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Der Israelit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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12. Januar 1932 Der Israelit bleiben mußte, konnte unser Herr Rabbiner ihr nur einen kurzen Abschiedsruf widmen und ihr Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Stein, Schweinsurt, mußte sich auf ein Wort des Dankes der Familie an die Verblichene beschränken. Johanna Seeligmann wird im Kreise ihrer Familie und Freunde fortleben: dSw P'TL nw. Bratislava, 5. Jan. Im Alter von 83 Jahren ist am 11. Kislew der Nestor der Rabbiner in der Slowakei, Rabbi Israel Frankl aus dem Leben geschieden. Im Jahre 1838 in Wagneustadtl als Sohn des dortigen Rosch Besdtn geboren, besuchte er die Jeschiwos des Maharam Schick in St. Georgen, des Dr. E. Hildesheimer in Eisenstadt und schließlich die des Ksaw Sofer in Preßburg. Mit großem Thorawissen und profaner Bildung ausgerüstet, wurde er im Alter von 26 Jahren als Nachfolger seines Vaters, Rabbiner in Schittmasdors. In dieser Gemeinde, die wie alle Landgemeinden immer mehr an Seelenzahl zurückging, harrte er aus, obgleich er vermöge seines großen Wisiens und seiner seltenen Beredsamkeit das größte Rabbinat geziert haben würde. Er harrte in seiner Gemeinde aus, weil er wußte, daß sie nach seinem Weggänge keinen Rabbiner mehr aufnehmen würde und er nicht wollte, daß die alte Kehilla verwaist bleiben solle. Im Jahre 1869 wurde er von zwei Wahlbezirken in den Kongreß entsendet, in welchem er im Plenum sowohl wie in verschiedenen Kommissionen unerschrocken für die Rechte der Orthodoxie etngetreten ist. Bor drei Monaten erst übersiedelte er nach Preßburg. Er rang sich zu diesem Entschlüße, feine Gemeinde zu verlassen, erst durch als er überzeugt war, daß er infolge seiner körperlichen Gebrechlichkeit außerstande war, noch etwas leisten zu können. Ganz besonders trat er hervor durch seine beispiellose Bescheidenheit und durch seine Menschenliebe, die sprichwörtlich geworden war. Die Bestattung, die hier in Preßburg stattfand, zeugte von der großen Verehrung, die man ihm trotz seiner Zurückgezogenheit allenthalben entgegenbrachte. Im Familienhaus verabschiedete sich der einzige Sohn Rabbiner Dr, PH. Frankl aus Halberftadt. vom geliebten Vater, indem er schilderte, was er ihm, seiner Familie; was er dem Klall Israel war, wie er als pw alten Schlages in die neue Zeit hereinragte und als lenchtendes Vorbild seiner Mitwelt voranleuchtete. Auf dem Friedhose schilderte Oberrabbiner Schreiber, Preßburg, in ergreifenden Worten das Lebensbild und die seltenen Tugenden des Heimgegangenen. Nachdem sprach der älteste Schwiegersohn Öberrabblner I. Brodi, Miaoa, der den großen Menschen, den treuen Seelenhirten, betrauerte, sowie Oberrabbtner Hirschler als jüngster Schwiegersohn. Er sprach von jener Seelenharmonie, wo der Gleichklang zwischen nsnw nun' ln gottgefälligen Taten sich auslebt, von der seltenen Anspruchlosigkeit, wie er. ein 'n -i2p bis zum letzten Atemzuge war, wie er mit der ganzen Fülle seines warmfühlenden Herzens Erez Jisroel liebte, für es wirkte, dort ein Haus für sich bauen ließ und stets sein Wunsch war, dort sein reines Leben zu beschließen. Im Namen der Rabbonim des Landes und als Freund richtete Oberrabbtner M. S. Herzog Worte des liebevollen Gedenkens an die Trauerversammlung. Vermischtes. Berlin, 29. Dezember. Das Jüdische Arbeitsamt, Berlin, Auguststraße 17, hat in diesem Winter K o ch- und Nähkurse für berufstätige Mädchen eingerichtet. Die Kochkurse finden in der Küche des Jüdischen Volksheims, Dragonerstr. 22 allwöchentlich am ^<wtag uttb Donnerstag von 3—6 resp. 7—10 Uhr statt. Der Nähkursus wird in der Nähstube des Jüdischen Arbeitsamtes, Auguststr 17 allwöchentlich am Dienstag von 7—9,30 Uhr erteilt. Es ist möglich, während dieses Semesters in den Nähkursus noch weitere Schülerinnen aufzunehmen. Der Unterrichtspreis beträgt monatlich 8.— Mk. Wir bitten, Anmeldungen an die weibliche Abteilung des Jüdischen Arbeitsamtes zu richten. Wolfratshausen, 28. Dezember. Eine schöne Chanukka-Feier veranstaltete das hiesige Jüdische Land- Heim. Den einleitenden BcgrüßungSwoten des Anstaltsleiters, E. Zielinski, folgten verschiedene deklamatorische und musikalische Darbietungen der Kinder. Sodann hielt Rabbiner Dr. Bärwald eine Rede über die Bedeutung des Chanukkalichts. Mit dem Entzünden der Lichter und darauffolgender Beschenkung schloß die wohlgelungene Feier, die Jung und Alt noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Köln, 8. Dez. Am Sonntag abend fand nach vorangegangenem Taantth die Sudoh des „Chewra Kosnaus Aur" unter Veteiltgung von etwa 80 Herren statt. Bon jungen Damen war im Seminar-Saal ein festlicher Tisch gerichtet und eine Reihe tiefdurchdachter Ansprachen des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach, aus dem Kreise des Vorstandes und der Mitglieder gab der Festtafel eine feierliche Weihe. Nach äußerst harmonischem Verlauf des Zusammenseins trennte man sich in später Nachtstunde mit dem Wunsche, recht oft in nnölP vereint zu sein. Der Prolog, der den Auftakt der Veranstaltung bildete, fand großen Beifall. Baden bet Wien, 25. Dezember. Am ersten Chanukkaabend veranstaltete das Verwaliungskomitee Baden im Waisenhause eine schöne Chanukkafeier. Um 5 Uhr abends versammelten sich alle Gemeindemitglieder im Waisenhause, an deren Spitze Herr Oberrabbiner Reich. Direktor Jriedmann begrüßte die Gäste wie auch die Vertreter des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel dann richtete der Obmann, Herr Daniel, herrliche Worte an alle Gönner des Heimes, sodann zündete ein zehnjähriger Waisenknabe das Chanukkalicht an während ein Kinderchor das Moaus zur sang. Herr Oberrabbiner Reich nahm das Wort und erläuterte in schwungvoller Rede die Bedeutung des Chanuktalichtes. Die Kinder wurden von allen Seiten beschenkt undzum Schluß sehr reichlich bewirtet. Karlsruhe, 4. Dez. Der wegen seiner hochherzigen Spenden mehrfach genannte Philanthrop Nathan Straus in New-Aork hat von Prof. Lust, dem Leiter des Kinderkrankenhauses in Karlsruhe, die Nachricht erhalter, daß die von Herrn Straus im Jahre 1907 in Karlsruhe errichtete Milchküche wegen Mangels an Mitteln geschloffen werden muffe. Herr Strauö hat nun an W. T. B. 20 0.000 Mark überwiesen, die zur Hälfte für Karlsruhe, zur anderen Hülste sür die ebenfalls von ihm eingerichtete Milchküche der Frau Golhein-Roemers in Eberswalde bestimmt sind. Sprechsaal. Noch ein Wort zu Reb Jokeb Ettlingers 56 jährigem Todestage. Die Worte der Würdigung und Verehrung des großen Meisters S"2T, bie in den letzten Nummern des „Israelit" zum Ausdruck kamen, lösten gewiß bei allen Lesern Befriedigung aus. Man sollte es aber nicht nur bei ehrenden Nachrufen und Lebensbeschreibungen bewenden lassen, sondern sich zu einer Tat aufraffen, die sicher mehr noch tm Sinne Reb Jokebs Ettlingers y i wäre. Schon seit drei Jahrzehnten wird es als eine schmerzliche Lücke empfunden, daß die Werke dieses nicht mehr im Buchhandel erhältlich sind. Selbst unter seinen Schülern finden sich nur ganz vereinzelte Exemplare. Die Bachurim der ungarischen npnr sind oft ganz glücklich, wenn sie irgendwo ein '■tfS "py auftreiben können. Die Rabbonim benötigen betreffs n^n den p'2£ psa dringend. Daher möchte ich anregen diese Werke wieder durch Drucklegung dem Publikum zugänglich zu machen. Anstatt immer neue Werke zu drucken, deren Wert oft recht zweifelhafter Art ist, wäre es eine verdienstvolle Tat, diese bewährten Werke neu zu drucken. Wenn man bedenkt, daß solche Unsummen sür Zeitschriften und Lektüre, deren Ruhm den Abend nicht überdauert — py Sa “p'2 — verschwendet werden, sollte man es doch gewiß für erreichbar hatten, daß sich unter den Verwandten, Schülern und Verehrern Reb Jokeb Ettlingers genügend Persönlichkeiten finden werden, die gern die Mittel dazu beitragen würden, seine Geistesschätze wieder neu ans Licht zu heben. Da die Werke sich großer Beliebtheit erfreuen, würden sich gewiß viele Käufer dafür finden. Rabbiner M. Iacobwitz. Eine Mahnung nach Berlin. Dresden, 14. Dez. 1931. Ein durchaus zuverlässiger Schochet aus Sachsen bittet uns folgende Zeilen zu veröffentlichen, die von rituell lebenden Juden in Berlin nicht unbeachtet bleiben dürfen: Ich schlachte wöchentlich Mastgänse in einer großen Mästerei unweit D. Vorige Woche erzählte mir der Sohn des Masters ’i&in *£*5 n'££5 mit u. a., daß et schon zwei Wochen seinem Batet beim „Schlachten auf behilflich war; diese Woche habe er selbst 200 Stück *>2>a geschlachtet und es gerade so gut wie ich fertig gebracht. Auf meine Frage, wozu er dtes tue, da dre nv'nv doch viel umständlicher und Verlust au Blut und Gewicht bewirke, erzählte er mir weiter löw daß sie einen großen j üdi scheu Abnehmer in Berlin hätten, der die Gänse nicht gestochen, sondern geschlachtet haben muß und er erzählte weiter, wie dieser „Jude" einen iL>a°Siegel besitze, um die Gänse „koscher" zu machen und sie an jüdische Kunden zu verkaufen. Nach unauffallender nt2»vn rrvpn bin ich sicher, daß dieses leider den Tatsachen entspricht und sehe mich verpflichtet es zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zn bringen. Vrieskasten. Angesichts der enormen Porto-Erhöhung werden wir, in größerem Ausmaße als bisher, die uns zugehenden zahlreichen Anfragen, denen Rückporto nicht beiliegt, auf dem Wege des Briefkastens beantworten. Wir bitten die Anfragenden also, wenn sie unmittelbaren Bescheid nicht erhalten haben, die Briefkasten- Rubrik beachten zu wollen. CH. Bl. in Wien. Das uns übermittelte Manuskript ist akzeptiert und gelangt demnächst zum Abdruck. Die gewünschte Besprechung wollen wir gerne veranlassen. _Nr. 2 Seite 7 M. G. in Berlin. Judäus, Baalschem ist z. Zt vergriffen. I. K. in Kattowitz. Die gewünschte Auskunft werden wir für Sie in Jerusalem einholen. Rabbiner Dr. W. in C. Zu ihrer Anfrage vom 9. Januar bedauern wir lebhaft, aus technischen Gründen Beilagen zum „JSraeltt" nicht annehmen zu können, umsoweniger, wenn es sich um eine relativ schwere Broschüre handelt. Dagegen sind wir zur kostenlosen Veröffentlichung eines kurzen Auszuges aus dem Bericht selbstverständlich jederzeit gerne bereit. S. A-, Bratislava. Hstsch-Pentateuch, soweit der kleine Restvorrot reicht, zu Kr. 125.—. Frankfurter Gerichte. Geh. Sanitätsrat Ar. Mieser Wosenvaum Eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten unserer Stadt, der derzeitige Vorsitzende der Israelitischen Reltgionsgesellschaft, Geheimrat Dr. E. Rosenbaum, ist im 72. Lebensjahre nach Sabbatausgang tm Rothschiidschen Hospitale, der bevorzugten Stätte seiner gesegneten ärztlichen Wirksamkeit, zur ewigen Ruhe eingegangen. Bis vor wenig Monaten ein nimmer ermüdender. Tag und Nacht in frischester Lebensenergie rastlosem Schaffen hingogebener Arbeiter, war urplötzlich, im Gefolge einer ungefährlich scheinenden Operation, Herzschwäche über den jugendlichen Greis gekommen, sodaß er, während seit Wochen eine ganze Gemeinde und darüber hinaus die große Gemeinde seiner zahllosen Freunde und Verehrer um das teure Leben bangten, in voller Voraussicht des Kommenden seine Anordnungen treffen und sich auf das nahende Ende vorbereiten konnte. Der kleinen bayerischen Gemeinde Walldorf entstammend, ist der Heimgegangene schon während seiner Gymnasialjahre nach Frankfurt gekommen, wo er sich nach Abschluß seiner Studien niederließ. Es konnte nicht ausblekben, daß der mit seltenen Geistesgaben ausgestattete, liefe wiffenschaftliche Einsicht mit praktischem Geheimrat Dr. (§. Rosenbaum. Scharfblick verbindende sunge Arzt sich rasch die Sympathien nicht nur der gesetzestreuen Kreise, sondern auch des nichtjüdischen Publikums erwarb. Man begriff, wenn man ihn bet der „Arbeit" sah, daß der ärztliche Berus vor allem die Kunst des Menschseins uttb der menschlichen Herzenssprache erfordert. Die frische und ungezwungene Liebenswürdigkeit seines Wesens, die milde und doch so bestimmte, keinen Widerspruch duldende Art der Beratung, die intuitive Sicherheit seiner Diagnose — das alles machte die Leidenden halb schon gesund, wenn sie mit ihm ln Berührung traten. Dabei war — nicht etwa nur in der Anfängerzeit, sondern bis in die letzten Monate seines Lebens hinein — und unbeschadet der wirtschaftlichen Vorbedingungen — fein .„Haus", seine ärztliche Sprechstunde wahrhaft nnnd mtiB; neun Zehntel seiner Sprechstundenproxts bildeten die körperlich und seelisch Sabbat-Hnkang «ml Msgang. vn row* Ort: Anfang Uhi>vrin. Datum 1U22I 5682 AuSgang Uhr >Mtr». Frankfurt a. M. 4 30 14 14. 5 45 Berlin ... 4 15 Jan. Tebet 5 06 München . . . 4 40 5 29 Cöln. 4 40 5 40 Stuttgart. . . 4 45 5 40 Breslau . . 3 59 4 59 Nürnberg. ■ 4 30 5 27 Hamburg. . 4 19 5 19

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