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Der Israelit · 1921-12-29 · Heft 52 (29.12.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 52 (29.12.1921)
Date
1921-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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geue 4. 9(o. 52 »er JSraeliL 29. Dezember 1921 Hauses an jedem Abende des Festes ein Licht mehr entzünden. Es ist etwas Großes um den Grift dieser Vorschriften, daß er mit solcher Kraft ins Herz des Volkes gedrungen —, obwohl sie nicht in der Mischnoh' ihren Platz gefunden, während dies bei den Vorschriften dcs Purimfestes der Fall gewesen. Ja, es scheint, daß gerade das Fehlen von Chanukka in der Mischnoh die Bedeutung der Chanukkabegebenheit offenbart und demgemäß den Kerngedanken des Chanukkafestes stummberedt ausspricht. Wie nämlich Halevy in seinem hervorragenden Werke „Doroth Harischonim" feststellt, ist der hauptsächlichste Wortlaut der Mischnoh und ihre Einteilung von den „Männern der großen Synode" abgefaßt worden. Nun spielte die Purimbegkbenheit noch in den Tagen dieser Synode, Mordochai fr löst zählte zu ihr. Es bestand somit noch das Kollegium, welches die Urmischroh verfaßte, so daß es in der Lage war, die Vorschriften des Purimfeftes in die Mischnoh aufzunehmen. Das Geschlecht der Hasmonäer lebte dagegen erst einige Jahrhunderte später. Die Männer der großen Synode waren inzwischen dahingegangen — und die Mischnoh galt im wesentlichen als abgeschlossen. Freilich standen die Zeiten der Danaim erst bevor, indes hielten sie sich sämtlich davon zurück, der durch die Männer der großen Synode abgefaßten Mischnoh ein neues Kompendium hinzuzufügen. Auf diese Weise findet, wie uns scheint, die Tatsache, daß in der Mischnoh die Bestimmungen des Chanukkafestes nicht aufgefühit sind, ihre geschichtliche Erklärung*). Der Umstand aber, daß in den Tagen der Hasmonäer die Ui mischnoh bereits seit einer gewissen Zeitspanne abgeschlossen war, zeigt uns die göttliche Fürsorge für den Bestand derTauroh in hellem Lichte. Wenn je die Tauroh einem Kampfe ausgesetzt ist, droht natürlicherweise dem mündlichen Teile derselben die Hauptgesahr. Zur Zeit der Hasmonäer hatte nun die Tauroh einen gegen sie gerichteten Angriff zu bestehen. Gott half und sie ging sicggekrönt aus dem Kampfe hervor. Daß aber in dieser Epoche der jüdischen Geschichte geistige Streiter auf dem Posten waren, daß die Tauroh in solch ern en Tagen über einen Stamm von Bekennern und Trägern verfügte, rührte vornehmlich von jenem Werke der Männer der großen Synode her. Da diese Synode zwei Jahrhunderte zuvor die mündliche Ueberlieferung, Daß an einzelnen Stellen der Mischnoh Chanukka gelegentlich erwähnt ist, fleht damit nicht im Wider, spruch. Dort handelt es sich wohl um Zusätze aus späterer Zeit, z. B. Baba Kama 6,0, wo R. Jehuda bei dem dort mitget>-ilten Rechlsfalle anmerkt, wie sich dieser bezüglich des Ehanukkalichtes auswirkt. Zadik erreicht: Er hatte ein zerbrochenes und daher ein vollkommenes Herz". Das kluge Weib. Als der österreichische Reichsrat geschaffen wurde, hatte die Handelskammer in Bro'dy den Bankier Nathan Kallir in das Parlament entsendet. Seine ungemein fromme Gattin erfuhr bald, daß ihr Gatte in Wien in Erfüllung feiner religiösen Pflichten lässig sei und es sogar mit dem täglichen Beten nicht mehrgenau nehme. Als Kallir in der Ferienzeit nach Hause kam, stellte sie ihn diesbezüglich zur Rede. Doch er beteuerte hoch und heilig, daß er täglich Talis und Tefilin anlege. Als er wieder nach Wien reiste, tat feine Gemahlin die von ihm verlangte Winterwäsche in den Talisbeütel. Als es kalt wurde, suchte Kallir die warme Winterwäsche unter seinen Sachen, fand sie aber nicht. Er schrieb feiner Gattin einen Brief uitb machte ihr Vorwürfe, daß sie ihm die Wäsche nicht mit eingepackt habe. Nun wußte sie gewiß, daß seine Beteuerungen, daß er täglich Talis und Tefilin anlege, unrichtig waren. Sie erwiderte ihm: „Folge mir und bete zu Gort, dann wirst du die Wäsche finden". Die Einnahme des Rabbiners. Es war in früheren Fahren Brauch vieler jüdischer Gemeinden, daß der Rabbiner kein festes Gehalt halte, sondern bet bestimmten Anlässen freiwillige Spenden erhielt. Als daher Kaiser Franz den ersten Rabbinatsassessor in Prag, Samuel Landau, nach der Höhe des Einkommens fragte, gab ihm dieser zur Antwort: „Majestät, ich lebe wie ein Postillon von Trinkgeldern und ich hoffe, die Gemeinde fährt ganz gut dabei". den Inhalt der jüdischen Pflichten, in maßgebender Form zusammengesaßt hatte, so hatte es die göttliche Vorsehung gefügt, daß beim Kampfe der Tauroh mit der hellenischen Kultur die mündliche Lehre in einer bestimmten Ordnung und Ausdrucksform vorhanden war, die ihren Inhalt in pasftnder Weise bezeichneten und mithin ihren unverkürzten und ungetrübten Bestand sicherten. Die aus alledem in die Erscheinung getretene nahe Beziehurg der mündlichen Lehre zum Kampfe der Hasmonäer erfaßten die führenden Männer der damaligen Zeit sogleich in vollem Maße. Sie zeigten dies deutlich, als sie nach siegreich beendeten Kampfe die Anordnungen für das alljährliche. Chanukkafest schufen. Was hätte näher gelegen, als diese Satzungen getreu dem Vorbilde der Vorfahren beim Purimfeste in die Mischnoh einzureihen? Durften sie nicht erwarten, daß die Vorschriften für das Chanukkafest dann weit eher im Volke Platz greifen würden? Allein, es war wohl sicher der übereinstimmende Standpunkt aller, die von der großen Synode abgeschlossene Urmtschnoh als die mündliche Ueberlieferung anzusehen und jede Hinzufügurg eines neuen Abschnitts als eine Verletzung ihres autoritativen Charakters zu betrachten. Ja, sie nahmen es mit dieser Unantastbarkeit der Mischnoh so ernst, daß sie sich selbst hinsichtlich des Chanukkafestes, der ideellen Gedächtnisfeier der Tauroh- Erhaltung, keine Ausnahme gestatteten. Die Mischnoh war ihnen eben die durch das Ansehen der großen Synode geheiligte Ausdrucksform der mündlichen Lehre, die sie ohne Kürzung und ohne Hinzufügung den kommenden Geschlechtern zu erwerben gedachten. So bauten sich denn die Kontroversen und Erläuterungen dieser kommenden Geschlechter auf dem unverändert erhaltenen Texte der Urmtschnoh auf und schließen sich daran an. Wenn aber durch diese Huldigung der Mischnoh als unantastbares Erbgut der Vorzeit die Ueberlieferung der Chanukka-Vorschriften auf die Boraitha und auf die Aussprüche der Amoräer beschränkt blieb, so ist sie, wie schon angedeutet, nicht minder tief ins Herz des Volkes gedrungen und hat sich bis auf den heutigen Tag nicht minder lebendig erhalten, als wäre sie wie die Bestimmungen des Purimfestes der Mischnoh beigesellt worden. Dies hängt wohl in tiefem Grunde gerade damit zusammen, daß ihr Fernsein aus der Mischnoh stillschweigend die Autorität der mündlichen Lehre bezeugt, deren göttliche Rettung den Kerngedanken des Chanukkafestes bildet. Aa-di Zokeb Ettlinger (5u seinem 50. Toäesfage.) ii. Von den letzten Tagen Ettlingers erzählt eine Korrespondenz aus Altona im „Israelit" vom 20. September 1871, wie der Rabbi trotz fortgeschrittenen Leidens sich wenig Schonung gönnte, sein Thora-Studium nicht einschränkte, das Fasten in gewohnter Weise sortsetzte und noch täglich eigenhändig die unzähligen an ihn herantretenden „Schaalos" beantwortete. Ungeachtet einer starken Erkältung, die wohl den Anfang des Endes bedeutete, ging er noch kurz vor seinem Tode jeden Morgen in die Synagoge und hielt an seiner gewöhnten Lebensweise mit stählerner Energie fest. Als er sein Lebensende herannahen fühlte und bei dem Schmaune Esroh- Gebete zu Hause sitzen mußte, weinte er bitterlich vor Schmerz, zum ersten male einer religiösen Pflicht nicht nach Vorschrift genügen zu können. Zur gleichen Zeit betete seine Gemeinde in der angefüllten Synagoge in Psalmliedern um das kostbare Leben ihres Führers. In den letzten Stunden saßen abwechselnd je zwanzig der achtbarsten Gemetneemttglieder am Bette des Sterbenden. Am ersten Chanukka-Abend, kurz nachdem man das Licht entzündet hatte, erlosch das große Licht, hauchte der Rabbi seine reine Seele aus. Die Aufregung in der Gemeinde war unbeschreiblich. Das Gemeinde-Kollegium bestand darauf, den großen Toten auf dem alten von der Behörde bereits geschlossenen Friedhof an der Seite der früheren Altonaer D'bHJ zu bestatten, was mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Endlich kam die Genehmigung der Regierung, sodaß die Beerdigung auf dem alten Friedhof am Sonnrag dem dritten Chanukkatag morgens 11 Uhr statisinden konnte. Die Straßen der Stadt waren von einer Trauerversammlung angefüllt, wie sie Altona seit Menschengedenken nicht gesehen hatte. Mit erschütternden Worten teilte der eine Schwiegersohn, Landesrabbtner Dr. Cohn-Meklenburg, an der Bahre mit, daß sich Rabbi Ettlinger jede Trauer- und Gedenkrede verbeten hätte. Diese Mitteilung wirkte aber mehr als jede Trauerrede. Bald wurden auch andere charakteristische Sätze aus seinen letztwilltgen Verfügungen bekannt. Sie lauten wörtlich: im TinöWö ’W? in .tiiöj riKiaca 'ix mxö mDPir ’o xhn pnac 2V *np’ *6 Vntr dhpik? mstö pv ix np ->«8' 'SV oms» nmiz? m nnm dip» dwz nov 702 n’ipn rnnx nwn S2 m2b2 nnm 2v ^22 im. viötw ni2i2 nma mrw dt* ■ “12*7 2W pnr 87> ’bttf 7022 22- '7>V Mensch und Tier. Man erzählte einmal dem berühmten Chafsidenführer Rabbi Pinchas von Koretz, daß Spinoza in seinen Werken behaupte, der Mensch habe dieselbe Natur wie jedes Tier und er stehe in keiner Weise höher als die Tiere. Da sprach der Rabbiner lächelnd: „Man möge diesen Freigeist fragen, ob die Tiere auch einen Spinoza aus ihrer Mitte Hervorbringen können". Der unvorsichtige Joses. Ein Dorfjunge las an einem Sabbat aus der Bibel die Geschichte des Josef, den seine Brüder an die Israeliten verkauften, und sein Schicksal rührte ihn zu Tränen. Uebers Jahr kam er wieder zu dem Wochenabschnttte. wo von dem Verkauf Josefs erzählt wird. Da sprach er: „Geschieht dir schon recht, unvorsichtiger Junge; hast doch einmal gesehen, wie deine Brüder gegen dich gehandelt haben, warum g'ngst du nochmals zu ihnen"? (Die Juden aus dem ostasrikanischen Kriegsschauplatz) Der „Schild", das neu erschienene Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, veröffentlicht folgende intereffante Notiz: Unser Mitglied, Kamerad Theodor Freudenberger aus Eberbach (Baden) übersandte uns eine genaue namentliche Liste von zwölf ihm bekannten Juden, welche, wie er, vor dem Kriege in Ostafrika ansässig waren und bei Kriegsausbruch sogleich in die dortige Schutztruppe unter General v. Leitow-Borbeck eintraten Bon diesen zwölf jüdischen Soldaten haben neun in der vordersten Linie und drei in der Etappe Dienst getan.' . Gefallen sind vier,^verwundet wurden drei. Außerdem war noch ein Jude, der schon vor dem Kriege als Gouvernementsbeamter dort tätig war, auch während des Krieges in dieser ' Stellung. Kamerad Freudenberger hält es für möglich, - daß noch mehr Juden, die ihm als solche nicht bekannt . waren, mitgekämpft haben. Jedenfalls aber genügt a schon diese Aufstellung um zu beweisen, daß wir Juden auch in dem kleinen Häuflein, das in Oflafrika solange Zeit sich tapfer gehalten hat, unseren Mann gestanden haben. (Zurückgenommen). Ein in New-Uork erscheinendes jüdisches Blatt stellte die Behauptung auf, daß die Vorsteher eines dortigen gemeinnützigen Institutes zur Hälfte in ihre eigene Tasche wirtschaften: Von einem Ehrengerichte zur Zurücknahme dieser Behauptung verurteilt, teilte das Blatt in der letzten Nummer mit: „Entgegen unserer Kritik in der letzten Nummer stellen wir hiermit fest, daß die Vorsteher des Vereins .... zur Hälfte nicht in ihre Tasche wirtschaften . . . Sabbat-Anfang und Ansgang. Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMin. 19211 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M 4 10 31. 30. 5 25 Berlin .... 3 55 Dez. Kislew 4 51 München . . . 4 lu 5 16 Eöln..... 4 35 5 95 Stuttgart. . . 4 30 5 23 Breslau . . . 3 42 4 20 Nürnberg. . . 4 10 5 12 Hamburg - 4 02 5 02

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