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Der Israelit · 1921-12-22 · Heft 51 (22.12.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 51 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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•ti «eite 6 Kr. 51__ öe[ef3esfreue Juden im PoRdienfi- Köln, 16. Dezember. Die Oberpoftdtrektion Cöln hat in einem Einzelfalle, in dem von jüdischen Telephonistinnen Urlaub zu den hohen Feiertagen verlangt wurde, einer für diese Forderung eintretenden jüdischen Instanz folgende Antwort erteilt: „Bei der Eigenart des Post- und Telegraphendienstes stößt es auf Schwierigkeiten, die darin beschäftigten strenggläubigen Israeliten ohne Nachteil für den Dienst regelmäßig an ihren religiösen Feiertagen vom Dienst zu befreien. Es bleibt aber den Beamten und dem Aushilfsperfonal unbenommen, sich durch Dienstlausch auch für besondere Angelegenheiten eine Dienstbefreiung zu verschaffen. Die Amtsvorsteher sind angewiesen, derartigen Wünschen, soweit es der Dienstbetrieb nur irgendwie zuläßt, in jeder Weise entgegenzukommen." Wenn der hier ausgesprochene Grundsatz des Diensttausches nicht nur im Direktionsbezirk Cöln, sondern überall in Anwendung kommt, so wäre damit eine Möglichkeit für gesetzestreue Kreise gegeben, sich mehr als bisher im Dienste der Postverwaltung einen Erwerb zu schaffen. Sie brauchten dann nur bereit zu sein, an den Sonntagen und an den bürgerlichen Feiertagen Tag- und Nachtdienst zu leisten, um vermutlich auf dem Wege des Diensttausches mit ihren Kollegen und Kolleginnen sich die Einhaltung der religionsgesetzltch vorgeschriebenen Ruhetage zu sichern. Rückkehr zur öeiefcestreue. Ladenbrirg, 20, Dezember. Als ein erfreuliches Zeichen der erwachenden Selbstbesinnung unter den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde, dürfte es allseitiges Interesse finden, daß in der letzten Gemetndesitzung gegen eine Minderheit von nur acht Stimmen beschlossen wurde, das fett Jahrzehnten in der hiesigen Synagoge stehende Harmonium aus ihr zu entfernen. Es ist vor allem dem unermüdlichen Wirken des Vorstandes, HerrnJultus KaufmannII, hier zu verdanken, daß unsere Synagoge wieder rehabilitiert wurde. Wenn auch in den letzten Kriegsjahren, in denen Herr Kaufmann den Gottesdienst leitete, das Harmonium nicht benutzt wurde und es auch von unserem Lehrer, Herrn Rosenfelder, seit seiner Rückkehr vom Feldzug nicht mehr ^benutzt wird, so war doch die Entfernung bis jetzt hauptsächlich von denjenigen Gemetndemitgltedern verhindert, welche glaubten, die mangelnde Andacht im Gotteshaus gegebenenfalls durch musikalische Darbietungen ersetzen zu können. Es sei der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß das Beispiel unserer kleinen Gemeinde auch in anderen, größeren Orten Nachahmung findet. Ungarn. Der neue Kurs in Ungarn- Budapest, 7. Dez. In der Nationalversammlung entwickelte Graf Bethlen, der sich und sein Kabinett .vorstellte, ein Programm, das er, wie er sagt, auf,, die Rückbildung des russischen Bolschewismus stützt. Er strebt eine Aussöhnung mit den Arbeitern an. Sodann ging er zur, Besprechung der Judenfrage über. Er sagte: „PZaS den konfessionellen Frieden betrifft, kann nicht geleugnet werden, daß sowohl von katholischer wie auch von protestantischer Seite eine gewisse Wühlarbeit festgestellt werden kann. Die Regierung wird dagegen mit den Mitteln der Aufklärung ankämpfen. (Beifall.) Bezüglich der Lage des Judentums kann nicht geleugnet werden, daß zu Beginn der gegenwärtigen politischen Aera sich eine starke antisemitische Strömung bemerkbar machte. Diese Strömung nannte sich christliche Politik. Das Christentum offenbart sich jedoch nicht in Bersolgungen und Gehässigkeiten, sondern in der Nächstenliebe und der Versöhnung, in der religiösen Erziehung und in der Hoch- Haltung religiöser Prinzipien auf allen Gebieten." Er gibt an, daß ein gewisser Teil des Judentums den Traditionen des christlichen Geistes und den geschichtlichen Traditionen den Krieg erklärt hätte. Dem könne jedoch nicht durch Verfolgungen abgeholfen werden. Man dürfe gewiß nicht dulden, daß die Ideale der Nation mit Füßen getreten werden oder daß Einzelne sich eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Alleinherrschaft sichern wollen,- andererseits müsse jedoch jedermann im Lande seine anständige Existenz , fein entsprechendes Vorwärtskommen, gleiche Rechte, vollständige Vermögens- und prr, sönliche Sicherheit und endlich ein möglichst gutes Verhältnis zu allen übrigen Staatsbürger finden. Der überwiegende Teil des Judentums stand den verräterischen Tendenzen fern. Wenn das Judentum bereit sei, den Kampf gegen die nationsfeindltchen Elemente aufzunehmen, so werde die ungarische Gesellschaft stets gerne das gute Verhältnis zu dem Judentum wiederherstellen, das im Laufe der jüngsten Vergangenheit leider nicht vorhandeü gewesen ist. Gin Kriegsroaifenhaus. gubapeß, 14. Dez. Man schreibt uns: Schon öfters wurde die brennende Frage der Errichtung eines Waisenhauses für Kinder Kriegsgefallener in orthodoxen Versammlungen erörtert, aber Herrn Oberrabbiner K. Licht enstein zu Balkany blieb es Vorbehalten, mit Hilfe einiger Herren dieses Ziel zu erreichen, und seit zwei Jahren leistet das Waisenhaus dortselbst tatsächlich Unbeschreibliches. Der „Joint" hatte einen Löwenanteil an dem heiligen Werke. Zu unserem Bedauern aber hat der „Joint" seine Beiträge eingestellt, so daß sich die Verwaltung gezwungen sieht, an das warm fühlende jüdische Herz zu appellieren, namentlich an die Herren Oberrabbiner und Gemeinde-Vorstände, daß sie in jeder Gemeinde Sammlungen veranstalten, damit 1"n das heilige, einzig . in seiner Art dastehende Werk nicht seine Tätigkeit einstellen muß, was die D'fclfi' der Verelendung preisgegeben würde. Der Aufruf, der zu diesem Zwecke von Oberrabbiner Lichten st ein erlassen ist, wird warm empfohlen von den Herren: Adolf Frankl, Präsident der orth. Landeskanzlei; Koppel Reich, Oberrabbiner Budapest- Abraham von Freudiger, Präsident der budapester aut. orth. Gemeinde und Josua Silber st ein, Oberrabbiner der orth. Gemeinde Wattzen. Rntiiemifenkonferen? in DJarfdiau. Warschau, 15. Dez. Unter wissenschaftlichem Aushängeschilde tagt hier eine „Konferenz zur Erforschung des Judentums." Die Stadt hat eines ihrer Gebäude der Versammlung zur Verfügung gestellt. Schon die Titel der Referate beweisen, wessen Geistes Kind die Konferenz ist. Sie lauten u. a.: «Die Vormachtstellung der Juden", „Der Bolschewismus und die Juden". In einem Referate wurde die Forderung aufgestellt, die Juden in der ganzen Welt als Ausländer zu erklären bet Förderung des Planes zur Errichtung des Judenftaates in Palästina. Mit unvergleichlichem Zynismus erklärte ein anderer Referent, es lohne nicht, der jüdischen Minorität Rechte einzuräumen, da Mtnoritätsrecht nur ein Geschäft auf Gegenseitigkeit sei. Bei den Juden seien aber keine Gegenmaßregeln zu befürchten.. „Ausnahmegesetze für die Juden Polens!" Das war der Tenor aller Beratungen, und all dieses, da die Landtagswahlen vor der Türe stehen. Warschau, 15. Dez. Der Ostrower Rabbiner, der bekannte Gaon Dan, kehrte von seiner Amerikareise in seine Gemeinde zurück und wu.de dort mit stürmischen Begrüßungen empfangen. Litauen. Rücktritt des Abgeordneten Rofenbaum. Kow«o, 15. Dez. Der bekannte Vorsitzende des Jüdischen Na- 32 Dezember 1821 ttonalrates in Litauen, Advokat Dr. Rosen^ bäum hat soeben nach erregten Debatten im Nationalrat sein Amt niedergelegt. Rosenbaum war im Auftrag der einem Kompromiß mit Polen geneigten Partei im litauischen Ministerium nach Warschau gefahren, und hatte dort vergeblich versucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Im Jüdischen Nationalrat hat man Rosenbaum diese starke parteipolitische Festlegung wegen der damit verknüpften Gefahr für die Juden sehr verübelt. Von orthodoxer Seite wird man Rosenbaum, obwohl er in früheren Jahren als Verteidiger jüdischer Interessen im allgemeinen Verdienstliches geleistet hat, keine Träne nachwetnen. Sein Haß gegen die Orthodoxie, die er mit allen politischen Mitteln zu unterdrücken und von jedem Einfluß auszuschalten suchte, äußerte sich zuweilen in geradezu grotesken Formen. Freilich wird sein Verschwinden aus dem jüdischpolitischen Leben, falls es endgültig sein sollte, an und für sich noch lange nicht geeignet sein, die politische Stellung der Orthodoxie zu festigen. (Wir werden in einer der nächsten Nummern ausführliche Berichte über die Entwicklung der Dinge in Litauen veröffentlichen. Red.) Rumänien. Bukarest, 15. Dez. Infolge des Eingreifens des Oberkommiffars Nansen, der von Lucien Wolf über die Sachlage unterrichtet worden war, hat die rumänische Regierung ihre Verfügung auf Deportation von 40000 ukrainischen Flüchtlingen inBeßarabien zurückgenommen. Grrgtanv. IRontefiores Abfchied- London, 15. Dez. In der letzten Sitzung der Anglo Jewish Association hielt Claude Montefiore, der bekannte Vorkämpfer des liberalen Judentums in England, der seit mehr als einem Vierteljahr, hundert an der Spitze dieser englischen Schwestergesellschaft der Alliance Jsraelite Universelle steht, seine Abschiedsrede. Montefiore will sich seines Alters wegen entlasten. Der Chief Rabbi, Dr. Gaster, Philipp Magnus und Stuart Samuel würdigten in herzlichen Ansprachen die Verdienste Montefiores um das Hilfswerk der Gesellschaft. Man muß zugeben, daß die bekannteste von der Association erhaltene Schule, die Eveline von Rothschild-Mädchenschule in Jerusalem, immer im orthodoxen Geiste geführt worden ist und daß Montefiore niemals Versuche gemacht hat, die Leitung in liberalem Sinne zu beeinflussen. Untästtna. Lin großes Bankunternehmen für PaläRina. Wew-KorL, 7. Dezember. Die Br and eis-Gruppe hat geweinsam mit dem Londoner Economic Couctl .£30000.—, das Joint Dtstrib ution Komitee und die Jka^ 70000.— zur Verfügung -gestellt, rzm mit einem Kapital von £ 100.000.— eines;»Kredit- und Genoss ens chaftsbank für Palästina ins Leben zu rufen. Einroanöererfiirforge in 0re? Jisroel, London, 9. Dezember. Auf Anregung der Regierung hat sich ein gemischtes Komitee gebildet, das den Jmigranten materielle und ideelle Hilfe leisten soll, bis sie sich mit den Lebensbedtngungen in Palästina vertraut gemacht und eine wirtschaftliche Position gefunden haben. Vorsitzender ist der Zivil-Sekretär der Palästinensischen Regierung, D eedes. Die Mitglieder sind zum größten Teil Juden. Das Komitee hat bereits eiye MöHere. Zahl vori sinanziellen ZuwenduWaMpfcistgen. Es Patronate des: Oberkommiffars. '' 5,0 r :!

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