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Der Israelit · 1922-01-05 · Heft 1 (5.1.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 1 (5.1.1922)
Date
1922-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 1 Gottes geweihten jüdischen Volkes ohne alle Machtinteressen ist uns eine rel'giöse Wahrheit. Aber gerade weil der Zionismus diesen religiösenEtgenwertdes jüdischen Volksbegriffes umfälscht und ihn einfach dem modernen Staatsrechi assimiliert, protestieren wir gegen die unverantwortliche politische Dummheit vec Berliner Gemetnde-Neologie, die weder unseren, noch den zionistischen Volksbegriff anerkennt und doch so unglaublich gedrnkenlos ist, daß sie sich, zum Schaden der Gesamijudenheit, von ein paar Zionisten zu Handlangerdiensten für den politt schen Zioni smus mi ßbrauch en läßt. Die deutschen Juden jeder religiösen Richtung haben an diesem Geniestreich keinen Anteil; das sei hier feierlichst festgesteüt. II. In Berlin galt es für Weitzmann, nicht weniger als drei Gruppen der jüdischen Bevölkerung zu erobern: das Gemüt der „neutralen" Jugend, der als Surrogat für das mangelnde posit!v-r e'l i g i ö se Ideal das nationale manchmal willkommenen Ersatz bietet, ferner das intellektuelle Interesse der durch den Antisemitismus verärgerten jüdischen Professoren für die hebräische Untv:'rsiiät und endlich das Geld der philantropischen AMnlanten für den zionistischen Keren Hajeßod. Dagegen hatte der Parteiführer in Wien Zeit und Gelegenheit, im Verlauf einer längeren öffenil'chm Redauch eine Art offizieller Erklärung zu dem Kampf um die Jewish A «ncy abzugeben, über die man nicht hinwegdarf. Weitzmann sagte nach dem Bericht „Wiener Morgenzeitung": „Nun müssen wir zeigen, was wir können. Wenn wir jetzt versagen, werden die Völker auf unsere Klagen nicht mehr hören und das mit Recht. Die zivilisierten Völker anerkennen bereits eine jüdische Körperschaft und räumen ihr juridische Gewalt ein, im Aufbau Palästinas mit der Mandatarmacht Zusammenwirken, die Jewish Agency. Das ist die erste legale Z e l l e d e s jüdischen Volkes als juristischeEinheit. Ke n Wunder, daß man gerade in dieser Ecke, die sehr gefährlich ist, die Zion'sten oft lolschlagen wollte. Biele Juden, ->e bis heute mit dem Aufbau Palästinas wenig zu tun ,alten, wollen jetzt diese jüdische Agency an sich reißen. Diesen Juden sagen wir: Ihr könnt die Jewish Agency haben, wenn ihr das Eintrittsgeld bezahlt, eine MillionPfund jährlich für den Aufbau Palästinas. Billiger verkaufen wir es nicht, teurer vielletch.t. Wenn ein Geschäft verkauft wird, so werden auch die Imponderabilien mitverkauft, nicht nur die realen Werte, der gute Name und das wollen wir auch einschätzen. Düsen „good will" bedeuten fünfzig Jahre der Träume, der Arbeit und der Kolonisation, als es noch kein Mandat gab, w r noch nicht anerkannt, sondern belächelt wurden. Das sind die Bedingungen) zum Mitarbeiten — nicht zum Mitreden." Wir möchten das Gesicht der verdutzten Gemeinde-Liberalen sehen, wenn sie diese Zu EU'l. Kurze Betrachtungen zum Wochenabschnitt.*) Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Und Juda näherte sich ihm und sprach.“ Er sprach, wie der „Jalkut" zur Stelle meint, folgendes: „Stehe, wenn ich das Schwert ziehe, töte ich dich und das ganze Land Aegypten,- wenn ich meinen Mund öffne, verschlinge (vernichte) ich dich und ganz Aegypten. Wenn ich aber zu meinem Vater komme — was soll ich ihm sagen"? (um ns -s ns ppvS min’ ins h -in:s no ns *7s i^s cs.'L ns nmo '.s ns.) Es ist dies scheinbar eine sonderbare Art der Diskussion, die da Juda einleitet. Man versteht erst diesen tSu^spruch des „Jalkut", wem man die Midrasch. iRascht-)Slelle in sm berücksichtigt, die also lautet: Unter dem Ausdruck „sich (jemandem) nähern", versieht *) Nach „Jalkut Hadrusch", II. Teil. Der Israelit. feierliche Erklärung des eben erst so warm begrößten zionistischen Führers lesen: das jüdische Volk als j uristtsche Einheit d. h. mit anderen Worten als staatsrechtlich durchaus aktuelle Staatsnatton, das soll der Sinn der vom Völkerbund zu schaffenden „Jewish Agency" sein. Wir halten nun diese Auffassung zwar für falsch, erblicken in der „Jewish Agency" vielmehr zunächst nichts weiter als ein rein wirtschaftlichpolitisches Zweckorgan, das die praktische Aufgabe einer Gutachter-Instanz und eines wirtschaftlichen Instrumentes für die Mandatarmacht zu erfüllen hat. Aber wenn Weitzmann in der Tat in dieser Agency die erste Zelle für die Wiederauferstehung des jüdischen Staates erblickt — wie konnte er es mit seinem sittlichen Empfinden als Mensch und Jude vereinbaren, im Tone eines gut gelaunten Börsenmannes dieses Heiligtum dem Meistbietenden zur Verfügung zu stellen? Der Ortho doxie jedenfalls ist es mit ihrem Anspruch, die Jewish Agency nicht „an sich zu reißen", wohl aber sie vor einer Monopolisierung durch die zionistische Partei zu bewahren viel zu heiliger Ernst, als daß sie diesen ganzen Kampf um Erez Jisroel zum — Geschäft erniedrigen ließe. Wollen die Z onisten wirklich — wie LLeitzmann bekennt — die Agency zur Grund'age der „juristischen Einheit" des jüdischen Volkes machen, dann geht es um das letzte, um den Sinn der jüdischen Volkseinheit, geht es um die Frage, ob die alte, am Sinai konstituierte Rechtseinhett des jüdischen Volkes fortdauern oder duceine neue, rein rassenmäßtg fundierte und daher durchaus unjüdische juristische Einheit ersetzt werden soll. Wir neiden dem „Misrachi" nicht die furchtbare Last der Verantwortung, mit der er sich um zerflatternder Etntagserfolge willen durch sein Untertauchen in diese funkelnagelneue, revolutionäre ,,juristische Einheit" vor Gott und der jüdischen Geschichte beladen hat, statt an der Seite der ,,Agudas Jisroel" das Gortesgesetz als die alleingültige ervi.;e Verfassungsurkunde des jüdischen Volkes zu bekennen. Herr Weitzmann aber möge seine Geschäftsbedingungen ruhig in der Tasche behalten. Die Weltgeschichte wird über den Zionismus zur Tagesordnung übergehen, wenn er fortfährt, in verhängnisvoller Überschätzung des dauernden Wertes feiner geschickten diplomatischen Regiekunst die Sokolowsche Devise: mötP ’ü rottD auf die Jschuw-Arbeit im Lande unserer Väter anzuwenden: ll^ll ab X'NI. HBS1 5. Januar 1922. Ser „lote Punkt" der jüdischen Zugendvereine. In einer Münchener Versammlung des „Verbandes jüdischer Jugendvereine" wurde allgemein m't tiefem Bedauern feftgestellt, daß die jüdische Jugendbewegung auf den toten Punkt angelangt sei. Wir möchien diese Feststellung dahin berichtigen, daß es erstens nicht die jüdische Jugendbewegung ist, der der Totenschein ausgestellt werden muß, und daß zweitens die jüdische Jugendbewegung, die die Herren im Auge haben, nicht auf einen toten Punkt angelangt ist, sondern von vorneherein von einem toten Punkte ausgegangen ist . . . Wer unsere Artikel anläßlich der Gründung des Verbandes der neutralen Jugendvereine in Berlin noch in einiger Erinnerung Hai, weiß, welche Bewandtnis es mit diesem von uns damals schon erkannten „toten Punkte" hat. Alle jüdische Arbeit steht auf totem Geleise, wenn sie nicht vom Motore der Thoralehre und des Thoralebens gezogen ist. Die Bahn ist uns seit Sinai genau gezeichnet. Sinai unser Schicksal und unser Vorrecht zugleich. Da wird auch die vorgeschtagene Fusion mit Blau-Weiß wenig helfen. Lebendes Holz wird, wie unsere Weisen an der blühenden Rebe im Weinberge zeigen, von totem Holze gehalten und gestützt. Aber wo das eine wie da^ andere tot ist, ist kein neues Blühen zu erwarten ... Wollen die Herren sehen, wie Jugendbewegung, die auf Thora gestützt st, heute noch, und heute mehr Venn je, lebt, blüht und gedeiht, so horchen sie einmal an den Türen der Jeschtwaus, die sich in den letzten Jahren in verschiedenen Großstädten Deutschlands eröffnet haben, sehen sie sich das reicheLeben in den Beretnslokalen unserer Lernvereine, der Agudagruppen, der Esra-Abteilungen an, sehen sie einmal nach Wien und sonst in Oesterreich hin, auch nach Polen und Palästina, wo die Arbeit der gesetzestreuen Jugend bereits die reichsten Früchte für Gesamtisrael zu zeitigen beginnt. In Warschau erscheint seit etwa Jahresfrist eine von den den dortigen „Zeire emune Jisroel" in hebräischer Sprache herausgegebene Zeitschrift Wir empfehlen den Herren vom neutralen Verbände die diversen Hefte dieser wirklich jüdischen und jugendkräfttgen Zeitschrift zur Lektüre, auf daß sie erfahren, wie frisch das jüdische Leben all da pulsiert, wo man sich in Lehr und Leben vom jüdischen Gedanken leiten läßt. man das Entgegentreten in feind li ch em Sinne oder sich Gott im Gebete nähern, oder sich jemandem demütig nähern, um ihn zu besänftigen". (mjtö dvB/ neun nterfr niwn nön^ n»n). Auch unser Wochenabschnilt beginnt mit dem Worte tM'i. Daraus schließt der „Jalkut" mit Recht, daß Juda in seiner Verzweiflung zu allem entschlossen war: Das Schwert zu ziehen (non^ ntwn), um Josef und sein Land zu vernichten,- die göttliche Hilfe und den Beistand des „Königs aller Könige" anzuflehen (n'rsn^ N2>rn) und auch — sich dem Herrischer in Demut zu nähern und seinen Zorn zu besänftigen: (ovab n&tn). „Und Joses konnte sich nicht mehr zurückhalten." Raschi bemerkt dazu: Josef wollte es nicht dulden, daß die Aegypter Zeugen der Schande seiner Brüder werden, (ppvisn ousw nnitn ',-pp ‘run1? m s^> pewano l'nsrry. Wahrlich, dieser Wink verdient es, überall in Israel verstanden und vor allem beherzigt zu werden, in allen Gemeinden, in allen Ländern und überall, wo Juden leben. Mehr Rücksicht auf die Ehre „seiner Brüder", mehr Rücksicht auf die Ehre des Judentums, wäre auch in unserer Zeit dringend geooten! Wenn sich „die Brüder" zuweilen nicht brüderlich benehmen, wenn sie „nicht brüderlich" gegen einander handeln, — das Uebel wird nicht besser, wenn sie vor den Aegyptern beschämt werden, wenn die Aegypter als Zeugen dieser „Schande ihrer Brüder" auftreten: - EtVäs mehr Nückstcht^ au'f unsere Um-j gebung, mehr Rücksicht nuf chje-lEhre Myd Wüpde des; Judentums im allgemeinen wären?:/gär?.-vielen, Ge-! meinden wie Einzelpersonen, dringend zu empfehlen. Jvies weinte und diese Stimme hörten die Aegypter, Höne das königliche Haus Pharao. Wenn die Großen in Israel um ihre Brüder und mit ihren Brüdern weinen — diese Stimme mögen die Aegypter, mögen die höchsten Herrschaften hören; diese Stimme wird auch nicht verfehlen, überall Eindruck zu machen. Wenn aber „die Brüder" beschämt werden, dazu ist die Anwesenheit und die Intervention der Aegypter wahrltch nicht am Platze. Joses hak seine Brüder vor den Aegyptern nicht beschämt. „Man hat nu diese Stimme im Hause Pharaos vernommen: Es sind die Brüder Josefs gek mmen"! Die Brüder und nicht die feindlichen Brüder Josefs! Wie diese Brüder einst gegen ihren Bruder gehandelt — davon erfuhr das Haus Pharaos anscheinend nichts. Und so war es auch richtig. Drei kostbare Schätze, so bemerkt der Midrasch, hat Josef ausbewahrt. Einer derselben wurde entdeckt in den Tagen Korachs, ein zweiter in den Tagen des Antoninus und einer wird erst zum Vorschein kommen in den Tagen des Messias, (^nn pnan jvmicöö new vni^ n^n’ ms: mr:yo:s uu msi mp »au n^n: -ins su*?). Drei Leh eu, kostbarer und wertvoller als die vergänglichen irdischen Güter, können wir aus der Lebens- und Leidensgeschichte Josefs ziehen, Lehren, die es wahrlich verdienen, befolgt und beherzigt zu werden. Josef wurde von seinen eigenen Brüdern angefeindet, verkauft und verraten; er schmachtete lange im Kerker und gelangte trotz aller Anfeindungen und Nachstellungen zur Macht und Herrschaft. Gegen den göttlichen Willen .vermag menschliche Bosheit und Tücke nichts auszuirichten. „Mögen sie fluchen, du aber segnest, mögen sie sich erheben — sie werden beschämt bleiben". Der Ratschluß Gottes besteht ewiglich und sein Wille geschieht trotz aller Ranke, die von Menschen geschmiedet werden. ^Diese Wahrheit wurde offenbart in den

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