und E>zteheetn sein kann". Ee hat jüdbche uno christliche Kommentare benutzt, hat Kulturgeschichte und vergüt tiende Re lgionsgeschichte berücksichiial, und man kann sagen, daß er es verpanden hat, die Quellen mit Geschick zu verwerten: Der Lehrer wird aus dem Buche nützliche Anregungen gewinnen,' besonders gut finde ich die Gegenüberstellung der Anschauungen der Bibel und der anriken Völker, die Schilderung des krassen Aberglaubens, von d»m das ägyptische und besonders das babylonische Retigionssystem beherrscht war, und der die unerbittliche Strenge der Thora gegen allen Götzendienst und gegen die Götzendiener verständlich macht. Mit besonderer Etndr nglichkeit wird auch auf den grundlegenden Unterschieo hmgewtesen, der zwischen der Behandlung der Fremden bet den alten Völkern und zwischen dem Freuidenrecht der Bibel besteh!, dah zum Beispiel auch nach altem deutschem Recht der Fremde buhelos erschlagen,gefangen, ve.knechtet werden konnte,während die Brvel sagt: „Wie ein Einheimischer unrer euch sei der Fremdling, der unter euch weilt und du sollst ihn lieben wie dich selbst". Der Gegensatz zwischen jüdischer- und heidnischer Festseier wtrd ebenfalls wirkungsvoll dargestellt, wie auch die Schilderung des Mithrakuitus, des „Rivalen des Christentums" zu mancherlei Gedanken anregen wird. Ltider muh, so wertvoll das Büchlein für den Lehrer auch sein kann, für seine Benutzung doch in mancher Beziehung Vorsicht empfohlen werden. Wenn Lernt. 19, 10, entgegen der überlieferten Auffassung übersetzt wtrd „Du sollst deinem Nächsten nicht nach dem Leben trachten", so mag daS noch htngehen; wenn aber S. 21 von den Gesetzen gesagt wird. „Heiliger Ge»st, der Gesamtwille deö heiligen Volkes hat sie geschaffen, als Ausdruck des göttlichen Willens; der Gesamtwille kann sie umprägen oder mit neuem Gedankeninhalt füllen", so muh man sich fragen, ob der Berfaffer, der doch auf dem Boden des überlieferten Judentums steht, sich der Tragweite dieser Sätze ganz bewuht war. Auch manche Fiüchiigkeiissthler mühten bet einer neuen Auflage beseitigt werden. Deut. 23, 25, 26, etlaubt nicht beut Armen, „wenn er Hunger hat, sich in jedem Felde satt zu essen" (s. 30), sondern nur dem Arbei'er (s. Rascht z. St. und Talmud Baba Mezia 87). Das Waffer, das am Sukkosfeste auf dem Altar ausgegossen wurde, wurde nicht mit Wein vermischt (S. 81), und dah bet der Freude des Schöpfdauses „auch am Sabbat" mit Trompeten und anderen Instrumenten geblasen wurde, wie der Verfasser meint (S. 81s, ist unrichtig; die Mischna Sukka 5,1, sagt das Gegenteil. Es wäre sehr zu wünschen, dah diese und ähnliche Entgleisungen bei einem Neudruck vermieden werden; das Buch wird dann eine wertvolle Bereicherung unserer pädagogische Literatur bilden. Dr. J. U. Von dem unermüdlichen Kämpfer für Recht und Wahrheit und Kämpfer gegen die verlogene Propaganda der antisemitischen Schundliteratur, Geheimra» Prof. Dr. H. Strack, ist jetzt die siebente vermehrte und verbefferte Auflage seiner „Jüdischen Geheimgesetze" bet Schwetschke u. Sohn, Berlin 1921, erschienen. Die Anfänge: „Rohling, Ecker und kein Ende"?, „Anur Dinier und Kunst, Wissenschaft und Vaterland', „Die Weisen von Zion und ihre Gläubigen", sind befände's interessant und lehrreich. Als ganz besonders bewundernswert an der Tätigkeit des Verfassers ist der Mut und die Ausdaue', die er beweist bet der Durchackerung des antisemitischen Mtstfeldes, jedem andern wäre wohl der Atem ausgegangrn, aber er hat im Dienste dev Wahrheit diese wahrhafi peinliche und belästigende Arbeit nicht gescheut, er ist den letzten Spuren nachgegangen und dafür sei ihm von-allen Wahrheitsliebenden Dank gesagt. Jeder sollte sich in den Besitz dieser wohlorientierenden Schrift setzen, was bei dem geringen Preis von 2.50 Mk. ja leicht möglich ist. S. inderecke Ein jüdisches Heim. Von Heinrich Einstädter. IV. So faß er auch eines Tages in der Ofenccke, als ein ganz unerwarteter Besuch eintraf. Ein junger, gut gekleideter Herr, dem man auf den ersten Blick Bildung und Weltersahrung zuerkennen mußte, verlangte, Herrn Aron Richter zu sprechen. Dieser sprang sofort von seinem Platze auf und begrüßte mit vielen Verbeugungen den Fremden, immer und immer seinen Namen „Arno Richter" wiederholend, indem er auf „Arno" einen ganz besonderen Nachdruck legte. Einen Augenblick fetten es fast, als zuckte es um die MundwrnkZ d s Besuchers. Doch blieb er ernst und, sich nun seinerseits verneigend, sprach er: „Ich bin Ihr Vetter, Eli Rtchter aus Chicago." Die Bombe war geplatzt. Vier Kmder umringten den Ankömmling und richteten ihre Augen fragend und neugierig auf ihn. Frau Agnes wiichre aufgeregt mit dem Siaubtuch über olle Stühle und lud unter tausend Entschuldigungen und Beteuerungen, deren Grund und Veranlassung dem Fremden dennoch unverständlich blieb, zum Sitzen ein. Der Hausherr entledigte sich hastig seines Hausrocks und verlangte laut und eindringlich nach dem „Sacko". Die Kinder wurden aufgesordert, das Zimmer zu verlassen, was sie aber durchaus nicht tun wollten. Alles lief durcheinander, rufend, befehlend,weinend, beteuernd, sich entschuldigend, und als der einzige ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht erschien dem Amerikaner der alte Mann in der O'enecke, der unbeirrt vor sich hinftarrte und die Pfeife in der Rechten hielt. Alsdann aber gar Frau Agnes auch den zur Türe hinausschteben wollte, da trat ihr Elt ruhig entgegen. Er schloß die schon geöffnete Türe, legte die Rechte ruhig auf __ 9. Februar 1922 den Arm seiner Base und die Linke auf die Schulter seines Vetters und sprach lächelndr „Nun gebt wir doch erst 'mal die Hand". Und als das endlich geschehen war und er die Kleinen durch einige Geschenke, die er seinen Taschen entnahm, beruhigt hatte, wandte er sich schnell dem Greise im Ofenwtnkel zu,' indem er ihm freundlich die Hand entgegenstreckte, fragte er mit ehrerbietiger Verneigung: „Sie sind gewiß mein lieber Onkel Markus?" Dem alten Manne zitterte die Hand. Langsam erhob er sich. Zögernd legte seine welke Rechte, der die P eise entsunken war, in die des jungen Mannes, und schwer entrangen sich seinen Lippen die Worte: „Lebt mein Nacbum noch?" — Da trat eine Träne in Elis Augen, eine Träne der Wehmut, und ihr folgte eine andere: eine Träne der Freude. Er hatte die ersten Töne der Liebe gehört, die Heimat hatte zu ihm gesprochen. — Doch nur von kurzer Dauer war dieses Ge» fühl. Das unnatürliche Wesen Arnos und seiner Gattin erstickte die innere Regung fast schon nach ihrem Entstehen. Sie ließen den Greis nicht zu Worte kommen. Agnes bat um Verzeihung, daß er im „Salon" die Pfeife rauche — daß sie kalt war, halt? Ett schon erkannt —, Arno nahm ihm das Käppchen vom Haupte, und beide nötigten den Vetrer an den Tffch, um ihn doch endlich von dem alten Mane zu trennen. Als Eli einige Stunden im Hause war, da wußte er bereits, daß in diesem Kreise das jüdische Leben, das er erwartet hatte, keine Stätte besaß. Er war unangenehm berührt und sühlte sich fremd trotz aller Aufmerksamkeit, die man ihm doch zeigen wollte. Es fehlte die Wärme, die Schlichtheit, die Geradheit, die das jüdische Haus und die in ihm geübte G rstfreundschaft auszeichnet, und damit das tiefe Gefühl des Geborgensems, das diese erzeugt. Das jüd ische Heim hat sein besonderes Wesen, das Leben, das in ihm webt, sein festes Gesetz, und es gilt als Selbstverständlichkeit, daß der Gast sich ihm gern unterwirft. Wo aber die Wirte sich nach den Gepflogenheiten richten wollen, die sie bei dem Fremden vermuten, da geht das Charakteristische verloren, das Religion und Sitte im Verein dem jüdischen Hause verleihen. —. Es gelang an jenem Tage Elt nicht mehr, seinen Onkel zu einer selbständigen Aeußerung zu bewegen. Der verschüchterte Greis beschränkte sich auf die kurze Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen. Erst am folgenden Tage, als Eli darauf bestand, daß sein Onkel mit ihm allein ausgehe, fand er wieder den Weg zum Herzen dis alten Mannes. Er ließ sich von ihm die Octe zeigen, an die sich des Vaters Erzählungen geknüpsr hatten: das Stammhaus, die Synagoge und — den Friedhof. Da hatten sich von selbst des Greises Lippen geöffnet. Rede und Gegenrede, Frage uno Antwort waren sich gefolgt, aber auch L ebe und Zuneigung, und als ob sie zeitlebens sich geschätzt, so tagen am Grabe der Großeltern Onkel und Ncffe einander in den Armen. Jener vermcinte, er hielte den Bruder umschlungen, m d d-eser — ten Vater. (Schluß folgt.) Hebräisches Vriwflaben Aätfel für kleine Mathematiker. Von M. Reicheliohn uub S. Fohlen in Prtttelauge (Loihr.). Ein hebräisches Wort besteht aus sechs Buchstaben. Die Querzahl aller Buchstaben außer dem ersten ist 02 „ „ zweiten „ 108 „ „ dritten „ 102 „ „ vierten „ 110 „ „ fünften „ 72 „ „ sechsten „ 106 Wie heißt das hewkiMe Wort? Weitere Lösungen sandten etn: Ricka und Beni Reinheimer, Max Rosenrhal, Max Haas, Jakob Reinheimer, Beerfelden i. Odw.; S. Oltmann, Gladbeck i. W.; Hermann Erlebacher, («oldbach (Ufr.); L..Knöbtl, Wien; Walter Kahn, Jakob Rothschild, Frankfurt a. M.