Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1922)
- Date
- 1922-01-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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iS Januar 1932 §der Israelit. Nr. 3 Sette 8 Tsttzerho-Ktowakei. . Die orthodoxe Landeshanjlei beim Hlinitferprätidenfen. Wraliskava, 13. Januar. Am 3. d. Mts. fand im Reßierungsgebäude in Bratislava der Empfang! der orthodoxen Führer der Slowakei beim Ministerpräsidenten Benes statt. In Vertretung! der orthodoxen Landesorganisation waren erschienen die Herren Obcrrabbiner Schreiber, Präses Oberrabbiner Weber und Oberrabbiner Hirschler. Präses Oberrabbiner Weber begrüßte beit Ministerpräsidenten. 'Ter Ministerpräsident erwiderte die Begrüßung mit herzlichen Wiorten und fügte hinzu, daß der Staat von den Juden nichts anderes als die Staatstreue verlange und sie der vollständigen Gleichberechtigung teilhaftig werden lasse. Tie Juden werden auch in Zukunft alle Ursache zur Zufriedenheit haben. Tie Delegation informierte nun den Ministerpräsidenten über die Stellung der Orthodoxie zu innerpolitischen Fragen. Als Bürger wollen die Orthodoxen nichts als die praktische Durchführung! der im Gesetzepenmhrleisteten Gleichberechtigung, als Konfession fordern sie die Respektierung ihrer Autonomie auch seitens jeder Behörde in allen Fragen des jüdischen Gemeindelebens, um ungestört die traditionelle Form des jüdischen Gemeindelebens erhalten zu können. Ter Ministerpräsident antwortete in zustimmender Weise. Er habe sich schon in Paris eingehend über beide jüdische Parteien informieren lassen und gedenke bei seiner demokrcvtischen Gesinnung nicht daran, eine jüdische Partei auf Kosten der anderen zu favorisieren. Präses Oberrabbiner Weber bat den Ministerpräsidenten, bei jeder das Judentum berührenden Angelegenheit ferner auch die Meinung der orthodoxen Vertretung einzuholen. Ministerpräsident Benes versicherte die Deputation der Erfüllung dieses Ersuchens und verabschiedete sie aufs herzlichste. Uoi.en. Die polnische Division in Oberfchtefien- Warschau, 6. Januar. Für die Polen zugesprochenen Teile Oberschlesiens wird gegenwärtig eine besondere Infanteriedivision formiert, zu der sämtliche polnischen Arineekorps aus dem ganzen Lande Mannschaften stellen. Die jüdische Bevölkerung Polens ist durch die Nachricht aufgebracht, daß laut Generalstabsbefehl die Abkommandierung jüdischer Mannschaften zu dieser Division verboten sei. Die jüdische Sejmfraktion hat bereits an den Kriegsminister eine Beschwerde gerichtet, worin sie darauf hinweist, daß dieses Verbot gegen die polnische Verfassung ver> stoße. Uhrainifdie Versprechungen- Warschau, 10. Januar. Die Regierung der ukrainischen Volksrepublik (d. H. die von Petliura im Gegensätze zur Sowjet - Regierung proklamierte R egierun i) wandte sich mit einer diplomatischen Note an die englische und französische Regierung, in der sie unter Versicherung, daß sie mit aller Kraft Pogrome verhüten werde, um technische und moralische Unterstützung ihres Heeres bittet. Ein eigenes Korps, an dessen Bildung Vorsteher des jüdischen Volkes beteiligt seien (Jabotinski?), hätte sich den Schutz der Inden zur Hauptaufgabe gemacht. Eilt unerhörter Zynismus liegt in dem in der Note enthaltenen Hinweis auf das Jahr 1919, in welcher Zeit ein solches Korps schon mit gutem Erfolg nach dieser Richtung gearbeitet hätte. In Wahrheit weiß man aber, daß. gerade im Jahre 1919 jüdisches Blut in der Ukraine in Strömen geflossen ist. Und auch die sogenannte ukrainische Volks-Republik des Herrn Petliura weiß es ganz genau! . . . KuHtand. kellgionLomkalgunge , In Sorolet-RuglanB Warschau, 12. Januar. Wie aus Moskau berichtet wird, ist dort plötzlich der Befehl ergangen, daß alle Rabbiner zum Zwecke der Registratur ihrer Versonalien und Kontrolle ihrer Wirksamkeit sich bei den Behörden zu melden hätten. Sie werden der anti-revolut'onären Betätigung beschuldigt. Man geht nicht fehl irr der Annahme, daß es sich um eine Denunziation der „Jüdischen Kommunistischen Organisation", die den Kampf gegen die jüdische Religion und ihre Führer ans ihre Fahne geschrieben hat, handelt. Litauen. Die zweite Kehilta-Konferen? in Litauen- Kowuo, 12. Januar. Die zweite Kehillakonferenz ist auf bett 14. Fabruar 1922 angesetzt. Die erste Kehilla-Konsercnz fand vor zwei Jahren statt und es gilt nun, den Wieg zu überblicken und sich Rechenschaft abzulegen über das, was die auf der ersten Konferenz geschaffene Jüdische Autonomie in den zwei Jahren ihres Bestehens zuwege gebracht hat. Auf der Tagesordnung der zweiten Konferenz stehen als Haupitpunkte: 1. Das nationale Recht der Juden in der Konstitution, 2. die Formen der Autonomie auf dem Schulgebiet, 3. die Schaffung von Organen, denen die gesamte Hilfsarbeit obliegt, 4. Reorganisierung des Nativnalrates aus neuen Grundlagen. In den Gemeinden hat die Wahlpropagand.r für die Kehilla-Konferenz mit aller Kraft eingesetzt. Es ist zu hoffen, daß es der zielbewußten Arbeit der Orthodoxie gelingen wird, auf der Konferenz gebührend vertreten zu sein und ihre Interessen zu wahren. * * * Seit einiger Zeit werden auf Beschluß des Minister-Kabinetts alle Befehle und Verordnungen der Militärischen Ortsbehördcn auch in jüd i s ch e r Sprache veröffentlicht. Ebenso genießen die jüdischen Gemeindeverwaltungen bezüglich der Portofreiheit und des direkten Perkehrs mit den Staatsbehörden die gleichen Rechte, wie die städtischen Selbstverwaltungen. England. llachhlans?u den „weisen von 9ion" London, 10. Januar. Wie man erfährt, hat sich der bekannte hebräische Schriftsteller A ch a d h a am (Ascher- Ginsburg), der von den antisemitischen Zeitungen im Zusammenhang mit dem Märchen über *,utc Weisen von Zion" wiederholt genannt wurde, entschlossen, gegen die Urheber und Verbreiter der blöden Gerüchte, besonders gegen den in München erscheinenden „Völkischen Beobachter" und den Leiter der „Deutschen Zeitung", Graf Reventlow Klage zu erheben. Uatästtna. flbeffinier und 3uden. Jerusalem, 8. Januar. Ju Palästina befindet sich zur Zeit eilte abessinis che Delegation, die vom abessinischen Vizekönig angeführt wird. Die Abessinier zeigen großes Interesse fiir die jüdische Kolonisation und auf einem Bankett erklärte deren Führer, daß sich das abessinischen Volk seiner Abstammung nach ftir ein jüdisches hält, dem Judenhaß fern liege. Der Vizekönig versprach, bei seiner Heimkehr noch mehr ans ein gutes Einvernehmen zwischen Wessiniern und Juden hinzuarbeiten. Jaffa, 5 Januar. Der hiesige Gefängnis-Inspektor Bordkosh wurde unter der Beschuldigung der Nachlässigkeit und Pflichtversänmnis bei Anlaß der Früh'lingsunruheu in Jaffa seiner Stellung enthoben und für unfähig erklärt, ferner einen Posten in der englischen Palästina-Verwaltung ein zu nehmen. Jerusakem, 25. Dezember. Sensation in jüdischen Kreisen erregt ein Vorkommnis im hiesigen Rothschild-Spital. Die Chewra Kadischa konstatierte, daß bei einem nach wenigen Tagen infolge eines Unfalles aesto ebenen Säugling der Körper geöffnet, also offensichtlich eine Sektion zu medizinischen Zwecken vorgenommen worden war, als man die Leiche abholen wollte. Die Eltern des verstorbenen Kindes haben Klagte gegen die Hospitalverwaltung eingereicht, sodaß die Angelegenheit, die für die heilige Stadt ein Novum bedeutet, wohl ihre Aufklärung finden wird. Frankfurter Berichte. Dem Andenken an Geheimrak Dr. Oofettöaum Der oft mit Einnnd Umsicht hat vertrieben Den Tod, der schon am Bett des Kranken stierte Nach besten letztem Lebensodem gierte — Er unterlag nun selbst des Todes Hieben. Nun klagen seine Freunde, seine Lieben, Wen Siechtum je zu seinem Zimmer führte, Wer jemals seines Herzens Adel spürte — Sie alle sind nun trauernd hinrerbiieben. Nicht leuchtet mehr des edeln Hauptes Schnee Nicht wärmt der Strahl mehr seiner Augensterne, Der oft den Kranken ließ schon halb gesunden — Was tröstet uns in unseres Herzens Weh? Dah er, entrückt in heti'ge Himmelsferne, Der Mühen felgen Lohn nun hat gesunden. Synagogen-emeinde Israelitische Zletigionsgeftilschaft. Die am Sonntag, den 15. Januar startgehabte Generalversammlung war vom Beginn an stark besucht, sodah die vorgeschriebene Mtndestztffer von 300 stimmberechtigten Mitgliedern sehr bald festgestellt werden konnte. Bor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Herr Rosenheim, dem vor wenigen Tagen Heimgegangenen ersten Vorstenden der Gemeinde, Geheimrat Dr. Rosenbaum b"*t, einen warmempfundenen Nachruf. Nachdem hieraus eine Reihe der aus Mitgliederkreifen zum Satzungsentwurf eingelaufenen Abänderungsanträge älteren und neueren Datums ve> lesen worden waren, eröffnte der Vorsitzende die Generaldiskussion, an der sich die Herren Leon Sänger, SanitätSrat Dr. Wolf Hirsch, Quadrat und Hermann L e v i beteiligten. Dr. Hirsch beantragte, an den alten Satzungen lediglich das Wahlsystem zu ändern, die Wählbarkeit der Beamten einzuführen und eine Steuerordnung zu schaffen, im übrigen aber die alte Verfaffung bestehen zu lasten. Demgegenüber hielt die Verwaltung ihren Antrag auf Annahme der neuen Satzung einschliehltch der durch Rundschreiben mitgeteilten verschiedenen Aenderungen des Entwurfes aufrecht. Die hierauf vorgenommene geheime Abstimmung durch Stimmzettel ergab die Annahme des vom Vor st an de vorgelegten Satzungsentwurfes mit 314 von 339 abgegebenen Stimmen. CS gelangte hierauf der außerordentlich umfangreiche Geschäftsbericht des Vorstandes, besten Verlesung etwa dreivterlel Stunde in Anspruch nahm, zum Bortrag. Auf den Inhalt des Berichtes kommen Sabbat-Mkaag and Umgang. rniöip mw- Ortr Anfang | Datum AuSgang U4r|uttn.|l!»22| 568» Ubr I'Mtn. Frankfurt a. M- 4 40 21. 21. 5 55 Berlin .... 4 30 Jan Tebet 5 18 München . . . 4 50 5 40 Eöln. 4 50 5 50 Stuttgart. . . 4 45 5 48 Breslau . . . 4 09 5 09 Nürnberg. - - 4 35 5 37 Hamburg . . 4 30 8 30