Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1921)
- Date
- 1921-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450188--69440-2526614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bei ASrsrM Veite 6 fix. 52 29. Dezember 19J1 epreuen sich der regsten Teilnahme und auch efsne religionsgesetzlichen Unterweisungen werden in zahlreichen Fällen erbeten. Dank sei an dieser Stelle allen ausgesprochen, die an diesem Werke mitgearbeitet haben. Die hervorragendste Ausgabe einer altjüdischen Gemeinde ist die Verbreitung von Thaurowissen. Durch die hingebungsvolle Wirksamkeit der berufenen Kräfte ist allen Kreisen der Gemeinde, Alt und Jung, Männern und Frauen, Gelegenheit geboten, an den verschiedensten Lehrvorträgen letlzunehmen, wie der vor kurzem veröffentlichte Lehrplan zeigt. Eine stattliche Zahl von Zöglingen unjerer Religtonsschulen beteiligt sich an den freiwilligen Schturim. Ueberaus zahlreich sind die Anträge halachischen Charakters, die ihre Erledigung durch das Rabbinatskollegium erheischen. Die Sitzungen des BetH Din tragen dieser Notwendigkeit Rcchnurg. Zur Bewältigung der mannigfachen rabbrnischen Angelegenheiten der aus dem Osten zugewanderten Brüder erfolgte die Heranziehung eines von ihnen vorgeschlagenen Beisitzers. Die Umschichtung ter jüdischen Brvölkerung, hauptsächlich aber der starke Zuzug aus den abgetretenen Landestetlen, gibt ter großstädtischen jüdischen Gemeinschaft ein in vieler Hinsicht verändertes Gepräge. Wir haben zu unserer Freude feststellen dürfen, daß aus diesen jüdischen Elementen das von unserer Gemeinde verkörperte Prinzip der Emunoh schleimoh eine nicht geringe Zahl von Anhängern gewonnen hat. In mehrfacher Hinsicht haben wir den oeränderten Bevölkerungsverhältnissen bereits Genüge geleistet. Der technischen Vervollständigung der Mikwa haben wir eine räumliche Erweiterung folgen lassen. Durch Angliederuug fünf neuer Zellen und Vermehrung des Bedienungspersonals seit 1. Dezember ds. Js. ist für eine beschleunigte Abwicklung des Betriebs weitgehendst gesorgt worden. Die Errichtung einer Mikwah im Westen ist der Verwirklichung endlich nähergerückt. Zu unserer Knaben - und Mädchenschule, die sich dank der eifrigen Betätigung ihres Leiters und des Lehrkörpers vorzüglich weiterentwickelt, zeigt sich ein derartiger Zudrang, daß durchgehends eine Teilung der Klassen in Knaben- und Mädchenklassen vollzogen werden mußte. Obwohl die Schule bisher nur vier Jahrgänge umfaßt, sahen wir uns genötigt, im Zentrum acht Vollklassen und außerdem in Charlottenburg drei Klassen zu unterhalten. Die Schülerzahl ist bereits auf etwa 400 gestiegen. Das Gmilus Chesed schel Emmes, ein Gebiet, das unter den erschwerten Großstadtbedingungen schon immer die aufopferungsvollste Bereitwilligkeit verlangte, ruft die aktiven Mitglieder der Chewra Kadischah und des Frauenvereins in immer häufigeren Fällen zur Leistuug ihrer Liebesdienste auf. Ihrer wackeren Hingabe sei der wärmste Dank der Gemeinde auch an dieser Stelle gezollt. Die Ausschließung eines neuen Friedhossfeldes machte die Anlage neuer Pflasterwege erforderlich, die erhebliche materielle Opfer erforderte. Der im vergangenen Jahre an unsere Mitglieder ergangene Ruf zur Begründung einer Beamtenpensionskasse ist von Erfolg gekrönt gewesen. Wir konnten für diesen Zweck bisher eine namhafte Summe bereitstellen. Die Ausgestaltung dieser Kaffe in möglichst naher Zeit zählt zu den lebenswichtigsten Zielen der Zukunft unserer Gemeinde. Konnten in dieser Darstellung nur die Hauptmomente der Gemeindewirksamkeit hervor^ehoben werden, so sei betont, daß sämtliche Gemeindeinstitutionen andauernd der aufmerksamsten Pflege bedürfen. Die Unsicherheit der allgemeinen Verhältnisse, die Sorge um die Deckung der auf allen Haupt- und Zweiggebieten der Verwaltung in unablässig ajlfsteigender Linie wachsenden Ausgaben, die Unmöglichkeit einer auf feststehenden Faktoren sich aufbauenden Wirtschaftlichkeit werden von Gemeindekörperschaften bei allen ihren Entschließungen sehr tief empfunden. Wenn diese Besorgnisse dennoch nicht imstande gewesen sind, auf die Fortführung der so segensreich wirkenden Gemeindeeinrichtungen hemmend zu wirken und sie nicht vermocht haben, den Mut zur Inangriffnahme neuer für die Gemeinde wichtiger Pläne zu lähmen, so war neben dem starken Vertrauen auf des Höchsten Hilfe die Ueberzeugung ausschlaggebend, daß die Mitglieder unserer Gemeinde sich ihres Vorzugs, Glieder einer Kehillah kdauschoh zu sein, voll bewußt und bereit sind, durch persönliche und materielle Opfer die Gemeindeorganisation in ihrem Tun und Wollen jederzeit weitgehendst zu fördern. Sichtbare Beweise dieser Empfindung bilden die zahlreichen Sonderbeiträge, die uns bei den verschiedensten Anlässen zu den in der Gemeinde bestehenden Kassen zugegangen sind und die zur Unterhaltung bestimmter Zwccke dienen. Um jedoch bei der ohne Stillstand sich steigernden Geldentwertung und der Teuerung der wichtigsten Lebensbedürfnisse den Gemeindebeämten ein mäßiges Auskommen gewähren zu können, ist eine Anpassung der Leistungen der Gemeinde- Mitglieder an den jeweiligen Geldstand nicht zu umgehen. Heiligste Pflicht eines jeden Einzelnen muß diese Selbsteinschätzuvg und Leistungswilligkeit für die Gemeinde in jeder Phase der Zeitentwicklung sein. Bildet ja gerade der Gedanke der freien Einordnung in das Gefüge des Gemeindeganzen die Grundlage unserer Kehillah, die seither in der Selbstlosigkeit der in der Idee der ahawas tauroh wjiras schomajim Geeinten den Halt für ihre innere Geschlossenheit und die Schwungkraft für ihre Entfaltung nach außen gefunden hat. An unsere Mitglieder ergeht daher wieder und wieder der Ruf, ihren Gemeindebeitrag einer eingehenden Nachprüfung zu unterziehen. Ein jeder, der seiner Leistungsfähigkeit entsprechend an den Lasten der Gemeinde mitträgt, liefert einen Stein zum wetteren Ausbau der Gemetndeinstitutionen und ermöglicht der Gemeinde die Ausdehnung nach allen Richtungen des neuen Groß-Berlin!^K Aus der Geschichte der Rödelheimer Men . l'fiii September 1.200 erteilte jiiii'r Rudolf von Habsbnrg den: früheren Frankfurter Schultheißen Heinrich und den Bnrgmannen der Reichst'» rg zu Rödelheim die Erlaubnis, sechs Inden, die aber uicht aus den köuigiicheu StäDtcu genommen werden durften, in der Räh' der Burg Rödelheim wohnen zu lassen. Tiefe ersten Rödelheimer Inden sollten den Frankfurter Glanbensgeiw'stn rechtlich gleichgestellt inerden und durften? idel treiben, doch mußte die erzielte Einnaai.- zum Ausbau und zur Erhaltung der Röde.iüwer Burg verwandt werden. Bier Jahre Jäter traten auch die Königsteiuer Juden zu Rödelheim in Beziehung, denn der von Kaiser ''Adolf zum Burgmanu in Rödelheim angenommene Edle Werner von Münzeuberg erhielt, da der Kaiser die ihm für seine Dienste versprochenen 101) Dl a rk kölnischer Pfennige aus Mangel au Bargeld uicht bezahlen konnte, jene Inden als Pfand (2. August 1204, Frankfurt a. M.>. Tie Inden des 14. und 14. Jahrhunderts avaren nämlich als „Kammerknechte" Eigentum des Kaisers und konnten — wie anderes Reichsgnt zur Aufbesserung feiner Einkünfte verkauft oder verpfändet inerden, doch wurden sie dadurch uicht als Leibeigene gekennzeichnet, da der Kaiser sogar ganze Reichsstädte verpfänden durfte und auch verpfändete. Vielmehr erfreuten sich die Inden and; der Fürsorge mehrerer Kaiser, die ihre Lage nicht selten verbesserten lind sie oft mit Geld unterstützten, ihnen auch Abgaben oder Strafen^ erließen. Fast vier Jahrhunderte lang hören nur nichts mehr von den Rödelheimer Inden. Tie *) Aus dem Werke „Alt-Rödellieim in Wort und Bild". Ein Heimatbuch von Paul Schubert. Verlag Englert & Schlossert in Frankfurt a. M. Preis geb. 70.- Mk. I werden die Judenstener rcud beit Jildeuzehrlteil bezahlt, in Rödelheim und den benachbarten Srten .Handel getrieben und die Freuden uno Leidet! der Frankfurter Juden geteilt haben, und alle für die Inden erlassenen Reichsgesetze wierdcn auch in Rödelheim gültig gewesen sein. Sv haben wohl auch die Rödelheimer Juden dic vorgefchricbeneu Abzeichen und Kleidungsstücke getragen; sie mußten sich Bärte wachsen lassen, stets ohne Stock gehen und durften keine Waffen Wolf Heidenheim 1757 bis 1833 bei sich führen, keine christlichen Wirtshäuser besuchen, keine christlichen Dienstboten hatten und die Arzneikunst an Ehristen nicht ansüben. Unter Aufsicht des Grafen bildeten sie bald eine selbständige Gemeinde, befaßen als getneinsames Eigentum wohl bald einen Betfaal, später eine Lpnagoge und Schule und eine Badestnbe: zwar hatten sie das Recht des eigenen Grundbesitzes, hmm jf / , f *rr. r.yvirr1 yj ( , 0 y / / S / // ■ . y / ' ch , , ,C , Dyj / > /' y. ) ■. //t s/“ •/ /// L:-l Titelblatt der von Heidenheim im Jahre 18ÜV [ heransgegebenen ersten Machsor-Ausgabe (Festtags-Gebetbuch)! aber keinen Anteil an den aktiven politischen i Rechten, gehörten keiner Zunft an und waren i von allen Dienstleistungen und Kriegslasten c befreit. ' i Tie Frankfurter Jndenschlacht des Jahres c 4340 plag auch in Rödelheim ihre Wirkungen i