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Der Israelit · 1922-01-05 · Heft 1 (5.1.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 1 (5.1.1922)
Date
1922-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Januar if®B Wahres 1920, die nur dank der besonderen geistlichen Standesvertretüng eine knappe liberale Mehrheit aufwies, die Einberufung einer außerordentlichen Synode zur Vorbereitung einer Verfassung beschlossen und einen Berfa ssungs aus schuß eingesetzt hat. In den neugewählten Oberrat sind, entsprechend der Zusammensetzung der Synode, zwei Grsetzestreue und zwei Zionisten eingetreten, damit ist die langjährige Uebung, im wesentlichen nur Liberale zu Mitgliedern des Oberrats zu machen, durchbrochen worden, und der Verein darf für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, dieses durchgesetzt zu haben. Nach Lage der Dinge darf von dem neuen Oberrat eine tatkräftige Förderung der konserralwen Interessen erwartet werden. Gerade jetzt, nachdem die Hindernisse für btc ft etc Entfaltung des gesetzestreuen Judentums zum großen Teile hinweggeräumt sind, erwächst dem Verein noch mehr als bisher die Pflicht, für die jüdischen Ideale zu wirken, wozu ihm, trotz aller Anforderungen, die die Zeit an alle stellt, alle Gesinnungsgenoffen in Baden verhelfen sollten. Altona, 26. Dezember. Der Jüdische Gemeindeveretn in Altona beschloß, an die Gemeinde- Verwaltung das Ersuchen zu richten, die Bestimmungen über das Wahlrecht durch Einführung der geheimen Wahl so zeitig abzuändern, daß bereits bei den im F bruar 1922 statlfindenden Gemeindewahlen nach den neuen Wahlrechtsbestimmungen gewählt wird. Voten. Die jüfllMien Schulen In Polen- Warschau, 1. Januar. Einer Delegation derZentralenJüdischen Schulorganisation, die sich über Benachteiligung der jüdischen Schulen von Seiten der Regierung beklagte, erklärte der Bize-Bildungsminlster, daß er gegen jüdische Schulen an sich nichts einzuwenden habe, daß aber der Kampf der Regierung sich gegen die sog. proletarischen Schulen richte. Am wenigsten habe die Regierung etwas gegen die C heb er s ch u l e im Sinne. Verwirrung entstehe in den Regierungskanzleien durch die vielfachen jüdischen Eingaben, von denen die einen die hebräische Schule, die anderen die jiddische Schule kategorisch wünschen. Bei allem Entgegenkommen müßte man mit baldiger Schließung vieler jüdischer Schulen rechnen. Warschau, 28. Dezember. Gestern starb hier der als Gaon bekannte Rabbi Joffes Ahron Rabinowl tz, Verfasser der talachtschen Werke TH Hö# LN2U Dttr u. a. nt. Er war ein nHö wie es deren noch wenig in unserer Zeit gibt. Er unterhielt und leitete eine Jeschtwah, aus der Thoragelehrte von Ruf hervorgegangen sind. kin liferarifcher nachlag. Kowno, 26. Dezember. Im Nachlaß des verstorbenen N. Jakob L i pschltz befindet sich ein vollkommen druckfertiges Buch unter dem Titel rpy IH37, das wertvolle Dokumente über die Aera des Rabbi Jzckrok Elchonon und dessen Kreis enthält. Ein halbes Jahrhundert lang hat I. Lipschütz T'2£7 an der Sette des „Kownoer Raw" als dessen Berater und erster Mitarbeiter gewirkt und seine Erinnerungen umfassen die Geschichte der russischen Judenhett in der zweiten Hälfte des verfloffenen Jahrhunderts fast lückenlos. Wer das Gedächtnis des Verstorbenen gekannt hat und seine Sprache und Darstellungsart aus seinen früheren Büchern zu würdigen weiß, begreift, daß es sich hier um ein jüdisches Werk handelt, das die Hilfe. und Förderung der Besten verdient. Heraus- Ä wtrd das Buch vom Sohne irfaffers, Herrn Notel L'pschütz, Kowno (Jurbarkas 83) und ist es zu hoffen, daß er von edeldenkenden Freunden jüdischer Literatur und Geschichte in den Stand gesetzt wird, das Unternehmen zu Ende zu führen. Der Israelit. _ Die Legalisierung der iüdifchen Emigration in Sowjel-nuglanS*). Kowno, 24. Nov. In Kowno fanden in der letzten Woche Besprechungen statt, die zu einer Uebereinkunft von weittragendster Bedeutung für die Regelung der jüdischen Emigration aus Sowjet-Rußland führten. Die Litauische Regierung, vertreten durch den Minister des Innern Skipitis, den Minister für jüdische Angelegenheiten Soloweitsckik und den Vertreter des Landschutzministeriums Brigadechef Merkis einerseits, und die Repräsentanten des Exekutiv-Komitees der jüdischen Welthilfskonferenz, die.Herren S. Rosenbaum, Präsident des jüdischen Nationalrates in Litauen, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Berlin» Dr. M. Kreittin, Moskau, Dr. M. Kowalsky, New-Aork, Rechtsanwalt, Dr. Leo Gläser, Parts, andererseits, haben einen Vertrag abgeschlossen, dessen Inhalt wir folgendes entnehmen. Nach diesem Vertrage gewährt die Litauische Regierung denjenigen jüdischen Emigra ten ungehinderte Einreise nach Litauen, deren Ausreise die Sowjelregterung, mit der ebenfalls dauernd Verhandlungen geführt werden, gestattet, d. h. zunächst vor allem den nächsten Verwandten in Amerika naturalisierter Bürger. Es sollen in Litauen alle Einrichtungen getroffen werden, die genügende Wohngelegenheit, die nötige sanitär-hygieaische Hilft und nötige Verpflegung garantieren, um eine geregelte Durchwanderung zu ermöglichen. Auch im Bezug auf die Erteilung der erforderlichen Visen und Legitimationen sind eine Reihe erleichternder Maßnahmen vorgesehen. Das Exekuiiv-Komitee übernimmt es, der Litauischen Regierung jeweils die Listen der Emigranten vorzulegen, die für die Einreise in Aussicht genommen werden. Mit dem Bau der Einrichtungen, Baracken u. a. m., soll tunlichst sofort begonnen werden. Die Registrierung der Emigranten ist auch bereits in die Wege geleitet, so daß zu hoffen steht, daß im nächsten Frühjahr eine geregelte Emigration über Litauen ihren Anfang nehmen wird. Die Haltung der Litauischen Negierung, — der Minister des Auswärtigen, Punkts erklärte, daß es ihn freue, an einem völkerverbindenden Merke der Humanität Mitarbeiten zu können — wird nicht nur den jüdischen Emigranten zu Gute kommen, sondern auch ihre Wirkung auf die litauisch-jüdischen Beziehungen nicht verfehlen. Wtauen. Vas wa kenhaus 9es 6aon. Wilna, 28. Dezember. Unter dem Namen '^8 n'2 ist hier vom Rabbinerkomitee zum Andenken an den zweihundertjährigen Geburtstag des Wilnaer Gaon ein Waffen haus ins Leben gerufen worden, das zur Zeit 148 Waisenkinder zählt. Das Haus befindet sich in finanzieller Not und das Komitee oppelliert in jüdischen Zeitungen an alle, denen der Name des Gaon heilig ist und die Not der Kriegerwaisen am Herzen liegt, der Anstalt ihre Unterstützung zukommen zu lassen. wilnaer Wahlen. Wilna, 28. Dezember. Nach weiteren Verhandlungen mit den Regierungsvertretern beschloß die jüdische Gemeindeverwaltung die jüdische Bevölkerung einzuladen, sich an den bevorstehenden Landtagswahlen zu beteiligen, da nur auf diesem Wege die Juden vor einer Benachteiligung ihrer Interessen zu wahren sind. Rum einten. London, 1. Januar. Dr. Ga st er empfing heute den Besuch des rumänischen Gesandten, der ihm im Namen des Königs von Rumänien den *) Wegen Raummangels verspätet. Nr. i Seite 5 Kronenorden Überreicht, und zwar in Würdigung der Verdienste Gasters um die rumänisch Wissenschaft. __ nJaifenhlnder an der ßrenje. Bukarest, 29. Dezember. Von Seiten der russischen Regierung wurd en einige tausend jüdische Waisenkinder an die rumänische Grenze gebracht, um sie jenseits des Dnester vor Verhungerung zu retten. Nur eine klein e Anzahl konnte bis jetzt über die Grenze gelangen. Auf rumänischer Seite ist ein jüdisches Hilfskomitee zu Gunsten der unglücklichen Kinder tätig Ualästina. Jerusalem, 20. Dezember. Ewer von den Besten und Frömmsten Jerusalems gwg mit Rabbi Aktba Porusch dahin/ Cr zählte zu den hervorragendsten mmn HHJ. An der nahmen alle Rabbiner der Stadt teil. Porusch war Jerusalemer Kind und lebte all seine Tage getreu seinem Namen mntam ntöHpD. Durch seinen unversöhnlichen Kampf gegen die modernen Schulen zog er sich die Feindschaft ihrer Führer zu, die ihn die Gegnerschaft auf unschöne Art büßen ließen. Es sind von ihm einige kabbalistische Schriften erschienen neben anderen, die sich in seinem Nachlaß befinden. Mesopotamien, vom heben in Bagdad. Bagdad, 3. Dezember. Seit Jahresfrist ist hier die Bildung einer militärischen Legion im Gange, die alle unsauberen und unkontrollterbaren Elkmenie der arabischen, kurdischen und persischen Bevölkerung in sich aufnimmt. Die Soldaten veranstalten von Zeit zu Zeit „Volksbelustigungen" in den Judengaffen, indem sie Juden anfallen und besonders jüdische Mädchen und Frauen belästigen. Eine junge Frau hat vor kurzem als Opfer eines solchen Ueberfalles am hellichten Tage einen tragischen Tod gefunden. Vor wenigen Tagen überfiel eine Mtlittirabteilung einen jüdischen Hochzeitszug und verwundete viele der Teilnehmer schwer. Nur einem englischen Polizisten, der mit Hilfe von Soldaten die Angreifer vertrieb, ist es zu danken, daß es nicht noch schlimmer kam. Der Chacham Baschi von Bagdad hat den Behörden ein umfangreiches Material über die Ueberfälle zugestellt. Abgesehen von schönen Versprechungen ist bis jetzt kein Erfolg zu verzeichnen. Auch so .st ist leider eine starke Zunahme des Antisemitismus in der Presse wie tm öffentlichen Leben zu verzeichnen. Znm Glück bat das bekannte arabische Antisemttenblatt „Dagla" aus unbekannten Gründen sein Erscheinen eingestellt. Vorige Woche wütete ein gräßliches Brand in der Siadt, dem u. a. auch einige Gebäude der „Alliance" zum Opfer fielen. Der Schaden und der Ausfall an Mietseinnahmen für die „Alliance" ist ziemlich groß. In Mesopotamien (Aram Naharjim) befinden sich, wie historisch feststeht, die Gräber des Propheten Jecheskel, Esra s und dasvon Josua, dem Hohenpriestr. Das Jecheskel-Grab befindet sich im Dorfe Al-Kaphal, zwei Tagesmärsche von Bagdad entfernt, das Grab Esras im Dorfe Al-Ufir unweit von Baza. In beiden Dörfern gibt es keine jüdischen Gemeinden äußer den kleinen Jeschtwah Ansiedlungen, die, unterstützt von Juden Babylons, das Thorastudtum Pflegen. Die Spenden fließen sehr reichlich. Sogar aus China kommen Gelder an, jedoch herrschen groß^ Unstimmigkeiton zwischen dem Gabbai und den Jeschiwah-Jnsaffen, die den ersteren des Eigennutzes und der Veruntreuung von Jcsch-.uiah- Gelüern zeihen. Unter den Juden Bagdads herrscht große Erregung gegen die zionistischen Agitatoren, die angeblich zum Zwecke des Ankaufes großer Ländereien tm „Tale Jsreel" in Palästina, ansehnliche Summen hier sammeln, ohne daß man von diesem Bodenkaufe was gehört hätte. Im Tageblatt „Duor Hajom", der in Jerusalem

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