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Der Israelit · 1922-01-26 · Heft 4 (26.1.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 4 (26.1.1922)
Date
1922-01-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 4 Der ZSraelii. einroanöerungsfchiDieriQheifen. ' Wew-HZork, w. Jan. Tie Bestrebungen zur Verschärfung der Eininuildernugsbestiiumungeu eutirickeiu sich iveiter in-sehr unerwünschter Weise. Ter „Vorwärts" wirft den jüdischen Orginisatjonen Untätigkeit gegenüber dieser verhängnisvolle'.! Entwicklung vor. Bor kurzem Und etwa -äln» ukrainische Flüchtlinge mit polni'chen Pässen zurnekgeiviefcn worden und so llen nach Polen deportiert iverden. Tank der' Beninhnngen der „>ai-ns" ivnide die 'diese.lschaft schlieflich zngelassen, nachdem die Ung.ücklichen erklärt hattet!, - das; sie fault und sonders sich in die Fluten st ii rz e ti >v ii r d e n , n in n i eh! d e in 2 ch i ek s a l d e s >K ii ff l v ‘.i n s Port s n v e r sali e n. Tie Ursache der Znrückweiniüg soll ein in den Pässen befindlicher Revers gewesen sein, durch den der Pastinhaber sich verpf.ichlel, niemals iui 'der nach Polen znrückzukehren. Ten Schiffsg'sellschasten ist erk.ärt worden, da st Einwanderer, in deren Pas; sich eine solche Erklärung befindet, künftig unter keinen Umständen mehr läiiden dürften. Die pol lisch - jüdisch.' und ruinänisch-sädischen Presse ivird gebe!en, von dieser Bestimnkling der Te.fsenl.ichkeit ihres Landes Kenntnis ,pi geben, damit sieh die verziveise.te Situation, die oben geschildert ivnrde, nicht in anderen Tüllen wiederholt. Personalien. Dr. Adolf Kallner Frankfurt a. M, 2t. Jan. Eine Schrnerzenskunde erreicht uns aus Soden im Taunus. Dr. Adolf Kallner ist nicht mehr. W r ihn und sein Helm gekannt hat. ve» steht und erlebt die Tiefe dieses Schmerzes mit. Sein Leben war ein grostes Sichovsern vom Anfang bis zum veiklärten Ende Am 27 Arv 5633 in Dünamünde geboren, in Merchingen erzogen besuchte er in Tauberbischofsheim und in Mannheim das Gymnasium. Schon damalserst recht aber während seines Studiums in Berlin, Königsberg, Würzburg und Marburg, wstritt er feinen Lebensunterhalt durch den karge« Entgelt privater Unterrichtsiäligkeit und unterstützte von diesem noch einen gleich'alts schon verstorbenen Bruder. Ein tückisches Leiden, das ihn seit der Königsberger Zeit nicht mehr verliest und an seiner Lebenrklafr zehrte, hinderte ihn nicht, mit eiserner Energie «rc>tz aller notwendig gewordenen langen Unterbrechungen, sein Studium zu vollenden und znar mit einer Lisiertation (Matmonides zu Tnanith), die unter vielen ähnlichen Arbeiten hervorragt. Später war er.dann in Leipzig und Mannheim als Lehrer tä ig, bis er wiederum erkrankte. Dann zog er nach Soden, wo er sich vermählte 'und das dortige Erholungsheim Aspira gründete und leitete, bis ihn nun ferne tückische Kronkdeit von neuem rötlich lnfiel. Wer ihn in dieser Sodener Zeit gesehen und sein Heim kennen gelernt hat, hat nicht nur körperliche Heilung gefunden, sondern ist auch geistig an der Seelen>uhe und aufrechten, riefen Religiosität des Verstorbenen selber see.isch genesen. Wen er in seinen „Heilung^ raumG wie er seinen Seforimschrauk bekannte, einblicken lasten und wen er jüdisch-wissenschaftlicher oder auch politischer Aussprache gewürdigt hat, der hat gemerkt, welchselien umfastender und abgeklärter Geist dort gewaltet hat. Keiner seiner Gäste hat in ihm etwa nur den Besitzer des Heims geiehen,- jeder von ihnen hat sich glücklich geschätzt, wenn er — und so tat er es mit Jedem — ihn in seiner persönlichen Jmerkfsentvelt wledersand. Er war aus dem Rabbiner stände hervo» gegangen und konnte nicht trotzdem, sondern ebendeshalb, aufgrund seiner Eigenschaft als zum unwillkürlichen Lehren und Segnen vesähigter und stets bereiter Mann seii Erholungsh' im leiten. Gesundheitlich gestärkt und seelisch erfrischt ist man von ihm gegangen; verklärt und tm segnenden Gedenken Aller acht er von uns. So fühlen wir uns alle in den hilflosen Schmerz seiner Witwe und zwei kleinen Kindern versetzt. Aus allen Richtungen waren Verwandte und Freunde zur Bestattung geeilt. Auch die fernbleiven mutzten, wahren ihm ewig ein ehrendes Gedenken. n"ü:n. Frankfurt a M, 24. Jan. Der älteste Sohn des unvergeßlichen Fuldaer Raws 7"it7, Dr. Meier Eahn, der seit einigen Jahren die neugegründete Kölner Jawne-Sckule erfolgreich leitete, ist heute früh im hiesigen Jüdischen Krankenhause als Opfer einer Grtppeerkrankung plötzlich und unerwariei dahingeschieden. Den Heimgegangenen, besten Persönlichkeit eingehende Würdigung verdient, beweinen eine junge Gatrin und zwei kleine Minder. Birsteln, 23. Jan. Nach nur eintägigem Krankenlager verschied ganz plötzlich und unerwartet He,r Jonathan Lorsch. Vor etwa 40 Jahren hatte er sich an unserem Platze niedergelasten und in gleichem Streben mit seiner Gattin st M, ein echt jüdisches Haus gegründet. Durch fein offenes, biederes Wesen errang er. sich schnell die Achtung der Gemeinde, die ihn zumi Vorsteher wählte. Es ist unmöglich in diesen knappen Zeilen zu schi dsrn, wie er "N2L »snita psw ftüöJO war. Man mast ibn selbst gesehen haben, wenn er Kranke aufsuchte und ibnen Mut und Trost zusprach, oder wenn er verschämte Bedürftige unterstützte. Seine Hauplsorge aber war stets die Instandhaltung des Friedhof). H er hat er Großes geleistet; da war ihm kein Gang zuviel, kein Weg zu weit. Nun ruht er selbst an dieser Stätte, für die er im Leben soviel getan hat. Ein großes Trauergefalge, wie wir es seit Jahren hier nicht mehr erlebt haben, zeugte von der Achtung und der Liebe, die er überall genoß. Auch aus der nichijüdi'chen Vevölke>ung konnte man viele im Gefolge bemerken. Am Grabe sprach Herr Lehrer Levt im Namen der Gemeinde und Herr Solomon Adler für die Familie und zeichneten das Bild des Verstorbenen. SKn Goltvertraucn, das ihn die vielen herben Schicksalsschläge seines Levens stets überwinden liest, möge sich auch bei den Hinterbliebenen bewähren und ihnen Trost spenden, n ssun. Vevey, 1. Jan. Aus dem jüdischen Friedhof in Lausanne wurde der Famstiengrabsteln d?6 hier unvergeßlichen und in allen Kreisen geschätzten Jacques S irn,ann st Lr errichtet. Der so jung Verblichene bat Grostes und Nützliches fürs Judentum und seine Nobenmenschen gewirkt Erst noch seinem Tode erfuhr man, wie er als liebevoller F e«nd aller Leidenden und treuer Ratgeber aller Bedrückien oft 10 bis 15.000 Franken tm Stillen gelieben, um ihnen zu einem Broterwerb zu verhelfen. Als während des Krieges die Jomkippurkerzen trotz schwerem Gelde fast nicht zu bekommen waren, da liest der Verblichene es sich nicht nehmen, trotz großer Unkosten eine Kiste dieser Kerzen zu verschaffen, die er dem Religionslehrer Bondy in Vevey übermittelte, nm sie während der hohen Feiertag zur Vörh'rrlichunq des GoueLdlenstes anzuzür den. Nach der üblichen Zeremon-e seitens des Herrn Kanior Lehmann in Lausanne, nahni Herr Th. Grün bach aus Vevey das Wort, der es verstand in einer herzlichen Ansprache treuen Gedenkens ein wahres Lebensbild des so früh Entristenen und alles Nützliche, was er als Mitgründer der Kuliusgemetnde Vevey und des hier zustande kommenden Talmud Thora-Vereins gewirkt hat, zu schildern. Vermischtes. Bad Harzburg. 8. Jan, Eine große Anzahl wohl gegen 50 Damen und Herren, hauen sich im altbekannten Hotel Parkhaus am letzten Ehanukaabend bei»» Scheine der acht Lichtlein zusammengefunden zu einer erhebenden Feier. Vo> träge ernster und heilerer Art umrahmten dieselbe. Was Küche und Keller boten, wurde ln gewohnt vorzüglicher Weise den Gästen gereicht, wodurch die Stimmung nur erhöht wurde. Eine amerikanische Versteigerung, zu der F äuiein Alice Hecht eine Jla'che Champagner ge'pendet hatte, brachte für die Waisenkinder der Ukraine die stattliche Summe von 3000 Mark. Wahrlich ein schönes Zeichen für die Freigebigkeit der Teilnehmer. In anregender Weise blieb man bei gemütlichem Spiel und Tanz zusammen und so gelangte auch die Jugend zu ihiem vollen Recht. Dieser Abend wird bei allen ein angenehmes Bild der Erinnerung zurückiaffen, bis wieder einmal im Parkhaus solch schöne Stunden in den wunderbaren Räumen, winken. Berlin, 1. Jan. Zur Förderung des Studiums begabter Söhne minderbemittelter Eltern hat der Bankier Hugo I. Herzfeld in Berlin dem Reichspräsidenten einen Betrag von zunächst 5 Millionen Mark mit der Zusicherung zur Verfügung gestellt, auch in den kommenden Jahren wei-ere größere Summen zu demselben Zwecke zu überweisen. Der Neichsp ästdent hat diese Stiftung entgegengenommen und bestimnit, daß die überwiesenen und künftig noch eingehenden Beträge unter dem Namen „Deutsche Studentenhilfc (pugo I. Hergsild-Stifrung") dazu verwandt werden sollen, beyabterr Söhnen minderbemittelter reichsdeutscher Eltern aus allen Teilen Deutschlands, insbesondere begabten Söhnen von Arbeitern, Angestellten, Beamten, früheren und jetzigen Unteroffizieren und Offizieren, ohne Unterschied der Partei das Studium an deutschen Hochschulen zu ermöglichen. Vrieskasten. Angesichts der enormen Porto Erhöhung werden wir in größerem Ausmaße als disher, die uns zugehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht beiliegt, auf dem W ge des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragenden also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die B r ieskaft en- R ub r i k beachten zu wollen. W. K in Wien l. Wir sind vertragsmäßig verpflichtet, Hirsch Pentateuch zum ermäßigten Preise lediglich an Abonnenten zu liefern, können also Ihrem Wunsche zu unserem Bedauern nicht entsprechen. Der Abonnernentspreis betragt für dort 23 Reichsmark vierteljährlich. 26 Januar 1022 Eine Mahnung n a ch B erlitt. Mit Bezug aus die unter dieser Ueberschrift tm Sprechsaal der Rr, * veröffentlichte Notiz, bitten wir den Herrn Einsender,, feine Adresse dem Vorstand der Israelitischen Religwnsgemeinde in Dresden bekannt zu geben, der sich far die Angelegenheit interessiert. N. L, Kowno-Slobotko. Die Nr. 1 unseres Blattes ist fast gänzlich vergriffen. Wir können Ihnen daher leider nur noch ein Exemplar zur Verfügung stellen, das Ihnen gleichzeitig zügelst. D. St., Ludwigshafen. Das Inserat konnte noch nicht erscheinen, wett zunächst das von Ihnen vorgeschrtebene Ciisch^ angefertigt werden mußte. Sie finden es nunmehr in der heutigen Ausgabe. I. W. in Bamberg. Erwähntes Buch bisher nicht eingegangen. I I. Chrzanows, Krakowska Bon Lehmanns Volksvüchecet find nur noch ganz wenige Heftchen vorrätig, die meisten sind vergriffen. Lehrer I. Bin Nürnberg. Gewünschte Nr. 2 ging Ihnen zu. Abonnement ab 1. April vo>gemerkt. Frankfurter Berichte. Rabbiner Dr. A. A Rodel T'üt. : In den frühen Morgenstunden des 24. Teweth biivd'- i:re die erschütternde Kunde unsere Siaal, das; der tonjeioarioe Rabbiner der Israelitischen Gemeinde. Herr Tr. N. $1. N vbei, in kaum boliendetem 50 Lebensjahre ploch ich abbernfen iiuirocn »ci. Wohl wusste man in weiteren Kreisen seit Jahren, das; ein schweres Leiden am Lebensmark des rüstig schassenden Mannes zehre, aber niemand hatte mit einem '" jähen traurigen Ende gerechnet, Noch am Samstag-Abend hatte der Heimgegangene einen seiner diel besuchten Vortlage gehalten und war, soviel bekannt, auch am Sonntag noch seinen Amtsps.ichteri nachgegangen, soönij es wie ein Blitzstrahl ans heiterem Himmel wirkte, als »IN Lause tue wiviuaa oie XL"Np" ui oav Haus am Börnevlatz berufen wurde. Nun trauern Gattin und einzige Tochter a»n Grabe des Jünfzigjährtgen. .stii Tr. -Nobel ist eine der martantesten Persörnich-- keiiert des zeitgenöjsischen deutschen Jndeutnms dahtnaegangen. Als Lohn des »nbergeisticheu Haiberstädler Klansrabbiners Josef ')l obel st, t ät e er vom Varer nicht nur eine hohe geistige Begabung, sondern auch das Ltreben nach Philosophischer Vertiefnng der religiösen Ideen des Judentums und den Lchionng einer bon starker Glitt aes Empfindens durchdrungenen sprachlichen Tiktion ererbt. Während der Vater mit den Grundgedanken, ja den b-.'stt'minenden Tendenzen/ seines literarischen Schassens im weseiltlichen an S. R. Hirsch st -.t anfniipfte, dem „Eharirew" seinen ,,Hermon'" und ,,Thabor" zugeiellie, und sich sein Leben lang stolz aiS „Hirsch-Forscher" bezeichnete, führte den Sohn Studium' und Neigung zur k.assischen deutschen P'hiivsovhie, in die er tief eingedrintgen!var, nrrd deren geistige Schütze er mit der Gedankenwelt der midraschischen Ägada zu oersöhnen und zu verklären bestrebt tvar. Ihr hatte er auch die seinen Vorträgen and Aufsätzen eigene, oft bezaubernde Jormschönheit zu danken, die ihm zwar den Lorbeer des eigentlichen Bolksredners raubte, seine Predigten aber siir literarisch auspruchsvoUere Kreise ztr auserlesenen Genüssen gestaltete. Daneben hat Dr. Nobel gern und überaus skeistig „gelernt", so das; er sich bei seinem guten Gedächtnis ein für Deutschland beträchtliches tatmudisches Wissen angeeignet hatte und sicherlich, wäre ihm ein längeres Leben beschieaen steivcsen, auch aus dem Gebiete der eigentlichen jüdischen Wissenschaft Bedeutendes hätte leisten können. Die rabbinische Wirksamkeit führte den Heimgegangenen, nachdem er am Berliner Rabbinerserninar feine Studien vollendet hatte, nach Königsberg, C ö i n Leipzig und Hamburg, wo er als zweiter Rabbiner des SY n a g o g e n o e rb a n de s sich einen großen Kreis von Verehrern und Freunden schuf. Allein erst die Berufung nach Frankfurt aus den Rabbinatssitz bon Tr. Markus H o r v w i y st"^r st llte Nobel in die vorderste Reihe des g e m e i n d e p v l i - t i ,'"ch c n Lebens mit seinen unvermeidlichen Berwickinngen und Kämpfen, die der feiner Natur nach durchaus nicht besonders aktive Forscher und Denker sicherlich alö quälenden Schmerz elnpsnuden hat. Allein er hatte einmal gewählt und ist so zum Exponenten einer Entwicklung geworden, die wir unsererseits nicht als heilvolk für Erkenntnis und praktische Anerkennung der eindeutigen Thorawahrheit im Kreise des jüdischen Volkes betrachten können. Als Vorsitzender des „Allgemeinen Rabbincrverb a n d s", führendes Mitglied des „M i S r a ch i" und fast aller religiös neutralen Verbände, noch mehr aber in seiner amtlichen Wirksamkeit als Gemeinderabbiner war er durchaus von dem Bestreben geleitet, den Gegensatz zwischen oem, wnS einein S. R. Hirschst L» wie I a und sti ein, wie Wahrheit und L ü g e erschien, in einen blvßert N üan c e n - Un t ers ch ied au; gemeinsamem geistigen Grunde auszulösen, und er war in der Tat zu dieser Mission berniöge der inneren Problematik seines religionSphilosophischen und

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