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Der Israelit · 1921-12-29 · Heft 52 (29.12.1921) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 52 (29.12.1921)
Date
1921-12-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der JSraelit. Nr. 52 Sette 9 Königs erlassen iverden rv::d. Gleichzeitig wird ein besonderes Gesetz über die Staatsbürgerschaft der Landesbeivohner in Kraft treten. Da die Bestinunnntzen dieses Gesetzes den Artikeln des Bcrtragics von Sevres Rechnung tragen müssen, ist auch in diesem Fall die Form eines Rcgi'ernngsbefehls erforderlich. Das Gesetz wird im Einklang mit dem Passus des Vertrages von Sevres stehen, nach ivelchein jeder ottoinanische Untertan, der gegenwärtig in Palästina wohnt, sofort palästinensischer Staatsangehöriger wird. Eine Ausnahme kann gemacht iverden, lucitn ottomanische Untertanen den Wunsch haben, die Staatsbürgerschaft eines Landes anzunehmen, zu dem sie ihrer Rasse nach zu gehören glauben. Die palästinensische Staatsbürgerschaft würde dann jedoch nur beim Verlassen Palästinas erlöschen. Gemäß den Bedingungen des Vertrages dürfen Juden frernder Staatsangehörigkeit, die beim Inkrafttreten des Friedensvertrages in Palästina ansässig sind, palästinensische Bürger werden, wenn sie innerhalb eines Jahres einen entsprechenden Antrag stellen. Schließlich kann die palästinensische Staatsbürgerschaft auch durch Naturalisation erworben iverden, ivenn der Antragsteller nicht weniger als zwei Jahre in Palästina gewohnt hat und sich im Lande dauernd niederlassen will. Jerusalem im neuen paläifina. London, 1. Dez. In dem berühmteil M a r s h a l l College bei Aberdeen (Schottland) hielt neuerdings Professor Patrick Geddes von der Universität Bombay einen ausführlichen Vortrag über „ I e r u s a l e m i nt u e u e u P a l n ft i n a Geddes rvar bekanntlich in den letzten Jahren damit beschäftigt, Pläne für den Aufbau palästinensischer Städte anszuarbeiten. Sein Vortrag war außerordentlich stark besucht uitb der Rektor des College, Sir George Adam Smith, erklärte in seiner Begrüßungsa11sprache, daß das ans diese Weise bekundete Interesse der schottischen Sessentlichkeit die aufrichtige Sympathie des Landes für den Wiede raufbau P alä stin a s bekunde. Professor Geddes stellt die Befreiung Palästinas von der türkischen Herrschaft als eine Mission dar, derer: hauptsächliche Bedeutung in der Wiedererschließung des Landes für das Volk I s r a e l s 1 lege. Tie gegenwärtige Aufbauarbeit verlange allerdings di? Hingebung eines ganzer: Volkes: aber wenn mar: nur die bisherigen Ergebnisse im Lande selbst betrachte, werde man zuversichtlich i! die Zukunft schauen. Wo im letzten Jahrhuud/rt kleine jüdische Ackerbankolonien gestanden seien, befänden sich gegenwärtig blühende Dö str nr:d Farmen, besonders ir: der Meeresebene rrr:d am 'Fuße des Karmel. Diese Arbeit habe die europäische Meinung vor: der ausschließlich kaufmännischen Eignung des Juden vollends uä ubsuräum geführt. Die jüdischer: Kolonisten in Palästina führten schon heilte bedeutende Erträgnisse ihrer Weir:-, Oliven-, Mandel- und Orangerrplantagen r:ach Aegypten aus. Geddes besprach dann einzelrre Unternehmungen der neuen Eimvanderer. Besondere Bedeutung legte er dem bekannten Projekt bei, das die Schaffung elektrischer K r a f t a rr - lagen irr verschiedener: Teilen des Landes vorsieht und vor: der: britischen Zentralbehörden bereits genehmigt ist. Die unmittelbar bevorstehende Verwirklichung! dieser Pläne sei von doppelter Bedeutung. Einmal schaffe sie breiten Spielraum für gewinnbringende jüdische Unternehmungen, bann aber trage sie wesentlich zur friedlichen Durchdringung des Landes bei, rveil sie den arabischer: lvie der: jüdischer: Belvohnerr: '.vachsenden Wohlstand verheiße. Der Vortragende -erläuterte dann die Baupläne für Jaffa und Haifa, die beider: Hanptseehäfcrr Palästinas, and für Tiberias, rvo die berühmten Bäder des Herodes -einer völliger: . Erneuerung entgegengeherr. kine rabblnfche 6xpe3ifion nach flmerifoa? Jerusalem, 12. Dezember. Die Reise des Oberrabbtner K u k nach Amerika zu Gunsten der immer mehr in Not geratenden Jeschiwaus und religiösen JnstitutionenJerusalems ist verschoben worden. Bon Amerika aus war verlangt worden, daß Oberrabbtner Kuk in Gemeinschaft mit einer rabbtnischen Autorität aus der Diaspora dorthin komme und man dachte an Rabbi Chajim Oser Grodzenski in Wilna. Auf die telegraphische Anfrage an diesen, ist noch keine Zusage zugegangen. Inzwischen kamen die Aufregungen des 2. November, welche eine Situation schufen, die die Anwesenheit des Oberrabbinates in Jerusalem nötig macht. Zudem ist irrfolge dieser Borgänge die Gesundheit des Oberrabbiners so erschüttert, daß erwogen wird, ob nicht mit der Amerikareise bis zum Frühling zu warten sei. Herbert Samuel unö äer öioniffen-Konsreö Jerusalem, 20. November. Das hier erscheinende zionistische Organ „Haarez" mußte auf Verlangen der Regierung in dretNummernhtntereinand er folgende Berichtigung veröffentlichen: „Im „Haaretz" vom 21. September haben wir einen Auszug aus dem Schreiben Sr. Exellenz des Oberkommtffars an den zwölften zionistischen Kongreß in Karlsbad veröffentlicht. Wir teilen hierdurch mit, daß Se. Exellenz der Oberkommiffar keinerlei Schreiben an den zionistischen Kongreß in Karlsbald geschickt hat". In diesem Zusammenhang ist die Meldung des gleichen Blattes interessant, wonach Str Herbert Samuel auf eine Einladung des New- Horker Jüdischen Telegraphenbureaus,Ahm einen Glückwunsch zur vierten Wiederkehr des Jahrestags der Balfourerklärung zu schicken, folgende Antwort erteilt hat: „Der Oberkommiffar von Erez Jisroel dankt Ihnen für ihre Einladung, aber er bedauert, daß er nicht in der Lage ist, den Segenswunsch zu schicken, den Sie wünschen". Die polififche Lage in Palästina London, 18. Dezember. Nach einer Meldung des „Jewish Chronicle" ist man in zionistischen Kreisen überaus unzufrieden mit der Entwicklung der Dinge in Palästina. Es seien zweifellos Anzeichen dafür vorhanden, daß von arabischer Seite die Wiederholung der Pogrome von Jaffa und Jerusalem in vergrößertem Maßstabe geplant werde, was auch den palästinensischen Behörden nicht verborgen ist. Man trete aber diesen gefährlichen Umtrieben statt mit polizeilichen Maßregeln lediglich mit der Versicherung entgegen, daß die Balfour-Erklärung in keiner Weise die Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina im Auge habe, sondern lediglich die Einwanderurrg einer begrenzten Zahl von Juden, die in einem arabischen Palästina unter englischer Oberhoheit ein ruhiges Leben führen sollten. Diese Politik stehe aber im Widerspruch mit derjenigen des Colonial Office, das die besten Beziehungen zur zionistischen Organisation unterhalte. In einer nicht besonders geschickten Art und Weise versucht das zionistische Blatt nunmehr der englischen Regierung klar zu machen, daß sie für den Aufbau Palästinas gänzlich auf die gute Laune der zionistischen Organisation angewiesen sei. Das Blatt vergißt anscheinend, daß nach einer neuerlichen Meldung auch die Kreise der JCA und der Alliance Jsraelite nach dem Beispiel der Agudas Jisroel ihren Anteil an der Jewish Agency verlangt haben, offenbar doch also bereit sind, ihre Kräfte dem Aufbau eines Palästinas, das kein zionistischer Monopol-Besitz wird, zur Verfügung zu stellen. Personalien. Hanau, 8. Dez. Einen überaus schmerzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden unseres Lehrers und Kantors, Herrn Aron Oppenheim erlitten, der in mehr als 30 jähriger Tätigkeit aufs Segensreickste hier gewirkt hat. Von wahrer Gottesfurcht erfüllt, vorbildlich in Pflichttreue, ein Führer der Jugend im Sinne unserer heiligen Thora, gewissenhaft und aufopfernd, wo es das Wohl des Gemeinwesens galt, einfach und bescheiden war er ein an wtt in des Wortes schönster Bedeutung. Die große Verehrung und Liebe, deren sich der Verblichene in weiten Kreisen erfreute, kam so recht bei der Beerdigung zum Ausdruck, die unter großer Beteiligung stattfand Am Grabe schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz die hohen Vorzüge des Verstorbenen in beredter Weise und verlieh ihm als ganz besondere Auszeichnung den nan-Tttel, die dem verdienstvollen Manne seines reichen jüdischen Wissens wegen schon von Dr. Bamberger zugedacht war. Herr Lehrer Stern, Lauterbach, gab dem Schmerz der Familie Ausdruck, als Kollegen sprachen Herr Lehrer Sulzbacher, Hanau und Herr Lehrer Ehrenreich, Langenselbold, letzterer auch im Namen des Hessischen Lehrerverbandes. Herr Provinzialvorsteher Dr. Kares sprach für das Provinzialvorsteher-Amt, Herr Gemeindeältester Rosenberg für die Gemeinde Hanau, Herr cand. med. Manfred Joschua für die Schüler und im Namen der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Seine Gemeinde und alle, die ihm nahe standen, werden seiner stets in Liebe gedenken. n"2Lrr>. Berlin, 19. Dez. Der Königliche Musikdirektor und Oberkanror Aron Friedmann, begeht am 1. Januar 1922 sein 40jähriges Amtsjubiläum beider Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Breslau, 26. Nov. (Unlieb verspätet). Noch sind nicht die D’Pitop für Aron Kober y'XT zu Ende und schon wieder haben wir eine Angehörige seiner Familie zur letzten Ruhestätte gebracht. Mit Helene Pinezower, der Schwester Aron Kobers, ist eine jener jüdischen Frauen dahingegangen, deren ganzes Leben ein Kiddusch Haschem bedeutet. Als älteste Tochter hatte sie schon in frühester Jugend für die zahlreichen Geschwister sorgen müssen und als sie Markus Pinezower, einem van y>Dbfi die Hand fürs Leben bot, war ihr einziges Streben, den über alle Maßen verehrten Gatten so zu entlasten, daß er möglichst viel Zeit dem Lernen widmen konnte. Daß die Kinder, die diesem Hause entsprossen, im gleich gut jüdischen Sinne erzogen wurden, ist ganz selbstverständlich. Kein Auge blieb tränenleer, als der Gatte mit schluchzender Stimme das Lob dieser prächtigen Frauengestalt kündete und ihr Worte des Dankes zum Abschied zurief. Am Grabe gab der Enkel der Verewigten, Rabbiner Dr. Breslauer aus Kiel, dem Schmerz um den Tod dieser T“ im* in beredten Worten Ausdruck. Bon den Breslauer dw fehlte wohl kein einziger bei der Beerdigung. Möge 'n dem gebeugten Gatten und den Angehörigen Trost spenden. n":ajt:n. Neustadt (Kreis Kirchhain), 2ö. Dez. Iran Adelheid Levi ist nach inhaltsreichem Leben von uns gegangen, eine feine, schlichte Frau von seltener Güte und seltenem Seelenadel, eine, trotz ihrer Einfachheit in weiten Kreisen bewunderte und verehrte Persönlichkeit. Wer nun einmal sie kennen zu lernen Gelegenheit hatte, hat diesenEindruck nicht vergessen. Der Kern ihres Wesens war tief innige Frömmigkeit. Man kann ermessen, was der Verlust einer solch herrlichen Frau ihren Kindern bedeutet! Sie hatte das Glück, jedes an seinem sicheren Platz zu sehen. Und doch in ihrem Schmerz um die Mutter ist ihnen, als hätten sie die Heimat nur bei ihr gehabt. Es ist begreiflich, daß die •'h sich zu einer Kundgebung gestaltete. In tief empfundenen herzlichem Worten brachte Herr Provinzialrabbiner Dr. Kohn, Marburg, die Trauer vieler zu ergreifenden! Ausdruck, wie auch Herr Lehrer Weil von hier im Namen des Frauen Vereins, dessen Gründerin und Führerin 15 Jahre hindurch Frau Levi war, warmen Dank widmete. n"M;in. Willingshausen (Hessen), 11. Dez. Am 4. Kislew wurde hier Frau Bertha Plant, die Gattin des verstorbenen Gemeindeältesten Moses Plaut, unter zahlreicher Anteilnahme der Ortsbevölkerung zur letzten Ruhe gebracht. Die Heimgegangene, welche ein Alter von fast 80 Jahren erreichte, war in der ganzen Gegend durch ihre große Frömmigkeit, Klugheit und Herzensgute hochgeehrt. Aus allen umliegenden Gemeinden waren Glaubensgenossen berbeigeeilt, um der nB\x die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauer- Hause widmete der Sohn, Waisenhaustnspektor Plaut aus Hamburg, seiner Heimgegangenen Mutter ergreifende Abschieds- und Dankesworte. Herr Lehrer Schtratzkt zeichnete ein getreues Lebensbild der Entschlafenen, deren ganzes Leben Arbeit und stille Wohltätigkeit, deren Haus der Sammelpunkt der Gemeinde und mit deren Tod ein Stück Geschichte der Gemeinde zu Grabe gehe. Nachdem Herr Lehrer Rapp, Kirchhain, die Friedhofsgebete verrichtet hatte, wölbte sich der Hügel über die sterbliche Hülle der seltenen Frau, deren ganzes Leben ein wahrhafter suc: trnp gewesen ist. Wreschen, 29. Nov. Unter überaus großer Beteiligung seitens der Mitglieder unserer Synagogengemeinde fand eine Abschiedsfeier für die von hier fortziehende Ehefrau des verstorbenen Kaufmanns Simon A scher statt. Männer und Frauen versammelten 'ich, uni zum letzten Male noch einige Stunden mit der Scheidenden zu verbringen. Frau Ascher hat hier jahrelang auf dem Gebieteder Wohltätigkeit rühmlich gewirkt, ist den Armen und Notleidenden zu jeder

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