Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1922)
- Date
- 1922-01-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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ß t 5 t i t x.ä Hrtts Z. Nr. 1_^ „Nein." „Halten 'Sie es für besser, daß 1000 Chäluzim, welche die Thora nicht halten, nach P-alästina kommen, oder in der Diaspora bleiben."? Hieraus Rabbiner Baf: „Besser, sie bleiben zuhause." Der „Hator" legt diesen Bericht Robb. Kuk vor und druckt nun ein Schreiben von Rabb. Kuk ab, worin derselbe erklärt, daß er zwar Dr. Chrnraun gegenüber geäußert habe, dag sowohl der Zionismus wie der Misrachi noch viel der Korrektur bedürften, daß aber diese Korrektur eben durch die Hilfe des gesamten Volkes zu erreichen sei, nicht durch Kritik und Kampf, sondern vor allem durch gegenseitige Brüderlichkeit und Achtung, sowie durch das Hineintragen oes Heiligkeitscharakters Palästinas mitten in die allgemeine Volksverbirrdung. Ms Organ hierfür sei besonders die (von Rabbiner Kuk gegründete) Organisation „Tegel Jornscholajim" zu empfehlen, und rvas die Immigration anbelangt, so erblicke er in ihr trotz mancher von beit Heiligtümern Jrsroels entfernter Immigranten den Anfang der Geula, weil doch schließlich die. sichere Hoffnung besteht, daß die jüdischen Jdvale, welche der jüdischen Seele angeboren seien, im Lande siegen tuerbeit. Es sei deshalb heilige Pflicht, mit allen Kräften am Aufbau des Landes milzuarbeiten. — An diesen Brief von Rabbiner Kuk knüpft der „Hator" die Bemerkung an, daß, daraus ersichtlich sei, wie tvenig man sich auf die Wahrheitsliebe der Aguda und ihrer Delegierten verlassen könnte. Hierzu ist zu bemerken, daß am Schlüsse des Bortrages von Dr. Ehrmaun ein misrachistischer Diskussionsredner dem Referenten den Vorwurf machte, daß. er Rabbiner Knf in seinev Rede uicht erwähnt habe. 'Das ganze Gespräch, welches von „Hator" Rabbiner Kuk znge schrieben wird, har zwar Dr. Ehrmaun wohl berichtet, a b e r als ein Gespräch, daß er milden ü b r i - gen aschkenasifchen Mitgliedern des Misra Harabonnt führte. Um die ganze objektive Unwahrheit des Berichtes des Züricher Berichterstatters zu dakumcntieren, geben wir den Wortlaut eines Brieses wieder, welchen die .Herren Rabbiner Dr. Lewenftein und Kornfein auf eine diesbezügliche Anfrage als kompetente Hörer des Vortrages gaben. Zürich, 1. Debet 5682. Herrn Dr. Ehrmaun, Frankfurt n. M! In Beantwortung Ihrer geschätzten Zeilen bestickigen wir Ihnen, 1., daß Sie in Ihren: hiesigen Bortrage: mrss wärmste für die Besiedelung und den Ausbau Palästinas eingetrcten sind: 2. daß Sie in Jhreni eigentlichen Vorträge Herrn Lberrabbiner Kuck überhaupt nicht erwähnt haben: 3. daß Sie in Ihrem Schlußwort lediglich erklärten, daß auch Herr Oberrabbiner Kuck »'it tiefer Wehmut das unreligiöse Verhalten von Chaluzim verurteilte und zum Beweis dessen einige Stellen aus seiner jüngsten Broschüre wörtlich r. o r! a s e n. Mit vorzügl. Wertschätzttng! gez. Rabbiner Dr. L e w e n st e i rr, goz. Rabbiner A. K o r n f e i n. Es dürfte unseren Leserkreis interessieren, das in obigem Briefe erwähnte Citat kennen zu lernen. Es ist der Broschüre „Pize Ohew" von Rabbiner Kük entnommen und lautet iit wörtlicher Uebersetzung: „Brüder, höret aus die Worte der Wahrheit, die aus eineni zerbrochenen .Herzen eines treuen Freundes konlmen. Werdet Ihr nicht zngestehen, daß d^' Barl der Nation in ihrem Lande zu mindest auch auf den ihr eigentümlichen Geist gegründet ist? Uns wenn der Geist entflohen ist, wo ist dann das Fundament für alle materielle Tätigkeit? Wenn die Seele krank ist, wie könnte dann der Körper gesuno sein? , Welcher Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit erfüllt doch unser gesellschaftliches Leben! Haben wir denn in Wahrheit keine andere Ausgabe und kein anderes Muster für Erez-Iisroel als Me Einführung aller schlechten Sitten der anderen Völker? Fehlt uns denn nichts in unseren Tagen als Tanz und Kino? Müssen unsere Frauen die nnheiligeu Moden Europas in unser heiliges Land einjührcn? Muß unser jüdischer Tisch durch Treso-Essen öffentlich entweiht werden? Wo ist die Grenze, und wo kann noch jüdischer Geist bestehen?" „Wie tonnten wir uns alle verbinden in Brüderlichkeit, wenn ihr die grundlegenden Fundamente desjenigen Geistes zerstört, welcher die jüdische Nation eint? Nach welcher Art kann unsere Nation eine Einheit bilden, wenn ihr selbst das Gift der Trennung, welches zu Bruderhaß und Resignation führen muß, in die Nation hineinträufelt. Es ist wahr, daß nur eine Minorität der Bewohner von Erez Iisroel au alle den oben geschilderten Ausschweifungen teilniinmt. Aber müssen wir nicht alle in die Bresche treten, um dieser Minorität^darzntun, daß sie unsere G e s a m t h e i t mit S ch a n d e und Schmach bedeckt e." Soweit Rabbiner Kuk, der bewußt oder unbewußt mit diesen Ausführungen wohl den besten Beweis dafür liefert, daß Agndas-Jisrocl in ihrem Bestreben den jüdischen Volkskörper und jüdischen Volksgeist nicht von einander zu trennen, durch die Wucht der Tatsachen auch überall da 'Anerkennung finden wird, wo sie ihr bisher versagt blieb. Nachdem wir auch dem „Hator" eine Berichtigung eingeyarrdt haben, hoffen wir, daß er seine irreführenden Behauptungen znrücknimmt. II. Ter „neugierige" Agudist. Ein Beitrag zur Taktik der Frankfurter „Neuen Jüdischen Presse". Leser der Frankfurter „Neuen Jüdischen Presse" werden kopsschüttelnd die unter dem Kennwort „Agudist" in Nr. 49 vom 29. Dezember vorigen Jahres erschienene Briefk a stennotiz gelesen haben. Sollte der neu¬ 19. Januar 1922 gierige,Frager, dem dort geantworte wird, sich -wirklich nur darauf beschränkt haben, die Redaktion der genannten Zeitschrift um Au ^ärunc darüber zu ersuchen, warum die Rede d. ) Klau senbnrger Naiv gegen Agudas' Ji-roel rorösfentlicht worden war? Sollte er nicht - wenigstens in gedrängtester Kürze — seine, in der traurigen Zeit permanenten Bruderkampfes etwas ungewöhnliche Anfrage durch Mitteilung irgend einer wesentlichen Tatsache begründet haben? Der Leser der Brieffastennotiz in der Frankfurter „Neuen Jüdischen Presse" wird vergebens in der Antwort der Redaktion die Aufklärung dieser sich ihm aufdrängenden Schwierigkeiten suchen; sie wird ihm vorenthalten; und da muß er denn den Agudisten, dem da geantwortet wird, für einen recht naiven Burschen halten. Ja, um des Himmels willen, warum sollte die Rede denn eigentlich nicht veröffentlicht werden? Dazu noch in einem ausgesprochen zionistischen Organ! Der Klausenburger Raw ist doch wahrlich nicht der erste Beste, er ist ein Gaon, seine Rede ist vor Hunderten gehalten^wordeu nsw. Ist etwas gegen sie zu sagen, so möge es Agudas Iisroel gefälligst selbst tun. — Die Frankfurter „Neue Jüdische Presse" scheint nicht zu begreifen, daß die jüdische Presse, gleichviel welcher Richtung, zunächst einmal die Pflicht hat, der ungeschminkten Wahrheit zu dienen, selbst dann, wenn es einmal gegen die Partei geht. Hier der Tatbestand.' In Nr. 48 der Frankfurter „Neuen Jüdischen Presse" ist eine Rede des Klausenburgser Raw, Moses Glaßne'r, zum Abdruck gebracht, die da anhebt: „Die Aguda hat es zuwege gebracht, bei der englischen Regierung die Vertretung des Judentums für sich zu reklamieren mit der Begründung, daß ^sie als thoratrenes Judentum die religiösen Fragen nicht einer angeblichen Minorität zur Beantwortung überlassen könne!" Es folgen auf Grund dieser tatsächlichen und der ebenso wenig zutreffenden Behauptung, die Aguda beanspruche die Vertretung des gesamten jüdischen Volkes für sich, Angriffe gegen Agudas Iisroel von einer Schärfe, die wohl alles bisher dageweseue — wenigstens aus rabblnischem Munde — so z. B. die ebenso ungeheuerliche wie lächerliche Anklage: „Die Aguda zeige sich bereit, mitdemenglischen Volke gegen das eigene Volk ein B ii n d n i s zu schließen — übertreffen. Schreiber dieser Zeilen sah sich daraufhin veranlaßt, dein Redakteur der „Neuen Jüdischen Presse" folgende Anfrage zur Veröffentlichung zu übergeben: Reue Agui>o-Literalur. Ter Zusammenschluß der Bekenner des einzigen, historischen von den Vätern überlieferten Judentums, der sich durch Agudas Iisroel in der ganzen Diaspora und in Erez Iisroel vollzieht, drängt die wahlverivaudteu Gleichgesinnten dazu, in allen Richtungen der Windrose ihre Gedanken und Gefühle in eigenen Presseorganen niederzulegen und über ihre Wünsche, Hoffnungen und Sorgen die jüdische Oeffe ichkeit zu unterrichteri, über ihre Ziele zu best 'en, ihren Führern eine Tribüne zu schaffen, ihre Gleichgültigen zu weckeil, ihren Gegnern zu antworten. Und so gibt cs keinen besseren Maßstab für die wachsende Anerkennung der Agudoidee als die, nicht etwa von der Zentrale veranlaßt, sondern aus einem inneren Drang der Landesorganisationen heraus stets wachsende Zahl der Agudoorgane. Unsere heilige Sprache hat für Wort und Tat eine und dieselbe Bezeichnung Ihr ist das bloße gesprochene Wort eine Tat rWüb 'IN IVfitf fiÖW Das durch die Schrift fixierte und durch den Druck veröffentlichte Wort ist jedoch eine Großtat, dessen Segen und Fluch bringende Macht sich jeder Schätzung entzieht. Besonders bedeutsam ist aber die periodisch erscheinende Presse der einzelnen Landesverbände bei einer Organisation von der eigenartigen Struktur der Agudas Iisroel, zu deren vornehmsten Zielen ja das gegenseitige Verständnis der Gleichgesinnten untereinander ge-° hört. Anders ist die politische und kulturelle Einstellung der Orthodoxie des Ostens wie der des Westens, andere Erziehungsmethoden waren hier und dort von Nöten, anders aber auch ist die seelische Veranlagung des chassidischen Juden in Polen und des mi'snagdischen Juden irr Litauen, des Mitgliedes einer tschechoslowakischen Orthodoxengemeinde und einer Bayerischen Land-. gemeir.de; die von allen diesen wertvollen Gliedern der Gesamtorganisation gewünschte Einheitlichkeit in der Unterstellung unter das Gottcsgesetz wird aber wesentlich gefördert durch oie Kenntnis der Psyche mib Sondergebiete der einzelnen Länder, und darum ist die Lektüre der Organe der einzelnen Landesverbände selber eine agrrdistlsche Notwendigkeit, die vor allem eine hingebungsvolle Pflege in den Jugendgruppen finden dürfte, welche ihrer ganzen Struktur nach heute erfreulicherweise mehr und mehr die Träger des Gedankens eure Ueberbrückung aller provinziellen Schranken geworden find. Es ist daher auch ckMakteristisch, daß vor Men die Jugend-, o r g a n i s a t i o n e n es sind, welche durch Gründung von Agudo-Organen in Erez Jisroel, in Polen, in Litauen, in Czechoslowakei begründete Hoffnungen auf die Zukunft der Agudo innerhalb dieser Jugend erwecken. Wir geben im Folgenden einen kurzen Ueberblick über die neuen Erscheinungen und möchten dabei der Hoffnnrm Ausdruck geben, daß unsere Gruppen mehr als bisher die gesinnungsgenöffischen Schriften zum Gegenstand ihrer Lektüre machen. Von unserem jüngsten Agudoorgane dem Jerusalemer „Kol Israel"' ist soeben das dritte Heft erschienen, welches wiederum die erste Hälfte seiner 50 Seiten den Chidusche Thora widmet, die von berufenster Seite hier niedergelegt find u. a. von dem. seit kurzem in Jerusalem wohnende R. Salmon Sender Sp i r a (einer der hervorragendsten litauischen Gedaulim, Vater des jetzigen Kownoer Rabbiners) über ein schweres Tosnphot in maiD Ä 2, einer Abhandlung über rnjwn nana von dem Rabbiner JysephJsidor H a l e w i, dem geistigen Oberhaupt der in Jerusalem wohnenden Ehalasim (die ans Aleppo stammenden Juden, welche nebenbei bemerkt, sich fast ausschließlich der Agudas Iisroel angeschlossen haben), eine halachische Erörterung über den Begrif, der Verdrängung eines Gebotes bei Lebensgefahr von Rabbiner Tukazinski, dem verdienstvollen Leiter der größten Jerusalemer Jeschiwa Ez Chajim.' Neben diesen Thoragrößen kommen aber auch Jünger zu Worte. Ein Besucher der Warschauer