Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1921)
- Date
- 1921-12-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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29. Dezember 1921 »rr KSraettr. Sette 11' Nr. 52 das Entwerfen der Grabfchrift zu feinen Obliegenheiten i zählt, nur zu wählen braucht. Wie alle Werke Lion Woiffs ist auch dieses mit Kunst und Liebe wohlgeordnet ur d sehr geschmackvoll ausgestattet. * * * Die jüdische Geschichte. Ein geschichtsphilosophischer Versuch von S. M. Dubnow. Autorisierte Uebeisetzung aus dem Russischen von Israel Frtedländer. 2. Aufl. Frankfurta. M. 1921. I. Kauffmann. VII. u. 111 S. Was bietet die jüdische Geschichte nach Umfang und Inhalt? Was ist der eigentliche Sinn oder der Geist der jüdischen Geschichte? Diese Fragen will uns in der vorliegenden Schrift Dubnow, der Verfasser der von uns schon besprochenen „Neuesten Geschichte des jüdischen Volks" beantworten. In kurzen Zügen führt uns der Verfasser die verschiedenen Phasen der jüdischen Geschichte von der primären oder biblischen Periode über die sekundäre geistig-politische Periode, die des zweiten Tempels und "die tertiäre Periode (von 70 bis 500) bis zur Gegenwart vor Augen. Diese zerfällt wieder in vier Perioden: die gaonätsche, Hegemonie des Morgenlandes, die rabbinisch-philosophische, Hegemonie spanischen Juden, die rabbinisch mystische, Hegemonie der deutsch-polnischen Juden und die moderne Aufklärungsperiode, des 19. Jahrhunderts. Nun mutz man sich ja überall gefallen lallen, daß bei einer schematischen Fassung, die in der Rückbetrachtung des Geschehens angestellt wird, nicht alles ohne Rest aufgeht, doch kann es hier nicht unwidersprochen bleiben, datz die rabbinisch-philosophische Periode (980 bis 1492) als die Hegemonie der spanischen Juden angesprochen wird. Wie kann man von einer solchen Hegemonie sprechen, wenn parallel eine Periode läuft, die einen matzgebenden Einfluß aus alle Juden der Diaspora, auch auf die hervorragenden Männer in Spanien geübt hat? Haben nicht gerade in Frankreich und Deutschland Männer wie Rabbenu Gerfchom, Nascht, seine Enkel R. Tam und Samuel und die ganze erste Periode der Tosiasistenschule und R. Isaak Or Sarua, R. Metr aus Rothenburg usw., eine die ganze Judenheit umfassende Wirksamkeit geübt, datz man mit vollem Recht von einer französisch-deutschen Hegemonie sprechen könnte? Doch dies bet Settel Gewichtiger ist schon das, was (S. 38 ff.) der Verfasser über „Mosaismus" und Prophetismus sagt, und zwar das, was in der Fußnote hinzugesetzt wird. Was über dem Strich steht, braucht nicht als Gegensätzliches aufgefaßt werden/ hingegen unter dem Strich läßt der Verfasser den „Mosaismus" Gott als den nationalen, im Prophetismus den Begriff erweiternd als den Weltengott erklären. Eine durchaus falsche Auffassung, da der Prophetismus nur aus der Thora herausgewachsen und auf dem Boden der Thora steht/ was der Verfasser da sagt, könnte nur Wasser auf die Mühlen der judenfeindlichen Herren Friedr. Delitzsch und Otto Hauser Uetben. Das will der Berfaffer aber nicht, denn er steht auf dem Voden des Glaubens an die Offenbarung und glaubt an die göttliche Mission des Mischen Volks und in« foigedessen an seine Dauer. Wenn er in der Reform, nach erlangter Emanzipation des Jahres 1848 eine Regeneration des Judentums sieht, so äuscht er sich. Die Zeitläufte haben vielmehr gezeigt, daß eine Indifferenz eingetreten ist, welche das Judentum gefährdete und datz erst das tatkräftige Eintreten der Orthodoxie den Zersetzungsprozetz verhindert hat. Der Liberalismus erkennt dies selbst an und ein Etnlenken ist nicht zu verkennen. — Es sind gar gewichtige Bedenken, die wir hier vorgebracht haben — auf einige historische Fehler gehen wir hier nicht ein — dagegen wollen wir nicht verfehlen, aus das Schöne und Herzerhebende, das dieses Buch uns bietet, aufmerksam zu machen. Die schöne, lichtvolle Darbietung fesselt uns vrn Anfang bis'zu Ende. Aber es ist nicht dies allein. Die Wärme, mit der der Berfaffer für sein Volk eintritt, das feste Vertrauen auf die ewige Dauer des jüdischen Volks und dessen Ueberdauern aller Zeitenlauste, wie er von den „weitblickenden" Führern des Volkes spricht, die als Juda in die „Krallen des römischen Adlers siel, die feste Ueberzeugung gewonnen, datz die Religion der einzige verläßliche Stützpunkt der jüdischen Nation bleibe", wie diese die Lebenskraft des Volkes in seinem Märtyrergang erhalten habe, daß es ausüauern konnte, dies sind Stellen der Erquickung und der Herzenserhebung. Und andererseits der Zorn, den er über die von der westeuropäischen Kultur beleckten Schichten der Judenheit ergießt, die im' Anfang des 19. Jahrhunderts sich selbsterniedrig'Gd'in die Arme der t amaligen christlichen Gesellschaft sich warfen: das sind Lichtseiten in diesem Buche, die es allein wert machen, daß es gelesen wird. Und nun lesen wir noch, wie der Berfaffer von der ewigen Mission und der unüberwindlichen Kraft des jüdischen Volkes spricht. „Dre Periode des heimatlosen Wanderlebens nimmt ihren Anfang. Es hatte den Anschein, als wollte die geschichtliche Vorsehung, als sie das jüdische Volk nach allen Enden der Erde zerstreute, ihm noch eine Lehre mit auf den Weg geben und zu. ihm sagen: „Jetzt kannst du gehen. Du bist genügend gestählt, um das bitterste Ungemach zu ertragen, bist mit einem unverwüstlichen Vorrat an Lebensenergie ausgestattet und kannst Jahrhunderte, ja Jahrtausende in Verhältnissen leben, in denen andere Völker auch nicht ein einziges Jahrhundert auszuhalten imstande wüten) Staat, Territorium, Heer, die äußeren Attribute eyjex Naiionalmacht — all dies ist für dich ein überflüssiger Luxus. Geh' nun in die Welt und beweise es, datz ein Volk leben kann auch ohne diese Attribute, einzig und allein durch die Kraft des Geistes, die seine auseinandergesprengten Teilchen zu einem festen, organischen Ganzen vereinigt"Und das jüdische Volk ging und bewies es". Solche Worte sprechen für sich selbst, sie sind die beste empfehlende Kritik für dieses Buch. P:os. Culzbach. Grass-Bondi (vorm. M. C. Kirchbaum Nachf.) Frankfurt a. BL, Gr. Eschenheimerstr. 4. Spezialität: komplexer® Braut-Ausstattungen Verwendung nur guter Qualitäten bestens in Wäsche und Haltbarkeit Baby - Ausstattungen Sorg/fältige Bedienung Sauberste Ausführung 3535b Beste Verarbeitung '. ■ Samstags geschlossen. ■■ > ... > — Frankfurter Berichte. Siegfried Jeidet rt"r- Einen bitteren Verlust haben Familie, Schule und ein großer Freundeskreis am frischen Grabe Siegsried Jeidels zu beklagen. Krieg und Gefanger schalt traten dem überaus begabten, strebsamen und vielversprechenden jungen Manne hemmend in den Weg und wir freuten uns, als wir ihn wieder den nnsr'gen neunen dursten. Wie rasch hatte Siegfried Jeidel noch seiner Rückkehr aus sechsjähriger sibirischer Gefangenschaft den Anschluß an sein Studium, an seine Arbeit, an seine Freunde wieder gefunden! Den jüdischen Anschluß hatteer nie verloren. Wirkte er doch auch in der fernen Fremde, in öden Gefilden unter widrigsten Umständen im Kreise mitleidender Glaubensbrüder leitend und wegweisend als Je hu di, mit einem irm rwro ohnegleichen. Ein Muster treuer Pflichterfüllung und schlichter Arbeitsfreude, lehrte und wirkte er zur Erziehung lebensstarker Menschen in der Liebig-Oberrealschnle, zur Heranbildung glaubenssester Juden in der Realschule der Israelitischen Religtonsgesellschaft. Plötzlich und unerwartet wurde dem Leben und Streben dieses Unermüdlichen ein Ende gesetzt und die allgemeine Erschütterung fand ihren Ausdruck in der überaus starken Beteiligung an der Bestattung am Mittwoch. Es sprachen tm Namen der Realschule der Israel. Religionsgesellschaft Herr Direktor Dr. Lange, für die Liebig Oberrealschule Herr Direktor Dr. Zeiger, Herr Adler für V. I. A. und Herr M. Norschild für die Fgmilie. Möge letztere in der allgemeinen herzlichen Teilnahme einigen Trost finden. n"22un Kausfraueiiylkfe. Um einen geordneten Betrieb in der Hausfrauenhilfe organisieren zu können, werden junge Mädchen um ihre Anmeldungen an die Jüdische Frauenrereinigung E. V., Tel. Hansa 2825 gebeten. Perfarnnlkling jüdischer Mealschutmänrier. Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche fanden in der Realschule der Israelitischen Religimisgesettschaft Versammlungen der Direktionen und Lehrkörper der auf gesetzestreuem Boden stehenden jüdischen höheren Schulen Deutschlands statt, in denen gemeinsam interessierende Fragen pädagogischer und didaktischer Natur in freiem Gedankenaustausch besprochen wurden. Die neue Gemeindesatzung der Spnagogengemeinde „Israelitische HieligionsgeseMchLst". Die Kommission zur. Borberatung der Satzungen lädt die Mitglieder ,der, .Gemeinde "auf M t tr rv o ch, den 4. Januar 1922, abends 8 Uhr, nachher Aula der Realschule am Tiergarten 8, zu einer freien Aussprache über den Entwurf der neuen Gemeindesatznng ein. Die Aussprache wird durch Referate zweier Mitglieder der Kommission, der Herren Salomon Stiebet und Prof. Dr. Schüler, eingeleittt werden. Der Gemetndevorstand beruft durch ein soeben versandtes Rundschreiben aus den 13. Januar, nachmittags 3 Uhr, eine weitere Generalversammlung ein, in der der Satzungsentwmf, der mangels Beschlutzsähgigkeit in der letzten Generalversammlung nicht zur Annahme gelangte, nochmals vorgelegt wird. In der Generalversammlung soll außerdem der regelmäßige Jahresbericht erstattet und für den Fall, datz die neue Satzung auch diesmal nicht angenommen werden sollte, die Ergänzungswahl zum Vorstand und Ausschuß auf Grund der in Kraft befindlichen Satzungen vorgenommen werden. Endlich ist als letzter Punkt der Tagesordnung eine'eventuelle Beschlußfassung-.über Steuerskala und Steuersätze pro 1922 vorgesehen. Verelnskalender. Verein Mekor Ehajim. Freitag abend nach Schul: „Mikro"; Herr Oberlehrer Joseph Kaufmann. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim"/ Herr Rektor Falk. — mittag 12 Uhr „Melochim"/ Herr Prof. A. Weyl. — nachm. 33/4 Uhr im Bereinslökale: „En Jaakow" Herr Redakteur S. Schachnowttz. Sonnrag vorm. 9'/^ Uhr: „Gemoro"; HerrR.A. G. Posen. — abend 6 Uhr Langestr. 18, „Chanukka - A u s k l ä n g e", Herr Red. S. Schachn o m i tz. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro" Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"/ Herr R. A. Posen. Donnerstag abend eine Stunde vor Mincho „Mischna"/ Herr Rektor Falk, Allabendlich 88/4 Uhr: „v"ir>-Lernen.. im Vereinslokale / Herr H. Holpern. Jahrzeiiftistungslernen: Dienstag: Recha Löwen.stein, geb. Kahn-Stiftung. Agudas Jisroel Jugendgruppe. Freitag abend nach Schul (Herren und Damen) Ehanukavvrtrag/ Herr Jccob Rosenheim. — 8 Uhr: Geselliges Zusammensein. SamStag vormittag 11 ajA Uhr: „Mtschna"/ Herr A. Hirschberg. — 11-/, Uhr: „Schatz": Herr H. Halpern. — 11h, Uhr: „Chase Odom- Schiur"/ Herr Dr. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. — nachm. 3 Uhr: „Gemoro"/ Herr Dr. Hosmann. — abends 6V, Uhr: „Chumisch mit Nascht"/ Herr Leopold Oppenh e i m e r. Montagabends Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene / Herr Herm. Hirschberg. — 9 Uhr: „Sukkoh"/ Herr Leop. Oppenheimer. — Sprechstunde des Attgestelltenausschttsses. — 9 Uhr Sanhedrin- Schiur/ Herr Dr. Ehr mann. Dienstagabend 9 Uhr: „Gemoro" Herr Dr. Hofm a n n. Mittwochabend h,9 Uhr: „Zirkel" / Dr. H o f m a n n. — 9 Uhr: „dlewijim": Herr S. Unna. D o n n e r s r a g -a ben d h,6 Uhr: Bücherausgnbe. — 9 Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene/ Herr Herm. Hirschberg. Agudas Jisroel-Mädchengrupve. Freitag abend nach Schul: „Sidrahvvrtrag". Samstag vorm. 11'/, Uhr: „Tehillim"/ Herr L. Kahn. — nachm. 4 Uhr:„Thauro"/ Herr Lehrer A. Hirschberg. Montag abend 9 Uhr: Sprechstunde des Angestelltenausschusses. Mittwochabends) Uhr: „Newijim"; Herr S. ttnn a. Donnerstagabend '/,9 Uhr: Bücherausgabe. — s/<9 Uhr: Chanrew-Ktttsns/ Herr Dr. S. Ehr mann. Verein \n Samstag nachm, nach „Mincha", Hörsaal Friedberger Anlage und Sonntag nachm, eine Stunde vor Mincha Langestratze 18/ Herr Prof. Dr. Sulzbach. D"lP man Beshamidrasch, Ostendstrasxe Von Sonntag bis einschl. Donnerstag V,0—7 Uhr abends, „nr:n 'ca"; Herr Rabbiner S. Weber. Heöetzeilen. i'pn na». Freitag abtnD 4.10. Samstag morgen 8.—. SamStag nachm. 4.—. Samstag abend 5.25. Wochengottesdienft: Morgens 7.05. Nachm. 4.15- Familiennachrichten. Barmizwohseier. Lovah Gordon, Libau, im Institut Klibansky, Synagoge Unterlindan ppa nrir, Graß-Frankfurt am Eschenheimer Turm TANZPALAST Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges Ws inklause Eingang nur Stiftstrasse