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Der Israelit · 1922-02-02 · Heft 5 (2.2.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 5 (2.2.1922)
Date
1922-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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>' Seite 6 Nr. 5 Der Israelit. 3 Februar 1923 Krone statt. Hier brachte die Jugend ihre Huldigung dar. Der Glanzpunkt der Feierlichkeit war die Rede des Herrn Lehrer Kaufmann in Mosbach. Am Sonntag vormittag wurde ein öffentliches Jost im Bürgersaale veranstaltet. Aus Nah und Fern hatten sich; Freunde, Bekannte, Lehrer und Verehrer eingefunden, dem Jubilar Glückwünsche zu überbringen. Der Festredner schilderte den Jubilar als einen frommen, feinen, charaktervollen, edlen Menschen, Bürger und Gelehrten von bedeutendem Rufe. Zahlreiche Ehrengaben und Glückwünsche wurden übermittelt. Der Jubilar dankte jedem Einzelnen in schönen, ausdrucksvollen Worten. Um 1 Uhr fand in der Traube ein Festessen statt. Als zweliütester Lehrer des Rabbinatsbezirk Mosbach, eröfsnete Herr Lehrer E. Wertheimer, Hardheim, den Reigen der Tischreden, in einer markanten, humoristischen, tiefsinnigen, von mir '~A7 gewürzten Ansprache. Er feierte den Jubilar als einen „jung-alten Löwen", der den Mut und die Energie, mit der Besonnenheit und Klugheit des Alters vereinigt und so einen jugendlichen Greis präsentiert, welcher dis heute noch mit Umsicht und Geschick unter anderem seiner heiligen Aemter als Stadt- und Bezirksrabbiner, Synodalabgeordneter und Konferenzrabbiner waltet. Aus seinem langen Lebens- und Werdegange seien einige Daten erwähnt. Als seinerzeit die badische Synode den 2V cA' ab. schaffen wollte, trat Herr Dr. L. als Synodalabgeordneter auf den Plan mit allem polemischen Rüstzeuge seines Thorawissens. In gleicher Weife trat er in die Arena, als das allbekannte Attentat auf die alte ehrwürdige Tesillo ausgesührt werden sollte. Aus beiden Kämpfen ging Herr Dr. L. als Sieger hervor. Ob dieses Sieges wollte sich die liberale Partei in Baden rächen, und sie wählte Herrn Dr. L. für einige Perioden nicht mehr in die Synode, ins sogenannte jüdische Parlament. Nachdem das monarchische Staatssystem dem demokratisch.svziaien, den Platz räumen mußte, kam ein anderer Geist und uran holte den scheinbar vergessenen Dr. L. wegen seiner Tüchtigkeit aus dem Winkel der Vergessenheit, aus der sogen, schwarzen Ecke. Gegen seinen Willen, wurde Herrn Dr. L. das verantwortliche Ehrenamt eines Konferenzrabbiners übertragen. Der Stein, eben dieser Dr. L., welchen seine Gegner verworfen, wurde sogar zum Eckstein und Führer der badischen Orthodoxie. Den Religionslehrern war Dr. L. ein Berater und Vertrauter, welcher stets die idealen, sozialen und materiellen Interessen zu fördern suchte. In der jüngsten außerordentlichen Synode wirkte er intensiv, daß eine finanzielle Besserstellnng für die Religions. lehrer in Baden erreicht wurde, und ist solche auch noch keine der Zeit und den Teuerungsverhälmissen entsprechende, find sie doch wenigstens vorerst vom Kampfe umS Existenzminimum erlöst. Der Jubilar dankte allen Tischrednern in treffenden Worten. Besondere Auerkennung zollte er dem Herrn Lehrer Kaufmann in MoSbach als Arrangeur der harmonischen Festlichkeit, sowie Herrn Lehrer Wertheimer, als langjährigen Freund und Musterlehrer seines Bezirkes. Möge dem Jubilar beschieden sein, sich in geistiger und körper- Ucher Rüstigkeit, deS Abends seines Lebens zu erfreuen — zum Nutz und Frommen seiner Familie m d seines Wirkungskreises, B>"öy. Westheim b. Haßfurt, 24. Jan. Der vorgestrige Tag war für unsere Gemeinde ein Festtag in des Wortes vollster Bedeutung. Galt es doch, unserem verehrten und verdienten Lehrer, Herrn Anselm Frank, der nach 46 jähriger Tätigkeit am hiesigen Platze seinen 80. Geburtstag und gleichzeitig an der Seite seiner edlen Gattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte, unsere Liebe und unseren Dank zu bekunden. Vormittags 9 Uhr erschienen die Mitglieder der Gemeinde, die sämtlich Schüler des Gefeierten waren, in der Wohnung des Jubelpaares, beglückwünschten dasselbe und überreichten als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung eine namhafte Ehrengabe Hierauf fand Festgottesdienft in der neuerbauten, schmucken und sinnig dekorierten Synagoge statt, der sich zu einer wahrhaft erhebenden und rührenden Feier gestaltete. Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, Schweinsurt, schilderte in warmen, tiefempfundenen Worten das glückliche, vorbildliche Eheleben des Jubelpaares, dessen frommen, zufriedenen, bescheidenen Sinn und hob namentlich die ersprießlrche, erfolgreiche Tätigkeit des Jubilars als Religionslehrer, Kantor und gewissenhaften Schachet hervor. Nach Schluß deS Gottesdienstes begaben sich alle Festteil, nehmer in das nahegelegene Lehrzimmer, wo die Schuljugend bereits versammelt war. Herr Distriktsrabbiner wandte sich abermals mit eit er kurzen, ehrenden Ansprache an den Jubilar, worauf Herr Lehrer Hammelburger, Haßfurt, als Kollege und Freund und Herr Lehrer Frönte! aus Hosheim, als Obmann der Beztrkskonferenz Schweinsurt ihre Glückwünsche zum Ausdrucke brachten. Tiefbewegt dankte der Jubilar, tr"öi\ Meinbreffe«, 30. Jan. Einen fast unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch den Tod des Herrn Markus Gold wein erlitten. Er gehörte zu den Männern, die so recht im Judentums wurzeln und ausgehen und bet denen die ntpnpn hj’iük Mittelpunkt ihres Sinnens und Denkens ist. So war auch fein Leben und Wirken ein stetes Werben für Gott nnd seid heiliges Wort. Wie gern forschte er in der Thora und in anderen »Tip '272! Seine liebste Lektüre waren die 2^77, deren Wortlaut er auswendig kannte und die er läglich rezitierte. Sein Herz war durchglüht für die gewissenhafte Erfüllung der Mizwos, die er selbst mit einer aus übte, die als mustergiltig bezeichnet werden muß. Mit Eifer hielt er auf die Erhaltung des regelmäßigen Gottesdienstes, den er insbesondere an Festtagen mit seiner klangreichen Stimme versah, wobei er seine Gemeinde zur tiefen Andacht hinriß. Was er in Beziehung von 7er. gewirkt, davon darf und soll nicht gesprochen werden, denn nach seinen Grundsätzen brauchte die linke Hand nicht zu wissen, was die rechte tat. So war es denn kein Wunder, daß das Gefolge bei der Beerdigung ungewöhnlich groß waraus weiter Ferne waren die Schoren herbeigeströmt, um dem edlen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Im Hause sprach der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Karl Wolfs aus Aurich, in tiefer Ergriffenheit Worte des Schmerzes und des Trostes und am Grabe schilderte Herr Lehrer Löwen st ein in wohldurchdachter Rede das Leben des -ftyin p'72£. Möge n"'BV7 die trauernde Familie nach dieser Trauer dem Leben und Streben wiedergeben. n"2^7. Neuhof bet'Fulda, 23. Jan. Am 18. Tewes ist Herr Baer Adler y'57 aus Neuhof bei Fulda zu ewiger Ruhe heimgegangen. Noch im besten Mannesaller stehend, im fast vollendeten 56. Lebensjahre, ist mit ihm feine Gemeinde der letzten Stütze alten Schlages beraubt worden, nachdem nicht lange vorher Lehrer Rothschild V'57, mit dem ihn Freundschaft verband, ihm voraufgegangen war. 7w7 27 pn\j enrr, das war Baer Adler im wahrsten Sinne des Wortes. Bescheidenheit war seine hervorstechendste Eigenschaft. War ihm auch Wiffenschast des Judentums in größerem Maße betreiben zu können, ihm, der aus einfachen Krelsen hervorgegangen, versagt geblieben, so war ihm der Sinn für deren Wichtigkeit stets gegenwärtig. Das zeigte sein Beschlagensein in Ttnim. Wie konnte er als der Lehrer bereits erkrankt, in der Kehillo vorlernen, konnte Baal köre, Baal tokea sein! Wie verständnisinnig waren seine Tefillos als Vorbeter an den Jomimnauroim. Nur einige kleine Federstriche zur Zeichnung des Charakterbildes dieses hochverdienten Mannes aus seinem Leben: In der Woche war er fast ständig unterwegs „über Land": '72: bw 2^n zu trinken, war fern von ihm! Um wieviel mehr, daß er die schweren Gebote streng beobachtete. Wenn er allabendlich spät nach Hause kam, hungrig, nie, daß er sich zu Tisch setzte, ohne vorher seinem Biehe Futter gereicht zu haben. Und wie war sein Haus stets ein Obdach für Arme! Noch vor dem Kriege, als viele östliche Brüder von Ort zu Ort wunderten, in seinem Hause wurden sie gespeist, hier übernachteten sie, bei ihm verwahr,en sie so oft mühevoll zusammengesparte Pfennige. Wie oft ließ er jedem Einzelnen seinen persönlichen Schutz bei der Polizei angedeihen, wenn diese sie behelligte, sodaß es ihm bet dem Ansehen, das er bei den Behörden besaß, fast stets gelang fertig zu bringen, daß man sie in Ruhe ließ. Was Wunder, daß von diesem Manne Herr I. B. Sachs aus Leipzig, der in tief erschütternden, gramerfüllten Worten feinem Schmerze um den Verlust des allzufrüh dahingeschiedenen edlen Mannes an seiner Bahre in Schul Ausdruck gab, unter anderem erzählen konnte, daß eS sich ihm einst bei einer Gelegenheit bestätigte, was er früher ihm einmal ganz beiläufig gesagt: „5 Pfennig von seinem Maaffer nicht gegeben zu haben, bedrücke ihn, als habe er jemanden bestohlen". Ebenso schmerzdurchdrungen war der Hesped deS Provinzialrabbiners Dr. Cahn, Fulda, der den Heimgegangenen mit emem großen starken Baume verglich, der weithin Schatten, Frucht und Labung spendete und der nun so plötzlich gefällt, liefe Wunden schlug. Wie fein kluger und klarer Blick, feine Aufrichtigkeit, sein wohlwollendes und Vertrauen einflöhendes Wesen, Juden und Nichtjuü.n ständig zu ihm führten, sich Rat zu holen, wie ihn aucb d e christliche Gemeinde seines Wohnorts in ihrer Vertretung seit vielen Jahren benötigte, so zeigte er auch, obwohl an kleinem Orte, weitab von jeglichem Parieileben, ein klares Verständnis für jüdische Ge^euwartsaufgaben. Davon legt neben anderem die großzügige Förderung des Palästinawerks der Agudoh, vor, der s"v Sohn in feinen Abchiedsworien an der Badit des B uers unter andere»» prach, beredtes Zeugnis ab. Trostworte den schwergeprüften Angehörigen zuzurufen, wer vermöchte es? Mögen sie in n"2pß den Trost finden, in ihrem verwaisten Volke, das auch seines Hauptes, feines Diadems in (i'i£ und beraubt ist: p'S »5'2k 7nb> -jtfn csrx cw oipön. Wien, 25. Jan. Am 8. Tewes wurde hier Frau Lea Lok, eine b'n 7PK im eigentlichsten Sinne des Wortes, in der schönsten Blüte ihres Lebens zu Grabe getragen. Die Verblichene war in jeder Hinsicht eine würdige Tochter des vor einem Jahre dahingeschtedenen rühmlichst bekannten p»73t Rabbi Gabriel Fischer und Enkelin des berühmten Stuhlweißenburger Rabbiners Goitlieb Fischer ^57. Ihre aufrichtige Frömmigkeit und ihre Herzensgüte waren mustergültig, fast kann man ohne Uebertretbung sagen, beispiellos. 7p75t und i übte sie in reichstem Maße aus und dies in einer besonders feinen und edlen Weise. Sie gab mit einer solchen Freude und Bereitwilligkeit, daß die Wohltat den Empfänger nicht beschämte. Im Verein mit ihren Eltern und ihrem Galten schuf sie ein Haus in Israel, das mustergültig war. Die außergewöhnlich rege Beleiltgung bei der '*ib rnav ein beredtes Zeugnis für die Beliebtheit und Wertschätzung der Verblichenen. Ergreifende; Hespedtm hielten Herr Rabbiner & 8 r ferner Herr Rabbiner Schenck als Schwager, vcrr Josef Lok als Gatte und Herr Simon Fischer als Bruder. Srieskasten. Angesichts der enormen Porto Erhöhung werden wir, in größerem Ausmaße als bisher, die uns Angehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht -erliegt, auf dem Wege des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragenden also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die B r ieskast en- Rubrikbeachten zu wollen. Zionistische Ortsgruppe in H. Wir bedauern, Freiexemplare unter den heutigen Verhältnissen nicht gewähren zu können. I Kin Mannheim. Wir haben ein Abonnement, das uns bisher von Ihrem Verein nicht gemeldet ist, nunmehr für Sie vorgemerkt und gleichzeitig beim Verein reklamiert. Rabbiner Dr. D- F. in Berlin. Ein RenzenfivnSexempiar Ihres Buches ist bisher nicht etngegangen. Nach Erhalt werden wir es selbstverständlich einer achm ännischen Besprechung unterziehen lassen. Mannheim. Wenden Sie sich wegen Adoption an den Krtegswaisensond der Agudas Jtsroel, zu Händen des Herrn Hermann Schwab in Halberstadt. S. G aus T-, Ffm. Die von der Freien Bereinigung wiederholt unternommenen Schritte in Angelegenheit der Sonntagsruhe haben bisher leider zu keinem Ergebnis geführt. Die Schwierigkeiten in dieser Hinsicht sind bedeutend größer als vor dem Kriege. M. G in Bremen. Eine Nachricht aus New-Iork ist uns bisher nicht zugekommen. Wir empfehlen Ihnen direkt an das Central-Bureau os Agudath Israel, New-Aork, U. S. A. Broadway, Room 513, zu schreiben. Rabbiner Dr. K s Waisenkinder. Wir bedauern lebhaft, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können. Gross Frankfurt am Etehenheimer Turm TANZ-PALAST Kaffee ersten Ranges Weinklause 1SLT SCHUMANN- Theater mit dem sensationellen großen VARIETE Programm ist heute das Tagesgespräch Täglich. 7Y» Uhr: Große Vorstellung. Näheres siehe die Anschlagsäulen. Sabbat-llnlang und Ausgang. 82 A3*. Ort: Anfang Datum AuS gang UhrjMin. IllSS 5682 Uhr f Rin. Frankfurt a. M. 5 4. 28. 6 15 Berlin .... 4 55 Feb. Scheb at 5 41 München . . . 5 - 6 — Cöln..... 5 15 ö lö Stuttgart. . . 5 15 6 10 Breslau . . . 4 31 5 3t Nürnberg. . . 4 50 5 67 Hamburg. . . 1 53 S 53

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