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Der Israelit · 1921-12-22 · Heft 51 (22.12.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 51 (22.12.1921)
Date
1921-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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33. Dezember Hfl _, seit Jahren im Dienste stehenden Beamten ohne Prüfung von Schuld und Umständen ist es nicht getan. Es wird bekannt, daß Herr Ster sich wiederholt darüber beschwert hatte,- daß ihm die Fleischer den freien Zutritt zu den Fleischwerkstätten versagten und ihn so an der Ausübung seines Aufsichtsamtes verhinderten. Der Vorstand hat Sters Forderungen, die dahin gingen, ihm die für seine Aufsichtstättgkeit unentbehrlichen Machtmittel in die Hand zu geben, nicht erfüllt. Mit welchem Rechte kann er jetzt die ganze Schwere der Verantwortung für die etngerissenen Nebel auf den Mann wälzen, dessen Hand er nicht gestärkt hat? Möglich, daß Herr Ster nicht die nötige Kraft und Energie für diese Aufgabe besitzt. Dann wäre cs Pflicht der Gemeindeverwaltung gewesen, zu erwägen, wie der in jüdisch-wissenschaftlicher, pädagogischer und religiöser Hinsicht bewährte Mann anderweitig im Dienste der Gemeinde zu beschäftigen sei. Die bedingungslose Entlassung und die ganze Art der Behandlung des Falles stellt einen Willkürakt dar, der einer Großgemeinde zum mindesten unwürdig ist. Die Rabbiner-Konferenz in Mlna. Wilna, 28. November. Vierte Sitzung. Vorsitzender ist Rabbi Grodzenski. Auf der Tagesordnung steht die Frage der Lehrerkurse. Es entwickelt sich eine Debatte darüber, ob der Sitz der Lernkurse in Wilna oder in einer kleineren Provinzstadt sein soll. Es wird schließlich eine Resolution angenommen in dem Sinne, daß der vom Hilfskomitee unternommene Versuch zur Bildung der Lehrkurse mit Freude begrüßt wird. Das Komitee wird bevollmächtigt, die Institution zu erweitern, unter dem Gesichtspunkte, daß die Kurse Sache des Klall und nicht einer Partei ist. Die Bestimmung des Ortes wird der Entscheidung der Erziehungskommission überlassen. Nach Beratung finanzieller Fragen werden folgende Beschlüsse gefaßt: Die Rabbiner letten in ihren Gemeinden und deren Umgebung Sammlungen für die Jeschiwaus ein. Ein Aufruf zu Gunsten der Chedarim und Jeschtwaus soll an die verschiedenen Hilfsstellen in Amerika ergehen. Das Hilfskomitee nimmt jede Gelegenheit wahr, die sinanzielle Basis der Lehranstalten zu stärken. Ein großer Teil der versammelten Rabbiner bringt den schriftlichen Antrag ein, der Vorsitzende, Rabbi Grodzenski, möchte in eigener Person baldigst zum Zwecke der Propaganda für die Thoraanftalten in Litauen nach Amerika reisen. Der Antrag ruft allgemeine Zustimmung hervor. Rabbi Grodzenski behält sich die Entscheidung noch vor. Die Beschlüsse auf dem Gebiete der Sabbat- Heiligung und Hebungder Familienreinheit werden von einer eigens gewählten Redaktionskommission ausgearbeitet und in der Form von Aufrufen den Rabbinern und der Presse zu« gestellt. Zum Schlüsse bittet noch der „C h o f e z Ch aj im", es mit der von ihm angeregten Sammlung aller Gesetzestreuen nicht bei Worten bewenden zu lassen, worauf die Mitglieder in ihrem größten Teile ihren Anschluß an die A gudas Jtsroel in Litauen erklären, sowie ihre Bereitschaft, in ihren Gemeinden Aguda-Ortsgruppen zu gründen. In der Schlußsitzung am Donnerstag wird die Gründung des geplanten Rabbiner-Vereins beraten und beschlossen, eine Kommission mit der Zusammenstellung des nötigen Materials zu betrauen. Mit herrlichen Schlußreden des Vorsitzenden und des „Chofez Chajtm" wurde die Konferenz geschlossen, nachdem der Rabbiner aus Rakow den Dank der Versammlung an die Leitung ausgedrückt hat. ..Der ArraeM._^ Die Leistungen der ostjüdisthen Weiter in Deutschland. Die antisemitische Presse beschäftigt sich mit Vorliebe mit der angeblichen Nichtetgnung und dem Ntchtwollen des Juden zur körperlichen Arbeit. Insbesondere den in Deutschland weilenden Flüchtlingen wird immer wieder vorgeworfen, daß sie sich nicht produktiv in das deutsche Wirtschaftsleben eingefügt haben. Da ist es besonders interessant, die Zusammenstellung einer Anzahl Zeugnisse von Arbeitgebeiseite zu lesen, die von dem „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands", zusammengestellt worden ist. Bereits früher hat das Ar'beiterfürforgeamt derartige Zeugnisse veröffentlicht. Die uns jetzt vorliegenden stammen alle aus den letzten Monaten und beweisen klar und eindeutig, daß es dem Arbeiterfürsorgeamt gelungen ist, ostjüdische Flüchtlinge in größerer Anzahl dem deutschen Wirtschaftsleben produktiv einzugliedern und daß diese Leute sich im allgemeinen überraschend gut bewährt haben auf den verschiedensten Posten der deutschen Wirtschaft. Selbst so schwierige und dem Ostjuden im allgemeinen so fremde Arbeiten, wie die Arbeiten in der Landwirtschaft, wo größere Massen ostjüdtscher Arbeiter ausgenommen wurden, sind von diesen gut bewältigt worden. Natürlich liegen auch andere Aeußerungen vor. Auch Mißerfolge sind vorgekommen, Unwillige und Ntchtgeeignete haben nach kurzer Tätigkeit ihre Arbeit einstellen müssen. Die Zahl derer, die sich nicht bewährt haben, ist jedoch verschwindend gering gegenüber der großen Masse derjenigen, die sich gut, arbeitsam und fleißig dem deutschen Wirtschaftsleben einfügten. Besonders interessant ist eine Anzahl Zeugnisse über Lkhclinge und Volontäre in Hoch- und Tiefbauarbeiten, von Schlossern, von Maschinenfabriken, von Baugeschäften usw. Die Arbeitsfreudtgkeit der jungen Leute wird in allen Fällen lobend hervorgehoben. Könnte man somit die vorher gekennzeichnete Art der antisemitischen Hetze als endgültig widerlegt bezeichnen, so muß beachtet werden, daß diese Presse, der es ja nie auf Logik ankam, auch andere Seiten aufzuziehen versucht. Die Tatsache, daß es dem Arbetterfürsorgeamt gelungen ist, diejenigen Flüchtlinge, die zurzeit Deutschland nicht verlassen können (bekanntlich sind durch die Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamtes über 50000 Flüchtlinge aus Deutschland in die eigentlichen Emigrationsländer oder in die Heimat zurückgebracht worden), in überwiegender Mehrzahl dem deutschen Wirtschaftsleben schadlos einzugliedern, sie gerade dort unterzubringen, wo keine Arbeitslosigkeit herrschte, wo im Gegenteil Arbeiter gebraucht wurden, insbesondere in den Bergbaugebieten, in der Schwerindustrie, in der deutschen Landwirtschaft, diese Tatsache wird benutzt, um die Behauptung aufzubrtngen, der rftjüdtsche Arbeiter nehme der deutschen Arbeiterschaft das Brot weg. Die Sinnlosigkeit dieser Behauptung liegt auf ter Hand. Der oftjüdische Arbeiter, der in Deutschland schaffend wirk, bildet nur einen geringen Prozentsatz aller in Deutschland tätigen Ausländer. Es ist nur zu bezeichnend, daß jetzt dem ostjüdischen Flüchtling auch schon seine Arbeitssreudigkeit und seine Arbeitsleistung von derselben Seite zum Vorwurf gemacht wird, die ihn sonst immer als unproduktives und schädliches Element darstellte. Da ist es besonders erfreulich und lobenswert, eine zweite Zusammenstellung des Arbeiterfürsorgeamtes zu lesen,die ebenfalls vorliegt. In dieser Zusmmenstellung sind die Meinungen der berufenen Vertreter der deutschen Arbeiterschaft, der verschiedensten Gewerkschaften gerade aus den Gebieten wtedergegeben, in denen oftjüdische Arbeiter in größerer Zahl tätig sind. Aus den Aeußerungen ter Gewerkschaften geht klar hervor, daß der ostjidtsche Arbeiter sich dem deutschen Arbeiter gegenüber anständig und kolle gial verhält, daß er nicht lohn drückend wirkt, daß No. 51 Sette 5 er durchaus kein unkulturelles Element darstellt, und daß das Verhältnis zwischen ihm und den in der gleichen Arbeitsstelle Beschäftigten ein durchaus gutes und zufriedenstellendes ist. Mit besonderer Schärfe wenden sich einzelne Aeußerungen der Gewerkschaften dagegen, daß dem ostjüdischen Arbeiter vorgeworfen würde, er vergrößere die Arbeitslosigkeit oder vermehre die Wohnungsnot. Die in praktischer Arbkit nationalökonomisch geschulten Vertreter der deutschen Arbeiterschaft weisen diese lächerlichen Behauptungen klar und unzweideutig zurück. Bet dieser Gelegenheit muß darauf hingewiesen werden, daß das wichtige und produktive Hilfswerk des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands dringend weitere r M t t t e l gebraucht. In der heutigen Nummer unseres Blattes erscheint ein Ausruf, der von den Vertretern der größten jüdischen Organisationen Deutschlands gezeichnet ist. Wir hoffen und wünschen, daß dieser Aufruf in den Kreisen der deutschen Judenheit gebührende Beachtung findet, damit das segensreiche Hilfswerk des Arbeitersürsorgeamtes wertergesührt werden kann. (Stehe auch Wochenrundschau). - Korrespondenzen u. Nachrichten. Deutsches Reich. Bund jüdifcher Hftädemiher- Merlin, 12. Dez. Der „Bund jüdischer Akademiker" (B. I. A.) bereitet für die Zeit vom 25.—28. Dezember in Halberstadt seinen Bundestag vor. Wie bekannt, ist der B. I. A. die einzige Organisation der jüdischen Akademiker auf der Basis des gesetzestreuen Judentums, der es im Laufe von fast 2 Jahrzehnten gelungen ist, die gesetzeslreum Studenten aller jüdisch-politischen Richtungen zu organisieren. Mehr als 600 Akademiker haben sich ihm angeschlossen. Erst kürzlich wurden an den Universitäten Wien und Erlangen neue Bundesvereinigungen gegründet. Der jetzt geplante und m. G. H. an den Chanukkatagen statifindende Bundestag soll nicht nur die von allen Teilen des Reiches herbeieiienden Bundesbrüder zu gemeinsamer Beratung und zum geselligen Beisammensein vereinen - er soll darüber hinaus sich in den Dienst der jüdischen Wissenschaft stellen. Es sollen eine Reihe von Themata ans den verschiedensten Gebieten der jüdischen Wissenschaft zur Verhandlung gelangen. Ein talmudisches, ein religiosphilosophnches, ein naturwissenschaftliches un d ein juristisches Thema sind in Aussicht genommen und durch glückliche Wahl geeigneter Referenten, sowie durch gründliche wissenschaftliche Vorarbeiten in den Bundesvereintgungen ist die Hoffnung begründet, daß die wissenschaftliche Tagu-.g als ein Novum des jüdisch-wissenschaftlichen Lebens, einen der jüdischen Wlssenschrft und des B. I. A. würdigen Verlauf nimmt, daß vor allem die junge Sludentengeneration Belebung und Anregung zu weiterer selbständiger wissenschaftlicher Arbeit im Sinne unserer Thauro erhält. Es werden sprechen: Dr. Meier M un k- Berlin: „Die zehn Sefiroth als Fundament jüdischer Weltanschauung", Dr. Oskar Wolfsberg-Berlin: „Der Ncovitalismus", Dr. Eduard Bib erfe ld- Berlin: „Pschat und Drasch", Dr. Markus Cohn-Basel: „Die Neberwtndung des Rechts als Idee des jüdischen Rechtssystems". Die Veranstaltungen des wissenschaftlichen Teils werden ebenso wie die des geschäftlichen Teils nicht öffentlich sein. Jedoch werden besonders Interessierte bei mündlicher Meldung beim Präsidium zu ihnen zugelassen werden.

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