Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1922)
- Date
- 1922-02-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450194--69525-2526703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r * Erez Iisrocl-Arbeit gelingend gu leisten? Wie wirb der West anssehen, den Aqndas Iisroel systematisch begehen muß, um, ehe es zu spät ist, die Aufgabe zu lösen'? Und tvas ist die 2lufgabe °? II. Tie ^Aufgabe heißt präzis: Palästina v e r j ü d i' ch e n. Und das, nicht nur für den Augenblick, 'andern für Dauer. Die ehrliche Iudenheir wir haben uns leider an den nom cke ^usriw: „Orthodoxie" gewöhnt) Palästinas zürn gewichligcn Faktor zu gestalten. Ihr Vorhandensein muß vor allein dem kulturellen Leben Palästinas den Stempel aufdriickeu. Dann auch: der Politik, dem Gesellschaftsleben. „Um das alles zu erreichen benötigt man Untnast'en tstclder", meint Ihr'? „Und man kann nicht alles auf einmal tun: Schulen errichten, Schulen erhalten, tätige Politik treiben, Land bebaneti, Häuser errichten, Fabriken aufstellen und vieles mehr noch"? Stimmt. Plan kann nicht alles auf einmal. Wohl aber kann man den Drehpunkt alles Lebens in Palästina suchen und finden. Ta sich anklammern. Systematisch mit drehen Helten, lim zum geätzten Fiel zu gelangen. Das Fiel ist, oben ists gesagt: Die Perjiidischung Palästinas. Der palästinensische Drehpunkt heißt: die Wirtschaft. Wirtschaft kurzweg aber ist: Landbearbeitung, Industrie und Handel. Löst drum die Wirtschaftsfragen Palästinas, denn mit ihr werden alle kulturellen und politischen Fragen der Lösung näher gebracht. Wiederholt wurde es hier gesagt. III. Der Drehpunkt: Wirtschaft'? —- Uild nicht Schulen'? Ganz abgesehen von allem: die Schulen sind heute die unsichersten Stützpunkte für eine sich in Palästina eiuumrzelu wollende ehrliche Iudenheir. Denn werden, sie morgen noch bestehen'? Niemand weis; es. Sind sie doch vollkommen abhängig von den Geldgebern des Galuth. Empfange!! ihre Existenzmittel fiir den Dag. Wird es aus irgend welchem Grunde nicht aufgebracht, könnten den folgenden Tag ne schon schließen. Anstatt, daß eins aus dem anderen sich enttvickelt, nie es gesund inäre: das Land feine Schulen ststbst unterhält. Nach und nach zum mindesten, lind io das Schulwesen unabhängig macht von allen Zufälligkeiten, denen es fetzt ansge'etzt ist. Ihr nagt: „Was der Staat leisten soll, muß durch die Erziehung und Bildung des Einzelnen vorbereitet fein'?" Stimmt vielleicht. Wie aber, meint ein groß Teil der in den Schulen erzogenen Jugend denn Schulen vermitteln dach Bildung und treiben Erziehung-, die später im Lande wirken wll, nach Schulende das Land, verläßt? Verlassen muß: nach Europa, England, und vor allem nach Amerika äuswandert, um dort als Arbeiter oder Handwerker, oder Schachet, Lehrer, Rabbiner mm. zu leben'? Weil eben, 'v sie im Lande ihrer Erziehung blieben, sie hungern müßten. Aus mangelnder Wirt- 'chaftsbetreibnng. Das ist nichts Neues. Die schulen der Agnda kennen diesen Instand von letzt und Vorkriegszeit ganz genau. Al'v: Der von den Schulen erwartete Ein- M,)'j aufs palästinen'ifche Leben, kann ans Mangel an Wirtsthnftsbetreibung in Palästina und der dadurch naturgemäßen Auswanderung der eben die Schule verlassenden Jugend, nicht eintreten. Oder wenigstens nur ganz gering. So ivars schon in der Vorkriegszeit bei allen erfüllen. Heine aber, nachdem Palästina in die iveltn-irrschaftlichen Interessen einbezogen ist und von I diesem und lenem Wirtschaft getrieben rvird! diestuu und ii'iu’in: dessen Geistesleben dem der J ehrlichen palästinensischen Inden heil strikt zu- I jiiuim 3. Februar 1S3S. widerläuft) ist die Gefahr für die Mästinensische ehrliche Judenheit viel, viel ernster. Denn die wirtschaftliche Lage beeinflußt nun die geistigen Verhältnisse. Beeinflußt diese vielleicht jetzt mehr als es die Schulen (von jetzt gar nicht zu reden) taten. IV. Tenn: Jedes Tun und Lassen des Mew scheu wird bedingt durch die Umgebung seines Selbst. Es find die ökonomische Lage, die geistigen Verhältnisse die aber wieder durch die Wirtschaftsformen sich bilden), die diese Umgebung des Einzelnen ergeben. Und so tvird das ganze Handeln der Einzelperson von Bedingungen äußerer Art bestimmt, die sie mit größerer oder geringerer Kraft lje nach der Willensstärke'des Willenssormers? einem bestimmten Ziele zuführen. Dieser von außen auf uns geübte Zwang ist zum großen Teil: Wirtschaft. Einer zielb e >v u ß r e n W i r t s ch g f t in E r e z. I i s - r v e l ist a 1 s o H a u p t f a ch e: W e l ch e K n lr u r i n t e r c s f c n gefördert, w e l ch e u n - tergraben werden sollen. Noch mehr: Wirtschaft f y st e m o t i f ch De treiben beeinflußt Politsk, denn diese hat Rücksicht zu nehmen auf die Gesellschaftszustünde. Ter Krieg hat es uns gezeigt.) Weil eben Wirtschaft nicht nur den Zustand des Einzelnen und den der Familie beeinflußt, sondern selbst den Zustand des Staates. V. . Daß Wirtschaft in Erez Iisroel nrehr tute irgend anders Drehpunkt alter 'Dinge ist, fällt nicht nur dem Fremden, der schneller als der Dortwohnende Zustände erkennt, auf. Auch der Erez Jisroel-Bewohuer sieht, wie deutlich sich dort der Satz bewahrheitet: prr nep ps dn ‘Tt/i „Bringt fünf bis zehn gesetzes-trene treue, schaffensfreudige und organisatorisch talentierte Inden hierher und die ganze Stadt, das ganze Dorf, wird bald von dem gleichen Geiste wie jene beseelt fein." Ueberall hörte ichs, als ich dort mar. Und das traurigste ist, daß wenn nicht bald mit allen Kräften wirtschaftlich zu arbeiten begonnen wird, und Wirtschaftliches geleistet wird, selbst unter momentaner.Vernachlässigung der Schulen in Erez Iisroel, eine Entwicklung vor sich gehet! tvird, die vielleicht dazu führt, daß wir in wenige» Jahren dort wirklich einen Schaiiwrej Schabbos-Berein werden organisieren müssen. Der in Jerusalem und Jaffa sich leider bereits als notwendig erwiesen. D. Rcd.i VI. Ka p i t a l f ii r Erez Iisroel zu geben, das dort unter zielbewußrer Wirtschaftsleistnng arbeiten soll, moralische und finanzielle Unterstützung jeder geiftes-- g l e i ch g e s inul e n Organisation, Gesellschaft oder Einzelperson, die in Erez Iisroel wirtschaftlich arbeiten: das alles dürfte daher die derzeit vornehmste Aufgabe eines für Erez Iisroel fühlenden Orthodoxen fein. Ich hörte mal die schöne Erklärung Vorträgen: das Wort „Wirt" sei eine Lanlver-- schiebuug des Wortes „Wert", und „Wirtschaft" bedeute ein „Werte-schaffen". In Erez Iisroel ist Wirtschaft nicht nur ein Geld-Wert-schasfen. Wirtschaft treiben heißt hier: Kultur-Wcrt-schafsen und auch politische Werte-schaffen. Also! — H. K. Wir haben die vorstehenden Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters zum Abdruck gebracht, obwohl mir uns mit denselben nicht völlig identifizieren. Wir glaubett, daß zu mindest scharf zwischen der Gründung n eu e r Schulen und dem Erhalten der bereits bestehenden zn^nnterscheiden ist; während das erstere in der Tat augenblicklich zurückzustellen ist, so sind die bereits bestehenden Schulen und ihre Erhaltung eine Lebensnotwendigkeit für den Bestand des Iifchuv und es müßte unseres Erachtens die d e n t s ch e, iv i e ü b e r h a u p t die w esteuropiäischä Orthodoxie es als ihre Ehrenpflicht betrachten, das von ihr sei t nu nmeh r z wer Ia hrzeh nten u n t c r h al te n e S chullv e r k au ch iveit e r hin z u su n d i e r e n, natürlich ohne dabei die Notwendigkeit wirtschaftlicher Betätigung in - Erez Iisroel außer acht zu lassen. “JT Mil du 1W1 IW Die Redaktion. Gründung einer Agnda- Iisroel Zentrale für Ostgalizien. Lemberg, 8. Iaimar. Die Tage von Dienstag, den 3. bis Donnerstag, den 5. Debet 5682 bedeuten einen entscheidenden Wendepunkt im Leben der bis' fetzt nur mangelhaft organisierten ostgalizischen Agnda. In Anwesenheit der hervorragendsten Rabbiner Ostgaliziens fand eine von der ganzen Provinz und von Lemberg selbst stark besucht Agudas Iisroel-Konferenz unter Vorsitz des Herrn Joseph Schönblum aus Lemberg statt. Der Zcnträlrat der „Agudas Iisroel" war durch .Herrn Wolf Pappenheim vertreten, der eingangs der Konferenz! die Notwendigkeit der Gründung einer ostgäti zischen Agudazentrate eingehend erörterte. Die einzelnen Änsgabenlreise, welche innerhalb der ostgalizischen Orthodoxie besonders dringend Lösung heischen, wurde von den nachfolgenden Rednern, den beiden Lemberger Rabbinern, sB rode und .Ziv in lichtvollster Weise behandelt. Rach eingehender Debatte, an welcher auch die Delegierten der. Provinz regen Anteil nähmen, wurde folgende Resolution von Rabbiner Meier Spiro lSnnkoweingebracht und einstimmig akzeptiert: „Die am 4. Debet 5682 tagende V e r s a m m l u n g von Vertretern d e r L ent berger n n d der g anzen o stg ali zisch e n O r tho d ox i e, a u s R ab bin er n uii b s£ ri» atl euten bestehend, ancrfeiiut d i e N otwendigkeit der Organisation d e r o st g a l i z i s ch e n O r t h o d o x i e u n d b e - s ch l i e ß t deshalb e i n ft i m m i g den A n - s ch 1 u f an „ A g u d a s .I i s r o e l" a l s . d e r einzigen selbständigen o rth o d o xcn O rg a n isa tion , w elch e die Son v e- - ränität der Thora innerhalb des j ü d t fchen Volkes in der Diasüo r n u n b i n E r e z Iisroe l g e m ä h r l e i st e t. " In einer Schlußkonferenz wurde ein 50 gtiedriger Landesvorstand gewählt und zwar zu einem Fünftel ans Lemberger, zu vier Fünftel ans provinziellen Vertretern. Der Verlauf der Konferenz berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für die Wirksamkeit der ostgalizischen Landeszentrale. Sprechsaal. Bezugnehmend auf den in Nr. I unserer Blätter wiedergegebenen Briefwechsel zwischen der Redaktion der „dienen jüdischen Presse'" und Herrn Heinrich Eijemann sind uns untenstehende Zuschriften Und eine ofsiziöse Erklärung des Presseamts der „Agudas Iisroel mit der Bitte, um Beröfsentlichnnq zugesandt worden. Tie Redaktion. F r a n k f u v t a. At., 23. Tewes 5682. An die oerehrliche Redaktion der „Blätter" H i e r. Es ist. traurig, wenn in einer Zeit, wie der heutigen, in der sich die gesamte Orthodoxie zusamrnenschließen sollte, um eine feste Mauer gegen die Anstürme von außen gegen unser Höchstes zu bilden, — es sei nur-an den sich unserer heiligen Lehre widersetzen-- den Materialismus erinnert, an dem unsere Zeit trankt, — wenn in einer solchen Zeit Bruderkampf zwischen unseren Reihen die Besten unseres Volkes von den großen Aufgaben ablenkt, die ihrer harren. Tiefen Gedanken konnte ich nicht abwenden, als ich die Artikel-Serie in der Nummer 1 Ihrer geschätzten Zeitung las, welche Serie die lleberschrift „Unsere Gegner" tragt und-gegen unsere eigenen Brüder gerichtet ist, die doch das gleiche Ziel vor Angen haben wie wir, ein Judentinn zu leben im Sinne unserer ntpnpn min Nachdem Sie seit einiger Zeit Ihre „Blätter" genieinsam mit dem deutschen Zentrnlvrgan Ihrer Richtung Herausgaben und die „Blätter" nicht mehr