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Der Israelit · 1922-02-09 · Heft 6 (9.2.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 6 (9.2.1922)
Date
1922-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 6 Der Israelit. 9. Februar 1938 Das Ehrenschild des Vaterlandes möchten sie, vor ollem sie rein erglänzen lassen. Daher die Losung: Tod dcr Schuldlüqe! Uns Juden möchte aber bedünken, daß keiner so wenig zu diesem Ehrenkawpf berufen ist als jene, die seit f a ft einem halben Jahrhundert den Antisemitismus auf ihre Fahne geschrieben. Die Judengegner leben' sozusagen tioit der Scbuldlüge. Sie bildet ein v'e! breiteres Fundament für den Antisemitismus als jene in Versailles für das Frietensinstrument. Tie Lüge ist das Blut in den Adern, der Odem in der Nase des Antisemitismus. Nehmt ihm die Lüge —- und er bricht zusammen, er stirbt. Die Schuldlüge ist das tägliche Brot, mit dem er täglich seine Anhänger speist, der süße Giftstoff mit dem er die bittersten Pillen genußsähig zu machen sucht. Die Schuldlüge ist nicht nur eine Waffe des Judenhasses, sie ist die Waffe, sein einziges Kampfmittel. Als nach dem Zusammenbruch in unfern Landen der Antisemitismus als breite Flutwelle sich von neuem über Deutschland ergoß, da mochte so mancher des jüngeren Geschlechtes angesichts der schweren Opfer auch der jüdischen Staatsbürger kopfscheu geworden und im seelischen Schmerze dem grauesten Pessimismus verfallen sein. Ihnen sagten wir schon einmal an dieser Stelle, daß im Jahre 1878 — also kurz nach einem glorreichen Feldzuge — die Geburtsstunde des Antisemitismus schlug und dieser bald seine wildesten Orgien feierte. Dazu war er hoffähig, durch den Prediger Stöcker kaiserlichköniglich drapiert und stillschweigend mit dem Stempel der Siaatstreue und echt deut cher Gesinnung sanktioniert. Darum konnte die Schuldlüge im weitesten und verwegensten Sinne des Wortes um so üppiger in die Halme schießen, schamlos und skrupellos. Wenn damals der Aröeiterstand schwer um Hebung seiner sozialen Lage rang, so waren die Juden die Macher und Geldgeber. Sogar die Liberalen galten als Judenknechte, Ruchsfeinde und von den Juden bestochen. In den Schulen sollten die jüdischen Kinder den christlichen Geist ui d Charakter gefährdet haben. Man holte aus dcr Rumpelkammer dcs Mittelalters, wohin man sie längst vergraben glaubte, die rostigen Wosftn des Vorurteils, der Lüge und Bosheit, verdächtigte im Reichstag unsere heilige Religion, unsere Eidessähigkeit, unsere Schechita, unsere Redlichkeit in Handel und Verkehr, suchte in Ahlwardts „Judenflintenprozeß" den Hochverrat der deutschen Juden zu erweisen und zu beweisen und krönte alle diese chriftlich-deulschen Bestrebungen schließlich — mit zwei Ritnalmordp oz-ssen. Das haarsträubendste aller Märchen war 1892 in Xanten, 1904 in Könitz den deutschen Antisemiten ein fetter Btffen. Was half die mannhafte Schrift von Franz Delitzsch „Schachmatt den Blutlügnern?" Was nützten gerichtliche Verurteilungen wegen Metnetos, Betrugs, sittlicher Verbrechen, Vergeben gegen die Staatsbehörden etc., wie sie die Führer Stöcker, Freiherr von Hammerstein, Leus, Ahlwardt u. a. m. trafen? „Im deutschen Reich!" So lautet die periodische Schrift der Abwehr des wackeren „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Ja, „im deutschen Reich!" Staunend und schaudernd wird das spätere Geschlecht hier zusammengetragen finden, was alles im deutschen Reich tu den letzten 40 Jahren möglich war. Es gehört der Geschichte an, der deutschen Geschichte. Wie man Schuldlügen konstruiert, in Presse, Broschüren, Versammlungen, Vereinen, Parlamenten, Flugblättern, Bild und Film verbreitet, die Jugend vom Ktndesalter bis zur Universität damit vergiftet, das wissen wir deutsche Juden am bestendenn Deutschland hat den zweifelhaften Ruhm, die Wiege des Antisemitismus genannt zu werden. Kam doch das neue Wort für den alten Haß 1878 in Lettin auf. Auch im Ausland weiß man dies, und oft genug und deutlich genug hat man in England, Amerika, Frankreich, Italien die „Schmach des Jahrhunderts" gebrandmarkt. Soviel ist gewiß, wenn die Rechtsparteien, die Deutsch-Völkischen, die Deutsch-Nationalen den Mund vollnehmen werden gegen die Schuldlüge, wird man ihnen den Spiegel Vorhalten. Es ftll und muß anerkannt werden, daß man nicht nur jüdischerseits sich gegen die Schuldlüge der Antisemiten zur Wehr setzte. Auch edle und gerecht denkende Ntchtsuden erkannten rechtzeitig die deutsche Schmach und schlossen sich im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" kraftvoll zusammen. Allein sie konnten nicht verhindern, daß die Schuldlüqe schon zur Erblüge ward. Zwei Geschlechter sind bereits in der vergifteten Atmosphäre des Antisemitismus herang-wachsen. Katheder, Kanzel, Gerichtssaal, Schulbank und öffentliche Anstalten aller Art sind oft Zeugen gröblicher Entgleisungen und wüster Szenen antisemitischer Geister und Agitatoren gewesen. Die Fälle sind Legion. Es mag uns gewissermaßen ein Trost sein, daß die Lüge schon Tausende von Jahren neben dem jüdischen Volke marschiert. Pharao in Aegypten bezichtigt die Juden der Sympathie mit den Feinden, obwohl Joseph das ganze Land in der Hungersnot vor einer Katastrophe bewahrte und jeden Pfennig „in das Haus Pharaos" brachte. „Er kannte den Joseph nicht", bemerkt ironisch die heilige Von Gvii und seinem Aamen. ^Zum Wochenabschnitte. Der Satz in dem Meereslrede '*7 "N2 “p<22 'o hat jüngsthin an anderer Stelle dieses Blattes vei Anlaß einer Chanukabetrnchtung seine Erklärung in dem 'Sinn? gesunden, daß unter .,Elim", denen hier -r gegenübergestellt wird, die Natmelemente und sozialen Gemalten zu verstehen seien, von denen die Irregeleiteten nicht wußten, daß über ihnen waltend und lenkend n steht. . R. Aakob aus Dubno i„Dubnoer Maaid") führt in seinem rpr W’ zunächst die Erklärung des „Jalkut" tut: r-p'-x c'smp znnser Gemeint seien also die Götzen, die in den Augen der anderen als Götter gelten. Dies würde aber noch nicht erklären, wac^m man diese toten Götzenbilder für würdig befinden sollte, sie an n zu messen. Unverständlich ist auch, wie N. Jakob ausführt, was der Psalmist in Kap. 113 sagt: „Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Untergange ist der Name Gottes gepriesen" und ein ähnlicher Satz in „Maleachi " 1 - der mit den Worten schließt: 'öS?1? fcWittl ‘iwj5® bipö 8221, j „Allerorts wird meinem Namen geopfert und gehuldigt", was doch auf alle Fälle nicht den tatsächlichen Zuständen in dcr Zeit von Psalmisten und Propheten entspricht. Der „Dubnoer Magid" sieht des Rätsels Lösung in dem in beiden Sätzen gewählten Ausdruck 'n LN und 'LNd. Vom Namen Gottes ist hier die Rede und nicht von selbst Und nun erzählt er folgende hübsche Anekdote: Ein fahrender Schwindler hatte sich Namen und Titel einer dem Rufe nach allbekannten rabbtnischen Größe fälschlich beigelegt, um überall mit bestem Erfolge die gutgläubigen Leute auszubeuten. Denn wo er nur seinen Namen nannte, beeilten sich die Leute, ihm Ehrungen und Aufmerksamkeiten in reichster Fülle zuteil werden zn lassen. Da ereignete es sich, daß der goße Rabbi, der richtige Träger des berühmten Namen?, in eine Stadt kam, die erst vor kurzem der Pseudorabbi geürandschatzt hatte. Kaum hatte sich der Raw vorgestellt, als die Leute über ihn herfielen mit der Anschuldigung, er schmücke sich mit fremden Namen, und sie jagten ihn mit Schimpf und Spott davon. Der kluge Rabbi tröstete sich aber rasch über diese schimpfliche Behandlung hinweg und nahm sie sogar als große Ehrung. Denn, so sagte er sich, wie groß mutz doch wohl mein Name in der Welt dastehen, wenn man uttt ihm solchen Mißbrauch treiben könne. Waren nicht in Wirklichkeit alle Ehrungen, die der Schivindler genoß, meinem Namen zugedacht, ebenso wie die Beschimpfungen, die mir zuteil wurden, in Wahrheit, ihm zukommen? ..." Alle Völker und Menschen suchten Gott. Da sie ihn aber nicht in seiner Größe und Einzlgkeit er- Schrift. Haman, einer der größten Schurken der Weltgeschichte, zeiht die Juden der Untreue gegen den König und die Staatsgesetze. Dabei hatte der „Jude Mordochai" — wie er immer genannt wird — dem Ahasweros das Leben gerettet, ohne was ins Knopfloch zu bekommen. Wollen wir uns dann wundern, wenn beim wechselnden Kriegsqlück in Galizien und der Bukowina man die Juden bald als Freunde der Russen bald als Freunde Oesterreichs verdächtigte? Oder daß man. mitten im Völkerringen schon in Deutschland Zettel anklebte: die Juden sind am Weltkriege schuld? Oder daß selbst einem Ballin gegenüber aus hohem Munde das Wort von der „jüdischen Jntrigue" fiel? Die Weltgeschichte wiederholt sich eben in ewigen Parallelen. Die retrospektive Geschichtsbetrachtung lehrt uns Juden, daß eine Lüge nicht zur Wahrheit wird, auch wenn sie Tausende von Jahren alt ist, auch wenn Tausende sie aussprechen und verbreiten, auch wenn Tausende sie glauben. Wochennmdschau. Wirtschaftlicher Zionismus. An verschiedenen. Punkten des jüdischen öffentlichen Lebens bricht heute in merkwürdiger Uebcrcinstimmung die Erkenntnis durch, daß die Monopolisierung der gesamten Palästinaarbeit durch die zionistische Organisation — wie sie allerdings im Einklang mit den in diesem Punkte durchaus ungerechtfertigten Bestimmungen des Mandatentwurfes steht — bic s ch w e r st e G e f ä h r d it u g b e s W i e. d e r a u fb a n e s Palästinas bedeutet. So hat sich z. B. eine der in wirtschaftlichen Angelegenheilen Palästinas sachkundigsten Persönlichkeiten, der Bankier Kanil im Haast, einem Korrespondenten der „Jüdischen Pressezentrale" gegenüber mit starken und bitteren Worten, über die Unfähigkeit der zionistischen Orgailisation zu wirtschaftlicher Arbeit geäußert. Ter Zionismus, so meint Herr Kann, könne ein Ideal propagieren, aber wie die. Erfahrungen beim Keren hajessod zeigten, teilte Gelder verwalten. Man führe eine tolle Propaganda, und die großen Gelder verschwänden in Salären und anderen Kosten. Tie zionistische Organisation, die eine einzelne Partei sei uitb bleibe, solle die von ihr gesammelten Gelder lieber an Körperschaften abgeben, die zu ökonomischer Arbeit befähigt sind, wie z. B. den „Economic Board" oder die I. C. A. Herr Kann machte aber auch die bedeutsame Mitteilung, daß er versuchen wolle, biejenigen an Palästina interessierten Gruppen kannten, genügte ihnen ein Feder, der sich nur den Gottesnamen betlegte, um ihm zu dienen und zu huldigen. Im Banne dieser Götzen sprachen sie dann vom'wahren Gotte? 'n \2. &ott aber nimmt diese Irrung auch als eine Art Huldigung. Gilt ihr Dienst nicht ihm, so gilt sie doch seinem Namen, indem die Völker doch ursprünglich vom Suchen und Forschen nach dem Schöpfer uud Lenker der Welt ausgingen. „Vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne ist — selbst im Götzenkulte — der Name Gottes gepriesen". Und durch Maleachi sagt Gott: „Allerorts wird — zumindest — meinem Namen geopfert und gehuldigt." . . . Am Meere, unter dem überwältigenden Eindrücke der erlebten göttlichen Allmacht, sollten Israel und die Welt endlich zur Erkenntnis kommen, was den wahren einzigen Gott von den sich Gottesnamen anmaßenden Götzen scheidet und wie wir ihn über allen Dingen und Geschehnissen der Welt stehend zu sehen haben, sollten erkennen, daß 'n '82 “pD2 '0. Kleines Feuilleton. Ein Standard-Werk der deutschjüdischen Vibelliteratur. Der rührige Verlag von George Kramer in Hamburg, dem das jüdische Haus so manche schöne Gabe zur Vertiefung und Verinnerlichung des religiösen Lebens verdankt, hat sich durch die soeben erscheinend deutsche Ausgabe von RaschiS unsterbliche m

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