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Der Israelit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13. Januar 19231 Der Israelit. seine Worte plastischer, indem er, fortsahrend, die Handlungen uns erst allmählich entstehend, erst werdend vor führt. So wird er dann das Jmperfek als Ausdruck seiner Absicht gebrauchen. Auch ohne das Waw der Folge zeigt sich dasselbe Bestreben nach Partikeln wie etwa Tk, die in die Vergangenheit zurückgreifend, ein filmartiges Abrollen der Vorgänge bewirken. Es kommt also auch hier alles auf die Stärke des Impulses an! Auch andere sprachliche Erscheinungen bestätigen die Behauptung, daß die vollendet oder unvollendet gedachte Handlung die Grundlage für die Wortsymbole der Tätigkeiten abgebe. Noch weiterhin lasten sich die beiden Reiche der Perfekts und Imperfekts durchforschen und erkennen, wenn die Art der Beziehungen zwischen der Handlung und ihrem Träger näher identifiziert wird. Es entstehen die Formenreihen des Aktivs, wo die Person das Subjekt der Tat, des Passivs, wo sie das Objekt der Tat darstellt, und die Wortbilder des Reflexives, bei dem die Person Subjekt und Objekt der Tat zugleich wird. Und diese drei Gruppen wieder lasten sich vermittelst der Fragestellung näher systematisieren, ob die Person in einer ganz besonders engen Beziehung zur Handlung stehe, oder ob sie sich unmittelbar mit der Handlung berühre, oder ob der gewöhnliche Fall der einfachen Beziehung vorliege. So entstehen im Gebiet der Aktiv-Reihen die Konjugationen Kal (leichte, einfache Beziehung) — Piel (verstärkte Beziehung), Hiphil (mittelbare Beziehung) — im Kreis der Passiv-Nethen die Formbilder passives Kal, Pual, Hophal, die den aktiven Konjugationen entsprechen — im Gebiet des Reflexives schließlich das Niphal als Ausdruck der einfachen Beziehung und das Hisphael als Form für die verstärkte Beziehung. Eine mittelbare Beziehung zwischen Subjekt und Objekt beim Reflexiv existier: sinngemäß nicht. Und an diese Konjugation reihen sich noch manche altertümliche Restformen, die demjenigen keine Schwierigkeiten bereiten, der aus denBrudersprachen des Arabischen und Westaramätschen weiß, daß noch manche vergessene Formenbilder Ausdruck für besonders feine Begriffe darftellen sollten, daß aber die Sprache das Bestreben zeigt, alle unnötigen. Formen abzustoßen, abzuschleifen, zu assimilieren. All diese mannigfachen Wortbilder werden in ihrem Bau und ihrem Werden aber nur demjenigen verständlich sein, der aus der Formenlehre die Lautfiguren und ihre Träger, dte Buchstaben, kennt, deren einfachste organische Verbindungen die Stammformen darstellen, wie sie sich am reinsten im primitiven Substantiv erhalten haben. Es, das Nomen als Symbol irgend eines Begriffes, ist somit die sprachliche Grundlage des Tätigkeitswortes. Lorrerponaenren u. Nachrichten Deutsches Reich. Ausländer in Deutlchlafid. Werttn, 4. Jan. Eine sehr interessante, offenbar amtlich inspirierte Notiz ging vor einigen Tagen durch die gesamte deutsche Presse. Die Notiz besagte, daß in Deutschland ca. 250 bis 300,000 russische Emigranten anwesend seien, die nahezu alle unerlaubt über die Grenze nach Deutschland geflüchtet seien. Obwohl eine derartige Zahl russischer Flüchtlinge in Deutschland durchaus unerwünscht sei, sei es zur Zeit aus tatsächlichen Gründen nicht möglich, diese Menschen zwangsweise abzuschieben. Diese Notiz ist besonders interessant im Hinblick auf die Feststellungen des „Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands", die genau ermittelt haben, daß sich zur Zeit in Deutschland noch ca. 55—60,000 ostjüötsche Flüchtlinge aufhalten. Hierin sind alle diejenigen einbegriffen, die seit dem Ausbruch des Krieges also seit dem 1. August 1914 bis zum 1. Januar 1922 nach Deutschland gekommen sind, also insbesondere auch diejenigen, die auf Veranlassung der Obersten Heeresleitung als Arbeiter während des Krieges nach Deutschland gebracht wurden. Es ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Zahl der jüdischen Flüchtlinge ursprünglich erheblich höher war. Der Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes ist es gelungen ca. 50,000 der jüdischen Flüchtlinge den Weg in die Emigralionsländer zu bahnen. Die antisemitische Hetze von der Ueberschwemmung Deutschlands mit Ostjuden fällt damit in ein Nichts zusammen. Es ist damit klar erwiesen, daß die ostjüdische Einwanderung nur einen kleinen Prozentsatz der gesamten Einwanderung von Ausländern ausmacht, insbesondere wenn man berücksichtigt, daß in der oben erwähnten Zahl von 250—300,000 russischen Flüchtlingen die übrigen zahlreichen Ausländer östlicher Staaten, die zur Zeit in Deutschland weilen, wie auch die Ausländer aus den übrigen Staaten nicht einbegriffen sind, während unter den 55,000 ostjüdischen Einwanderern auch die aus den polnischen, galizischen und ungarischen Gebieten Stammenden inbegriffen sind. ileuroahlen im Synagngenuerband- Kamöurg, 6. Januar. In das Delegtertenkollegium des Deutsch- Israelitischen Synagogenverbandes wurden Dr. C. Heckscher, M. Jakobson und William Möller gewählt. Noten. Sabbafftuf und Sonntagsruhe. Warschau, 6. Jan. Die Bemühungen zur Sicherung der Sabbatruhe, insbesondere in denjenigen Gewerben, die von der thoratreuen jüdischen Bevölkerung abhängig sind, z. B. im Bäckerei-Gewerbe, schreiten erfolgreich fort. Diejenigen Bäcker, dte sich den vom Sabbatkomittee getroffenen Anordnungen nicht fügen wollen, haben den verdienten Boykott zu erwarten. Trotzdem ist natürlich eine allgemeine Besserung nur dann zu erwarten, wenn es endlich gelingt, die geradezu verheerend wirkende Sonntagsruhe-Gesetzgebung zu Gunsten der sabbatfeiernden Juden zu ändern. Auf einer im Ministerium des Innern vor kurzem stattgehabten Konferenz mit jüdischen Abgeordneten wurde erklärt, daß das Ministerium prinzipiell damit einverstanden sei, daß jüdische Handwerker, die am Samstag ruhen, am Sonntag ihre Werkstätten betrieben, indessen fehlte es bisher an jeder Geneigtheit auch die Beschäftigung von Arbeitern, was natürlich unbedingt notwendig wäre, zu gestatten. Die zioniMfckie Gemeindehonferen?. — Wilna. — Abg. Perlmutter. Warschau, 25. Dez. Die vom Nationalrat ins Werk gesetzte sogenannte allgemeine Konferenz der jüdischen Gemeinden Polens ist ziemlich sang- und klanglos verlaufen, da infolge der ausgesprochenen Gegnerschaft der „Agudas^Jisroel" sowie eines Teiles der Volkspartei nur eine verhältnismäßig sehr geringe Zahl von Gemeinden Vertreter entsandt hatten. Die Warschauer Regierung macht krampfhafte Anstrengungen, um dte Führer der Wtlnaer Judenheit zur Aufgabe ihrer ausgesprochenen Neutralität in der Absttmmungsfrage zu bringen und sie für Polen günstig zu stimmen. Zu diesem Zwecke sind aus Wilna Rabbiner Rubtnstein, Dr. Wigodski und Dr. Schabad nach Warschau berufen worden, wo man in stundenlangen Konferenzen mit ihnen beriet. Ein Erfolg dieser Bemühungen dürfte kaum denkbar sein, da der Nr. 2 Seite 5 innere Zusammenhang des jüdischen Wilna mit dem nördlichen Litauen, insbesondere mit Kowno und den übrigen großen Zentren jüdischen Geisteslebens doch viel zu alt und innig ist, um ohne weiteres irgend welchen politischen Erwägungen geopfert werden zu können. Neutralität ist also schließlich das einzige, was Polen und andererseits auch Litauen aus naheliegenden Gründen von den Juden verlangen kann. - Rabbiner Perlmutter ist von der Regierung zum Ritter des Ordens „Polonia restitu'ta" ernannt worden und zwar in Anerkennung seiner patriotischen Reden im Landtag. Wtcrnen. Vor den Wahlen?um Sejm. Wilna, 1. Jan. Eine Reihe Wilnaer jüdischer Organisationen, die (bürgerliche) zionistische Organisation, der jüdische allgemeine Kaufmannsverband, der jüdische allgemeine Handwerkerverband, die sozialistischzionistische Partei haben der Wilnaer Regierung eine Entschließung überreicht, in der sie erklären, daß sie sich nur bet Wahlen zu einem Sejm beteiligen werden, wenn dieser auf demokratischer Grundlage einberufen würde und lediglich die Aufgabe hat, das innere Leben des Wilnaer Gebiets zu regeln. Sie werden an einem Plebiszit über die Zugehörigkeit des Wilna-Gebiets sich nur dann beteiligen, wenn Bedingungen geschaffen werden, welche dte Sicherheit urd Freiheit der Wahlen gewährleisten. Die Frage, od die Juden sich an den jetzigen Sejmwählen beteiligen sollen, könne erst dann beantwortet werden, wenn durch ein besonderes Dekret die Kompetenz und die Ausgaben des Sejms genau und unzweideutig bestimmt werden. — Lediglich der sozialistische „Bund" hat sich von den jüdischen Wilnaer Organisationen für dte Wilnaer Sejm-Wahlen erklärt. Ger künftige Sejm. gSfatfäatt, 1. Jan. Professor Buzek hat auf Grund statistischen Materials die künftige Zusammensetzung des neu zu wählenden polnischen Parlaments berechnet, wobei er eine Abgeordnetenzahl von 899 zugrunde legte. Der Nationalität nach dürften im künftigen Sejm die Deutschen 14, dte Juden 13, die Ukrainer 60, die Weißrussen 8, die Polen 107 Sitze erhalten. — Ob diese Berechnung nicht vor der Kleinheit der polnischen Mehrheit bange machen und auf Aenderung des Wahlgesetzes hinwirken soll? Aus Litauen. Kowno, 1. Januar. Vor kurzem tagte hier die Zentralkommission des Rabbinerverbandes, wobei über die Lage der kleinen Jeschiwaus in Litauen genau Bericht erstattet wurde. Diese kleinen Jeschiwaus unterstehen der Zentrale des Rabbinerverbandes, von der aus sie von Zeit zu Zeit inspiziert werden. Der Bericht entwirft ein überwältigendes Bild vom Thoraleben in Litauen. Die finanzielle Lage der Lehranstalten ist dagegen eine sehr kritische. Fast überall bringen die kleinen Gemeinden große Opfer zur Erhaltung ihrer Jeschiwaus auf. In Telsch sprach jüngsthin Herr Dr. Simon aus Heidelberg über dte Beziehungen zwischen Ost und West und hinterlteß mit seinen warmherzigen Ausführungen großen Eindruck. In Schauten wurde auf Veranlassung der Rabbiner Atlas und Lewi tan eine kleine Jeschiwa gegründet. England. Der große Kriegserinnerungsfonös und feine Wirksamkeit. London, 2. Januar. Die Leser dieses Blattes sind über das Schicksal des nach Kriegsende von den führenden Kreisen der englischen Judenheit ins Leben gerufenen

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