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Der Israelit · 1922-02-09 · Heft 6 (9.2.1922) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 6 (9.2.1922)
Date
1922-02-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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9.Hchrüar 1d22 __ , ihrer/ d. h. in jüdischer Färbung ansehm müßten, das Ware Unnatur-. Dle Jugendlektüre füll das jüdische Kind dazu bringen, an den Steg desG u t en z u gl aub en, mag d ie Wi rkl t chkett noch so trostlos sein. Aber wo es sich um rein künstlerische Darstellung jüdischer Objekte aus dem jüdischen Leben handelt, deren Kenntnis bei Nichtjuden nicht vorausgesetzt werden kann, müssen wir unsere Kinder vor Karrtkaturen schützensoweit ferner durch die Lektüre jüdisches Wissen bermtttelt, Gefühl fürs Jüdische gepflegt werden soll, ist eine jüdische Bücherei eine dringende Notwendigkeit. Ein Blick auf die Bücher, die der Barmizwoh auf dem Geschenktlsch liegen hat, ein Gang durch unsere Schülerbibliotheken der jüdischen Schulen und eine Umfrage bei jüdischen Schülern, und Bibliothekaren nach den am Meisten gelesenen Büchern ergibt ein trauriges Bild und zeigt, wie dringend nötig die Jugendlektüre einer Anleitung und Unterstützung bedarf. Das Nebel ist doppelt schwer zu bekämpfen, weil wir nur zu leicht geneigt flnd, uns über Bücher von Nichtjuden, die hier und dort günstig über Juden sprechen, zu freuen, ohne die Unkenntnis in jüdischen Dingen zu beachten, He beispielsweise in Walter Scotts „Jvänhöe" oder in Trampes „Ein König von Juda" faustdick zutage trittaber auch Juden müssen nicht gletch gute Bücher für unsere Kinder schie'brn, weil sie der gleichen Politischen oder religiösen Ueberzeugung wie wir huldigen. Wir unterschätzen den stillen Einfluß der Lektüre auf Gesinnung und Haltung des jugendlichen Lesers, aber ebenso ofr überschätzen wir die tendenziöse Mache an politischer und religiöser Wirkung. Wenn aber auch die Tendenz unseren Dichtern nicht als solche zu Bewußtsein kommt, so wird doch von selbst das von ihnen erlebte Streben zur Darstellung gelangen, sich zu vervollkommnen, sich von der Zerrissenheit, die die Seele des werdenden Juden m die tragischsten Konflikte bringt, zu harmonischer Verknüpfung des jüdischen mit dem menschlichen Ideal hindurchzuringen. Und das ist das Entscheidende für den Pädagogen, der an eine Reform der jüdischen Jugendleklüre geht. Denn nicht durch gute Lehren kommt er an dle Seelen der Jugend heran, sondern am besten durch lebendige Beispiele und nmerlebte Momente der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart, die vom Köpf ins Herz des jüdischen Jünglings dringen^ durch gute Lcktüre. „Eine jüdische Jugendlektüre gibt es nicht", wuroe mir aber zugeruf n, als ich tm Kresie von jüdischen Pädagogen dleses Thema zur Sprache brachte. So trostlos ist nun das Elend liicht. Ohne systematisch die verschiedenen Gattungen und Exemplare der Jugendliteratur und ihren Pädagoge, chen Wert oder Unwert für das jüdische Kcno durchgehen zu wollen, beschränke ich mich darauf tu folgendem einige Bücher yerauszugrerfen, über deren Eignung ich vom Vater eines Barmizwohknaben desragt worden bin. Fortsetzung folgt.) Sülfsaktion für Lehrer und Kliliusbeanite. Frankfurt rt. M, 5. Januar. Am zweiten Weihnachtstage fand hier auf Veranlassung des „Bundes g es e tz'e s ft euer j i'l d. L c'h'r c i D e u t s ch l ä n d s " eine Sitzung statt, cm der die Vertreter 'der gesetzeslreueu Verbände Bund gesetzestreuer jüd. Lehrer, Freie Vereinignug, Bund gesetzcstreuer jüd. Gemeinden, Agudo, Rabbinerverbäude — teilnahmen. Es handelZZ sich uin eine großzügige Hilfsaktion zu Gunsten der Lehrer und Kultusbeamteu. Sämtliche Vertreter ivaren von der dringenden Notwendigkeit der Abhilfe des Notstandes unter den Beamten überzeugt und werden energisch dafür eintreten. Es besteht die Absicht, etwas Dauerndes zu schafseir, loobei dringend die Mitarbeit der Gcmeiudeu gefordert wird. Jede Gemeinde muß, bis an bie äuste.rste Grenze ihrer berstiingsfähigkeit geheir; teisüingsschwache ' Vrr A»rarm. Gemeinden werden vom Band gesetzestreuer jnd. Gemeinden unterstützt. Die Hilfsaktion soll sofort An Tätigkeit treten. Ans Veranlassung des Vorsitzenden der Fr. Vereinigung, des Herrn Rabb. Dr. Breuer, der sehr loarnr siir die Interessen der jüdischen Lehrer cingetrelen ist, werden Lokalkomitees gegründet. Ter Bund gesetzestrener jüdischen Lehrer ist mit der Beschaffung statistischen Materials beauftragt werden. __ Aus M und Fern. Frankfurt a. M, 5. Januar. An unsere Mitglieder! In Anbetracht des großen Notstandes hat der Vorstand des Bundes beschlossen, in diesem Jahr die dreifache Quote für Pension anszuzahlen. Fulda. Am 26. Dezember v. I. fand hier die Generalversammlung des Pereins „Zesetznrun" statt. Tie. ungünstigen Perkehrsverhnltnisse, des Winters starres Regiment und der die Reisestimmnng beeinträchtigende Stand der in der Agonie befindlichen Balnta liegen eine größere Beteiligung nicht erwarten. llmso freudiger war man überrascht, als eine stattliche Anzahl Mitglieder sich eingesunden halte. Ter Vorsitzende, Herr Lehrer Gans, Niede» anla, richtete einen den wohltuendsten Gegensatz zu der herrschenden .Sfölte bildenden warmen Willkonnngrieß an die Erschienenen and erstattete den durch Wort und Inhalt die-Hörer in hohem Grade fesselnden Jahresbericht. Ter durch den Tod dein Pereine entrissenen Mitglieder wurde ehrend gedacht. Wehmut weckte die Schilderung des Heimgegangenen langjährigen Vorsitzenden^ und bis zu seiner Abberufung von der irdischen Schaubühne dem Vorstände des „Zeschurnn" angehörigen Lehrers Schwarzschilo, Schlüchtern, oer in vorbildlicher Weise die Jnteressen des Vereins, dessen Mitbegründer der Entschlafene gewesen, zu fördern bemüht lvar. Mit einem warinherzigen Avpell an die Nahen und Fernen, der Tendenz des „Zeschurnn": n:i::x pirn steis ein. gedenk zu sein und durch Werbung von Ehreninit-- gliedern und Zuwendung anßerordentflcher Beitrüge die Pereinsiasse zu stärken, schloß der Vorsitzende seinen tiefen Eindruck auf alte Hörer hervorbriiigendeu Bericht, dlnstelle des ans^ Krankenlager " gefesselten Kassierers, Herrn Baokdirektors Birtenruth, erstattete der Unterzeichnete den Kassenbericht. Schmerzlich fühlbar wird die Lücke empfunden, die der Tod des Herrn Provinzinlrnbbiners Tr. Al. Eahn V'Xt gerissen, der dem Verein immer neue Hilfsquellen zu erschließen und so die materielle Sorge zu bannen wußte. Die Klage xA by bzr> fand ein Wehn'ut weckendes Echo in der Hörer Brust. „So sind wir denn mehr als je aus eignes Wirken angewiesen", hörte man ans dem Munde der anwesenden Mitglieder. Nach Verlesung des Kassenberichts erhielt Herr Lehrer Sonn, hier, das Wort zu seinem Referate: „Tie Bedeutuitg des biblischen Geschichtsunterrichts und dessen Behandlung in der jüdischen Volksschule". Der dorr großem Fleiße und verständnisinniger Erfassung zeuger.de Vortrag, löste reichen Beifall aus und ries eine lebhafte, fruchtbringende Diskussion hervor. Ter Vorsitzende erging sich in herzlichen Tankesworleir an den Referenten und regte an, den Vortrag durch Vervssentlichnng desselben in der demnächst erscheinenden Beilage des „Israelit": „Erziehung und Lehre" weiteren Kreisen zugängig zu machen. Für oie nüupte Generalversammlung hat Herr Lehrer Freudenberger, Flieden, über: „Ter Lehrer in der Jugendbewegung" zn referieren übernommen. Schnell verrannen die - anregenden und belehrenden, die Bernfssreudigkeit zu erhöhen geeigneten Stunden, und man schied mit dein Wunsche: „Aus gesundes, frohes Wiedersehen". I. Spiro. Oldenburg i. O. Am Montag, den 2. Januar, fand-im Schnlhause der Shnagogengemeinde die erste Konferenz der Lehrer des - ehemaligen Herzogtums Oldenburg unter dem Vorsitz des Herrn Landrabbiners Dr. de Haas statt. Nach den Lehrproben der Kollegen M e h b e r g - Oldenburg und Rvsenberg- Withelmshaveu, ersterer im Pentateuch-Unterricht der Oberstufe, letzterer im ersten Unterricht ves Gebete- Uebersetzens mit nachfolgender anregender Besprechung wurden wichtige Gehalts- und Stanvesfragen erledigt. Nach kurzer Mittagspause folgten sodann Vorträge der Kollegen B e r n h e i m - Varel und H. a r t ö g - I e v e r über „Entstehung und Entwicklung der jüdischen Schule im Herzogtum Oldenburg" bezw. „Wie kann und muß der Lehrer den Unterricht in biblischer Geschichte interessant gestalten?", die ebenfalls Gelegenheit zum Austausch fruchtbringender Winke für die Schulpraxis boten. Zum Schluß trug Herr Landrabbiner Tr. d e Haas zwei seiner künstlerisch ansgebaulen Predigten vor, die auf alle Konserenztettuehnier einen tiefen Eindruck machten. In ersprießlicher Arbeit für Schule und Gottesdienst endete die erste, über alle Erwartungen gut gelungene Tagung, die in allen Kollegen den Wunsch Nr. « Sette U erweckte, die Zusammenkünfte zu einer regelmäßigen Einrichtung zu gestalten. Geisa. Ehrung eines verstorbenen jüd. Lehrers. Zn Nr. 9 des. Fmdaer Tageblattes vom 12. Januar d. I. findet sieh folgende Notiz: „Dem 1916 gestorbenen, weithin bekannten Rhvnkenner und Rhönsorscher Lehrer Al. Gvldschmidt, der dem Rhönklubvereln Geisa jahrelang ein zuverlässiger Führer war und die Rhön- . künde in Wort und Schrift, förderte, der durch seine Düngiingsversuche auf der Wasserkuppe und dem Engelsberg bei Tann für die wirtschaftliche Ausnutzung der Rhönwiesen und Hüterei sich große, von der Landwirtschaftskannner Cassel dankbar anerkannte Verdienste erworben hat, soll auf dem Rockenftuhl hei Geisa ein schlichtes Ehrendenkmal errichtet werden!" Gießen, 31. Jan. In der am 22. Januar hier tagenden Landesverbands-Versammlung des Zentralvereius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens -Landesverband Hessen-Nassau und Hessen) nahm altläßlich der Behandlung des Punktes 3 der Tagesordnung: „Methoden und Erfahrungelt im Abwehrkampfe" Herr Lehrer Heilbrun, Oberaula, die Gelegenheit wahr, in überzengendell Worten der breiten Oeffentlichkeit das Elend der jüdischeu Religionslehrer uud Knltusbeamten vor Angelt zu führeil. Einleitend bemerkte der Redner, daß anfchetnend oiefe Frage nur lose mit bcu Aufgaben des Zentral-, Vereins Zusammenhänge, daß jedoch bei näherer Betrachtung sich ergebe, daß es wohl auch Aufgabe des Zentralvereills sei, illitzuarbeiten, dtej^ll ■TDTI zu Heuert. Herr Heilbrun führte dem Sinne nach Folgeitdes aus: Wo eine größere Allzah! von Glanbensgenossell sich versammeln, die die Erhaltung des Judentulns zum Gegeustande ihrer Beratung machen, sei es Pflicht, auf die traurige Lage unserer am Hungertuche nagenden Pri- Vat-Religionslehrer, die. Stiefkinder uilserer Religivllsgemeinfchaft hiuzulveiseu, deren soziale Stellung nicht nach der Bedeutllng des Amts, soridern nach dein Einkonlmen gewertet lverde. Selbst rechtsstehende Blätter, denen eine wohlivollende Gesinnung gegen Juden nicht uachgernhmt lverden köllile, plädieren für die „Hungerkünstler" und appellieren an das Mitleid der Inden, die ait das „Ich" denken undsich die Frage vorlegen mögen, ob ein Familienvater mit 1500 Mk. Gehalt — nicht etlva mollattich, foildern jährlich — das Lebeit triften könne. Der der jüdischen Gemeinschaft gemachte Vorwurf, der leider nicht als unbegründet zurückgelviesen werden könne, lege dem Zentralverein die Verpflichtung auf, die Aufmerksamkeit auf die iil Not und Sorge lebeildeir Religionslehrer als Kulturträger des Judentums zu lenkeir und eine Besserung herbeizufiihren. Solche Tatsacheil liefern den Antisemiten Wasser aus die Mühlelt itnd Redner wiederhole den Ausruf eiikes Nlitgliedes der Versammlung: „Ihr müßt schuld seilt all dem Antisemitismus". Er klage die Vorstände der Gemeindeit, die Humanitären Vereinigungen als z. B. Logen an, die helfen könnten, aber kühl bis ans Herz hiiran blieben. Des Redners Worte riefen einen tiefen Eindruck hervor. Herr Rabbiner vr. Levi, Mainz, mahnte unter 5-)in)veis ans das Ideale des Lehrberufs znm Ausharrelt und richtete einen warmherzigen Appell an die Versammlung, überall wo sich Gelegenheit biete, aus die maßgebenden Kreise cinzuwirkcn, die Religionsschulen, mit denen das Judentum stehe und falte, nicht verwaiselt zu lassen. Die .Herren Dr. 'Mainzer, Frankfurt a. M. und der Syndikus des Zentralvereius Dr. Holländer, Berlin, versprachen, altes zu tun, was in ihren Kräften stehe, um B esse r u n g h er bei zufüh r en. Auch Herr Lehrer Halberstadt brach eine Lalize für die bedrückten Religionslehrer. Nur durch Zusammenschluß der Berüfsgeuossen, durch zielklares .Handeln läßt sich erreichen, was der Einzelne nicht vermag. Die Preise ist eine Macht, die das Recht verteidigt nnb das Unrecht bekämpft. Im Anschluß an den Bericht der Gießener Tagung des Zentralvereius foffen einige Ausführungen des Herrn Dr. Jsmar Freund-Berlin in der Hauptversammlung des Zentralvereius am 20. und 21. November 1921 in Berlitl

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