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Der Israelit · 1922-01-12 · Heft 2 (12.1.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 2 (12.1.1922)
Date
1922-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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12. Januar 1922. Der LZraelK. Nr. 2 Seite 8 hohem Maß das Reformjudentum alias Liberalismus von der geschichtlichen Nemesis bereits ereilt worden ist. So, wenn Dr. Samuel seine „Bekenner", die Tempel und Predigt im Stiche lassen, wie folgt abkanzelt: Das volle Gotteshaus der Orthodoxie — die gähnend leere Synagoge des Liberalismus sind ein beredtes Werbemittel dort, eine Zersetzungserscheinung hier. Die kalte Teilnahmlosigkeit gegenüber den von uns selbst geschaffenen Einrichtungen widerlegt unsere eigenen Prinzipien und bedeutet Selbstauslösung. Noch kurze Zeit dies Ueberwuchcrns des ErwerbSbetriebes, dieser Mangel an Opfersinn, diese Unbedachtheit und Disziplinlosigkeit, und der Liberalismus, den man ohnehin als Vorstufe für Entfremdung, sa Abfall verfehmen möchte, hat den letzten Kredit in den Augen der Gegner verloren und was schwerer wiegt, seine Werbekraft bet allen Ernsthafteren und Suchenden eingebüßt. Erst wenn wir beim Gotteshaus den Beweis der Wendung zur selbstgesetzten Pflicht wieder erbracht haben, werden wir auch das moralische Recht besitzen, alle die anderen Gebiete des Kultus und Ritus, das Speisegesetz, das Eherecht und vieles andere in unsere Bewegung ein zubeziehen." Was soll man nun wünschen? Daß der Appell Erfolg habe und in vollste füllten Reformsynagogen das „moralische Recht" zur willkürlichen Verschlimmbesserung der sinaitischen Gesetzgebung gepredigt und damit der Untergang der jüdischen Familie, der jüdischen Gesamtheit vorbereitet wrrde? Oder daß die Herten der liberalen Gemeindehirten weiter in ihren Büros und Werkstätten, Studierzimmern und Hörsälen nach ihrer Methode „Gott di-nen" und die Verkünder der liber alen Heiles lehre ruhig als Rufer in der Wüste vor leeren Bänken predigen? Die Gefahr ist in beiden Fällen ungeheuer groß. Denn die im Jndifferentismus qroßgewordene Jugend fällt heute entweder der Taufe anheim, oder, wenn sie jüdisches Rassebewußtsein daran hindert, findet sie im religionslosen Zionismus ein willkommenes Surrogat für die geistigen Güter, um die die Schwäche oder die Ueberhebung ihrer Väter sie gebracht Hot. Schwäche und Ueberhebung sind die psychologischen Wurzeln, aus denen der Liberalismus emporgewachsen ist. Mangel an Mut und geistiger Widerstandskraft gegenüber der Umgebung, gegenüber der sich Wissenschaft nennenden Negation und daneben ungeheure Ueberschätzung der Kompetenzen des eigenen Intellekts in den letzten Dingen — diese beiden Charaktermängel haben das liberale Judentum geboren und sind noch heute, da es nicht leben und sterben kann, seine hervorstechendsten Merkmale. Die größere Gefahr für die gesetzestreue Gesamtheit des jüdischen Volkes bildet in unseren Tagen dennoch nicht der Liberalismus, sondern der Nationalismus. Er vereinigt die intellektuelle (Selbstüberschätzung mit dem Mut der aktiven Unterhöhlung des ganzen Grundgebäudes der jüdischen Lebrnslehre, und er vollzieht die Angleichung an die Umgebung auf dem langsameren, aber gründlicheren Wege der nationalen Assimilation. Die immanente Gerechtigkeit der von Gott gelenkten jüdischen Geschichte, die den Liberalismus rascher als er in seinen Siegesträumen zu ahnen vermochte, ereilte, wird, wir sind dessen sicher, auch an der nationalistischen Welle ihr Werk früher oder später vollziehen. „Das neue Herr". Ein Prozeß der vor kurzem vor den Schranken des Jerusalemer Gerichtes zum Austrag kam, zeigt uns den Kernpunkt des arabischen Problems in Palästina mit aller Deutlichkeit. Angeklagt waren der bekannte hebräische Schriftsteller Awigdor Feuerstein und der verantwortliche Leiter des Verlages „Achduth", Seew Aschur, wegen einer Broschüre aus der Feder des elfteren, die sich ttHn 2^ betitelt und in der das Gericht eine Beleidigung des arabischen Volkes erblickte. Wir haben das Buch gelesen, es bespricht die Ereignisse des 2. Nov, und es hat uns nicht gefallen. Es ist zuviel Anklage darin enthalten, gegen Gott und Menschen, gegen Negierung und Behörden. Aber die geschickte Verteidigung Feuersteins, die auch schließlich zu seiner Freisprechung geführt hat, verdient seftgehalten zu werden. Er sagte: „Ich habe nichts gegen die arabische Nation und als Schüler von Goldzteher und Bacher kann es mir nie in den Sinn gekommen sein, Gefühle des arabischen Volkes zu verletzen. Wie meine Lehrer habe auch ich mehr wie einmal das Lob dkr arabischen Kultur und Literatur verkündet. Meine Beziehungen zu den Arabern sind durchaus freundliche, ja brüderliche. Wenn aber in meiner Schrift scharfe Worte und Wendungen enthalten sind, so sind diese gegen diejenigen gerichtet, die daran interessiert sind, eine Kluft zwischen uns und der Regierung,zwischen uns und den Arabern zu schaffen." Der Verteidiger, Herr Pan, fügte dem noch hinzu: „Muß erst bewiesen werden, daß F. mit „Mördern" usw. nicht das arabische Volk als solches treffen wollte?! Wir wissen, daß die Mordbrenner und Frauenfchänder nur Einzelne sind, aus der Hefe, wie sie ein jedes Volk absor.dert. Wir kennen das arabische Volk und waren mit ihm in langen Jahrhunderten der Geschichte eng verbunden durch Bande geistiger Kultur. Untere kostbaren Literaturschätze wie „Kusari", „Chowath halewawoth" sind arabisch geschrieben, ebenso die besten Schriften des Marino nid es. Und da sollten wir Feinde des arabischen Volkes und seiner Kultur sein? Dt Mordgesellen, gegen die sich die scharfen Worte des Angeklagten richten, sind aber in gleichem Maße Feinde des arabischen wie des jüdischen Volkes". W«1»»lle billige -ich«! i-Priliien für flle DBonnenfen des .,3sraer $. R. fiirscb, Der Pentateuch § 8de. gev. Inland, Deutsch-Oesterreich und Ungarn Mk. 1SV — statt Ladenpreis Mk. 250.--, znzügl. Selbstkosten für Porto und Verpackung Anstand: Amerika Dollar 3.—, England Schilling 12.—, Dänemark-Norwegen Kron?n 15.—, Belgien und Frankreich Frs. 25.—, Schweiz Frs. 12.50, Holland Gnld. 6.50 Tschecho-Slowakei^Kronen 125.—. 5. R. Hirsch, versuche über Israels Pflichten in der Verbannung. Inland, Deutsch-Oesterreich «nd Ungarn Mk. 70.— statt Ladenpreis Mk. 93.50, zuzügl. Porto und Verpackung Ausland : Westländer 100 Prozent Valuta-Aufschlag, Tschecho« Slowakei nnd Rumänien 50 Prozent, Valuta-Aufschlag znzngl. Porto, Verpackung und Ausfnhrgebühr. 5. % Hirsch, Israels Gebete (Siddur mir Seurrcim (Übersetzung u. Erklärung) Inland, Deutsch-Oesterreich und Ungarn Mk. 85.— statt Ladenpreis Mk. 111,65. Ausland: Westländer 100 Prozent Valuta-Aufschlag, Tschecho« Slowakei nnd Rumänien 50 Prozent Valuta-Ausschlag znzngl. Porto, Verpackung nnd Ansfnhrgeünhren. Zn beziehen nur direkt vom Verlag des Israelit G. ut.ö. H. gegen Vorauszahlung oder gegen Nachnahme. des .Mir Inland: brofch. geb. Lehmann, Samuel hanagid .... 12.- Scbaebnowitr, mmlaika., 12,— „ Lufimen-eben .... >r— 3ensektr .ö.—, I*.— „ 3m Juäettstaat der Lhararen (neu) . . . 24.—, 2$.— zuzüglich Porto nnd Verpackung. Ausland: Westländer 100 Prozent Valuta-Zuschlag, Tschecho- Slowakei nnd Rumänien 50 Prozent Valuta-Zuschlag znzngl. Porto, Verpackung und Aussnhrgeviihr. Zn beziehen durch alle Buchhandlunsen sowie direkt durch den Verlag gegen Vorauszahlung oder unter Nachnahme. Allo Preise freibleibend. Frankfurt a. M., 3. Januar 1922. ' »erlag des Israeli! ®. m. b. S, Farbenwechsel eine Jahreszeit von der anderen unterscheiden lasse. Nun, in Palästina finden diese Behauptungen gewih ihre Bestätigung Wer die Farben dieses Landes einmal gesehen, kann sie nicht wieder ans seinem Gedächtnis bannen. Wenn auch jede Landschaft ihre Farbe mit den Jahreszeiten wechselt, so bleiben doch die Sandflächen und Felsen, die kahlen Berge und Seen unveränderlich. Aber gerade diese geben Palästina seinen Farbencharakter. Der Sand meiner Heimat ist stets weih wie Kalk, ihre scharfkantigen Felsen legen niemals ihre hellbraune Farbe ab und ihre kablen Berge erinnerten mich jeden Tag an purpurne Wänd.', die ein feinsinniger Künstler mit roten, schwarzen und gelben Bändern geschmückt hat. Judäa ist durchweg gebirgig und steinig. Berge und Steine findet man zwar im ganzen Lande, aber in Judäa scheinen alle Dinge — Siadt nnd Dorf, Ebene, Feld und Fluh — in Stein gehauen und von einem Gebirgskranz umgeben. Dort kann man das beobachten, was ich einmal örtliche und zeitliche Färbung nennen will. Gaza ist in eine dunkelbraune Gerftenebene getaucht, während die Sharon-Ebene von den grünen und goldhellen Lichtern ihrer Obstgärten und Weinberge beherrscht wird. Als Jude braucht man nur kurze Zeit die Ebene von Esdraelom zu durchwandern, um durch das glühende Rot des landschaftlichen Bildes an die Schicksale seines Volkes erinnert und zu doppelter Schaffensfreude angeregt zu werden. Natürlich gibt es auch in Galiläa Berge — wo sind k.ine in unserer Heimat? —, aber ihre Umrisse sind viel schwächer. Das liegt an den Linien der jungen Oetbäume, die dem Gesamtbild jede Strenge nehmen und fast so ausschauen, als ob sie sich durch die Gegenwart ihres Herrn und Meisters, des grauköpfigen Hermon, eingeschüchtert fühlten. Der Gipfel des Hermon ist so weih, dah auch die Wolken in dem atren Riesen ihren Gebieter sehen und sich nach langer Wanderung auf seinem Haupt niederlassen, um dort ihre weihen Zelte auszuspannen. Dann gleicht der Glanz einem strahlenden Strom geschmolzener Lava. (Vielleicht will Vater Hermon aus diese Weise dem See von Kinereth und den Hügeln von Moab Kunde geben vom Besuch seiner hohen Gäste?) Manchmal weint der gastfreundliche Hermon vor Freude, sodah^seine Tränen in langen Schleppen von flüssigem Silber bis Kinereth rollen. Wenn die Farbe Frankreichs bezaubernd und heiter, die Farbe Italiens blendend bis zur Herausforderung ist, so kommt in der palästinensischen Landschüft eine zarte Bescheidenheit zum Ausdruck. Tatsächlich kann man in Erez Israel nur von Halbfalben, Schattierungen und Nuancen reden, woraus daun folgt, dah man das Land am ehesten mit einem Aquarell vergleichen kann. Palästinensische Landschaften regen niemals aufsie besänftigen und schmeicheln. Ich glaube auch, dah man beim Anblick des Landes leicht eine Erklärung für die innere Ruhe des palästinensischen Juden finden kann - denn ich, als jüdischer Tourist, habe sogleich empfunden, wie sehr die Landschaft unserer Heimat die Seele des ernsten Juden zu erquicken imstande ist. Aber die Zartheit der Farben deS Landes schlteht noch nicht ihre Lebhaftigkeit und Klarheit aus. Du stehst einen Gebirgszug, 20 oder 30 Meilen entfernt, in bestimmten Umrissen und fühlst, in welchem Matze das leichte Farbenspiel den Zauber einer stilisierten Komposition hervorruft. Diese Fernblicke — man steht sie überall! — sind die entzückendsten Aussichten. Ueberall ist eine mystische Atmosphäre und eine Vorstellung vom göttlichen Inhalt der Natur. Noch ist nicht genau festgestellt, inwieweit Klima und Landschaft menschliche Gemüter und Charaktere beeinflussenaber wenn man nacheinander England, Frankreich, Italien und Palästina besuchte, so würde man, wie mir scheint, leicht vermuten, warum das eine Land die philosophische Erkenntnis, das andere das Entstehen groher Kunstwerke, das dritte Musik nnd das vierte Erkenntnis der Prophetie fördert. Palästinas hohe Hügel und plötzliche Täter, seine scharfen Felsen und dunklen Höhen, die Stille der benachbarten Wüste und die tausenfarbigen Sonnenauf« und Untergänge — alles zwingt zum Sinnen und Betroch'en, zur Prüfung und Bewunderung des einzigen Schöpfers dieses wunderbaren Kunstwerkes. Sine ' '" " Entdeckung. Im Pariser „Figaro" veröffentlicht R. G ün S S u r g einen Aufsatz, worin er behauptet, ein in der Synagoge zu Kowno seit Jahrhunderten ausbewahrtes Noten» Manuskript aus der jüdischen Königszeit (Salomonische Periode) entziffert zu haben. Es handelt sich um eine Handschrift von Schir haschirtm, die über den Buchstaben vokalähnliche Zeichen aufweist, die GünS« bürg als Noten verifizieren zu dürfen glaubt. Die Günsburgiche Entdeckung wird wohl noch manchen kritischen Ausftellungütt der Sachkenner begegnen. Fsmiliennachrichlen. Geburten- Einen Sohn, Nathan Elchwege (Pfeuffer), Neustadt. — Einen Sohn, Josef Eschwege, (Adler), Ochtw. ^63825

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