Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1922)
- Date
- 1922-01-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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iS. Hanuac IM 2. Sehr geehrter Herr Redakteur? In Nr. 48 Ihres gesch. Blattes dom 22. Dezember haben Sie unter der Ueberschrist: „Line Kritik der Agudas Jisroel" den Auszug einer Rede veröffentlicht, die der Klausenburger Oberrabbiner Glaßner auf dem Deiegiectentag der Ziottisten Siebenbürgens gehalten hat. Es steht mir nicht zu, auf die ungeheuerlichen Angriffe, die in dieser Rede gegen Agudas Jisroel unternommen werden, zu antworten. Jeder Unterrichtete erkennt aus den ersten Blick, daß der Rabbi das Opfer gewissenloser Fälscher geworden ist. Dagegen ist es unr ein Bedürfnis, an ^Ste, sehr geehrter Herr Redakteur, in alter Oeffenklichkeit die ganz ergebene Anfrage zu richten, welche Gründe Sie bewogen haben, dieser Rede, von der Sie wissen mußten, daß sie auf falschen Voraussetzungen fußte, ohne Kommentar Raum in Ihrem gesch. Blatte zu geben. Es kann Ihnen unmöglich unbekannt geblieben sein, daß Agudas Jisroel sowohl in Wien als auch in London nichts anderes beschlossen, nichts anderes gefordert hat, als auch, neben andern, im Mandatsentwurs bereits genannten Organisationen, in der Jewish Agench vertreten zu sein. Sie mußten weiter wissen, daß nirgends auch nur der leiseste Anhaltspunkt gegeben ist, aus Grund dessen eine „Begründung der angeblichen Forderung" behanptet werden kann, wie dies in der Rede des Klaujenburger Rabbi geschehen ist. Warn«' haben Sie vor Veröffentlichung seiner Rede den Klansenburger Naiv ttu-tit darüber aufgeklärt, daß er das Opfer gewissenloser Fälscher geworden war und ihm dadurch'Gelegenheit gegeben, seine Rede selbst zu dementieren? Ich glaube, daß über die religiousgesetzliche Pflicht zu dieser Aufktnrung kein Wort zu verlieren ist. Waren Stc selbst trotz unzähliger, dokumentarischen Wert tragender Veröffentlichungen und Richtigstellungen Ihrer Sache nicht mehr sicher, warum haben Sie, vor Veröffentlichung solch ungeheuerlicher Anklagen, die Hunderte und Tausende bewährter Männer öffentlich des schwersten Verbrechens, des Verrats am jüdischen Volke bezichtigen, nicht das Telefon in Bewegung gefetzt, nur sich hier in Frankfurt die sicher und authentisch zu erlangende Gewißheit zu berschassen? Ich zweifle nicht daran, daß Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, das Bedürfnis haben perden, diese kurzen Anfragen, die ich im Interesse der Reinhaltung der jüdischen Presse an Sie richte, erschöpfend zu beantworten. In dieser Erwartung zeichne ich aut der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung Ihr Ihnen sehr ergebener Heinrich Eiseniann. Darauf murbc. mir folgende Antwort'. Sehr geehrter Herr Eisemann! Ich bin kein Gegner der Aguda und fx'eite mich, wenn ich Günstiges über ihr Wirken berichten kann. Einen Sprcchsaalartitel, wie Sie ihn mir sandten, wird keine Redaktion annehmen, denn er enthält nur eine Kritik der Redaktion, und man kann sich doch in seincu eigenen Spalten nicht di L'>. o; lesen lassen. Eine sachliche Entgegw >! Kritik der Redaktion nehme ich gerne an. ■)üv Sache! Hinsichtlich der Aeußerung des Ll malbmers Glaßner handelt es sich nicht n», cu5.; vereinzelte Meinung, sondern um eine An- „Meisia" bringt Beiträge zu diesem Teil, der im übrigen vori Schülern des Api rjo n («Oberkiasse der Pekidimschnlen), der Talmud Thora E z C h a j i m, des D iskinsche n Waisenhauses, und der Talmud Thora in T iberia s ausgefüllt wirb. Glücklich die Jngendgruppe, die solche Mitarbeiter zu den ihrigen zählt; daß aber die Jerusalemer Jugend auch wohl versteht, daß es für die Agudo Lebensfrage ist, zu den außerhalb der „vier Ellen der Halacha" liegenden Probleme Stellung! zu nehmen, beweise der zweite Teil der reichhaltigen Monatsschrift, ivelcher von den „Zeitfragen" handelt und zunächst in ergreifender Weise die Borgänge des 2. Novembpr in Jerusalem in ihrer erschütternden Wirkung auf die jüdische Bevölkerung darstellt, tun im Zusammenhang damit die Gerichtsurteile über die jüdischen Verteidiger der Altstadt einer zwar scharfen, aber durchaus gerechten Kritik zu unterziehen. Der übrige Teil dieser Rubrik ist einer hochinteressanten Darstellung der jüdi f ch e n S ch n .1 e n in Palästina imb insbesondere der Abwehr der misrachistischen Tätigkeit für dieselbe gewidmet; Veranlassung hierzu bildet vor allem die Neugründung der misrachistischen Talmud-Thora-Tachkemoni, welche voll keinem der in Jerusalem amtierenden Rabbiner gutgeheißen wurde, aber nicht rrur vom Rabbiner Ch. Sonnenfeld, sondern ebenso vom Rabbiner Tnkaschnunng, die man in weiten Kreisen der Ncchtagudisten hegt. Das kommt daher, lvenn man Politik treibt!. Cs folgen -Ausführungen persönlicher Natur, die mit der Sache nichts zu tun haben. Ihr ergebener Snly Geis. Ich antwortete darauf: Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben meine Anfrage richtig verstanden. Es handelte sich.für mich keinen Augenblick um die Eröffnung einerÄussprache über Wert oder Unwert der von der Leitung von Agudas Jisroel für richtig gehaltenen Schritte; die Erfahrungen der letzten Jahre haben leider zur Genüge erwiesen, daß solche Aussprachen zwecklos sind und ich hielt daher Ihre und meine Zeit für zu kostbar, um hundertfach, Wiederholtes aufs Neue vor die Oefsentlichkeit zu zerren — zum Gaudium gemeinsamer Gegner. Wie Sie ganz richtig erkannten, handelte und handelt es sich für mich um eine Anfrage an den Redakteur. Ihrer Auffassung, eine Redaktion könne sich in den eigenen Spalten nicht die Leviten lesen lassen, bedauere ich auf Grund langjähriger Kenntnis journalistischer Gepflogenheiten leioer nicht verpflichten zu können. Ter angesragten oder — sagen Sie, wenn Sie wollen — angegriffenen Redaktion ist ja weitester Spielraum zur Entkräftung der Anklage nach eigenstem Ermessen gegeben unb ich möchte d i e Redaktion sehen, die nicht gerne die Gelegenheit wahrnähme, einen gegen sie erhobenen Vorwurs zu widerlegen. Sehr geehrter Herr Redakteur! Reden wir einmal deutsch — oder gut jüdisch. In dem von mir angesragten Falt handelt es sich weder um weiterverbreitete Meinungen oder gar Anschauungen; auf dem Gebiete des Tatsächlichen gibt es nur zwei eindeutige Begriffe: Wahrheit oder Lüge. In Ihren: Blatte hat die Lüge eine Stätte gefunden, die infame niederträchtige Lüge, die die Ehre Tausender in den Schmutz zieht; da gilt kein Ausweichen. Ich wollte und will Ihnen die Gelegenheit geben, an die Stelle der Lüge die Wahrheit zu setzen. Wußten Sie es bis jetzt nicht, so haben Sic es heute durch einen der Unterrichteten erfahren, daß cs sich um Lüge handelt. Ich bitte Sie herzlichst, diese Auskü'rung nicht von sich zu weisen. Ich würde es außerordentlich bedauern, wenn Sie mir die Gastfreundschaft, um die ich erneut bitte, endgiltig versagen sollten und mich dadurch zwingen würden — dies soll wahrhaftig keine Drohung sein — sie anderweitig in Anspruch zu nehmen. gez. Heinr. Eisemann. Die Redaktion beantwortete dieses Schreiben am W. Dez. wie folgt: Sehr geehrter Herr Eifenlann! Ihre Anschuldigung, ich habe »reine Zeitung zu einer Ablagerungsstätte für eine infame, niederträchtige Lüge gemacht, hat mich sehr verletzt. Warum ich die Rede aufnahm, darüber werde ich in der nächsten Nummer meiner Zeitung Aufklärung geben, womit sich dann auch Ihr Sprechsaalartikel, der mir in der Form zu weit geht, erübrigt. Welcher Art die versprochene Aufklärung war, haben die Leser ans der oßeit gekennzeichneten Brieskastennotiz gesehen. Ein lveiterer Kommentar erübrigt sich; doch möcf>tcn wir nicht zinski, Rabbiner Rubin u. a. in. aufs schärfste bekämest wurde. Wir werden noch Gelegenheit nehmen, alt anderer Stelle die im „Doar hajom" erschieneneir bezüglichen offenen Briese .all die Leitung des misrachistischen 'Schulwesens zu veröffentlichen. Mit einem Nachruf über beit verstorbenen, hervorragenden Talmid Chochom R. Akiba Porusch und Nachrichten Wer die Agudatätigkeit in Palästina, und einem Aufsatz über Erziehungsfragen von setz h a r d i s ch e r Seite schließt die Chanuckanumnrer des „Kol Jisroel" (welche noch in beschränkter Zahl von dem Verlag! der „Blätter" zu beziehen ist.) Ebenfalls Erez Jisroel gewidmet und von einem Palästinenser — dem in Wien iveilenden Herrn L. Kahane aus Safed — größtenteils geschrieben ist, die im Verlag der Wiener Jugend gruppe erschienen, hebräisch geschriebene Broschüre „Ag u d a s Jisroel und Erez Iis - r o e l". Wir möchten die Lektüre dieser gediegenen Broschüre vor allein denjenigen empfehlen, welche noch nicht im klaren darüber sind, welche eminente Aufgaben in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht in Erez Jisroel zu leisten sind. Neben den historischen Betrachtungen bringt Kahane auch wertvolles Gegenwartsmaterial, Nr. 1. Seste 3. versäumen, die im Briefe vom 24. Dezember v. Js. an die Frankfurter Redaktion gerichteten Anfragen, hiermit auch au die Redaktion der Berliner „Jüdischen Presse" zu richten, die mittlerweile die gleiche Rede veröffentlicht hat. III. Ein Trost für den Jabotinsky- Skandal In dem begreiflichen Wunsche, auch in der Agudas Jisroel ein ebensolch politisches enfant terrible, wie die zionistische Organisation es in Jabotinsky besitzt, zu schaffen, wird Professor De Haan in Jerusalem, welcher einen freundlichen Brief an General Störs geschrieben haben soll, von der zionistischen Presse znm zweiten Vorsitzenden der Agudas Jisroel ernannt. Das stimmt nicht. Professor De Haan gehört zwar auch der Aguda an, ebenso wie eine Zahl der Kaufleute, welche gegen Storr protestierten, nur mit dem Unterschiede, daß, Professor De Haan wohl das einzige Mitglied der Jerusalemer Aguda ist, welchesgleichzeitig — — der m i s' r a ch! i st i s ch e n jOrganisation Mitgliedsbeitrag entrichtet. Die Verantwortung für seine Privatkorrespondenz must daher wohl oder übe. der Misrachi mit der Aguda teilen. Ganz ähnlich steht es mit einem in der „Wiener Morgenzeitung" gegen den bekannten Direktor des jüdischen Lehrerseminars in Kowno, F. Getz, erlassenen Steckbrief als „Denunziant". Geh, der angeblich bei einer parlamentarischen Enquete die Jddischisten als bolschewistisch gesinnt „denunziert" haben soll, wird zum „Führer der Agudas Jsroel in Littauen" ernannt, in der „Rundschau" sogar znm „Verve ter der Trennnngsorthodoxie" erheben. Dabei ist uns nicht einmal bekannt, ob Herr Getz jemals Mitglied der Aguda war — keinesfalls hat er irgendwann der Leitung angehört oder sich sonst führend in der Organisation betätigt. Was „Trennungsorthodoxie" ist, durfte dem alten Wilnaer Schulmann höchstens aus den Schmähregistern der zionistischen Presse bekannt sein. Orthodoxe- Judentum tu Sowjet-Rußland. Wien, 8. Januar. An die Agudas Jisroel ist dieser Tage die erste authentische Nachricht über das Schicksal der Thora-Anstalten in SowjetruUand gelangt. Rabbiner Schnccrsohn in Rostow a. Don. richtet ein Schreiben an die AgudaleUnng, worin er die Lage der rnssischen Thoralehranstalten als äußerst traurig schildert und um die Ein- und im Anschluß, daran Zuschriften von Herrn W. Pappenhcim sowie von den Rabbinern in Liberias und Haifa, den Agudagruppen in Jerusalem, Jaffa und Sesed. Doch die Wiener Jugeudgruppe spricht und schreibt nicht nur, sondern sie hat durch ihre Palästina-Sektion bereits eine Reihe von Palästina-Emigranten nicht nur mit Rat und Tat unterstützt, sondern auch eine Anzahl derselben in gewerblichen Betrieben zur Ausbitdung untergebracht unb ein Teil in einer landwirtschaftlichen Lehrfarm für Pälästmaarbeit vorbereitet. Eine wohlgelungene Photographie dieser „Tatmudbanern" schmückt die Broschüre, deren Anschaffung wir umsomehr empfehlen können, als der Reinertrag für den Palästinafonds der Wiener Jngendgruppe bestimmt ist. E. (Fortsetzung folgt.) resn Eine bis jetzt wegen technischer Hindernisse n o ch ii ich t ferti g gestellte G e s a m t s p e n d e n l i st e der Palästina- Z e n t r a l e, tv e l ch e alle Spenden seil April 1921 umfagt, wird in einer der n ä ch st e u N m m e r lt c v scheine n.