Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. « Wo.llert her kindliche!! Seele in gottgewollte Bahnen ein. 3»! Dienste her religiösen Erkenntnis steht her biblische Eeschiebt-znittereicht aber auch insofern, als er die wichtigsten. Begriffe nnh lehren, nin hie es sich anf hem Gebiet des religiös-sittlichen Erkenneits Handelt, durch kon trete Einzelbeispiele lebendiger Tatsachen und Personen in anschaulichster Weisezur Klarheit bringt. Was Gott wohlgefällig und mißfällig ist, was Frömmigkeit, Liebe, Gerechtigkeit, was Sünde, Gottlosigkeit, Unglaube und Torheit ist, nwhin das Laster, ,rohin die Tugend führt, alles das und noch vieles andere lernt das Kind an, leichtesten und am besten, weil am anschanlichsten, ans den Beispielen der biblischen (Geschieh te. Ans dem (besagten ergibt sieh zugleich der Wert der biblischen Geschichte für die Religionslehre. Sie bietet nicht nur reiches Anschauungsmaterial, sondern sie ist geradezu das Fundament derselben, so daß ohne voraufgehenden Unterricht in der biblischen Geschichte aller systematische Religionsunterricht, soweit wir von einem solchen reden können, anf Sand gebaut ist. Ich komme damit zu dem weiteren Zweck des biblischen Vaeschichtsnnterrichts, der das Kind mit der Geschichte der Religion Israels bekannt machen und dadurch Liebe zu Gott, zum Judentum, zum Vaterland und zur gesamten Menschheit erwecken und fördern soll. Ter Geschichtsunterricht soll Liebe zu Gott und zum Judentum erwecken.. Ich spreche von David in meiner Schule. In dem Ausruf: nüT?"'J?."T,n^i?an v_\ wer ist denn dieser PhilisE der es gewagt hat, die .Kee res reihen des lebendigen Gottes zu schmähen, zeige ich den Kindern, wie tief David von der Gott nahen Bestimmung seines Volkes durchdrungen war, ir-ie mächtig ihn dies Bewußtsein für sehe männliche Tal zn begeistern wußte nnh wie geeignet'er iväre, das Gottnnh Selbstbeivnßtsein in den erschlafften Gemütern seines Volkes zn »necken nnh entoii Junten von diesem Gottbewußtsein auch in die heidnische Welt hineinznstreuen. „Die ganze Welt soll es wissen, daß es einen Gott, in Israel gibt, daß nicht mit Schwert und Lanze Gott Sieg verleiht." Bei der Besprechung von Davids Persönlichkeit und seinem Lebenslauf komme ich selbstverständlich anf die von ihm verfaßten Psalmen zn reden, anf das Buch, das unter allen Büchern der .Beiligen Schrift am meisten Einfluß anf die Bildung des indischen Geistes und Gemütes geübt hat. Darauf himveifend, daß weit über den jüdischen Kreis hinaus noch heute die Psalmen es sind, welche Gott suchenden Menschengemütern Erhebung zn Gott vermitteln und ihnen Erleuchtung und Trost, Krast und opferfreudige .Hingebung für ihren Wandel anf Erden bringen, ist dadurch das Interesse der Kinder erregt, und sie iverden Lust und Reignng zeigen, dieses Werk, näher kennen zn lernen. Es ist überhaupt meines Erachtens von Nutzen und zweckmäßig, bei der Behandlung der bibli'chen Geschichte anf die Quelle, ans welcher wir schöpfen, ans die Heilige Schrift, hinznmeifen. Dadurch iverden die Schüler zur Wißbegierde angeregt, sie. werden zum Studium der-Quelle sich hingezogen fühlen und luemt das erreicht ist, hat die Schule schon einen kleinen Beitrag dazu geliefert, daß das spätere Leben nach den Gesehen der be ligen “Tr eingerichtet wird. An den- Lehrer der biblischen Geschichte ist in erster Linie die Forderung zn stellen, daß er den Inhalt der heiligen Schrift jn keiner Weise fälsche und entste.le. Dadurch ist eine besondere Zubereitung der biblischen Erzählungen für den Unterricht keineswegs ansgesthloffen. Ergänznna und Ansmalnng des in der heiligen Schrift nur Angcdrnteten, Übersicht iche Gruppierungen und ähnliche AenderNngen, io:e ne ans Rücksicht ans den kindlichen Standpunkt wün'chenswert find, lassen sich mit jener Forderung sehr wohl vereinigen, -venu dabei nur stets der Geist und Sinn der heiligen Schrift treu gemahn wird. Auch um den neuen Bestrebungen der sogenannten Arbeitsschule gerecht zu werden, ist es wichtig, daß die kindliche Produktivität geweckt, daß dem , Jfejer Israelit. 9. Februar 1922 Kinde eine solche lebendige Schilderung ge neben i wird, die es in den Stand setzt, sich mit seiner! Phantasie die ganze Handlung, die. ganzen Bilder zn bauen, daß es die Geschichte selbst im Geiste wieder erlebt, wie. die Helden der Geschichte sie tatsächlich erlebten. Die Heiligkeit und Würde, des biblischen Textes erfordert, daß , er int Unterrichte auch dem Wortlaut nach möglichst gewahrt wird. Es ist diese Forderung umso leichter zir erfüllen, als die erzählende Dnrstellnngsweife der heiligen Schrift im allgemeinen eine sehr einfache und gerade für das Kind sehr geeignete ist. Daß da, wo die Ausdrucksweise der Bibel dem Kinde fremd oder schwer verständlich ist, eine andere Form von seiten des Lehrers gewählt werden kann und muß, bedarf keiner Begründung. Bei der Forderung, daß der Inhalt der Geschichte wahr sei, möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß gerade im Geschichtsunterrichte nicht das Können und Wissen das Ziel ist, mit dem wir uns beruhigen dürfen, sondern daß es unendlich wichtiger ist, den Schüler in den Stand zn setzen, daß er der erlangten religiösen Gesinnung nun auch im Leben treu b.'eibe, freu bleiben werde der Stimme der Berber Vorstellungen diesem dor Boden bereitet wird. Die Lehrform, in welcher die Geschichte den Schülern dargeboten wird, ist die. der freien Erzählung. Wenn der Lehrer frei erzählt, so empfangen die Schüler weit mehr, als im andern Falle, den Eindruck, daß er die. Geschichte selber wertschätzt, selbst daran glaubt, und sie spricht deshalb nuch mehr zu Herzen. Je nach der Altersstufe der Kinder gliedere der Lehrer, unr die Schüler nicht mit Stoff zu überhäufen, seinen Vortrag in kleinere oder größere Abschnitte. Vor allem trachte er danach, durch seine Erzählung auf das Gemüt der Kinder nachdrücklich einzuwirken. Soll die. biblische Geschichte - und das soll sie, wie bereits gesagt, in erster Linie erziehlich wirken, zu frommen, sittlichen Bestrebungen anregen, so muß durch sie das religiöse und sittliche Gefühl der Kinder ergriffen werden, es muß ihre Seele mit heiliger Ehrfurcht und dankbarer Liebe gegen Gott erfüllt, Begeisterung für fromme, edle'Personen und Taten, Mschen gegen alles Böse und Verwerfliche in ihnen geweckt werden. (Schluß folgt.;■ führung gegenüber, Wahn als Wahn und Täuschung als Täuschung erkenne. Ter Schüler werde mi* Grund der ihm gegebenen Lehren es zu würdigen wissen, meint jemand, wie das schon in Mittelschulen vorkam, an itpt herantritt und ihm zeigen will, wie ans viel triftigen Gründen die Tun nuwöglichFwie mau ihn gelehrt, Gottes Wort sein können, wie die Ergebnisse der Geologie mit ihren Worten im geradesten Gegen satz stehen, wie da z. B. die Erde nicht nach Jahrtausenden, sondern nach Billionen von Iah reu zu zählen habe. Wenn ich auch ans ver fcOicbmcit wichtigen Gründen nicht der Bibel kritik in her jüdischen Schule das Work reden möchte, so ist es doch meines Erachtens Pflicht der jüdischen Schule, den Schüler in seinen religiösen Anschauungen so zu festigen, daß bei oben erwähnten Einwänden keine Zweifel in ihm anfkommen, daß die jüdische Schule im Unterricht der biblischen Geschichte Gelegenheit nehme, ans die gesamte Welt- und Lebensanschauung des Schülers einzuwirken. Ich erinnere beispfelsweffe an die Bemerkung S. R. Hirschs anf das Wort der ,-mn in pxn Ti? T2P1 I?T worin er ansffchrt, daß die uns anfbewahrten Ueberlieferungen dagegen sprechen, daß vor her Sündflut her Wechsel der Jahreszeiten, wie er heute noch besteht, frfjon vorhanden gewesen sei. hl ach brauchte man vor der Snndflnt nur alle 40 Jahre einmal das Feld zn bestellen, es war ein ewiger Frühling. Mit der Amtahme einer früherett anderen .Beschaffenheit mtb Stellung her Erde und dadurch bedingter anderer klimatischer Verhältnisse stehen die Ergebnisse der geologischen uith physikalisch geographischen Forschungen im Einklang, solche Hinweise lassen sich 'in her Qberstiffe ganz gut und erfolgreich anbrinacn. Weuil auch von den Pädagogen die biographische Geschichtsbehandlung, also die Darbietung der Geschichte in Form abgermtdeter Einzelbilder, wegen des Vorzugs leichterer Faßlichkeit und größerer Lebendigkeit als besonders geeignet empfohlen toirh, fo möchte ich betonen, daß diese Forderung für die jüdische Schule nicht Geltung haben kann; hettn nicht hie einzelne Erzählung ist die Hauptsache, sondern der Faden, der alle Erzählungen zn einem Ganzen verbindet nnd dieser Faden ist nichts anderes, als der Nachweis der fortgesetzten Bewährung des göttlichen Willens und Wortes. Jit vielen Fällen ist es -erforderlich, daß einige einleitende Bemerkungen vorausgeschickt werden, sei es, daß einzelne dunkle oder fremdartige Ausdrücke, Begriffe, die in der Erzählung nicht zn umgehen sind, vorher erläutert werden, sei es, daß die ganze Situation der betreffenden Geschichte durch kulturgeschichtliche, geographische Vorbemerkungen aufgestellt wird, sei cs, daß durch Wachrufen bekannter, zu dem! Neuen in verwandtschaftlicher Beziehung stehen- | Vorschulen in der Provinz Hannover. HannoSer, 22 jJanüar. Unsere.jüdischen Volksschulen, besonders im Regierungsbezirk Osnabrück, Heren Zahl seither 6 betrug,' verfallen nach uno nach der Auflösung. Bentheim ist seit dem Tode des früheren Stelleninhabers unbesetzt geblieben, die Volksschule in Papenburg ist mit der Pensionierung ihres Leiters ab 1. Januar d. I. aufgelöst worden und das gleiche Schicksal dürfte wohl demnächst die Schule in Meppen treffett. Der Geburtenrückgang auf der einen und die Abwanderung vieler -Kinder zu den höheren Schulen auf der anderen Seite hat den Zwergschulen den Todesstoß, versetzt. Das Vorgehen der Regierung kann mau letzten Eudes begreiflich finden, wenn man die hohen Gehaltssätze der geringen .Kinderzahl (oft 3—4 gegenüberstellt. Aber gänzlich unverständlich ist es, wenn man unter Verkennung der großen Bedeutung einer jüdischen Volksschule, für die Hebung und Förderung des Judentums einer Auflösung der Schule seine Spant) bietet. Das, was hier, teils betrußt, teils unbewußt, geschehen ist, wird sich bitter rächen, demt für das flache Land war und ist die jüdische Volksschule die Quelle und der Ausgangspunkt des gesamten jüdischen Lebens. Was lesen unsere Kinder? Von Dr. Elias in Leipzig. I. „Für die Jugend"/ und gar „Für die reifere Jug nd" wird viel geschrieben. Unnatur und Trivialität haben die mit einem solchen Vermerk versehenen Bücher schon oft zu Verführern und Verderbern der Jugend gemacht, sodaß Männer wie Storm gegen diese ganz beschränkte Gattung energisch Front gemacht haben. Nicht zwei von zehn Büchern können empfohlen werden. Die Frage ist von außerordentlicher Wichtig keit. Brennend wird sie, wenn esPch um Jugend lektüre für jüdische Kinder handelt. Während :m allgemeinen zum Schutz der Kinder vor Schundliteratur Prüfungsausschüsse der verschiedensten Art in großer Zahl (bis vor 10 Jahren schon 150!) gebildet wurden, vermissen wir schmerzlich solche Institutionen zur Prüfung der jüdischen Jugendlektüre. Freilich finden sie nicht wie die anderen Annehmer bei Regierung und Behörden; umsomehr sollten jüdische Literaturreunde, Schulmänner, Eltern auf diese Wunde 'm System unserer Erziehung achten. Nicht als ob es nötig wäre, daß jüdische Kinder eigens für sie geschriebene Darstellungen und Erzählungen brauchten, nach denen sie Natur und Leben, Völker- und Staatengeschichte in