Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1922)
- Date
- 1922-01-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Gruppenverband, der Pa läftina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Zisroel für Deutschland. ätter - VIH. Jahrgang 19. Hebet 5682 -- Kummer 1 19. Januar 1922 herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale Ein Aufruf des „Chofez Chaljim" siirDAgudas Jisroel. — Unsere Gegner. — Neue Agndo Literatur. — Orthodoxes Judentum in Sowjct'-Mutzland. — Agudas Jisroel in der Slowakei — Für die Ehre der Thora. — Zur sozialen Tätigkeit der.Agudas Jtsroel. — Für die ukrainischen Flüchtlinge in Polen. — Delegiertentag der Agudas Jisrol-Jngend-Organisatiori in der Slowakei. — Landeskonferenz der polnischen Aguda. — Austritt des Dr. Eder aus dem Waad Haziorim. ~ Vakanzenliste des Angestellten-Ausschusses der Agudas Jisroel Jugendorganisation in Köln. — Aus der Bewegung. — Spendenliste. — Ein Ausruf des „Ehofez Chsjjm" , für VguWKZMoel. Auch Litauen, das klassische Land des Limnd halanro zählt ivohl gegenwärtig wenige solch ragende Gestalten auf dem Gebiete des Torawisseus nltd der jüdischen Ethik ü-ie Rabbi Israel Meier La lohen, mehr noch als unter seinem "AErnen durch den Titel eines seiner Erstlingswerke „Ehosez Elprjim" bciannt. Auch im Westen blicken weile Kreise voll Verehrung z>t dem Torasürsten auf, der trotz feiner „vier Gl len der Halacha" jederzeit auch für alle Röte des jüdischen Voltes inniges Verständnis zetglc: verschmähte cs der groste Gelehrte doch nicht, dem jüdischen Soldaten ein Büchlein in die Hand zu driicken, (welches auch auszugsweise ins Deutsche übersetzt ist), dem jüdischen Emigraulen einen Wegweiser zu geben, um über die Grenze hinüber die alte Tora mitwarrdern zu lassen, es ist daher nicht weiter erstaunlich, daß Rabbi Jisrael, nachdem er von Soivjetrrrsstand nach Litanerr gekommen, inn wieder seine berühmte Jeschiwa in Radin einznrichteii, bald auch erkannte, dast die jüdische Rot der Gegenwart drirrgend die Organisation aller um die Tora Geeinten erheischt und sich nunmehr nüt ei'.renr stammenden Ausruf für Agudas Jisroel an die Oesfentlichkeit ivandte, vorr denr rvir int folgenden eine auszugsweise Uebersetzung bringen: Meine jüdischen Brüder! Wie gros; lind furchtbar ist die Stunde und >vie schrecklich die Lage, in der!vir uns heute befinden. Der Prophet lagt: "inv> bx t£>\S* “i \S*V vana TU* „Dann wird sprechen ein Gvttessürchjiger z>l seinen! Nächsten". Der Prophet sagt ausdrücklich: "inpi „zu seinem Nächsten") und nicht 'Dyn Ss"' zum Volke, denn das Bokk hörte nicht. Wenn aber das Volk nicht hört, dann haben die Gottesfürchtigen die Pflicht, zu ihren Nächsten zu sprechen, so wie Hille! sagte: v:2p.-* ■p*»n ms -sHy nri'un nnrnw n iv>n dx .pn*? nnm nsn bwn Wenn Du ein Geschlecht sichst, dem die Thora lieb ist, so nähere dich üstn; dagegen, wenn dies nicht der Fall ist, so ziehe dich zurück und gebe die Thora nicht der Verachtung preis. Wenn oas Volk spricht: nm D’p?x rav xw „Hioovt» los ist Gottesdienst und ohne Gewinn", so hat "es keinen Wert, ihm Thora-Worte zu sagen, vielmehr aus den Gottesfürchtigen einer jeden Stadt richt die Pflicht, sich zu bereinigen und s i ch g e g e n s c i - i i g z u in Gotte s o i cu st z u st ä v f e u. Meine Brüder und Freunde, heule leben wir mitten in einem solchen Geschlecht, dem die Thora nicht lieb ist. Gar zahlreich sind diejenigen, die das Joch der Thora von sich geworfen haben. Ter Hast gegen das Gesetz niehrt sich tagtäglich, mit tiefen Gräben wird das Fnrrdmnent des jüdischen Volles nntsrrniniert, wie zur Zeit, von welcher der Prophet spricht: „Und diele Tage war Israel ohne Priester, ohne Lehrer und ohne Thora und gegeneinandergestosten wurden Volk und Volk, sowie Stadt und Stadt und in jenen Zeiten hatte keinen Frieden lucr ansnnd einging." Die Gefahr ist furchtbar, die Verantwortung groß und schwer tastet die Pflicht ans den Gottesfürchtigen. Sie haben sich selbst zum Gottesdienst und zur Thoraliebe zu stärken, sowie; i ch z n e i u e v Agndah z » s a m m e n z u s ch liege n. In einer Zeit, in der die Gesetzlosen die Thora ohne Grund zerstören, besteht für uns die Pflicht, mit allen .\iiafteit für Gott zu handeln. Alles, nnd alles für die Ehre Gurtes. „Es ist Zeit zum Handeln, da eie andern die Thora zerstören." Deshalb hat jeder, der wvot! ui seinem Herzen trägt, nötig, sich besvndm , . Ehre Gottes zu stärken. Und alle Gvttcs- M’i c i ui einer jeden sstaot, muffen 1 ich vere i n i g e n nno a n d e r e G l e i ch gesinnte he r - n n z letzen, damit sie nicht schwach werden, und s i ch ber eintgeu zu einev Vereinigu ng, znv i)l g u ö a s I i s r o e l. Und ihre Hauplaufgabe bestehe darin, dast sie dafür Sarge tragen, dast in jeder Stadt Thora-Anstalten nackalter Art seien, d. h. dast in ihnen lückenlos die mündliche und schriftliche Lehre gelehrt werde. Doch auch die Lehrer sollen Gottesfürchtige sein, damit sie die Linder zu wahrem und treuen ''Anhängern Gottes nnd seiner Lehre erziehen. Und für die klügeren Linder rUte iiii.-n m jeoer T-ladi £lc:ne IV2'V' ein uno serner achlo man auf die SabbwHeiligung auf die rm-iö Und loisset, meine Brüder, dast der Iezer Thora ln allen seinen Hüllen nnd Ausstrahlungen darin seine eigentliche Stärke findet, wenn Israel seine Thora vergessen würde, nnd dann würde unser Golns immer Weiler andaueru, darum ist der .stampf gegen dieses Thoravergesseil unsere .Hauptaufgabe zu Ehren ltzvttes und seines Gesetzes. Ich bitte Euch daher, meine Brüder und Freunde in Liianen wie auch in allen anderen Ländern, Euch unter dem Banner der Agudas Jisroel zu Vereinen and Euch selbst dadurch zu stärken. Für o>Hm nnd sein Gesetz! Und sicherlich wird er uns helfe ii, dast wir in unseren Tagen noch die Geula erleben. Isrol Maier Halwhen von Raain. (Einen ähnlichen Aufruf hat der „Chofez Ehajim" an die palästinische Jiidenheit gerichtet und in der Eheschwannnminer unseres dortigen Organs „Lol Jisroel" zum Abdruck gebracht. Wo immer in unierm Voll me "Autorität unserer geistigen Führer anerkannt > i ir^ o'.ster Ausruf seine Wirkung nicht verfehlen, Nur mocntcn uns für heute damit begnügen festzustellen, m i gcmnüber solcher Zielsetzung der Agudas Iisrvei. wie )ie der Ehosez Ehajim vvrnimmt, geradezu tind- Iiio cizcpemt, wenn Den Lesern der Berliner „Jüdisch'.!'. Presse" mitgeteilt wird, dast man „im Osten e s d n r ch; ch n u t h a b e, d a st d i e A g iiön ledigl i ch e i n e p o l i t i s ch e O r g a n i s a t i v n i ft, die s i ch j e o e r w a h r h a f t religiöse n B e w e g u n.g e n t g e g e n st e m m t." Wir hoffen, dast auch in diesen! Lreise das Buch „Chofez Ehajim", welches das Verbot der Bösrede behandelt, in Zukunft mehr Beachtung siudeu wird. Tie Red.) Llnftre Gegner! . . . 0'“!]? ’üif I. B o n Zjü v i ch n a ch I e r u s a l e m. Es scheint uns als eine bare Selbstverständlichkeit, daß bet der Jütte der positiven Aufgaben der Agndas-Iisroel der beschränkte Raum unserer „Blätter", besser mit Besprechung eben dieser Aufgaben ausznfüilen sei, als mit Polemik gegen Presse-Organe anderer Organisationen. Zu um serem ehrlichen Bedauern, zwingt uns aber die gegnerische Presse nach dem Grundsätze des Kp'niP K’OT nxnro dazu, rou 3 eitzuZeit wenigstens die gröbsten Jrrtümer aufzudecken, welche über die Aguda verbreitet werden. Es handelt sich hierbei wvhlgemerkt nicht um den Kamps der Weltanschauungen, eine ehrliche Auseinandersetzung hierüber must sein und wird auch ivohl kaum sä peinlich empfunden werden, wie die in einer getvisseu Presse schon zier Gewohnheit gewordene .Methode, die Agndo systematisch durch Verdächtigungen, und objektiv unwahre. Behauptungen zu diskreditieren. Tie Widerlegung dieser Art von Angriffen werden wir in Zukunft unter dieser Rubrik vornehmen und uns dabei auf die notwendigste Kürze beschränken. Für heute möchten wir als klassisches Beispiel für die Art der eben charakterisierten Gegnerschaft zunächst einen Artikel aus dem in Jerusalem erscheinenden unsrachistischen „Halo r" besprechen und fühlen wir uns hierzu umso mehr veranlaßt, weil lvir es! nicht für ausgeschlossen erachten, dast die deutsche; misrachistische Presse nicht verfehlen wird, diesen! Artikel auch ihrem Leserkreis zugänglich zu! machen. Es scheint dem „Hator" nicht gerade anj genehm zu fein, dast die Agudas Jisroel durch! ihre energische Inangriffnahme der Palästina- ' Tätigkeit dem Misra'chi den Borwand nimmt, als ob die. Agndo palästinafeindlich wäre. Der betressende uoit Schmähungen gegen die Agndo strotzende Artikel des „Hator" kümmert sich nicht darum, das; die Aguoa durch ihre Palästina- Zentralen einen Keren-Hajischuv eingerichtet, dast sie das orthodoxe Schnlwerk in Palästina subventioniert, dast sie neuerdings eine Tabakpflanzung angelegt und mit dem Häuserball in Jaffa begonnen hat, sondern sie erklärt, dast eine der Kennzeichen der am Mainstrom geborenen Agndo, deren Hauptländer Deutschland und die Schweiz seien, darin bestehe, möglichst alle Blästen Palästinas ansznspähen, ja zu diesem Ziveck auch Delegationen nach Palästina zu entsenden, die dann bei ihrer Rückkunft die Aufgabe hätten, für Agudas-Jisroel und gegen Erez-Jisroel zu sprechen. Llls Beweis hierzu bringt sie einen Bericht über einen Vortrag, den Tr. Ehrmann in Zürich auf der Rückkehr von seiner Palästina- Reise gehalten habe. Ties ist das Vorspiel, ivelches natürlich von Unrichtigkeiten wimmelt. Die Aguda verdankt ihr Entstehen der Initiative osteuropäischer und rveftenropäischer Thoragrösten. Ihre Hauptländer sind Polen, Czechoslawakci, Litauen, Bessarabien usw. Alle Palästina- Berichte ihrer Delegationen waren von glühender Begeisterung für das Ideal eines thoratreuen Jischnv getragen,, eines Jischuv, welcher die Herrschaft des Gottesgesetzes im Heiligen Lande als oberstes Prinzip hat. Dast dies heute noch rricht der Fall ist, hat der Misrachi durch die Einbringung seiner bekaitnten Karlsbader Resolution selbst bewiesen. Diese Resolution hat bis zum heutigen Tage, ein Vierteljahr nach ihrer Einbringung, noch nicht die geringsten Früchte gezeitigt. In den von der zionistischen Organisation unterstützten Schulen wird weiterhin nach der bibelkritischen Methode unterrichtet. In den von der zionistischcit Organisation nliterstützten Kivnzoth wird weiterhin australisches Büchsenfleisch verabreicht. Die zionistischen Mädchenschulen in Jerusalem werden weiterhin von einer Dame geleitet, die noch nicht das Gewissensopfer bringen konnte, ihre Zivilehe auch durch eine Trauung iTtfö rTD jüdisch zu gestalten. Trotz allem betrachtet der „Hator" es als einen Frankfurter Pseudochassidimus, wenn die Agndo ihrerseits beim Aufbau Palästinas der seelischen Eigenart, der überwiegenden Majorität unseres Volkes Rechnung trägt und nur einen solchen Ausbau Palästinas fördert, welcher nicht von vorne herein den Stempel des Unjüdischen an sich trägt. Der „Hator" fühlt sich weiter bemüßigt, einen Züricher Bericht abzndruckeu, nach welchem Dr. Ehrmanu in seinem dortigen Vortrag seine Unterhaltung mit Herrn Oberrabbiner Kuk wiedergegeben haben soll, etnm folgenden Inhalts: „Sind sie einverstanden mit der zionistischen und misrachistischen Tätigkeit in Palästina.?." worauf Rabbiner Kuk erwiderte: