Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1922)
- Date
- 1922-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450193--69503-2526680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 Januar 192*2 " „'Deutschen Händelswacht" scheint aber vor ihrer eigenen inneren Sauberkeit bange geworden zu sein, denn in ihrer Ausgabe vom 21. Dezember 1921 finden wir unter der Ueberschrist „Stefan Großmann und die Handlungsgehilfen" eine scharfe Berunglimpftuig des deutschen Judentums. Wenn der DeutschnaiionaleHandlungsgehilfeuverband glaubt, sich solche Beschimpsnngen erlauben zu können, so wird es vor altem Aufgäbe der jüdischen Angestelltenschaft fein, ihn die Folge seines Verhaltens fühlen zu lassen. Mtarrerr. Neue Iggeszeilungen 8er Orthodoxie. Kowno, 18. Januar. Wir stehen vor der unerquicklichen Tatsache, daß in dem kleinen Litauen irunmehr das Erscheinen zweier orthodoxer Tageszeitungen in jiddischer Sprache angeknndigt wird, die unmöglich beide nebeneinander bestehen können, ohne sich gegenseitig zu ruinieren, von den verhängnisvollen moralischen Folgen der unausbleiblichen literarischen Befehdung ganz abgesehen. Das eine der beiden Blätter ist die in eine Tageszeitung umznwandelnde Wochenschrift „Jüdisches Leben", die als solche seit einem halben Jahve von den „Zeire Jsroe!" herausgegeben wird. Schon vor Bekanntgabe dieses Projektes haue Herr Walk die Konzession zur Herausgabe einer Tageszeitung. unter dem Namen „Jüdisches Tageblatt" in Verbindung mit einer hebräischen. Wochenschrift „Haschownah" erhaltet!, wobei als Herausgeberin die Land eszentral e der litauischen A g u d a s I s r o e l fungierte. Man darf wohl hoffen — und insbesondere erwartet dies sicherlich die gesamte orthodoxe Oefsentlichkeit im Westen und im benachbarten Polen —, daß beide Teile zu einer Verständigung gelangen und ihre materiellen und geistigen Kräfte vereinigen werden, um eine würdige und nachdrucksvolle publizistische Vertretung des gesetzestrenen Judentums in Litauen zu schaffen. Ukvnine, Aus der ufrainifdien Hölle H>rag, 20. Januar. Die hiesige „Selbstwehr" veröffentlicht.eine Mitteilung des ehemaligen jüdisch-sozialistischen Ministers Dr. S. Goldelma n n zur Jabotinsky-Affäre. Goldelmann nieiß am Schlüsse seiner Ausführungen folgendes charakteristische Bild von der Stimmung der ukrainischen Bauern gegenüber den Inden zu geben: „Was die heutigen Verhältnisse betrifft, so tveiß ich von einem dortigen kommunistischen Kollegen, mit dem ich unlängst gesprochen habe, daß der Antisemitismus in der Ukraine kolossal zunimmt, in allen Schichten und in allen Parteien, auch der kommunistische!:. Zu Pogromen ist es im letzten Jahre nicht gekommen; wenn die Bauern, ivie es üblich ist, einen Zug überfallen, so lassen sie Frauen und Kinder durch, d ie Maitncr u n t c rsuchen s i e. A l t e u u d solche, welche Zizis haben, „glaube n an 'Gott", und werden daher als Nichtbolschewisten freigelassen. Die jungen, die keine Zizis mehr tragen, werden getötet, nicht als Juden, sondern als Kommunisten, obwohl es für diese Juden keine Milderung ihres Schicksals ist, nicht als Juden getötet zu werden. Es wird nicht mehr so pauschalisiert wie fvüher. Auch ein Fortschritt." Rnrnänten. öreue! an der rumäniffhen örenje- N«Karest, 15. Januar. Wie die Zeitungen melden, hat König F c rdinand dieser Tage in energischster Weise gegen die furchtbaren Zustände an der russisch-bessarw bischen Grenze interveniert. Dort werden von rumänischer Soldateska grauenvolle Geivolttaten I Der JSraelit. gegen die aus der Ukraine slüchteuden unglücklichen Juden und ihre Frauen und Kinder ver- \ übt. Biele sind getötet oder ihres ganzen Be- I sitz.es beraubt worden. Ein hiesiges Blatt spricht geradezu von Massakers an der rumänischen Grenze. Auch russische Offiziere, die die Erlaubnis zur Ueberschreitung der Grenze erhalten Ratten, wurden von den Grenzsoldaten miß- - handelt, beraubt und erschossen. Es ist zu hoffen, daß es dem Kriegsminister gelingen wird, der Gewaltherrschaft des verrohten Militärs ein Ende zu machen. Die Sonntagsruhe in Holland. Amsterdem, 19. Januar. In einem Interview mit dem Vertreter eines jüdischen Blattes äußerte sich der Arbeitsminister über die Beschwerden, die von jüdischer Seite gegen den. Entwurf des neunen SonnlagsruhegcsetzeS vorgebrack t worden find. Der Minister meinte, es sei für den uepai teiischen Beurteiler schiver festzustellen, iinmemcit bei der Forderung unbeschränkter Arbeit au beit Sainstag-dlbenden und ciitcx* freien Verkaufszeit am Sonntag religiöse Beweggründe maßgebend seien und inwieweit geschäftliche. Wenn aruh die Oberrabbiner bei ihrer Aktion selbstredend ausschließlich die Erhaltung der Religion im Auge hätten, so gäbe es doch unter den jüdischen Kausleitteu viele, die nicht auf dem gleichen Standpunkte ständen. Der Samstag Abend und der Sonntag sei für den Ladenbesitzer wertvoller, als der Freitag-Abend. Der Minister!vies indessen darauf hin, daß ungeachtet dieser Bedenke!: Aenderungen des Entwurfes im Sinne der jüdischen Wünsche noch immer möglich seien, wenn es gelinge zu einer Berständigung mit den christlichen Organisationen, die an der Frage interessiert sind, zu kommen. gvankvzid). Zusammenschluß der Oesebeslreuen Im Eilad- (So (mar, 20. Jan. Oberrabbincr E. Weill hier, erläßt einen Aufruf zur Bildung einer „Union cl 6 8 A m i s de la Tradition Juive“ (Bund der Freunde der jüdischen Tradition), die nach oem Vorbilde der deutschen Freien Bereinigung den Zusammenschluß der gesetzestrenen Juden im Elsaß und. darüber hinaus in ganz Frankreich zmn Zwecke der praktischen Arbeit in allen religiösen Angelegenheiten erstrebt. Auch die Palästina-Arbeit soll gepflegt werden und zwar zur Aufrechterhaltung der Schulen, Jeschiwos und Wohltätigkeitsanstalten des ulten Jischuw und zur Förderung landwirtschaftlicher und industrieller Unternehmungen im heiligen Lande, die geeignet sind, den Flüchtlingen aus den osteuropäischen Ländern eine wirtschaftliche Existenz zu ermöglichen. Insbesondere soll der Bund in Frankreich auf die Hebung des Erziehungs- Wesens im jüdischen Sinne hinwirken. KaLästirrg. Strikte Einhaltung der Elnwanderungsgksebe in Palästina Wie». 10. Jcm.""° Die zionistische Organisation erhielt dieser Tage eine ilcote der britischen Regierung, in welcher darauf aufmerksam gemacht wird, daß iu letzter Zeit zahlreiche Eirrwanderer nach Palästina kanren, welche den besteheirden Einwanderungsgesetzen picht vollkommen entsprochen haben. Die palästinensische Verwaltung beschloß daher, allen Einwanderern, welche nicht allen Vorschriften des Einwandernngsgesetzes in vollem Maße entsprechen, die Landung in Palästina auch dann zu verweigern, wenn sie im Besitze des Paßvisums einer britischerr Paßstelle sind. Um.jedoch Einwanderern, welche sich bereits unterwegs auf der Fahrt nach. Palästina iwfinden, den Eintritt in Palästina zu ermöglichen, Nr 4 Seite 5 wird diese neue Verfügung der Regierung irr Palästina nur ans solche. Einwanderer angewendet werden, bereu Paßvisa erst vom lo. Januar 1922 ab datiert sind. Neue Poli?eimannTchaft. London, 20. Januar Zur Verstärkung der palästinensischen Gendarmerie wird eine neue Truppe von 700 Mann gebildet werden, die lediglich Polizeidienste tun soll. Das Palästinamandat AerNn, 20 Januar. Rad) der Zionistischen Korrespondenz hak Professor Rappard, der Direktor des Mandatsdepactements beim Bö.kerbunde, einein Mitglied der Zionistischei: Exekutive mitgeteilt, daß der Völkerbnnd über das Palästinainandat endgiltig im April entscheiden werde, Diese Nachricht stimmt mit dem Inhalt einer Drahtmeldung überein, die der Genfer Berichterstatter der „Bossisrhen Zeirnng" seinem Matte geschickt hat. Es heißt dort u. a.: „In Anbetracht der besonderen Verhältnisse in Palästina und der besonderelt Ziele, die mit dem Palästinamandat verknüpft sind, svll in Anssicht genoinmen sein, die Frage der Entscheidung anS denr Gesamtrahmen der Mandatsländer herauszunehmen und besonders zu behandeln. Englaltd ist diesem Plan sehr geneigt. Tür Plan wird wahrscheinlich, wenn Amerika seine Zustimmung gibt, auf der n ä ch st e n S e s s i o n des Völkerbundsrats behandelt werden können. Das trauen Wahlrecht und die palästinensische Orthodoxie- Icrulak.m, 6 Januar. 9lus der 9. Sitzung des Waad Leunli vom 2. Januar erstattete Ben Zwi den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Präsidiums in der Zwischenzeit und erklärte, daß das Präsidium sich bezüglich der Meinungsverschiedenheiten in den Hauptpostul aten, die bei der ersten Tagung den Zankapfel bildeten, sich mit bau Vorsitzenden der verschiedenen Parteigruppiierungen ins Einvernehmen gesetzt habe', jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Bei den Besprechungen mit den MiSrachisiihreri: wurde sestgestellt, daß ein Teil der Orthodoxen auf ihren Forderungen bez. des Trrnenwahlrechtes beharre und diesbezüglich auf der Tagung ein Ultimatum zu stellen beabsichtige. lJ.P.Z.) Der lvattenschmuggel nach Palästina London, 18 Januar. In den judenfeindlichen Kreisen des Arabertnms bekundet man große Erregung über einen im Hafen von Haifa aufgedeckten Waffen- . schmuggel. Eine Sendung Bienenkörbe aus Triest, die auf Grund besonderer Konzession zollfrei eingeführt wurde, enthielt eine Anzahl Pistolen und größere Mengen von Munition. Die Polizei ist eifrig mit der Untersuchung der Angelegenheit beschäftigt und das Ergebnis muß abg.wartet werden. Einer der Leiter der jüdischen Arbeiter-Organisationen. Haifas ist im Zusammenhang mit der Angelegenheit verhaftet lvorden. Balfour Übt?» Palästina Wasßiugton 16. Jan. Balfour hat nach längeren Vorbereitungen ' eine zionistische Abordnung unter Führung Sokolows eulpfaugeu. und ihr erklärt, daß er aufrichtig noch immer auf denr Boden seiner Erklärung aus dem Jahre 1917 stehe. Die Ausführung des Werkes erfordere aus Seiten der Juden Vorsicht, Ruhe und Geduld, wobei jedoch keinen Augenblick die äußerste Anstrengllttg unterbleiben darf. Die Bemühungen der g a n z e n jüdischcu Rassc seien notwendig,* um die nötigen geistigen und materiellen Kräfte für den Ausbau Palästinas aufzubringen. 1