Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1922)
- Date
- 1922-01-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seit __, erscheint, wird in einer Korrespondenz aus Bagdad von einer Täuschung und Irreführung ge^ sprachen und im Namen der Juden Bagdads kategorisch Rechenschaft verlangt über die Verwendung der dort zu dem genannten Zwecke gesammelten Gelder. Einführung fles öberrabblners. Beirut, 3. Dezember. Die Einführung des neugewählten Oberrabbiners von Beirut, Rabbi Tagirs, ging unter großen Feierlichkeiten vor sich. Auch die Notablen der mohamedanischen Bevölkerung nahmen an dem Feste in der Aula der Alliance- Schule teil. Ein hoher Beamterverlas die Genehmigung der Regierung und der Direktor der Aüiarcc-Schule, Herr Damun, hielt eine Festrede in französischer Sprache, in der er auf die lehte Entwicklung der Gemeinde in Beirut hinwies. Es kamen noch andere Redner zu Worte, denen der Oberrabbiner selbst in herzlichen Worten dankte. Es werden in Beirut große Hoffnungen an die Amtstätigkeit des neuen Oberrabbiners geknüpft. Amerika. kinwanSerungsbestbränkungen Mew-HZork. 10 Dezember. Aller Boraussicht nach werden sich im neuen Jahr? die Pforten Amerikas für die Einwanderer mindestens bis zum Juli gänzlich schließen. Erreicht ist die Einwandererguote für folgende Länder: Polen, Palästina, Jugoslawien, Türkei u. v. m. Einen kleinen Rest hat noch Tschechoslowakei zu gut und Rußland kann noch £0000 Emigranten schicken. Aus den Hauptgebieten der jüdischen Auswanderung wird also vorerst die Emigration ins Stocken geraten. Personalien. Darmstadt, 2 Jan. Frau Eva Reinheime r >ie Gattin des Herrn Samuel Retnheimer, hier, ist gestern zur ewigen Ruhe gebettet worden. Still und bescheiden wie sie gelebi, ging sie von dannen. Die Heimgegangene, die ein Alter von nur 62 Jahren erreichte, war eine fe'ne,,schlichte und fio > me Fcau, weiche von Jedem, der sie gekannt halte, geehrt und geliebt wurde. Erfüllt von starkem Gottesglauben, gestärkt und vorbereitet durch die Lehren und Vorbilder des Elternhauses war sie befähigt, n»cht nur dem übcr olles geschätzten Gatten Gefährtin und Erzieherin ihrer Kinder, sondern auch ihm Gehilfin in der streng frommen Führung seines früheren bekannten Hotels zu fein. Mtt großer Klugheit verband sie eine große Herzensgüte, die neben der Familie und Freunden den Armen in besonderem Matze zugute kam. Möge ihr Leben Beispiel und Vorbild sein an Frömmigkeit und Opfermut. Möge ‘n dem gebeugten Gatten und den Angehörig-n Trost spenden. Grätz (Prov. Posen), 27. Dez. Hier starb am 11. Ktslew Moritz Stern. Er wurde 86 Jahre alt und ihm war seine Vaterstadt so sehr ans Herz gewachsen, dah er trotz Drängens seiner Familie sie nicht verlassen wollte. Er war täglicher Besucher der Synagoge und besuchte auch, wenn es seine Zeit gestattete, das Beshamidrasch. Sein grötzier Schmerz war, datz die Gemeinde an Jüdischkeit abnahm und es in den letzten Jahren keinen täglichen Gottesdienst mehr gab. Drei Jahre fast bettlägerig, vergast er nie für alles gu danken. Geistig frisch bis zum letzten qenblid, verlebte er seine letzten Stunden in Gebeten und starb versöhnt mit Gott und mit der Welt. Ec war der Schwiegersohn des großen Ramlczer Talmudisten Reb Meyer Berget. Das Leichenbegängnis legte Zeugnis von feiner Beliebtheit bet Juden wie Andersgläubigen ab. Möge ' trn seiner hochbetagten Gattin wie den Kinder»? Trost angedeihen lassen. Hamburg, 28. Dez. Am verflossenen ,^2'fft hier eine wackere Frau zum ewigen Leben dahingegangen. Frau Brendinn N athan sen, geb. Posen nnv, die nach mehr als -i8jährigem Aufenthalte in Halberstadt vor ganz kurzer Zeit mir ihrem als c;r -iö^r und 'n st allgemein bekannten und geachteten Ehemann nach seiner Vaterstadt verzog, um hier im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihre letzten Lebensjahre zu verbringen, konnte zum Leidwesen ihrer Familie, und vieler Mitglieder unserer Gemeinde dieses ersehnte Glück nicht lange genießen. Gebo-en zu Frankfurt a. M. als Tochter des bekannten Talmudgelehrten Hosen wurde bei ihr von Jugend an das Interesse für und rrn», sowie auch für allgemeine Bildung in solch hohem Matze erweckt, datz man im Verkehr mir ihr ohne Uebertretbung glaubte, eine von jenen Frauen vor sich zu haben, von denen uns der Talmud als Der Israelit. Ausnahmen berichtet! Konnte sie doch Stellen der Gemoro und der PauMm ariführen, konnte sie doch Tenach und sonstige Werke erklären, verstand sie es doch, Ahawas Tauroh nicht nur im Kreise ihrer zahlreichen Kinder zu pflegen, sondern auch im Kreise ihrer virlen Bekannten und Freunde. Sie unterstützte ihren mit Stolz zu ihr emporschauenden Ehemann in der Pflege des Thaurostudiums und welche besondere innige und wahre Anhänglichkeit bewies sie den Rabbinersaulilten in ihrer Halberstädter n7np und sonstigen EN22P! n'öPn. Ihr letzter Wunsch war, datz ihre Enkel als rn:n "Cü erzogen werden sollen. Trotz ihres nur kurzen Aufenthaltes in unserer Gemeinde war die Beteiligung bet der am Sonntag my nachmittags staitgefundenen *'h eine große. Der Gatte uns ein Freund der Familie, Herr Srloman I a c o 6 i o n, gaben der Trauer ergreifenden Ausdruck. nv2X3n. Neustadt (Be^ Cassel), 27. Dez. Am 2. Kislew starb hierie bst nach längerem Krankenlager die in allen Kreisen hochgeschätzte Frau Witwe Adelheid Lev i. Die Dablngeichiedene gehörte zu den echten ö’lW und wirkte während ihrer ganzen Lebenszesi getreu den Satzungen unserer nimp.i min. Ihr Tod hinterläht in unserer Kehilloh, besonders im Frauenverein der hiesigen jüdischen Gemkinde, eine große Lücke. Nahezu 15 Jahre leitete sie in uneigennütziger und aufopfernder Weise als erste Vorsitzende die Vereinsangelegenheiten und betätigte sich als solche durch unermüdliche und weltumfassende Tätigkeit ans dem Gebiete von Gemilus Chessed und Zedokoh. Unvergeßlich wird uns die teuere Verstorbene bleiben, wie ihre Leistungen unverwischlich sind. n"E2£.‘rf. Tann i. d. Rhön, 25. Dez. Zu Ehren des verewigten Dr. C. Heilbrunn *?ü>, Gailingen, welcher der hiesigen E'iiiETt7>-QN als langjähriges treues und förderndes Mitglied angehörte, fand gestern bei vollbesetztem *rj?*ti* eine Gedenkfeier st tt. In herzlichen Worten treuen Gedenkens, verstand :s Herr Lehrer Hecht, ein Lebensbild dieses edlen Heimgegangenen, der trotz großer Entfernung seiner Heimat und Heimatgemeinde in rührender Weise immer nahe gestanden, zu entwerfen. Wien 28. Dez. Mit Josei Popper L y n k ens ist eine starke Persönlichkeit dahmg'gaogrn, tue auh jüdisch zu nennen ist. Popper hat sich, wenn auch auf Umwegen, vo.il Kosmopolnismu't zun Judentum gefunoen. Sein Buch ,,Fürst Bismarck und der Antisemitismus", welches im Jahre 188ä erschien ist ein menschltches Dokument im wahrsten Sinn: des Wortes. Nachdem er die Argumente der wissenschaftlichen Bs.- treter des Antisemitismus in ihr Nichts aufgelöst, wendet er sich an seine Voiksg-nossen, um g?beugt^n Mut aufzurichten und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu beleben. Ohne Zionist zu sein, huldigte Popper'chon lange vor Herzt der Jdce ei es Judenstaates, von dem er für die in der Wel. zerstreut Lebenden Rückhalt und die Achtung der anderen Völker, besonders der Regierungen erwartete. München, 26. Dezember. Am Sonntag, 33 Dezsand in München im großen Sitzungssaal der Gemeinde eine vom „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" veranstaltete interne Zusammenkunft der jüdischen Jugendvereine in Bayern statt. Im Mittelpunkt der Beratungen stand ein großzügiger Plan der Verbandsleitung über die Umgruppierung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der eine Dreiteilung der jüdischen Jugendbewegung in-jungjüdische Wanderbünde, bezw. J-unggruppen, Jugend« vereine und einen Rar ehemaliger Führer vorsieht. Die Verhandlungen rvaren von dem Grundgedanken beherrscht, datz der heutigen Jugend die bisherige Vereinsform unerträglich geworden ist. Dr. Apfel teilte mit, datz diesbezügliche Pläne zunächst von einer Sitzung des Gesamtvorstandes, die am 29. Januar in Hannover stattsindet, zu einem Entwurf verdichtet werden sollen. Allgemein, so u. a. von Rabbiner Dr. Baerw ald, wurde der Ansicht Ausdruck verliehen, datz sämtliche Jugendbewegungen, so auch die jüdische, zur Zeit gewissermaßen aus einen toten Punkt angolaugt sind. (Stehe Wochenrundkchau. Die Red.) Meran, 26. Nov. Der Verein „Asyl für kranke Israeliten, Meran", hat in seiner letzten Vorstandssitzuug beschlossen, das Genesungsheim in Meran von Mitte Februar bis Mitte Mai 1922 wieder zu eröffnen. Aufnahinssuchende müssen sich an die Verwaltung in Meran wenden. Frankfurter Kenüste. Rabbiner Seligmann Fromm. (Zu seinem hundertsten Geburtstage.) Am 1. Tewes sind hundert Jahre verflossen seitdem der unvergeßliche Rabbiner Fromm dem Judentum und der gesamten Menschheit geschenkt worden ist; gleich einer hell leuchtenden Menorah strahlt sein Bitd aus alter glücklicher Zeit hinüber in unsere Tage. Als Zweitältester Sohn eines schlichten, durch Frömmigkeit und Rechtlichkeit ausgezei linkten Mannes in Grotzlangheim geboren, erkannte die edle, aus gefeierter Gelehrtenfamilie stammende Mutter mit richtigem Blicke schon sehr frühe - dieiuy zarten Kindes schlummernden Anlagen und Vorzüge"unü. aus. ihrem Totenbette bestimmte sie den damals kaum achljahrtgen Jungen „fürs Leinen". Jni Alter von zwölf Jahren kam der Knabe zu Rabbi Seligmann Bär Bambergev, dem nachmaligen großen Würzburger Raw, der damals noch in Wiesenbronn lebte und »nach gründlicher Vorbereitung zog er als Sechszehnjähriger nach Preßbürg, um auf der damals größten jüdischen Hochschule zu den Füßen des ILD 2NN sich wetterzubtldender große Meister hatte sein Auge auf diesen seinen Lteblingsschüler gelenkt. Ein Jahr genoß er noch den Unterricht dos großen Lehrers, um daun bet dem Nachfolger, dem unvergeßlichen ',sia ans, .der ihm innigste Freundschaft entgegenbrachte und bei dem Pretzburger pi Rabbi Naihan Wolf ‘r'St, der den jjangen Schüler väterlich liebte, weiter zu lernen und zu streben. Nachdem er fünf Jahre lang in Preßburg als einer der anspruchslosesten und sonnigsten Schüler seinen Smdlen abgelegen, kehlte er mit der Semichah in die Heimat zurück, froh empfangen von Rabbi Wolf Hamburger, dem damaligen Fürlher Rabbiner, der den jugendlichen Schüler schon damals zu seinem Nachfolger im Amte wünschte. Das ehrliche »reue Wissensstceben, das sein ganzes Leben hindurch einer der stärksten Charakterzüge Rabbiner Fromms bildeie, führte ihn tndeffen nochmals zu seinem Jugendlehrer Rabbi SeligmäNtt Bär Bamberger zurück, der inzwischen auf den alten Rabbinersitz in Würzburg berufen worden war. Vier Jahre hindurch widmete er sich gleichzeitig seinen Unioersitcns- und den Thora-Studien — wie emsig und erfolgreich ec „gelernt / hat, beweist die Tatsache, datz der große Würzburger Raw dem fleißigen Jünger die runin mnn verlieh, eine Ausszeichnung, deren sich von allen seinen Schülern nur noch ein zweiter (der selige Oberrabbtner Stern zu Hamburg) rühmen durfte. Nachdem er kurze Zeit als Lehrer in Karlsruhe tätig gewesen, berief ihn im Jahre 185l die Gemeinde Homburg v. d. H. zu ihrem Rabbiner. In der Zeit, da er sein Amt anirar. entwickelte die „Reform" ihre ganze Kraft, um, wie ihre Bannerträger glaubten, in starkem schnellen Anlauf Israels Gemeinden für sich zu gewinnen. Es gelang *er Kraft und der milden überzeugenden Persönlichkeit d?s Rabbiner Fromm, von der ihm anrertrauten Kehitla alle Versuchungen abzuwehren — es gab damals in der stattlichen Homvurger Gemeinde Keinen, der am Sabbat seinem Geschäftsbetriebe oblag. Als Rabbiner gehörte er dem Vorstande der Gemeinde an und in dieser Korporation sah er sich oft ganz isoliert in seinen Bestrebungen, dann aber entfaltete er desto größeren Mut und seine felsenfeste Ueberzeugnng, daß die gute Sache siegen müsse, ließ ihn nicht verzagen. In 24 gesegneten Jahren hat ec seine Kraft der Gemeinde geweiht, von seinem Landesfürsten, dem Landgrafen Ferdinand von Hessen-Homburg in besonderer Weise geachtet und verehrt, einem jeden seiner Gemeindemitglieder ein wirklicher Freund in jeglicher Sorge und Not. Die Tätigkeit in Homburg, das damals als Weltkurort in höchster Blüte stand, führte Rabbiner Fromm alljährlich mir Persönlichkeiten des In- und Auslandes zusammen; das Haus des Rabbiners bildete den Mittelpunkt für jüdische Gel« hrtems'nm riwj» waren bei Rabbiner Fromm in gleich fta»kem Matze zu Hause — und hervorragende Getdaristokraten. an deren Herz Rabbiner Fromm in seiner g wtnnenden Art nie umsonst für wohltätige Zwecke appellierte und deren Hülfe er auch für den Bau der herrlichen Synagoge in Homburg in Anspruch nahm. Viele rilbsp jüdische Geistes fürsten stammen aus Fromms Rabbineriätigkeit in Homburg und ei freuen noch heute durch ihren Scharfsinn und ihre Klarheit die jüdische Gesamtwelt. An seiner Seite wirkte in ihrer beglückenden und liebevollen Art die unvergeßliche ebenbürtige Gattin, die Tochter seines Lehrers, des Würzburger Rebbs Bamberger, mit der ihn ein wahrhaft glückliches heiliges Familienleben umschloß. Bis zum Jahre 1875 wirkte Rabbiner Fromm in Homburg, in welchem Jahre der unvergeßliche Baron Willy von Rothschild b'-Xi, ihn an seine Seite nach Frankfurt a. Ul. berief und »hm damit dre Möglichkeit bereitete, ausschließlich dem Thorastudium, den Werken der Wohltätigkeit und den Mühen für alles Große und Edle sich zu widmen. Wer möchte schtldein, wie Rabbiner Fromm dann bis zu seiner Todesstunde der heiligen Aufgabe, die »hm cu stellt war, sich treu bewiesen hat? Und dieser gefeierte Gelehrte tn Schrift Zabbat-Hnlang «na Ausgang. rjn row- Ort: Anfang Datum Ausgang Uhrj Rin. li>22l 5682 Uhr jMtn. Frankfurt a. M. 4 20 7. 7. 5 35 Berlin .... 4 10 Jan. Tebet 4 59 München . . . 4 36 5 21 Eöln. 4 35 5 35 Stuttgart. . . 4 30 5 30 Breslau . - - 3 50 4 50 Nürnberg. . - 4 20 5 19 Hamburg - - - 4 10 5 10