Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1921)
- Date
- 1921-12-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 52 Der Israelit. 29. Dezember 1921. Zeit eine Helferin gewesen und hat in Eintracht und Frieden mit ihren Nebenmenschen verkehrt. In den Abschiedsworten, die Herr Kaufmann Michaelis Haase, Repräsentant, an die Scheidende richtete, betonte er die Frömmigkeit und den biederen Charakter der Frau Ascher. Eschau, 18. Dez. Am 4. Kislew wurde Herr Josef Lob Mosbacher, über 80 Jahre alt, zur ewigen Ruhe bestattet. Die große Teilnahme aus allen Konfessionen legte beredtes Zeugnis ab von der großen Liebe und Wertschätzung, deren sich der Verstorbene erfreute. Mit echter Frömmigkeit und Herzensgüte ausgestattet, war er durchdrungen vom Geiste der n:iex und der rrnri, deren Vorschriften er peinlichst genau beobachtete. Er versäumte trotz hohen Alters keinen Gottesdienst. Sogar am letzten p"v, zwei Stunden vor seinem Tode schickte er sich an, ins Gotteshaus zu gehen, da ihn plötzlich der Tod ereilte. Erst vor 8 Monaten hatte er das im Kreise seiner liebevollen Kinder und Enkeln die goldene Hochzeit feiern zu können. Im Trauerhaus schilderte Herr Lehrer Lehmann in kurzen Worten den Lebenslauf des Verstorbenen. Am Grabe sprach Herr Distriktsrabbiner Dr. Breuer, Aschaffenburg, Worte des Trostes. Poppenlauer, 24. Dez. Am 19. Kislew wurde unter zahlreichem Trauergelette mit Beteiligung des Kriegervereins das Haupt einer zahlreichen Familie, Herr Heinrich Heine mann, im Alter von 52 Jahren zu Grabe getragen. Mit großer Geduld ertrug er die vielen Prüfungen, den Tod seines Sohnes aus dem Felde der Ehre und die vielen Beschwerden seines Leidens. In dem Entschlafenen betrauert die ganze Gemeinde ein treues Mitglied, das stets als echter Jehudi für alle Angelegenheiten eintrat. Die schwer- . geprüfte Familie verliert einen fürsorglichen Vater,! und viele Arme einen treuen Freund. Am Grabe hob Herr Lehrer Berlinger in rührenden Worten des Verstorbenen Verdienste hervor, maijn. Mosbach, 26. Dez. Am 15. Januar feiert Herr Rabbiner Dr. Lö wen stein, Mosbach, sein 50 jähriges badisches Dienftjubtläum. Vermischtes. Frankfurt a. M., 12. Dez. Wie die Frankfurter „Volksstimme" vom 9. Dezember mitteilt, sollte bei Preußens Schutzpolizeibeamten dieser Tage ein Flugblatt des deutschnationalen „Hammer-Verlages" verbreitet werden. Das Flugblatt hat es sich zur Ausgabe gemacht, Judenhaß wachzurufen, um dadurch die Pollzetbeamten zu einem monarchistischen Putsch zu verleiten. Die Juden hätten das Ziel einer jüdischen Weltherrschaft; ans diesem Grunde haßten sie die „nichtjüdischen Staatsordnungen", wie die Monarchie und suchten sie zu stürmen. Der Kommunismus sei eine jüdische Gemeindewirtschast usw. mehr. Die PolizeibeamtenTemschlands werden nicht darauf hinein fallen und der antisemitische Appell an ihre Dummheit wird kaum einen andern Erfolg haben, als sie zur Vorsicht vor ihren „Freunder." zu mahnen. Borke«, (Wests.), 20. Dez. Der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen" hat hier vor einiger Zeit einen Kursus zur Ausbildung von L'llniL' eingerichtet. Bei der jüngst abgehaltenen Abschlußprüfung erhielten drei Kandidaten von Herrn Rabbiner Dr. Silberberg in Recklinghausen zunächst auf ein Jahr die Autorisation zur Ausübung der Schechita. Berlin, 4. Dez. Die jüdische Gemeinde zu Berlin beabsichtigt für die tm Kriege gefallenen Gemetndemitglieder Gedenktafeln zu errichten. Es ist in Aussicht genommen, die Tafeln eventuell in Gemetndesynagogen anzubringen, wobei etwaigen Wünschen bezüglich einzelner Synagogen möglichst Rechnung getragen werden soll. Sie bittet alle Angehörigen, Name, Alter, Todestag und Todesort dem Baubüro, Berlin, Rosenstr. 2—4, schriftlich mitzuteilen. Würzpurg, 18. Dez. Hier wurde am Montag, den 12. Dezember, im Hotel Neichshos ein Wohltätigkeilskonzert zu Gunsten der mensa academica judaica (jüdische Studentenspeisung) veranstaltet. Als Leiter derselben und als Vertreter der Studenten begrüßte Herr 8lud. nud. Jacques Kr0ner die Erschienenen und wies niit kurzen, warmen Worten auf den dem Werke zugrunde liegenden humanen Gedanken hin, der aus der Not der Zeit heraus geboren ist. Frl. Armella Bauer, München (Violine), Herr Opernsänger Max Raymer, Würzburg (Bariton) und Herr Kapellmeister Nathan Ehrenreich, Würzburg, hatten sich tu gütiger Weise zur Verfügung gestellt. Alle boten Meisterhaftes. Warmer Beifall lohnte die Künstler für ihre vortrefflichen Leistungen. (Spenden für die mensa academica judaica nimmt das Bankhaus Weglein und Lehmann in Würzburg entgegen). München, 15.Dez. In einer vom Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund für Mittwoch abend im Hosbräuhaus-Jestsaal etnberufenen öffentlichen Versammlung, in der der Dozent der Volkshochschule in Wiesbaden Panik über das Thema „Der Jude und das deutsche Weib" sprach, kam es zu stürmischen Szenen. Eine Frau, die gegen den Redner protestierte, wurde als Jüdin bezeichnet. Dies gab Veranlassung zu erregten Auseinandersetzungen und zu Tätlichkeiten. Ein anderer Redner bezeichnete es mit Recht als eine l Schmach, einen derartigen Redner zu Worte kommen zu lassen. Die Polizei muhte die Ruhe Herstellen. Ulm, 15. Dez. Gestern nachmittag kam vor dem Schöffengericht hier die Beleidigungsklage des Rechts anwalts Dr. Nathan gegen den bekannten Anrisemiten Rüge statt. Fünfmal wurde der Prozeß ver tagt, da der Angeklagte nicht erschienen ist oder sonstige Schwierigkeiten entstanden sind. Auch gestern ist der Angeklagte nicht erschienen, er soll sich im Ausland be finden, für ihn war Rechtsanwalt Aichinger, München, tätig. Zu Beginn der Verhandlungen stellte der Privatkläger Dr. Nathan den Antrag, daß der Schöffe Frommer abgeiehnt werde, da er ihn für befangen halte. Frommer sei Mitglied des Schutz- und Trutzbundes und habe sich an der Sammlung des Materials für die Gegenseite beteiligt. Darauf lehnte der Verteidiger Ruges den Vorsitzenden des Gerichts Amtsrichter Walter ab, da er viel ln jüdischen Kreisen verkehre und jüdisch versippt sei. Amtsrichter Walter er klöne sich nicht für befangen. Die Strafkammer entschied sich dahin, daß Amtsrichter Walter die Verhandlung leiten könne. Auch der Schöffe Frommer wurde belassen. Die Verhandlung endete mit her Verurteilung Ruges zu einer Geldstrafe von 500 Mk. und der Berechtigung des Privarklägers, das Urteil zu publizieren. Stolp i. Pomm., 1. Dez. Anläßlich der Preistreibereien im Kartoffel- und Getreidehandel taucht in der Presse immer wieder die Beschuldigung auf, die Juden seien die ärgsten Schieber. Jetzt ist man beispielsweise in Tlüringen diesen Gerüchten nachgegangen und hat festgestellt, daß kein einziger jüdischer Händler an der dortigen Wucheret beteiligt war. Auf Grund einer besonders belastenden Notiz über Wucher im Kartoffelhandel hat sich nun der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an die Zentrale des Pomrmrschen Kartoff.lhandels in Stolp gewandt und von dort folgenden Bescheid bekommen: „Es trifft zu, daß sich in den pommerschen Zentren des Karroffelhandels sehr viele, auch wilde Händler, lusonders aus dem Westen, eingefunden haben, und daß im ganzen 100 Aufkäufer festgenommen und sieben wegen u>angelnder Handelserlaubnis in Haft behalten worden sind. Von einer irgendwie nennenswerten Beteiligung jüdischer Aufkäufer kann aber schon deshalb keine Rede sein, weil die Großgrundbesitzer den Geschäftsverkehr mit ihnen ablehnen . . . ('Natürlich aus Rassegründen. Die Red.). Zur Ehre der alteingesessenen jüdischen Firmen kann durchaus gesagt werden, daß sie sich während der ganzen kritischen Jahre tadellos geführt haben. Die Geschttftspraxis mancher jungen, aber schnell in Mode gekommenen arischen Händler könnte sich daran ein Beispiel nehmen". (!) Wien, 15. Dez. Das Rekonvaleszenten- und Erholungsheim „Phtlantropta" in Wien steht infolge der katastrophalen Entwertung des österreichischen Geldes und der sich daraus ergebenden Verteuerung des Betriebes vor der Schließung, wenn nicht die altbewährte jüdische Mildtätigkeit ihm zu Hilfe kommt. Es ist das einzige jüdische Rekonvaleszenten- und Erholungsheim für arme Frauen in Wien. Es ist zu hoffen, daß der erprobte Sinn unseres Volkes für Hilfeleistung in der Not sich auch diesmal bewähren wird. Gelder sind an das Rekonvaleszentenheim „Philantropia" in Wien XIII, Lainzerstr. 172, zu senden. Berichtigung., Zum Nachruf auf Prof. Dr. David Ho ff mann 7"L7 wird uns mitgeteili, daß zur Zeit, da der Heimgegangene in Höchberg weilte Rabbiner Wechsler dort nicht anwesend war. Herr Prof. Hoffmann M'27 hatte bei Rabbiner Jakob Ehrenreich volle Pension und wirkte mit diesem gemeinsam an der damaligen Talmud-Thoraschule des Rabbiners Ottensoser. mehr sollte beachtet werden, min . oder D'pics solchen Drucksachen nicht anzufügen, die sicherlich pnrn nirsf?. S. B. Briefkasten. „Ein Unbekannter". Einsendungen, deren Urheber auch der Redaktton gegenüber anonym bleiben, können wir grundsätzlich nicht veröffentlichen. ' I. H. in Berlin- Steckbriefe sind doch Sache der Polizei. In jüdischen Zeitungen tragen sie kaum zur Ehre des Judentums bei. U- B. Z. und viele Andere. Selstverständlich war mit dem „Tänzchen" im Berichte über die Sijumfeter des Schaß-Vereins in Frankfurt a. M. nichts anderes als ein „Chassidimtanz" gemeint, bet dem es keine Tänzerinnen gab, sondern nur langbärtige „Tänzer". Das schien dem Berichterstatter so selbstverständlich, daß er es garnicht für nötig erachtete, das „Tänzchen" näher zu beschreiben. Ä in N. Sie können die Sachen an..dis Soziale Kommission der Agudas Jisroel-JugendMppe, Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 17, senden. Jamiliemachrlchten. Barunzwohseier Edwin, Sohn des Lehrers H. Schottland, Frankenthal, (rni)n nat?) Verlobte Lina Neumann, Burgfinn, nrit Max Fleischhacker, Platz. Sprechsaal. TM322 Tcrn* rabbinischer Seite in Unterfranken Von rabbinischer Seite in Unterfranken wird uns geschrieben: Eine vielfach selbst in streng frommen Familien unbekannte Religionsvorschrist soll mit diesen Zeilen in Erinnerung gebracht werden: cwn; re. Bäckerbrote haben bekanntlich V?n zum Genüsse erlaubt wegen pMr' nastn in pxp mn; na niayM Nicht also Brot, Berches und andere Backwaren, deren Teig von Israeliten fertiggestellt und beim nichijiidiichen Bäcker gebacken werden. Solche Backwaren dürfen nur dann gegessen werden, wenn mc'p -ü?rn vorgenommen wurde, d. h. wenn der Jehudi etwas am Feuer gemacht, also Spähnchen oder dergleichen in dasselbe Feuer getan hat. Ist dies nicht geschehen, so ist das Gebackene selbst nasma zum Genüsse verboten, (siehe Jore Deo, Kap. 112, § 11). Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf einen anderen Mißstand Hinweisen. Häufig werden Kalendern, Reklameschreiben oder a'7L>an, Bibelverse öderen naxa in der Ursprache beigedruckt. So anregend auch solche Stellen wirken mögen, müßte dies doch.unterbleiben, weil hierdurch veranlaßt wird, daß paMn min 'iai “iS'S'P. Ich verweise hierbei auf 7"' i'^a ‘ntP'isn miap '> der da schreibt z^vb xbv ns v::zz mrax -xa^n ’Ma xin pan cnx bz dt :ni: »:x pi rramp: na- Mn nan carü nara. Andere cnsc die mir augenblicklich nicht zugängig sind, haben ähnliche Hinweise. Umso- Vücherbesprechungen. 'DÖ 7W CMPl TlBt» "122, von Abraham Herezl, Vereinsrabbiner, Bratislava. (Durch den Verfasser zu beziehen). Der Verfasser läßt seinen bereits erschienenen Werken über die Traktate Verachoth und Roschhaschana nunmehr einen 3. Band über Megilla folgen. Wie die früheren, so bezweckt auch dieser, das Talmudstudium zu erleichtern. Die Schwierigkeit selbständigen Lernens liegt ja bekanntlich zum Teil in der Tatsache begründet, daß in Raschi, Tossaphoth, Nosch usw. die Kenntnis ferrliegender Gemorostellen vorausgesetzt wird, die nur mit Mühe aufgesunden und deren Verständnis erst mit noch viel größerer geistiger Kraftanstrengung erschlossen werden kann. Dieses mühevolle und zettroubende Aussuchen der Stellen bleibt uns erspart, wenn mir das vorliegende Werk beim Lernen zur Hand haben. Wir finden hier alle einschlägigen Stellen dem vollen Wortlaut nach zitiert und mit den nötigen Anmerkungen versehen. Ein weiteres Geschenk gibt uns der gelehrte Verfasser in seiner Sammlung der besten und schönsten Erklärungen, die von ihm aus den verschiedensten älteren und neueren a*BHsa zusammengetragen wurden und in hervorragender Welse das Verständnis des fördern. Eine wissenschaftliche, systematisch angelegte Einleitung macht uns mit den wichtigsten Problemen des Traktats im Voraus vertraut. Es erübrigt sich, den Wert dieses Werkes noch weiter anzupreisen, nachdem die beiden ersten Teile bet Größen des Zeitalters ungeteilte Anerkennung gefunden haben. Zum Beweise seien einige Worte aus der Empfehlung des derzeitigen ehrwürdigen Preßburger Oberrabbiners angeführt: „Der Verfasser hat.aus den Quellen geschöpft, mit unendlicher Mühe und großem Fleiße ein reichhaltiges Material, die schönsten Blumen und Blüten aus den Werken alter und neuer Erklärer, gesammelt". Dr. Ernst Ehrentreu. Die Erlöserin, von Max Brod. Berlin 1921. Ernst Rowohlt Verlag. Preis 10 Mk. brosch., 18 Mk. geb. Wir bedauern, daß Max Brod, nachdem er durch sein Buch über das Judentum eine Art Glaubensbekenntnis abgelegt hat, in dieser novellistischen Skizze nach einem Stoff greift, der jedes natürliche sittliche Empfinden verletzen und das ästhetische Wohlgefallen an der .Virtuosität der dichterischen Technik in dem WiderwiAen gegen die Figur der sonderbaren „Heldin" erstickemmuß. Das soll eine Jüdin sein! Die zum Tier heraminkt, um die Menschheit zu erlösen, die alles Schamgefühl im abstoßendsten Rationalismus erstickt und damit noch Bewunderung auslösen soll. Uns will bedünken, daß die ganze Gestalt der Erlüserin künstliche Konstruktion ist, die in ihrer inneren Gegensätzlichkeit niemals Wirklichkeit war — weder bei Juden noch sonstwo. * iVDPjQK/ Grabsteininschriften Hebräisch u. deutsch. Von Lion Wolfs. Verlag von Gustav Engel, Leipzig. Der greise, geistig immer junge Lehrerschriststeller Lion Wolfs hat mit diesem Merkchen Hunderten seiner Kollegen und Anderen einen Dienst erwiesen, den sie ihm nicht genug werden danken können. Eine reiche Fülle von hebräischen und deutschen Grabsteininschriften in Poesie und Prosa enthält das Büchlein, sodaß der Kultusbeamte, der, zumal auf dem Lande,