Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1922)
- Date
- 1922-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5£)ei: £f •>» n» li,. —-ö Februar 1922; irr ben verschiedenen Ländern, die in Opposition zu der gegenwärtigen zionistischen Palästinatak- . tik stehen, zu vereinigend em dem, wie Herr Kann sich ausdrückt, „Bluff--, ititb Beamten-Zionismus" eittgegenfiutreten. Gteichsz eilig bringt der New-Dorker „ Hadoa r " die Meldung, daß die Brandeis-Gruppe mit Dr. Marinorek in Paris in Verbindung getreten sei, zu dem Zwecke einen W e l t k o n g r e ß alter Wirtschafts-Zionisten, wobei man auch an die deutsche „Binjan Hooretz"-Federation denke, herbciznführen. 'Der Kongreß soll sich ausschließlich mit praktischer Arbeit in Palästina beschäftigen, keinerlei politischen und theoretische): Kampf mit der zionistischen Organisation führen und sich lediglich von den Rücksichten auf möglichst rationellen wirtschaftlichen Aufbau Erez Jisroels leiten lassen. Man wird diese Bewegung in: Kreise der Orthodoxie :nit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Die Orthodoxie hat bisher in ihrem Kampfe gegen das zionistische Monopol auf Palästina fast allein gestanden, und sie wird diesen Kampf im Bewußtsein seiner inneren Notwendigkeit und Gerechtigkeit, wennes sein muß, auch allein zu Ende führen. Jedoch es wäre frevelhafte Selbstüberschätzung der eigenen Kräfte, wenn die orthodoxen Organisationen glauben wollten, daß sie unter den heutigen schwierigen Verhältnissen imstande wären, auf wirtschaftlichem Gebiete für sich allein irgendwie Beträchtliches in Palästina zu leisten. Eine -wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation aber, die gerade durch ihren ideenmäßigen, repräsentativen Charakter den Gedanken der religionslosen jüdischen B o l k s g e in ei n s ch a f t zum organisatorischen Ausdruck bringt, ist bisher noch immer an den Monopolansprüchen ebensowohl wie an den: Gegensatz der Idee gescheitert. Ist jedoch den Bemühungen der verschiedener: rein w irisch aftli ch orierrtierten Gruppen ft: Amerika und Europa ein Erfolg beschieden, so eröffnet sich auch der Orthodoxie eine Möglichkeit, rurter voller Wahrung der Reinheit ihrer Prinzipien 'ihre wirtschaftliche Palästinaarbeit im Rahme;: etwaiger gemeinsam zu schaffender wirtschaftlicher Instrumente zu leisten. Vorläufig ist nur: gerade in Europa der Einfluß der in Frage 1 stehenden Gruppen nicht sehr groß, aber der Zusammenschluß mit den Anhängern von Branders und Mack kann ihnen allmählich doch ein gewisses Gewicht verleihe::. Schulgründungen. Wir haben vor kurzem an leitender Stelle auf die Bedeutung einer konzentriert jüdischen Pentateuch-Kommentar*) ein neues Verdienst um den religiös interessierten, der tieferen selbständigen Thorakenntnis aber entbehrenden Teil des deutschlesenden Publikums erworben. In Rabbiner Dr. Selig Bamberger, Hamburg, hat der Verlag einen Uebersetzer gewonnen, der die peinlichste wissenschaftliche Genauigkeit und gründliche Quellenkunde mit der Fähigkeit vereint, die Erklärungen des großen Exegeten in verhälinismö'ßig leicht, verständlicher Form einfach und natürlich rviederzugeben. Dos ist, wenn m^n bedenkt, daß ja nicht nur die erzählenden Teile des Penta'euchs in Betracht kommen, sondern auch die zahlreichen halachischen Partien, insbesondere im zweiten und dritten Buche, durchaus keine so einfache Aufgabe. Man könnte zunächst darüber zweifelhaft sein, ob eine bloße Uebersetzung des Raschi-Kommentars für einen weiteren, aller talmudischen Gelehrsamkeit entbehrenden Kreis ausreicht, ob nicht vielmehr einzelne Stellen erst bei näherer Erläuterung dem ungelehrten Leser verständlich werden. Aber man MUß Verleger und Uebersetzer dennoch Recht geben, daß sie nicht, diesen Weg beschatten, sondern sich auf eine einfache, wörtliche und dabei doch verständliche Uebersetzung des Kommentars beschränkten. Dadurch ist erstens eine ungebührliche, zu schwer erträglicher,' Pretsverteueruug führende Aucdehnung des Werkes vermieden und andererseits vielleicht gerade der Anreiz geschaffen worden, daß der Leser, der nur einigermaßen den Ehrgeiz wirklichen Verstehens besitzt, sich bemüht, das Buch eben nicht rninn by '“wx Raschis Pentateuchkommentar. Vollständig ins Deutsche übertragen und mit einer Einleitung versehen von Raboiner Dr. Selig Bamberger. Hamburg, 1922. Verlag von George Kaamers hebräischer Buchhandlung. Preis in elcg. ^nzleinwandbd. 130 Mk. -'S ch u l -- E r z.i e h u u g für die Fortexi st enz der jüdischen Gemeinschaften iu den Kulturländern hingewiesen und dabei den Hoffnungen Ausdruck verliehen', die sich an die iu den letzten Jahren n e u g cf ä)a ff cucn orthodox-jüdischen Schulen iu verschiedenen deutschen Großstädieu knüpfen. Nun komint aus Wien, das heute zu einem der wichtigsten Mittelpunkte jüdischen Lebens geworden ist, die erfreuliche Botschaft, daß man dort entschlösse!: scheint, diesen: obersten Anliegen aller positive n jüdischen Politik ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Wiener „Jüd. Presse" schreibt darüber: Das vor mehr als Jahressrist in Wien errichtete agudistische Zentrum mußte naturgemäß günstige Auswirkungen ans die lokalen jüdischen Verhältnisse mit sich bringen. Bisher war die von den Herren Markus Bond: und Pros. David Kohn geleitete fünsklnssige Tatmud-Thora-Knabenschule die einzige Stätte strenggläubiger Schulbildung. Nunmehr soll die bisherige Leitung, welche außer den oben Genannte:: noch aus den Herren Dr. Joses Bondi, Wilhelm Freistadt, B. Hofbauer, O. Neurath, Prof. Simon und I. Weißkops bestand, eine Verstärkung seitens der Agnda erhalten. Es wurden drei Mitglieder ans der Agnda kooptiert. Um das Erziehungswerk der Talmnd- Thora-Schule weiter auszugestalten, soll eine K n a b e n - B ü r g e r s ch u l e und eine Nt ä d - ch e n - V o l k s - u u d B ü r g e r s ch u l e errich- ' tct werden. Tie Volksschule für Mädchen wird schon mit dem nächsten Schuljahre eröffnet werden. Inzwischen ist schon ein Privatkurs der Bürgerschule errichtet ivorden, geleitet von erfahrenen, in Staatsschnlen erprobten Lehrkräften. Dieser Kurs umfaßt pro Jahrgang zehn Unterrichtsstunden in der Woche, und .soll der dem Thorastndium gewidmeten Jugend eine leichte Möglichkeit der Absolvierung einer Bürgerschule, ohne sonderliche Störung ihres Taftnndstndiurns und in streng-jüdischem Geiste gewähren,. Anmeldungen werden noch in der Talmud- Thora entgegengenonunen. Eine besonders wichtige Institution bedeutet aber die von der Agnda in kürzester Zeit i::S Leben zu rufenden Handwerkerschule, verbunden mit einer Lehrwerkstätte. Sie wird die ivichtigsten Zweige des Handwerkes pflegen und endlich das längst empfundene Bedürfnis nach der Möglichkeit einer sabbathfeiernden Schnlwerkstäktc erfüllen. Sie wird natürlich mit entsprechendem jüdischen Unterricht verbünde;: sein. Niemals war das Gebot des Talmuds, das die Pflege des Handwerkes anbcfiehlt, gleichzeitig so sehr ein Gebot praktischer Erwägung. Gegenm einfache UmerhalnmgsleMne zu benutzen, sondern sich, sobald er nur die rabdinische Schrift lesen kann, bemüht, an der Hand dieser Uebersetzung in den Original-Kommentar einzudringen. Das wäre dann der schönste Lohn, der dem Uebersetzer für seine mühevolle und verdienstvolle Arbeit werden könnte. Die deutsche jüd sche Literatur darf jedenfalls stolz darauf sein, der klassischen Bibel-Kommentar, der seinesgleichen sucht, nunmehr ihren eigenen Schätzen einverletbt zu sehen. Die Ausstattung des Weikes ist sowohl was das Papier und den Druck betrifft, uls hinsichtlich des Einbandes vortrefflich und der Preis, wenn man die Geldentwertung in Betracht zieht, angemessen. (Neue Semiros-Bncher) Im Verlage von St. I. Hofmann ist in Neuauflage das SnB” nn'üi tid erschienen. Das schöne Büchlein hat mit den anderen bekannten Semtcosbüchern die schöne geschmackvolle Aufmachung gemein und vor ihnen noch einiges voraus. Neben allen üblichen nn'v: enthält es noch einen .12^ iöt, bas nfofßn w und das Tischgebet. DaS Semtrosbuch ist bestens zu empfehlen. — Eine prächtige Erinnerungsgabe, die das Andenken an den allzufrüh verewigten Rabbiner Dr. Bamberger in Hanau neubelebt, ist die von ihm übersetzteunderklärte Semiraus-Ausgabe, die jetzt bei M. Lehrberger u Co. (r,iw b'bb nwet *i“c. Die häuslichen Gesänge für Jreitaanbe.-d. 1932, Preis drosch. 6,89, kart. 8,45 Mk.) neu erscheint. Sie zeugt von der auch in kleinen Dingen gewissenhaften, gründlichen und lichtvollen literarischen Arbeitsmethode des heimgegangenenHerausgebers und wird ebenfalls rasch Eingang finden. Eine Einleitung enthält zu jedem “ie: interessante Angaben über Ausbau, Verfasser und Form der Lieder. Nr. 6 Seite 3 toärtigf kehrt die wirtschaftliche Periode wieder, wo Handwerk einen goldenen Boden hat. In; Osten sind bereits mit Einwilligung der (welchen Nabbeim Handwerkerschulen, verbunden mit Talmud-Thoras entstanden. Hat _ ja E ha Fa in Svfer var hundert Jahren in; Vereine mit dein berühmten Parneß R. Abrahan: >?. Lemberger eine solche Handwerkerschule gegründet! Palästina-Freunde iverden in dieser wichtigen Glündnng anch eine willkommene Vorbedingung zur Schaffung eines selbständigen, erwerbstüchtigen und dabei produktiven Standes begrüßen. Es ergeh: daher an alle Freunde des strenggläubigen Eiziehungeive'ens, insbesondere an alle Tal;nud-Dho:as, an alle Korporalionen und Institutionen, die sieh mit jüdischem Erziehnngsweien befassen, Waisenhäuser usw., die herzliche Einladung, an der Errichtung dieses sowohl in: religiösen als wirtschaftliche:: Belange so wichtigen Anstalt initzuivirken. Wir besitzen bereits von ausländischen Freunden des traditionellen Ehinnch Zusicherungen bedeutender Mittel zur Errichtung der Handwerkerschule und hassen anch ans die beste Unterstützung seitens des nie versagenden Wiener Judentums. Anregungen und Spenden wolle man gefälligst an die Erziehnngssektion der Agnda, II., Ncalzgasse 12a, richten. Die litauische Zudenhett nach dem Weltkriege. III. Das jüdische Schulwesen. Die geistige Stärke und materielle Schwäche der 5 bis 6 Millionen Seelen zählenden russischen Judmheit war ungefähr bis vor einem halben Jahrhundert ihre, zufolge der landesgesetzlichen politischen und ökonomischen außerordentlichen Begrenzung, geschlossene Einheitlichkeit im Leben und Streben. Diese 5—0 Millionen starke Judenheit war in ihrer geistigen Richtung und wirtschaftlichen Tätigkeit wie eine einzige' Persönlichkeit. Im geistigen Leben und Streben betätigte sie ausschließlich den uralten jüdisch-traditionellen Standpunkt mx»1) muv Sie wollten nur ganz und gar religiöse Juden sein, dem traditionellen Thora-Judentum voll und ganz leb?n und in aller Ewigkeit an gehören. Kulturelle Bestrebungen ihrer ' nichtjüdischen Umgebung, naturwissenschaftliche Forschungen und philosophische Grübeleien und Zweifel lagen ihnen fern. Ihre wirtschaftliche Tätigkeit war durch ihre, landesgesetzlich äußerst eingeengte, politisch-ökonomische Stellung eine höchst einförmige und sehr beschränkte. Kleinhandel und Handwerk, Schankwirtschaft, Krämerei, grobe Straßenarbeit und tLeVy). Das Degemberh'st von „Kunst und Künstle:" dringt wieder eine Reihe hübscher Künstleranekdoten. Hier eine Probe davon. Pseudonym. Ein Gönner Rudolf Levys sagte dem Künstler viel Gutes über seine Bilder, fi gte aber hinzu, der Name sei doch fatal und stünde einem Erfolge im Wege, warum er nicht ein Pseudonym wähle. Der Künstler antwortete: „Wer sogt Ihnen, daß Levy kein Pseudonym ist"? Ort: Anfang . Datum AuSgang Uh'I Otln. 19*221 5082 Uhr jMtn. Frankfurt n. M. 5 10 ll. i;. 6 25 Berlin .... 5 05 Fed. Schebat 5 52 München . . . 5 15 6 10 Cöln. 5 25 6 25 Stuttgart. . . 5 30 6 20 Breslau . . . 4 42 5 42 Nürnberg. . - 5 — 6 OS Hambnr s 5 07 6 07 Barmizwohseier. Leo, Sohn de? Herrn Mendel Wechsler, Nürnberg. Pi